Kann die Welt solchen Deutschen trauen?

Alles ist anders in Kriegszeiten. Die Bestie im Menschen läuft da zur Höchstform auf. In allen Ländern, bei allen Nationen. Wer das Schlachten im Nahen und Mittleren Osten oder in der Ukraine mitbekommt und einigermaßen gebildet und auch noch erinnerungsfähig ist, mag vielleicht in diesem für Deutsche denkwürdigem Jahr auch an die Greueltaten der Alliierten und ihrer Helfershelfer bei Kriegsende denken. Das dazu nötige umfassende Geschichtsbewußtsein scheint vorerst ja noch nicht richtig über den Minderheitenstatus hinauszukommen.

Die Lehrpläne an Schulen haben in dieser Hinsicht ohne Zweifel Nachholbedarf. Auch wenn der Bombenterror gegen Dresden einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht hat. Sieben Jahrzehnte ist es schon her, daß die herrliche Stadt Dresden* beinahe dem Erdboden gleich gemacht wurde, und unwesentlich länger das Leid und die millionenfachen Verbrechen** an Deutschen in diesem furchtbaren Krieg ihren Anfang genommen hatten. Verbrechen, die wahrlich auch die Auszeichnung der Einzigartigkeit verdienten. Und vielleicht auch eine Gedenkminute im Jahr an allen Schulen der mehrheitlich noch von Bürgern deutscher Abstammung besiedelten Staaten.

Nun gibt es in allen zivilisierten Ländern einen Volkstrauertag, aber, mit einer Ausnahme, ausschließlich für die im Kampf gefallenen oder auf der Flucht ermordeten Landsleute. Anders nämlich im besiegten Deutschland wo man, etwa in Berlin, an diesem Tag der Kriegstoten und Opfer der Gewaltherrschaft „aller Nationen“ gedenkt. Daher sollte er eigentlich Völkertrauertag heißen. Aber man will wohl signalisieren: „Wir sind Opfer und Täter zugleich“. Stimmt ja, aber welche Nation, welches Volk ist das nicht? Doch Deutschland liebt seine anerzogene Sonderrolle und ist damit nach wie vor weit entfernt von der anderswo regierenden Normalität.

Die Deutschen haben, wie sich der ehemalige israelische Botschafter in Deutschland, Avi Primor, am Volkstrauertag 2014 im Deutschen Bundestag zu seiner Freude ausdrückte, die „nationale Schande verewigt“. Und zwar vorbildlich, wie er – sichtlich zum Wohlgefallen des Bundestags – meinte. Hilft aber alles nichts. In Prag ist, zum Beispiel, das Buch „Nemci“, die Deutschen, erschienen und angeblich vom Bildungsministerium auch empfohlen worden, in dem man lesen kann: “Der Nazismus ist eine Ausdrucksform des deutschen Geistes”. In dem Buch werden die Deutschen angeblich unter anderem als Tiere bezeichnet, für die Lynchjustiz keine ausreichende Strafe wäre. Wenig Schmeichelhaftes hört man diesbezüglich ja gelegentlich auch aus anderen Ecken der Super-Wertegemeinschaft EU.

Wie würden bloß andere Länder auf solche Angriffe auf ihre nationale Ehre reagieren? Das kann man sich unschwer vorstellen. Und wie reagiert man in Berlin oder auch in Wien? Typisch deutsch eben: Schwamm darüber. Typisch deutsch auch darin, wie die von einer solchen Schmähung besonders betroffenen vertriebenen Deutschen und die letzten Überlebenden dieser Zeit heute noch immer in das rechte Eck gestellt und ihr Leid ignoriert werden. So wie ihre Ansprüche von der eigenen Regierung vielfach abgeschmettert oder sträflich nachlässig behandelt werden. Mein Gott, welch erbärmliche neudeutsche Gesinnung. Nachahmungen im Rest der Welt dieses beschämenden neudeutschen Verhaltens sind bisher nicht bekannt geworden. Aber um so mehr läßt man sich als Deutscher von Dritten zur Verlängerung eines nicht enden wollenden Sühne- und Opferbringung-Marathons anfeuern.

Einer der wesentlichsten Charakterzüge dieser zur ständigen Verneigung dressierten Neudeutschen scheint mir daher die freiwillige Selbsterniedrigung zu sein. Sich schlechter darstellen als man ist (außer im Export) oder Demütigung als verdiente Hinnahme seines Sklaven-Schicksals zu verstehen. Das ist gefährlich. Darauf könnte nämlich einmal eine für andere unzumutbare Selbsterhöhung folgen. Aber dafür sollte man nicht gleich unüberlegt das deutsche Volk, dem lebende Vorbilder und große Ideale fehlen, verantwortlich machen. Es sind seine unaufrichtigen und feigen Politiker und gesellschaftlichen Eliten des Landes, die es als Hauptverantwortliche in diese demütigende und zugleich gefährliche Lage gebracht haben und es darin anscheinend belassen wollen.

Eine Lage, geschuldet der Tatsache, daß in Deutschland für ein paar wenige Jahre seiner mehr als tausendjährigen Geschichte die nationalsozialistische Ideologie angesagt war, in deren Namen gewiß schreckliche Verbrechen geschehen sind. Aber ist es Grund genug, daß man deshalb sein deutsches Selbstbewußtsein aufgibt, seine Geschichte und Tradition (Überlieferung) teilweise unterdrückt oder per Gesetz versteckt, seine biologische Abstammung gar verleugnet? Oder Initiativen die dem gegensteuern wollen politisch abzuwürgen versucht? ****

In dieser Hinsicht fällt mir schwerlich ein Volk ein, daß, ähnlich oder gar mehr befleckt, sich so würdelos verhielte oder je so verhalten hätte. Dabei brauchte man sich ja nur an seinen Denkern und Dichtern zu orientieren, um auch als Deutscher zu wissen, daß ohne Tradition und rechte Gesinnung die Zukunft verbaut ist. Was übrigens schon Konfuzius lehrte. Das betrifft leider in hohem Maße die Erinnerungs- und Gedenkkultur. Selbst bei „primitiven“ Völkern zeigen die Lebenden den Ahnen ihre Ehrerbietung durch eine Lebensweise, die die Vorfahren gutheißen würden. Könnten die ehrenwerten Vertreter der Paulskirche oder aufrechte Nachkriegspolitiker wie Kurt Schuhmacher dieses neudeutsche Verhalten jemals gutheißen?

Das heißt natürlich nicht, daß man in deutschen Landen das Gedenken und Erinnern in eigener Sache völlig vergessen hätte. Da gibt es auf der unteren politischen Ebene wohl rühmliche Ausnahmen. Ganz oben aber spielt eine andere Musik. Eben auch in Österreich. Da gedachten zwar Parlament und Staatsspitze vor kurzem der vier Roma-Opfer eines vor 20 Jahren begangenen Attentats. Und zuvor hatte man schon den 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz festlich begangen. Gar bald bietet auch der 8. Mai Gelegenheit zu den üblichen politisch korrekten Trauerreden. Schön und gut. Aber war das dann alles?

Konkret: Wird man in diesem Gedenkjahr endlich einmal nicht nur den nötigen Respekt vor den deutschen, also auch österreichischen Opfern alliierter Kriegs- wie auch kommunistischer Nachkriegsverbrechen aufbringen, sondern diese und die Verantwortlichen auch bei den ihnen gebührenden Namen nennen? Und das alles einmal ohne Asche auf dem Haupt? ?Kann man Wien und Berlin, die beide seit längerem in einem ehr- und würdelosen Verdrängungswettbewerb in Sachen deutsche Geschichte und Tradition stehen, so viel Rückgrat zumuten? Ich fürchte, nein. Aber fragt sich die übrige Welt nicht längst schon: kann man denn solchen Deutschen, die sich noch dazu freiwillig in die revanchistische Pfanne hauen lassen, noch trauen?

*Dresden: In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 erfolgte auf das rund 630.000 Einwohner zählende Dresden der alliierte Terrorangriff. Britische Bomber warfen in zwei Angriffswellen zunächst gewaltige Mengen an Sprengbomben ab. Durch die Zerstörung der Dächer und Fenster konnten die anschließend abgeworfenen etwa 650.000 Brandbomben eine größere Wirkung entfalten. Ihr Feuersturm zerstörte rund 80.000 Wohnungen. Dem britischen Nachtangriff auf die ungeschützte Stadt, die über keinerlei Luftabwehr verfügte, folgte am Tag die Flächenbombardierung durch 311 amerikanische Bomber. Am 15. Februar musste das bereits vollständig zerstörte und mit Flüchtlingen überfüllte Dresden einen weiteren Angriff der US-Luftwaffe überstehen. Die Opferzahlen werden zwischen offiziell 35.000 und inoffiziell bis zu 300.000 angegeben.
**Deutsche Opfer (ohne Gefallene): Hunderttausende zivile Bombenopfer. Hunderttausende Frauen und Mädchen vergewaltigt und ermordet. Hunderttausende Kriegsgefangene, ermordet oder verhungert. Über 12 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene. davon fünf bis sechs Millionen ermordet.

***So wurde, zum Beispiel, 2012 auf dem gesamten Bundesgebiet unter dem Motto „andersartig gedenken“ für Schüler ein Ideenwettbewerb für ein Denkmal für die Opfer der NS-Euthanasie ausgerufen. Auf einen ähnlichen Schüler-Wettbewerb für ein Denkmal der Opfer alliierter Kriegsverbrechen oder der Vertreibung werden wir wie lange noch warten müssen?
Doch in Bayern gibt es Forderungen, in Schulen zumindest der Vertreibungsopfer zu gedenken. Auch der Verband der deutschen altösterreichischen Landsmannschaften(VLÖ) in Wien regt solches für Österreich an.

****Als eine private Initiative der Millionen vergessenen Opfer von Bombenkrieg, Gefangenschaft, Flucht und Vertreibung mit der Errichtung einer Gedächtnisstätte ohne Tabus gedenken wollte, wurde das Projekt durch politische und behördliche Willkür verhindert.
Beschämend sind auch die Vorgänge rund um das geplante Zentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung (SFVV) in Berlin, in dessen Realisierung alle möglichen Stellen, auch polnische, hineinreden dürfen.

Helmut Müller

Quelle

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