Die islamistische Herausforderung als Chance

Über die Ursachen der Erstarkung eines kämpferischen Islamismus in unseren Breitengraden und vor allem in der islamischen Welt wurde schon viel geschrieben, auch von mir. Daß die selbstmörderische Politik des Westens auf expansiv ausgerichtete Bevölkerungsgruppen geradezu einladend wirkt, ist nur eine davon. Wer sich über die zunehmende Radikalität auf muslimischer Seite jetzt wundert, hat zumindest das letzte Jahrzehnt verschlafen. Oder unseren Politikern zuviel aufs Maul geschaut.

Wie der bekannte Islam-Experte Bassam Tibi bin auch ich der Meinung, daß mit Bomben und Distanzierungen oder Strafen allein dem Vormarsch des Islamismus nicht mehr beizukommen sein wird. Zumal dieser, außer auf eine wachsende Anhängerschar und korrupte westliche Weicheier, sich auch auf finanzielle Quellen und das Wohlwollen einflußreicher Persönlichkeiten in der islamischen Welt stützen kann.

Zu diesen Persönlichkeiten zählen nicht nur Scheichs und Prinzen am Golf, sondern auch Politiker wie der ehemalige Eisenbahnminister von Pakistan, Ghulam Ahmad Bilour, der jedem, der den Besitzer von Charlie hebdo tötet, 175.000 Euro verspricht. Ob das die gut behüteten neuen Eigentümer des Blattes, die Rothschilds beunruhigt? Kaum, eher bereitete ihnen eine Abschaffung des Zinseszinses schlaflose Nächte.

Übrigens: derselbe pakistanische Ex-Minister hatte schon einmal 100.000 Dollar Kopfgeld auf einen in den USA lebenden pakistanischen Filmemacher, der ein islamkritisches Video gedreht hatte, ausgesetzt. Daß sich die pakistanische Regierung von diesen Aussagen distanzierte ist praktisch wertlose Pflichtübung und wird nichts am weiteren Vormarsch des Islamismus in diesem Land ändern. Aber dieser islamistische Geist hat ja, wie schon gesagt, auch im Abendland Fuß gefaßt.

Kurz und weniger gut: das Schwert des Islamismus schwebt somit über den „Ungläubigen“. Derselbe für viele bereits identisch ist mit dem Islam als solchen, womit dieser in immer mehr westlichen Augen auch schon das Böse repräsentiert. Obwohl abseits des Islam und der Muslime die unergründliche Realität desselben ganz allgemein kaum mehr als solche thematisiert wird.

Und doch ist dieses Böse mitten unter uns, wenn es auch anders in Erscheinung tritt, ja in mancher Hinsicht bereits verherrlicht wird. Anscheinend sind es aber nur mehr die Religionen, nicht die moderne Vernunft, die dazu noch etwas Wesentliches zu sagen wissen. Eben der Islam auch, aber derzeit, unter anderem, in Gestalt eines mörderischen Islamismus in abstoßender Weise.

Das laizistische Europa hat jedoch weder darauf noch auf Glaubensfragen insgesamt eine den heutigen Erfordernissen gerechte und wirklich überzeugende Antwort oder Alternative parat. Es läßt sich eben nicht alles unter dem Gesichtspunkt der Rationalisierung und Mechanisierung auf die weltliche Schiene heben oder dem Mammon opfern.

Der Laizist als Politiker weicht daher auf reiner Vernunftebene einer auch metaphysischen Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit eher aus. Religion sei Privatsache, heißt es. Der Politiker als Verteidiger eines Glaubensbekenntnisses tut sich da hingegen schwer. Da kommt so mancher in eine Zwickmühle. Aber beide Seiten könnten durchaus einmal auch einer totalitären Versuchung erliegen.

Nun hätte Kenner der österreichischen Parteiengeschichte die Aussage eines freiheitlichen Spitzenpolitikers*, seine Partei sei keine christliche, normalerweise auch nicht weiter überrascht. Nun aber vielleicht doch: Sind uns denn nicht des FP-Bundesobmannes medienwirksame Kreuz-„Show“ und spätes Firmungs-„Event“ noch in guter Erinnerung?

Da kenne sich jetzt einer aus. Ist die neue Positionierung als ein Ausweichen oder Abrücken zu deuten? Wie immer, es wäre zugleich auch ein Rückzug, der einigen roten und „liberalen“ muslimischen Wählern entgegenkommen mag, Islamisten aber kaum gnädig stimmen wird. Diese werden erst recht in ein geistiges Vakuum hineinstoßen und uns auf eigenem Boden herausfordern können, so wir nicht anders als mit materiellen Werten gegenzusteuern vermögen.

Wie nun aber in solcher Lage mit dieser ungewöhnlichen und gefährlichen islamistischen Herausforderung umgehen (und wie mit den vielen anderen Bedrohungen die längst gegenwärtig sind)? Eine Aufgabe für eine Denkwerkstatt. Angesichts der Schande, der sich die Politiker und ihre intellektuellen Zuarbeiter befleißigen und des Elends, das sie uns vorbereiten, scheinen wir ja ziemlich alleingelassen. Und doch, es scheint der Not gehorchend eine Revolte nach Maß unserer Tradition und Kultur in der Luft zu liegen. Sozusagen in der Warteschleife.

Nun denn, wo sind die großen unabhängigen Geister denen nicht nur nach einer solchen und mehr ist, sondern die das ganze heranwachsende Empörungs-Spektrum parteienübergreifend unter einer auf ethischem Fundament ruhenden Menschen- und Weltschau zu bündeln wüßten? Gerade die islamistische Bedrohung sollte eigentlich zu einem solch großen Wurf anspornen.

* Manfred Haimbuchner, Landesobmann der Freiheitlichen OÖ und Vize-Parteichef der Bundes-FPÖ im „Standard“ vom 7.2.2015:“ Nein, wir sind keine christliche Partei. Aber es gibt viele Christen in der FPÖ…“.

Helmut Müller

Quelle

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: