Hoffmann zur Souveränitätskonferenz

Die am 22.11.2014 vom Compact-Magazin in Berlin organisierte Souveränitätskonferenz war ein voller Erfolg.
Sieht man einmal davon ab, dass ein französischer Referent, der an und für sich seine Rede inhaltlich spannend und rhetorisch meisterhaft vortrug, fatalerweise versäumte, angemessene Pausen zur Simultanübersetzung einzuräumen, so muss allen Referenten ein hohes Maß, nicht nur an rednerischer Perfektion, sondern auch an vermittelter Glaubwürdigkeit zugestanden werden.

Jürgen Elsässer übertraf sie alle und sich selbst. Sein Vortrag war emotional aufgeladen und wie der frenetische Beifall bestätigte, mitreißend und überzeugend reden kann er, das müssen ihm seine schlimmsten Neider lassen. Darüber, ob er die gegenwärtige Linie nun endgültig für alle Zeiten beibehalten wird, oder ob da nochmal ein Schwenk kommt, kann man orakeln. Derzeit hat er jedenfalls recht mit dem, was er zum Verhältnis Westeuropas zu Russland sagt.

Das Thema Frieden, ja mehr noch Freundschaft mit Russland zog sich wie ein roter Faden durch die von anspruchsvollen musikalischen Einlagen begleitete Veranstaltung.

Für mich persönlich waren die Ausführungen zum Völkerrecht von Prof. Schachtschneider das Interessanteste. Er verstand es, uns allen zu erklären, wie die Geschehnisse in der Ukraine völkerrechtlich korrekt zu bewerten sind. Sein Vortrag war für mich eine bedeutende Bereicherung.

Sehr gespannt war ich, als Egon Bahr ans Mikrofon ging. Und ich gestehe, dass mich sein Redebeitrag beindruckt hat.

Egon Bahr war mir aus der Zeit der Ostverträge ein Begriff. Damals ärgerte er mich mit seiner Wortkargheit. Wenn er von den Verhandlungen aus Moskau zurückkam, gelang es keinem Journalisten, irgendetwas Konkretes aus ihm herauszubringen. Dazu kam, dass ich seinerzeit die Ostverträge prinzipiell ablehnte. Ich konnte es nicht verstehen, dass man die ganz offensichtlich in Schwierigkeiten steckende DDR stabilisierte. Ich hätte lieber den wirtschaftlichen Zusammenbruch und damit den totalen Crash des DDR Regimes gesehen. Vielleicht lag das auch daran, dass man die Beweg- und Hintergründe der Verhandlungen geheim hielt. Bahr und Kollegen betrieben Geheimdiplomatie reinsten Wassers. Vielleicht war das notwendig, aber damals führte es zu Unverständnis und Ablehnung.

Heute sehe ich die Arbeit Egon Bahrs, besonders jetzt nach seinem Redebeitrag in Berlin, der auf die damaligen Ost-Westverhandlungen abhob, in einem anderen Licht und ich zolle ihm Achtung.
Egon Bahr hatte sich schon zu Anfang der siebziger Jahre für den Ausgleich mit Russland eingesetzt, wozu wir damals noch nicht bereit waren. Wenn ich „wir“ sage, dann meine ich die, zwangsläufig antikommunistisch gewordenen Geschädigten des DDR Regimes.

Doch die Zeiten ändern sich und wer nicht borniert von dogmatischen Prinzipien beherrscht ist, ändert auch seine Ansichten. So ist beispielsweise die weit überwiegende Zustimmung zur Freundschaft mit Russland in rechten Kreisen ein beachtliches Phänomen.

Wenn erst einmal die Bereitschaft vorhanden ist, unbrauchbare Gedanken von gestern zugunsten neuer von heute und morgen über Bord zu werfen, kann man Hoffnung auf eine wachsende Einsichtsbereitschaft in mancherlei Hinsicht haben.

Mögen sich die Compact-Veranstalter auch weiterhin behaupten, der latent lauernden Gefahr opportunistischer Anfechtungen widerstehen und den Mut zur Wahrheit nicht aus den Augen verlieren.

Karl-Heinz Hoffmann

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