AfD: Transatlantiker vs Bimarckianer

Der bei Wahlen erfolgreichen Partei Alternative für Deutschland (AfD) scheint nun die Spaltung zu drohen. Die Konfliktlinien ergeben sich dabei zwischen rechtsliberalen Transatlantikern und dem konservativen Flügel, der vor allem die mitteldeutschen Landesverbände, aber auch die AfD in NRW umfasst.

Der Richtungsstreit war in den letzten Wochen und Tagen eskaliert. Trotz des Lucke-Dementis scheint der von ihm gegründete Verein „Weckruf 2015“ tendenziell auf eine Spaltung der von Lucke gegründeten Partei hinauszulaufen. Unterstützer des transatlantischen „Weckrufs“ sind neben Bernd Lucke, der ehemalige BDI-Chef und Neoliberale Hans Olaf- Henkel, der EU-Abgeordnete Prof. Starbatty sowie die Landesvorsitzenden von Baden-Württemberg und Schleswig Holstein.

Siehe: http://www.weckruf2015.de/

Der Lucke-Kurs scheint bei der Basis der AfD insgesamt gesehen keine Mehrheit zu besitzen. Allerdings ist die Mehrheit der AfD-Abgeordneten im EU-Parlament als Lucke-treu anzusehen, dies gilt auch für die meisten AfD-Landtagsabgeordneten in Hamburg und Bremen. Zu den exponierten Lucke-Gegnern zählen die Landtagsfraktionen der AfD von Sachsen, Brandenburg und Thüringen. Dort hatte die AfD zwischen 10 und 12 Prozent der Stimmen errungen, war also sehr erfolgreich.

Im Weckruf bekennen sich die Transatlantiker ausdrücklich zur Westlichen Wertegemeinschaft, zur EU und NATO-Mitgliedschaft, zum neoliberalen Kapitalismus, zur USA und Israel-Solidarität. Das rechtsliberale Gutmenschentum wird dann folgendermaßen definitert: „dDe Ablehnung ausländerfeindlicher, rassistischer, nationalistischer, antisemitischer, islamfeindlicher, islamistischer, homophober, rechts- oder linksradikaler Positionen sowie die Ablehnung aller Parteien, Organisationen und Medien, welche solche Positionen vertreten oder ihnen Raum geben.Personen, die infolge Richterspruchs die Amtsfähigkeit, die Wählbarkeit oder das Wahlrecht nicht besitzen, können nicht Mitglied sein.“

Besonders großen Raum nimmt dabei die Abgrenzung gegenüber angeblichen „Extremisten“. Es geht den Transatlantikern darum die eigene Partei von „Nationalkonservativen“ zu säubern. Dies richtet sich wohl ganz explizit gegen den Thüringer Fraktionschef Björn Höcke, dem man vorwirft „völkisch“ zu argumentieren, sich nicht ausreichend von der NPD zu distanzieren, ja gar unter Pseudo für ein NPD-Blättchen geschrieben zu haben.

Siehe: https://andreaskemper.wordpress.com/2015/03/15/wieviel-npd-hockt-in-der-afd/

Lucke und seine Getreuen versuchten deswegen Höcke zu entmachten.

Siehe: http://www.tagesspiegel.de/politik/mangelnde-distanz-zur-npd-afd-will-thueringer-landeschef-bjoern-hoecke-absetzen/11766958.html

Höcke selbst bezeichnet sich als „Bismarckianer“ und ist in diesem Sinn auch ein Gegner der Aggressionspolitik des „Westens“ gegenüber Russland. In der Gesellschaftspolitik vertritt Björn Höcke ein wertekonservatives Fundament.

Siehe: http://www.tlz.de/web/zgt/politik/detail/-/specific/AfD-Chef-Bjoern-Hoecke-8222-Ich-bin-ein-avantgardistischer-Konservativer-822-353666682

Höckes Gesinnungsmitstreiter Alexander Gauland aus Brandenburg möchte nun die AfD ohne Lucke und dessen Freunde verwaltet sehen. Die Zeichen stehen also beiderseits – Transatlantiker und Bismarckianer – auf Spaltung.

Siehe: http://www.rbb-online.de/politik/beitrag/2015/05/gauland-kritisiert-luckes-weckruf-2015-kampagne-als-innerparteil.html

Sollten sich also die „Bismarckianer“ durchsetzen ..

…Siehe: http://derfluegel.de/

…..hätte man es also mit einer strukturellen „Radikalisierung“ der Alternative für Deutschland zu tun. Was die Fragen nationale Souveränität, Zuwanderungs- und EU-Kritik anbelangt würde die Partei in Richtung einer souveränistischen Bewegung rücken, ohne das man dabei aber wirklich systemkritisch agieren würde. Für den sozialpolitischen Flügel könnte sicherlich der „Blümianer“ und „DDR-Versteher“ Alexander Gauland etwas tun.

Siehe: http://www.theeuropean.de/christoph-giesa/9547-das-querfront-denkenvon-alexander-gauland

Diese Entwicklung hatten wir im übrigen auf unserer Seite schon lange vermutet.

Verfasser: Sozrev

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Kommentare

  • Schwab  On 22. Mai 2015 at 12:41

    Bei allen Abstrichen und Kritikpunkten ist es im Sinne der SdV, daß sich jetzt in der AfD der nationalkonservativ-völkische Flügel durchsetzt. Das ist für uns nicht das Gelbe vom Ei, aber viel besser als die Achse Lucke-Henkel. Die AfD muß sich erst soweit reformieren, daß auch Kubitschek und Kositza Mitglied werden können und auch die Meinung vertretbar ist, daß es passable NPD-Mitglieder gibt (Vgl Aussage von Björn Höcke).
    Und vor allem nervt mich das Geschwätz von Lucke, die AfD sein keine Rechtspartei. Ja was denn sonst? Selbst Augstein erkennt an im ZDF, daß es auch eine deutschnationale Partei geben darf.

    Siehe:
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/#/beitrag/video/2409172/%22maybrit-illner%22-vom-21-Mai

  • sozrev  On 22. Mai 2015 at 14:47

    Höcke macht sich bereit für Kandidatur:

    http://www.mdr.de/thueringen/afd-streitet-weiter104.html

    Höcke meint wahrscheinlich mit den vernünftigen NPDlern, mit welchen er zumindest sprechen könnte, Leute wie Frank Franz und Arne Schimmer. Schimmer hatte auf Facebook nach den Vorwürfen gegen Höcke gemeint der könnte ja in Thüringen als NPD-Abgeordneter tätig werden. Dies dürfte allerdings eher Wunschdenken sein. Der Höcke wird schon versuchen in führender Position einer Partei dienlich zu sein, die Chancen hat über 5 Prozent zu kommen. Da scheidet die NPD ja aus!

    Im übrigen hält auch der SPD-Sigi eine „deutschnationale“ Haltung für legitim („Es gibt ein Recht darauf deutschnational zu sein“):

    http://www.sueddeutsche.de/politik/spd-chef-ueber-pegida-gabriel-es-gibt-ein-recht-deutschnational-zu-sein-1.2336763

    Die Kritikpunkte auch an dem „nationalkonservativen“ Flügel habe ich ja in mehreren Texten angesprochen (Gaulands NATO-Apologie, die fehlende echte Systemkritik, die weiche Haltung zur EU, Ausländer – und Sozialpolitik). Allerdings ist der Gauland/Höcke-Flügel freilich ein nationapolitischer Fortschritt zum derzeit bestimmendenden rechtsliberalen Flügel.

  • Schwab  On 22. Mai 2015 at 15:52

    Bei der Frage nach dem Lieblingslied von Gauland und Höcke tippe ich mal darauf:

    „… Durch Hunderttausend zuckt es schnell,
    und aller Augen blitzen hell;… “

  • sozrev  On 23. Mai 2015 at 12:42

    Jürgen:

    Tatsächtlich hattest du recht das sich der rechte Flügel der AfD radikalisiert hat. Irgendwie auch nach „links“ – siehe die DDR-Versteherei von Gauland. Wobei Gauland vor einiger Zeit im Interview mit Elsässer meinte dieser sei ein „Nationalbolschewist“, was er ablehnen würde, nun wird ihm selbst der Vorwurf gemacht „Nationalbolschewist“ und „DDR-Fan“ zu sein (siehe Link in meinem Text). Wobei freilich weder Gauland noch Elsässer „Nationalbolschewisten“ sind.

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