„Ein Jammer, das wir nicht mehr umgebracht haben“

Als im Rahmen des zweiten Dreißigjährigen Krieges der Zweite Weltkrieg offiziell zu
Ende ging und mit dem Segen der alliierten Siegermächte erst recht Not und Elend, Tod und Verderben das deutsche Volk heimsuchte, begann auch der Leidensweg für Millionen deutsche Kriegsgefangene in Ost und West. Rund 10 Millionen Deutsche (und Österreicher) befanden sich weltweit in Kriegsgefangenschaft. Allein in amerikanischem Gewahrsam befanden sich 3,1 Millionen Menschen.

Wußte man über die Schrecken sowjetischer Lager einigermaßen Bescheid, so herrschte über das Schicksal der in westlichem Gewahrsam befindlichen Gefangenen wenig Klarheit. Die Informationspolitik der westlichen Besatzer und deren zum Teil heute noch tätigen Lizenzmedien sorgten dafür, daß für geraume Zeit darüber politisch korrektes Gras wachsen konnte.

Aufrechte deutsche Historiker, die sich unabhängig davon freimütig und unbelastet an das Thema wagten, mußten mit Ächtung oder gar Entlassung rechnen. Brachten die Befreier aus Übersee dem deutschen Volk neben Cola und Kaugummi angeblich doch die Freiheit. Dazu noch die aus US-amerikanischer Sicht goldrichtigen „Tipps“ wie man als Deutscher künftighin zu sein hat. Ein deutscher Wehrmachtssoldat aber hatte nach Meinung einer der geschätzten Ikonen heutiger Befreiungstümler, US-Militärgouverneur L. Clay, vor allem „zu leiden“*.

Für die von US-Streitkräften in Gefangenschaft gehaltenen und von der Weltöffentlichkeit ignorierten oder vergessenen deutschen Wehrmachtssoldaten ging es in Folge dessen um das nackte Überleben unter unvorstellbar inhumanen Bedingungen. Deutsche Zivilisten die den Gefangenen Essen zu geben versuchten, riskierten die Todesstrafe. Die Befreier als Richter und Henker bereits zu diesem Zeitpunkt. Für das Gros der „Befreiten“ begann nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft daher die amerikanische.**

Es war ein Kanadier, James Bacque***, der sich in den Achtzigerjahren des vorigen Jahrhunderts erstmalig ausführlicher dem Schicksal dieser von Gott und der Welt verlassenen deutschen Soldaten widmete. Er erregte damit weltweit Aufsehen und versetzte gleichzeitig die von den Siegermächten angestoßene Geschichtsschreibung, und nicht nur sie, in Unruhe. Es konnte schließlich nicht sein, was nicht sein durfte: Greueltaten der Nazis möglicherweise vergleichbare, wenn nicht sogar schlimmere Verbrechen?

Bacque unterstellt den US-Amerikanern unter anderem folgende “furchtbare Verbrechen gegen die Menschlichkeit” begangen zu haben: Gefangene bekamen bewußt so wenig zu essen, daß sie sterben mußten, “obschon genügend Lebensmittel” zur Verfügung standen; die hygienischen und sanitären Bedingungen waren miserabel und führten schnell zu tödlichen Krankheiten; Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz blieb der Zutritt verwehrt, eine internationale Kontrolle fehlte. Vieles liegt gewiß weiter im Dunkeln, sind doch wichtige Archive der Alliierten immer noch gesperrt.

Nun mag zwar sein, wie verschiedentlich von im Glashaus sitzenden Historikern behauptet wird, daß dem Autor bei seiner Recherche auch Fehler unterlaufen sind. An der Tatsache aber, daß nach Kriegsende hunderttausende deutsche Soldaten Rachsucht und Vergeltungswut der US-Amerikaner, auch Franzosen, mit dem Leben bezahlt haben, kann sich kein Politiker oder Systemhistoriker mehr vorbei schwindeln. Unter der verharmlosenden Bezeichnung “Other Looses”(“Andere Verluste”) soll unter der Verantwortung von General Dwight D.Eisenhower der Massenmord an deutschen Kriegsgefangenen 1945/46 „gezielt betrieben und systematisch verschleiert worden sein“.

“Ein Jammer, daß wir nicht mehr umgebracht haben”, soll der pathologische Deutschenhasser Eisenhower, dieser selbst deutschstämmig, ins Postskriptum eines Briefes an General George C. Marshall notiert haben. Wasser auf die Mühlen der heutigen Anti-Deutschen in Berlin und Wien. Gegenüber dem britischen Botschafter meinte der frömmelnde General, alle Offiziere des deutschen Generalstabes sollten “ausgerottet” werden. Eigentlich Nazi-Diktion, stört aber jene nicht, die sonst reflexartig aufheulen.

Als am Rhein entlang für Hunderttausende deutsche Soldaten die „Prisoner of War Temporary Enclosures“ (PWTE) eingerichtet wurden, ordnete Eisenhower an, die Gefangenen dürften weder “Obdach noch irgendeinen anderen Komfort” haben. Der Krieg der viele Väter hatte war zwar längst zu Ende, aber nicht für alle.

Die Lager der US-Armee waren mit Stacheldraht umzäunte Weiden und Wiesen, feste Unterkünfte gab es nicht. Manche Männer standen tage- und nächtelang apathisch in ihren Erdlöchern, unfähig, “um sich krank zu melden, oder um zu essen”, wie ein US-Leutnant notierte. – Sofern es überhaupt etwas zu beißen oder zu trinken gab, so im Spiegel**** fast ein halbes Jahrhundert später.

Das Bild war zum Erbarmen, und man konnte da weiter lesen:”Amputierte schlitterten wie Amphibien durch den Matsch, durchnäßt und fröstelnd.” Viele überlebten die Tortur nicht. Um sich gegen die Kälte zu schützen, schmiegten Männer sich in lange Erdlöcher, die sie mit bloßen Händen gegraben hatten – Bauch an Rücken, Knie an Kniekehle. Manche tranken den eigenen Urin, weil es nichts gab, andere “leckten den Boden in der Hoffnung, ein bißchen Feuchtigkeit zu bekommen”. Sie wurden krank – und krepierten.

Ähnliches spielte sich in den US-Lagern in Frankreich ab, wo nach einem Bericht in der Zeitung Le Monde in einem Lager gleich 17.000 den Amerikanern übergebene Menschen so rasch starben, „daß in wenigen Wochen zwei Friedhöfe von je 200 Gräbern gefüllt werden mußten“*****.

Auch ohne den selbst Präsident Roosevelt durchaus sympathischen Morgenthau-Plan (Deutschland in reines Agrarland unter US-Verwaltung zu verwandeln) und ohne Theodore N. Kaufmanns Hassorgien (u. a. alle deutschen Männer kastrieren): verdiente sich denn die damalige US-Führung nicht das Prädikat Menschheitsverbrecher? Ein Begriff der allen Gutmenschen locker von der Zunge fließt, sobald es sich um NS-Verbrechen handelt, für die dann das deutsche Volk kollektiv verantwortlich gemacht wird.

Aufrechte Politiker der unmittelbaren Nachkriegszeit wußten über die verbrecherische US-Besatzungspolitik selbstverständlich Bescheid. Doch anders als „siegestrunkene“ Spitzenpolitiker von heute, dachten sie nicht daran, die eigenen Soldaten in Stich zu lassen. Den Politikerdarstellern dieser Tage aber interessiert das grausame Schicksal deutscher Wehrmachtssoldaten und deren fortwährende Verunglimpfung nicht die Bohne.

Wie aber sollte, wie Martin Heidegger es vielleicht gesagt hätte, dieses deutsche Volk je „Ermunterung durchwehen“, solange dessen politische Führung deutsches Leid zweitrangig erachtet und vor allem jede „Traurigkeit meiden will“?

Im Übrigen wurden diese sowie alle anderen Kriegsverbrechen der Alliierten und Siegermächte bis heute nicht angeklagt und verurteilt. Wird die deutsche Justiz einmal den Mut dazu aufbringen?

*Der amerikanische Militärgouverneur Clay, lehnte die Bitte, zwei große, für deutsche Zivilisten bestimmte Lebensmittellieferungen des Roten Kreuzes zuzulassen, mit den Worten ab: “Sollen die Deutschen doch leiden.”(FAZ-Feuilleton, 28.11.95)
**Und natürlich auch die sowjetische Gewaltherrschaft, für die, auch „Befreiung“ genannte, man nach Meinung eines betagten Kolumnisten der “Kronenzeitung” noch dankbar sein sollte. Der Mann ist wahrlich nicht mehr ganz bei Trost.
*** James Bacque: Der geplante Tod – Deutsche Kriegsgefangene in amerikanischen und französischen Lagern 1945-1946, Erweiterte Ausgabe, Ullstein,1995
****Der Spiegel, 40/90, Lange Nacht der Lügen
*****James Bacque, Der geplante Tod, 1995, Seite 123

Helmut Müller

Quelle

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