Christkind in MultiKulti-Land

von Jürgen Elsässer

Eigentlich ist Weihnachten schon seit Jahrzehnten weitgehend zur Kommerzorgie verkommen. Deswegen fällt den wenigsten auf, dass der wichtigste christliche Feiertag jetzt in Gefahr steht, ganz zu verschwinden. Gehen Sie mal durch die Kaufhäuser und werfen Sie einen Blick auf die Weihnachtsartikel. In den Schoko- und Marzipanabteilungen steht auf den Grußkarten meist nur noch „Frohes Fest“. Überall sieht man den fetten Santa Claus, daneben Renntiere, Schlitten, Pinguine und Eichhörnchen, jede Menge Schnee und Eis – aber kaum noch Engel und Jesuskind. Ein bekanntes bayrisches Brauhaus hat ein „Winterfestbier“ herausgebracht – als habe dort die SED die Geschäftsführung übernommen, die auch durch Umbennenungen die religiösen Feiertage vergessen machen wollte. Eines der bekanntesten Berliner Einkaufszentren hat im Eingangsbereich keinen geschmückten Tannenbaum aufgestellt, sondern einen überlebensgroßen Buddha.

Die Umerziehung wird auch über die politische Ebene betrieben. So hat die Stadtverwaltung im altehrwürdigen Oxford 2008 den Begriff „Christmas“ verboten und im amtlichen Sprachgebrauch dafür „Winter-Light-Festival“ vorgeschrieben. Die EU-Kommission hat drei Millionen Schülerkalender drucken lassen, in denen weder Weihnachten, noch Ostern vermerkt sind. Stattdessen finden sich darin Hinweise auf den islamischen Fastenmonat Ramadan, das Lichterfest der Sikhs und Hindus oder das chinesische Neujahr. In Hamburg hat der Senat im September 2012 die drei höchsten moslemischen Feiertagen dem Reformationstag und Buß- und Bettag gleichgestellt. In Berlin-Kreuzberg gab es letztes Jahr keinen Weihnachts-, sondern einen Weihnukka-Markt, also die Verschmelzung des christlichen Gedenkens mit dem jüdischen Lichterfest Chanukka. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit lobte das als „gute Idee“. Kein Wunder, dass Berlin auch in Puncto Beschneidung vorgeprescht ist, ohne auf eine bundeseinheitliche Regelung zu warten.

Den Minderheiten will der Staat die Befolgung ihrer Gebräuche leichter machen, während das Fundament der Mehrheitsgesellschaft vom US-Schund immer stärker unterspült wird, ohne dass der selbe Staat Dämme baut. So konnte Halloween mittlerweile das gleichzeitige Erntedankfest fast vollständig verdrängen. Und während sich kein Politiker – was nur richtig ist! – erlauben würde, den Koran oder die Thora zu verspotten, sind gegenüber Bibel und Papst alle Zoten erlaubt. Man bedenke: Die Blasphemie von Pussy Riot war den Honoratioren der Lutherstadt (!) Wittenberg preiswürdig… Masochistischer geht‘s nimmer.

Gerechtfertigt wird die Abwertung unserer Religion – und die Aufwertung fremder – damit, dass nur so ein gleichberechtigtes Miteinander in einer „multikulturellen“ Gesellschaft möglich sei. Würde das Christentum bevorzugt, müssten sich Juden und Muslime diskriminiert  fühlen. Aber stimmt das überhaupt? Michael Blumenthal, der Direktor des Jüdischen Museums in Berlin, erinnert sich an seine Kindheit im Berlin der 1920er Jahre. „Heiligabend versammelte sich die Familie um den Weihnachtsbaum (…). Dann sangen wir Weihnachtslieder – ‘Oh Tannebaum’, ‘Ihr Kinderlein kommet’ und natürlich auch ‘Stille Nacht’. Darüber hat sich meine jüdische Familie (denn getauft waren wir ja nicht) auch keine weiteren Gedanken gemacht. Das gehörte sich so in einer deutschen Familie (…).“ Besser lässt sich das Positive einer einheitsstiftenden Leitkultur nicht illustrieren. Sie grenzt die Minderheiten nicht aus, sondern schließt alle ein. Die Blumenthals und andere Juden übernahmen diese Kultur, ohne dass sie ihre eigene  verleugnen mussten, weil sie Deutschland als ihre Heimat ansahen. Erst die Nazis zerstörten dieses Miteinander. Warum sollten Einwanderer heute nicht ebenso unsere Sitten pflegen können?

Es geht bei Weihnachten um unser Verhältnis zu Traditionen, die zwar christliche Ursprünge haben, sich aber weit über die Religion hinaus in unsere Lebenswirklichkeit eingeschrieben haben – über Generationen hinweg. Wird dieses historische Band zu Vätern und Vorvätern zerschnitten, werden wir – nicht nur die Deutschen, sondern alle Europäer – im Schmelztiegel der Globalisierung untergehen. Wer also am Heiligabend in die Kirche geht und die „fröhliche, gnadenbringende“ Zeit im Kreise seiner Familie verbringt, tut nicht nur sich selbst etwas Gutes, sondern stärkt auch unsere Leitkultur. Ich bin dabei. Und Sie?

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