Shell-Jugendstudie

Der Erdölmulti Shell legte seine in Zusammenarbeit mit mehreren Universitäten erstellte aktuelle Jugendstudie vor. Der Untersuchung zufolge setzt sich die tiefe Spaltung der deutschen Gesellschaft auch in die Jugend hinein fort. Nur 40 Prozent der Jugendlichen aus sozial schwachen Verhältnissen glauben an eine bessere Zukunft für sich – der Durchschnittswert liegt hier bei 70 Prozent. Die sozialen Unterschiede zeigen sich in der Studie auch beim politischen Interesse der Jugendlichen. Dieses liegt zwar weiterhin auf sehr niedrigem Niveau, verzeichnet aber offenbar eine Tendenz nach oben: Mehr als jeder Dritte (37 Prozent) gibt laut der Studie an, politisch interessiert zu sein. 2002 waren es noch 30 Prozent der Befragten. Vier von zehn Jugendlichen sind eigenen Angaben zufolge unzufrieden mit der deutschen Demokratie.

Arbeitslose Jugendliche äußern sich indes deutlich stärker ablehnend – ein Phänomen, das die Forscher bereits aus früheren Studien kennen. Von allen befragten Jugendlichen vertraut nach wie vor eine Mehrheit in Institutionen wie die Polizei, die Gerichte und auch die Bundeswehr. Allerdings lehnen die meisten Auslandseinsätze der Bundeswehr ab. Hier ist die Stimmung umgeschlagen – noch 2002 äußerte fast die Hälfte (46 Prozent) aller Befragten ihre Zustimmung für eine Beteiligung an internationalen Einsätzen, bei der aktuellen Befragung lag der Zustimmungswert bei 37 Prozent. Der Bundesregierung, Politikern und Kirchen sowie der Wirtschaft und den Finanzmärkten stehen die jungen Menschen vorwiegend skeptisch gegenüber. Eher als sich in einer Partei zu engagieren, könnten sich Jugendliche vorstellen, sich einmal an einer Unterschriftenaktion zu beteiligen oder zu demonstrieren. Vier von zehn Jugendlichen sind außerdem oft vor Ort sozial engagiert – aber auch hier sind Aktivität und Engagement bildungs- und schichtabhängig. Der an der Untersuchung führend beteiligte Bielefelder Soziologe Albert sieht ein „unglaublich großes schlummerndes politisches Aktivitätspotenzial” der nachwachsenden Generation. Die Jugend sei nicht politikverdrossen. “Der auch weiterhin spürbare Vertrauensverlust richtet sich vielmehr an die Parteipolitik und deren Repräsentanten.“

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