Wie Deutsch­land geteilt wurde. Lek­tio­nen für die Ukraine

West­liche Natio­nen haben ihre Unter­stützung des neuen Nach-​Putsch-​Regimes von Kiew mit der Behaup­tung gerecht­fer­tigt, dass sie ver­hin­dern wollen, dass Rus­s­land die Ukraine als ein­heitlichen Staat zer­stört. Allerd­ings ist es immer offen­sichtlicher, dass es in Wirk­lichkeit Wash­ing­ton, Brüs­sel, Bonn und jetzt Warschau sind, die die ukrainis­che Zer­stück­elung herbeiführen.

Der Sprecher des pol­nis­chen Par­la­ments, Radek Siko­rski, begann vor kurzer Zeit eine zweifel­hafte Geschichte über ein Gespräch von 2008 zwis­chen Polens früherem Min­is­ter­präsi­den­ten Don­ald Tusk und Vladimir Putin in Umlauf zu brin­gen, in dem Putin vorgeschla­gen habe, dass Tusk sich den Abbruch der Ukraine genau über­legen sollte. Nach­dem Tusk sich sorgfältig von dieser unan­genehmen Infor­ma­tion zurück­ge­zo­gen hatte, rud­erte Siko­rski zurück und behauptete, dass er falsch ver­standen wor­den wäre. Aber die Polen brauchten dieses Manöver, um ein Gefühl dafür zu bekom­men, wie Europäis­che poli­tis­che Insider woll­ten, dass Warschau die Zukunft der Ukraine sähe.

Es wäre für ukrainis­che Patri­oten nüt­zlich zu beachten, dass der Westen nach dem zweiten Weltkrieg umfan­gre­iche Erfahrung im Abbruch eines Staates gewon­nen hat – eines Staates, der viel mächtiger und gut ver­ankert war, obwohl er eine mil­itärische Nieder­lage erlebt hatte. Dieser Staat war Deutsch­land. Da Deutsch­land derzeit für die amerikanis­che Hal­tung als Cheer­leader [Pom­pon Girl] in der ukrainis­chen Frage dient, kön­nte es ganz nüt­zlich sein, einen Blick auf Berlins Erfahrun­gen in dieser Zeit zu wer­fen. Kön­nte die Rolle Deutsch­lands in der Pla­nung für die Spal­tung der Ukraine vielle­icht eine Rache für die Nieder­lage von 1945, wenn auch in kleinerem Maßstab, sein?

Als die Frage über die Zukunft Deutsch­lands zum ersten Mal auf der Kon­ferenz von Teheran im November-​Dezember 1943 gestellt wurde, sprach Joseph Stalin, der Leiter der sow­jetis­chen Del­e­ga­tion, zugun­sten der Erhal­tung der Integrität des deutschen Staates, selbst nach der Nazi-​Niederlage.

Als die Staatsmän­ner der UdSSR, der USA und von Großbri­tan­nien nach dem zweiten Weltkrieg auf der Kon­ferenz von Jalta im Feb­ruar 1945 Deutsch­lands Charta mit Schwierigkeiten aus­gear­beitet hat­ten, erkan­nten sie die Notwendigkeit der «kom­plet­ten Abrüs­tung, Ent­mil­i­tarisierung und Zer­stück­elung Deutsch­lands als gebührende Voraus­set­zung für den zukün­fti­gen Frieden und Sicher­heit ». Allerd­ings, selbst auf der Pots­damer Kon­ferenz (Juli-​August 1945) war die endgültige Tren­nung von Deutsch­land noch nicht eine aus­gemachte Sache. Die Alli­ierten einigten sich auf ein Sys­tem einer vierteili­gen Beset­zung von Deutsch­land, mit dem Ziel der Ent­mil­i­tarisierung und Demokratisierung; Es wurde auch beschlossen, dass «während der Zeit der Beset­zung, Deutsch­land als wirtschaftliche Ein­heit behan­delt wer­den sollte». Es war geplant, dass während der Besatzung die ober­sten Kom­man­dan­ten der Stre­itkräfte der UdSSR, USA, UK und Frankre­ich, jeder in seiner eige­nen Besatzungszone, die ober­ste Autorität ausüben würde. Und in Sachen die Deutsch­land als Ganzes betr­e­f­fen, müssten Sie als Mit­glieder des Kon­troll­rates zusammenarbeiten.

Konzen­tri­eren wir uns auf diesen let­zten Punkt: ein Kon­troll­rat wurde geschaf­fen — eine ein­heitliche Auf­sichts­be­hörde aus den Alli­ierten Mächten beste­hend — und wenn ihre Mit­glieder zusam­men gear­beitet hät­ten, hätte diese Insti­tu­tion leicht die poli­tis­che, wirtschaftliche und ter­ri­to­ri­ale Integrität des Nachkriegs­deutsch­lands bewahren kön­nen. Die Autorität der Kontroll-​Behörde war im wesentlichen unbe­grenzt — inner­halb des beset­zten Lan­des erließ der Rat Gesetze, Anord­nun­gen, Richtlin­ien und andere Rechtsin­stru­mente, die die Arbeit der Ver­wal­tungs­be­hör­den in den Alli­ierten Besatzungszo­nen leit­eten und das öffentliche Leben regelten.

All dies war jedoch nur möglich, wenn jeder einzelne der Alli­ierten einen wahren guten Willen gezeigt, und eine gemein­same Per­spek­tive im Hin­blick auf die Zukunft dieses Lan­des, das eine mil­itärische Nieder­lage erlit­ten hatte, geteilt hätte, das jedoch Hoff­nung auf eine vielver­sprechende Zukunft bewahrte. Der in Pots­dam aus­ge­han­delte Mech­a­nis­mus um Entschei­dun­gen zu tre­f­fen, welche die ein­stim­mige Unter­stützung aller vier Vertreter der Besatzungsmächte ver­langte, sollte helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Mehrere wichtige Entschei­dun­gen des Kon­troll­rates, die den Ver­lauf der Entwick­lung Deutsch­lands nach dem Krieg bes­timmten, waren Ende 1945 fer­tiggestellt wor­den. Beispiel­sweise sind Gesetze erlassen wor­den, um die Ent­naz­i­fizierung und Demokratisierung sowohl der Gerichts­barkeit und der Jus­tizver­wal­tung zu gewährleis­ten, als auch um die alten Nazi-​Gesetze abzuschaf­fen. Die Geset­zge­bung sollte unter anderem auch die Demil­i­tarisierung Deutsch­lands und die Bestra­fung von Per­so­nen, die Kriegsver­brechen oder Ver­brechen gegen Frieden und Men­schlichkeit began­gen hat­ten, bew­erk­stel­li­gen. Trotz der Auseinan­der­set­zun­gen wur­den diese Entschei­dun­gen erfol­gre­ich aus­ge­han­delt, die den Glauben an die Zukunft dieses Joint-​Management-​Systems für Deutsch­land erlaubten, aber die Arbeit des Kon­troll­rates und anderer admin­is­tra­tiver, rechtlicher und wirtschaftlicher Ein­rich­tun­gen schien allmäh­lich außer Kon­trolle ger­aten zu sein.

Beispiele für all­ge­mein ver­ständliche Vere­in­barun­gen mit viel weniger Kon­sens wur­den jedoch immer sel­tener, als man zu den großen Fra­gen der men­schen­würdi­gen Lebens­be­din­gun­gen für die deutsche Öffentlichkeit kam. Ein Mit­glied des Kon­troll­rates aus der UdSSR, Chef der sow­jetis­chen Mil­itärver­wal­tung, Marschall Georgi Schukow erin­nerte: „Das amerikanis­che und britis­che Ver­wal­tungsper­sonal des Kon­troll­rates wurde wie auf ein Stich­wort, plöt­zlich weniger ent­ge­genk­om­mend in allen Fra­gen… Es wurde immer schwieriger, einen Weg für die Bei­le­gung von Stre­it­igkeiten zu finden, vor allem, als wichtige Prob­leme disku­tiert wur­den. Dazu zählten: Aus­rot­tung des mil­itärischen und wirtschaftlichen Poten­zials des deutschen Mil­i­taris­mus, die Ent­waffnung von Mil­itärein­heiten, und die entschei­dende Aus­rot­tung des Faschis­mus und die Besei­t­i­gung jeder Art von Nazi-​Ordnung in den von Eng­land und den Vere­inigten Staaten kon­trol­lierten Besatzungszonen“.

Der Marschall hatte seinen Fin­ger auf die Wunde gelegt: die Sow­je­tu­nion und die West­al­li­ierten besaßen diame­tral ent­ge­genge­set­zte Posi­tio­nen. Mehr als jedes andere Land suchte die Sow­je­tu­nion, — ein Land, das die destruk­tive Macht des Drit­ten Reiches aus erster Hand erlebt hatte, — die lokale Umge­bung ihrer Zone per­ma­nent zu verän­dern, um die Wieder­bele­bung des Mil­i­taris­mus oder Nation­al­sozial­is­mus zu ver­hin­dern. Näm­lich durch die Erstel­lung der richti­gen Umge­bung, durch demokratis­che Umwand­lung, um für das deutsche Volk einen friedlichen, wirtschaftlich sta­bilen Staat zu schaf­fen. Die west­lichen Län­der hat­ten ganz andere Ziele. Zunächst hofften sie, dass die mil­itärische Nieder­lage Deutsch­lands dessen Ende als zukün­ftige wirtschaftliche Konkur­renz bedeuten würde. Zweit­ens betra­chteten die Vere­inigten Staaten dieses Land von Anfang an als einen riesi­gen Markt, reif für die Aus­beu­tung durch amerikanis­ches Großkapital.

Marschall Schukov notiert ein Detail in seinen Mem­oiren: 5 Mil­lio­nen Ton­nen flüs­si­gen Stahls reichten aus, um Deutsch­lands Nachkriegs-​Bedürfnisse zu stillen, aber die Alli­ierten bestanden darauf das Kontin­gent zu ver­dop­peln. Mit eini­gen Schwierigkeiten und nach tage­lan­gen Ver­hand­lun­gen legten sie die obere Grenze auf 8 bis 9 Mil­lio­nen. „Aber für sie hatte der Sinn davon nichts mit den Bedürfnis­sen des deutschen Volkes zu tun, son­dern mit der Erhal­tung des mil­itärischen und wirtschaftlichen Poten­zials der west­lichen Regio­nen Deutsch­lands“ schreibt Schukow. Diese Poli­tik hat beson­ders zynis­che Obertöne, wenn man bedenkt, dass im Gegen­satz zu dem west­lichen Teil des Lan­des, wo der Großteil des Stahls ver­hüt­tet wurde, die östlichen Regio­nen — die sow­jetis­che Besatzungszone — in Ruinen lag.

Die gle­ichen Ziele – näm­lich um das wirtschaftliche und mil­itärisch wirtschaftliche Poten­zial von den west­lichen Besatzungszo­nen zu erweit­ern — kön­nten in den Ver­suchen der ehe­ma­li­gen Ver­bün­de­ten der UdSSR gese­hen wer­den, um Indus­triean­la­gen außer Acht zu lassen, die laut den Pots­dam Vere­in­barun­gen nicht notwendig waren, um Deutsch­lands Frieden­szeit Bedürfnisse auf dem von den Alli­ierten ver­han­del­ten Niveau zu hal­ten, und die daher entweder zer­stört oder als Repa­ra­tionsleis­tung beschlagnahmt hät­ten wer­den sollen. 1947 waren mehr als 450 mil­itärische Anla­gen der britis­chen und amerikanis­chen Zonen von der Liste verschwunden.

Mit Blick auf eine kün­ftige Kon­fronta­tion mit der Sow­je­tu­nion sahen die west­lichen Mächte den vor kurzem besiegten Feind, als eine poli­tis­che und mil­itärische unvorherge­se­hene Kraft, die bewahrt wer­den sollte. Die West­al­li­ierten kön­nten es selbst so weit treiben, um das Per­sonal und die mil­itärische Aus­rüs­tung von mehreren großen Wehrma­cht Ein­heiten zu ver­wen­den, um ihre Ziele zu verfolgen.

Die unbe­stre­it­bare his­torische Tat­sache bleibt, dass es der Westen — nicht die Sow­je­tu­nion — war, der die Tren­nung von Deutsch­land anführte.

Anglo-​amerikanische Ver­wal­tung Büros wur­den seit Sept. 1946 ein­gerichtet, die eigen­ständig han­del­ten, um Wirtschaft, Ernährungs-​Versorgung, Land­wirtschaft, Trans­port, Finanzen und Kom­mu­nika­tion zu ver­wal­ten. Am Ende dieses Jahres zogen die West­al­li­ierten zunächst die amerikanis­chen und britis­chen Besatzungszo­nen in eine Zweier-​zone zusam­men, und annek­tierten dann auch die franzö­sis­che Besatzungszone, um eine Dreier-​zone zu bilden. Es wurde ein Wirtschaft­srat für diese vere­inte Wirtschaft geschaf­fen, so wie die Bank Deutscher Län­der, die im Juni 1948 begann, die neue Deutsche Mark auszugeben, die dann in den west­lichen Besatzungszo­nen in Umlauf kam. Im April 1949 wur­den die Gesetze abgeschafft, die Indus­triesek­toren ver­boten hat­ten und der Abbau der Mil­itär­pro­duk­tion wurde eingestellt.

Die Berlin-​Krise 1948, die die Kon­fronta­tion zwis­chen den ehe­ma­li­gen Alli­ierten schnell erhöhte, entwick­elte sich zu einem kalten Krieg, der der Todesstoß für jede Hoff­nung war, um einen deutschen Ein­heitsstaat zu bewahren. Im Mai 1949 wurde die Grün­dung der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land verkündet.

Offen­sichtlich haben die West­mächte eine große Erfahrung mit der Auf­s­pal­tung eines ein­heitlichen Staates und der Erstel­lung eines anderen, aus den resul­tieren­den Frag­menten. Es ist inter­es­sant – ver­gisst Kiew wirk­lich blin­d­lings die Möglichkeit, dass der Westen die Ukrainis­chen Ressourcen dort nutzen will, um neue Staats-​Entitäten zu erstellen, — oder wen­den sie nur ihren Blick von diesen Plä­nen ab?

Voltairenet

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