Die „Ehre“ des Bürgers und stalkende „Neonazis“

Folgender Text stammt aus dem Jahr 2014.

Die NPD ist nun derzeit wirklich bemüht Teil eines utopischen Bürgerblocks zu werden, der von der Mitte (CDU/CSU), über die rechtsliberale und rechtskonservative AfD bis hin zur NPD reichen soll. Die FDP, die ja zumindest in Sachsen einen rechtsliberalen Kurs verfolgt fällt ja mittlerweile aufgrund der Flucht ihrer Wähler in diesen unrealistischen Planspielchen weg. Bei einer Wahlveranstaltung der CDU in Sachsen versuchte der (noch) NPD-Parteichef Pastörs ein „informelles“ Gespräch mit dem ebenfalls dort anwesenden Wahlkämpfer Bernd Lucke dem Parteivorsitzenden der AfD zu beginnen. Lucke aber „floh“ nach Darstellung der NPD-Bundesseite vor diesem Gesprächsangebot.

Siehe: http://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-sachsen/afd-in-sachsen-bloss-kein-plauderbild-mit-der-npd-13113197.html

Schon Udo Voigt war nach der EU-Wahl bei der AfD abgeblitzt. Voigts Angebot einer Zusammenarbeit hatte die AfD nicht einmal mit einer schriftlichen Absage kommentiert, sondern mit Nichtbeachtung gestraft. Statt mit der AfD arbeitet die AfD im Europarlament lieber mit den britischen Torries des Neocons James Cameron zusammen. Voigt und die NPD waren aber nicht nur bei der rechtsliberalen AfD als Bündnispartner unerwünscht, sondern auch bei den Rechtspopulisten von Front National, FPÖ oder Vlaams Belang.

Es wäre aber interessant zu erfahren gewesen. wie Voigt, einmal angenommen, die Rechtspopulisten wären dem Ansinnen der NPD nachgekommen, seinen Anhängern es verklickert hätte, dass man nun mit dem niederländischen Ultrazionisten und Neocon Geert Wilder das EU-Parlaments-Fraktionsbettchen geteilt hätte? Aber das es dazu nicht kam liegt weniger an dem Opportunisten Voigt als viel mehr an ideologisch gefestigten Überzeugungszionisten wie Wilders. Sicherlich hätte Voigt nur zu gerne den rechten israelischen Top-Politikern Netanjahu und Lieberman bei einem imaginären Staatsbesuch in Jerusalem einmal das Händchen geschüttelt.

Nun werden viele auf der nationalen Rechten (zurecht) behaupten Lucke und der ehemalige BDI-Chef Henkel seien feige, weil sie sie den Gesprächs- und Kooperationsangeboten der NPD verweigern. Man könnte aber auch eher einwenden das Henkel und Lucke ganz einfach nicht so dämlich sind um in diese „Neonazi-Falle“ zu tappen, da sich die bürgerliche Reputation dieser rechtsliberalen Partei unter anderem daraus speist, dass man sich von der NPD und „Rechtsextremen“ im Allgemeinen distanziert. Sogar Personen die man in der AfD des „Rechtspopulismus“ verdächtigt werden in der Regel ausgeschlossen. Davon hängt nämlich auch die Koalitionsfähigkeit dieser Partei des deutschen Industriekapitals ab. Die CDU in Sachsen hält nun jedenfalls eine Koalition mit der AfD für „möglich“.

Aus der Sicht von Lucke macht die Flucht vor Pastörs sehr viel Sinn. Der brave Bürgerprofessor möchte mit dem „Neonazi“ Pastör nicht einmal gemeinsam einen Gehsteig benutzen. Die „bürgerliche Ehre“ definiert sich in der BRD nämlich dadurch das man Abstand zu Personen zu halten hat die aufgrund ihrer Tätigkeit in der nationalen Rechten verbrannt sind.  Dies sichert einem in der bürgerlichen Gesellschaft das politische, gesellschaftliche und finanzielle Auskommen. Schon ein Thilo Sarrazin hatte deutlich gemacht das er mit seinen Fans im NPD-Bundesvorstand nichts zu tun haben möchte. Dies hindert natürlich nationale Rechte nicht daran Lucke, Sarrazin und Henkel mit Bündnisofferten vollzuspamen. Wahrscheinlich sind viele Möchtegern-Rechtspopulisten schlichtwegs Sadomasochisten und stehen auf politische Selbsterniedrigung.

Schließlich kann jeder Dummkopf in Wort und Ton nachlesen das Udo Pastörs die BRD für eine „Judenrepublik“ hält, gerne von „Krummnasen“ redet und Adolf Hitler natürlich ganz „wertfrei“ für ein politisches Genie hält. Nun könnte Pastörs sicherlich Lucke erklären, dass sein großes Idol der italienische Ex-Faschist Fini ist, der mittlerweile in Brüssel als „europafreundlicher“ Exponent der EU-Diktatur gilt.

Oder aber Pastörs könnte darauf verweisen, dass er in der Wirtschaftspolitik ähnliche Thesen wie die wirtschaftsliberale AfD vertritt und der Meinung ist das die Steuerpolitik unter Kohl und der FDP in den 1990er Jahren zu „klassenkämpferisch“ gewesen sei. Das dies freilich die Wähler der NPD, die aus der Arbeiterklasse und der kleinbürgerlichen Schicht stammen, kaum ansprechen dürfte, sei hier nur am Rande erwähnt.

Siehe: https://sachedesvolkes.wordpress.com/2012/07/05/nationalneoliberaler-angriff-auf-mecklenburg-vorpommern/

Der bürgerliche Saubermann Lucke wird aber schon aus Eigeninteresse, in einer irgendwann vielleicht denkmöglichen Koalition mit CDU und CSU, für ein Verbot der Pastörs-Partei plädieren. Schon alleine darum weil ja niemand mehr behaupten soll, ausgerechnet der brave AfD-Parteichef sei ein „neuer Hitler“. Diese Rolle möchte Lucke schon Pastörs überlassen.  Dies würde ihn dann vielleicht auch vor dem aufdringlichen Stalking durch Pastörs und Voigt bewahren.

Pastörs und die NPD befinden sich heute in einer anderen politischen Situation, als etwa ein Adolf Hitler Ende der 1920er oder Anfang der 1930er Jahre. Damals suchte das deutsche Großkapital nach einem faschistischen Rettungsanker gegen den deutschen Antikapitalismus – der sich von der KPD, dem linken Flügel der SPD und den Nationalrevolutionären erstreckte. Heute aber ist das deutsche Großkapital globalistisch und transnationalistisch ausgelegt, die politische Linke (Linkspartei, Antifa) stellt die kapitalismuskritische Systemfrage nicht mehr. Das deutsche Großkapital begreift den Nationalismus in allen möglichen Ausformungen als Gefahr für das eigene Geschäftsinteresse. Insofern gelten Möchtegern-Mitmacher aus NPD und anderen nationalen Zusammenhängen als größtmöglichste Störenfriede, die aus Sicht des antinationalen Großkapitals zu bekämpfen, verbieten und auszumerzen seien.

Aus Sicht des transnationalen Kapitals ist dies nur logisch! Die Vorwürfe sollten sich eher an die nationalkapitalistischen Schleimbeutel richten, die trotz der vielen Erniedrigungen noch immer darauf hoffen bei BDI, Angela Merkel und Thilo Sarrazin als Schutzwall gegen den angeblich drohenden „Bolschewismus“ vorsprechen zu dürfen. Diesen Armleuchtern ist noch nicht aufgefallen das die „Lösung Hitler“ für die Kapitalisten nicht mehr anstehen kann, da sich der Kapitalismus längst zum transnationalen Weltkapitalismus ausgewuchert hat und dieser an „nationalen Lösungen“ keinerlei Interesse haben kann. Oder hofft man auf eine „ukrainische Lösung“ – also eine Mischung aus EU-Diktatur, NATO-Interventionismus und prozionistischen Nostalgiefaschismus ? In einer solchen für die BRD (momentan) unwahrscheinlichen „Lösung“ wäre aber die nationale Souveränität zu Ungunsten eines antinationalen WWG-Banditentums aufgehoben.

Vor den pseudonationalen-faschistischen „Lösungen“ hatten schon der nationalkommunistische „Aufbruchskreis“ um Richard Scheringer und das Programm der KPD „zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes“ aus dem Jahr 1930 zu warnen gewusst. Die NDSAP sein eine pseudonationale und demagogische Partei, welche die Interesse des deutschen Volkes verrate. Die nationalen Interessen der deutschen Arbeiter, des Kleinbürgertums, also der Mehrheit des deutschen Volkes, würden nur von der damals nationalkommunistischen Linie der KPD (auch bekannt als Scheringer-Kurs) vertreten. Die NSDAP sei eine volks- und arbeitefreindliche Partei, eine Organisation der äußersten Reaktion, eine Partei der antinationalen Versklavung der Werktätigen.

Scheringer, Thälmann und Ulbricht hatten der NSDAP und dem deutschen Großkapital damals vorgeworfen sich nur „scheinnational“ zu verkleiden. Was würden sie heute sagen, wo sich deutsche Nationale (Anmerkung) versuchen bei Leuten einzuschleimen, die bis zu 500.000 Neuzuwanderer pro Jahr fordern?

Die NPD fährt nun jedenfalls im Hinblick auf die AfD eine opportunistische und unglaubwürdige Doppelstrategie. Zum Einem möchte man mit der AfD kooperieren, zum anderem erklärt man aber den eigene Wähler das die AfD keine nationalen deutschen Interesse vertritt. Die NPD sei die „wahre Rechte“ (Anmerkung), während die AfD ein rechtsliberaler Weichspüler sei – was ja stimmt! Der NPD-Wähler könnte bei den Stalking-Anwandlungen der NPD aber auf die Idee kommen das vielleicht die AfD das „Original“ sei oder zumindest ähnliche Thesen vertritt. Der NPD-Wähler, der sein Kreuzchen bei der Lucke-Partei macht, müsste sich dann wenigstens nicht mehr als „Rechtsextremist“ beschimpfen lassen. Die Bürgerblock-Utopien der NPD sind ideologisch gesehen eine Bankrotterklärung und wahltechnisch gesehen ein Wählervertreibungsprogramm in Richtung AfD.

Verfasser: Sozrev

Anmerkungen:

1.Hierbei kommt es nun natürlich darauf an was man unter „wahre Rechte“ versteht. Die AfD entspricht in der Wirtschafts- und Sozialpolilitk – Wirtschaftsliberalismus – mehr einer originär rechten Position, als man sie etwa bei der NPD vorfindet. Die AfD ist im Grunde eine rechtsbürgerliche Partei, während die NPD eine völkisch-rechte Partei ist. Der Streit um den Begriff „rechtes Original“ ist also Ansichtssache. Im europäischen Vergleich gesehen ist eher die AfD als rechtsbürgerliche Partei das Original, da erfolgreiche rechte Völkische (Goldene Morgenröte, Jobbik) und halberfolgreiche Parteien(NPD, BNP) hier eher die Ausnahme als die Regel bilden. Ob die NPD im Vergleich zur AfD die „wahre Rechte“ ist kann man aus politwissenschaftlichen Gründen eher als zweifelhaft ansehen. Vereinfacht gesagt heißt orginär rechts eigentlich, dass man sich als „echter Rechter“ für die ökonomische „Freiheit“ – die kapitalistische freie Wirtschaft- einzusetzen habe. Nach dieser Sichtweise wäre die NPD zumindest weniger als die AfD die „wahre Rechte“.

2. Scheringer, Uhse, Rehm und andere Nationalkommunisten hatten für solche oder ähnliche Nationale das Wort „National“ oder „Nationalismus“ stets in Anführungszeichen gesetzt, weil es sich bei Personen die faktisch die Interessen des deutschen oberen Bürgerklasse vertraten Nationalverräter waren, Parteigänger der Siegermächte von Versailles. Hitler warf man „Pazifismus“ und „Legalismus“ vor. Dies fand auch Eingang im Programm der KPD aus dem Jahr 1930: „Die Führer der deutschen Faschisten, Hitler und seine Helfershelfer, aber erheben nicht ihre Stimme gegen die gewaltsame Angliederung Südtirols an das faschistische Italien. Hitler und der deutsche NS schweigen über die Nöte der Südtiroler Bauernbevölkerung , die unter dem Joch des italienischen Faschismus stöhnt.“

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