Warum willst Du den Euro retten und den Grexit verhindern, Sahra Wagenknecht?

Offener Brief an die Linkspolitikerin auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise.

Liebe Sahra Wagenknecht,

bis dato habe ich Dich immer für die klügste Politikerin der Linken gehalten. Das hatte auch damit zu tun, dass Du das letzte sogenannte Hilfsprogramm für Griechenland vom Frühjahr abgelehnt hast, im Unterschied zur Mehrheit Deiner Fraktion. Auch dass Du offen thematisiert hast, dass diese Art von sogenannten Euro-Hilfen nicht nur Griechenland stranguliert, sondern auch den deutschen Steuerzahler ausblutet, und das alles zu Gunsten der Großbanken, hat mir gefallen. Last not least hast Du – nicht ganz so weitghehend wie Lafontaine, aber immerhin – immer wieder Sympathien für den Grexit durchblicken lassen.

Doch ausgerechnet jetzt, auf dem Höhepunkt der Euro-Krise, bist Du umgefallen. In Deiner Stellungnahme vom 8. Juli lese ich:

(Zitat Wagenknecht) Ein Grexit würde das Vertrauen in den Euro erschüttern. Doch ein Grexit käme die Steuerzahler weitaus teurer, denn natürlich könnte Griechenland mit einer neuen, deutlich schwächeren Währung seine Euro-Schulden erst recht nicht zurückzahlen. Mal ganz davon zu schweigen, dass ein von den Gläubigern erzwungener Grexit ein klares Zeichen für das totale Versagen europäischer Institutionen wäre und das Vertrauen in den Euro und die EU massiv erschüttern würde. (Zitat Wagenknecht Ende; hier ist der Text komplett)

Im weiterten sprichst Du Dich für einen Schuldenschnitt für Griechenland ohne Auflagen aus. Das ist Wahnsinn! Damit wird die Euro-Zone zur Transferunion umgebaut, in der prinzipiell die Schulden der schwachen Staaten von den starken, vor allem von Deutschland, mitübernommen werden. Du weißt genau, was das für den deutschen Steuerzahler heißt: Er soll zusätzlich zu den Altschulden Grirechenlands (insgesamt ca. 300 Milliarden Euro, deutscher Anteil ca. 80 Milliarden) auch noch das jetzt diskutierte neue (“dritte”) Hilfspaket (über 50 Milliarden Euro, deutscher Anteil ca. 13 Milliarden Euro) schultern. Und wieder wird das Geld nur den Banken zugute kommen, nicht den Griechen…

Du hast recht, es geht nicht so weiter wie bisher. Aber der einzige Ausweg ist der Grexit. Nur so kommen wir raus aus der Saugpumpe Euro-System, wo mit dem heuchlerischen Verweis auf die Not des Südens der Norden Europas, vor allem Deutschland, von der internationalen Finanzoligarchie geplündert wird. In Griechenland wirbt die Kommunistische Partei, aber auch die Syriza-Linke um Energieminister Lafazanis für diesen Schritt. Warum fällst Du Ihnen in den Rücken? Nur aus Angst, dass Du dann auch mit der AfD und anderen “Nationalkonservativen” ( so Deine Formulierung) auf einer Linie wärest? Aber ist nicht auch Syriza ein Regierungsbündnis mit Rechtskonservativen einegangen, nämlich mit der Anel-Partei?

Der Schuldenschnitt, den Du ansprichst, ist richtig, aber er kann nur zusammen dem Grexit erfolgen. So wie in Argentinien 2001/2002, als die Dollarbindung (de facto eine Währungsunion) gekappt und dann auch gleich der Schuldendienst gestoppt wurde. So kam Argentinien aus der Krise. Das ist der einzige Weg, auch für Griechenland. Deine Angst, dass Athen mit einer schwachen Drachme die Euro-Schulden nicht zurückzahlen könnte, ist deswegen unbegründet: Athen soll die Schulden gar nicht zurückzahlen!

Die Kräfte, die das Euro-System und die EU insgesamt angreifen, werden in allen Ländern stärker. Es wäre gut und wichtig, wenn kluge Linke wie Du das Bündnis oder wenigstens den Kontakt mit ihnen suchen, anstatt Dich Merkel-haft um das “Vertrauen in den Euro” zu sorgen und die Einheit der Pro-Euro-Linken – also mit Bankierssozialisten vom Schlage Hollandes – und die antifaschistische Illusion aufrechtzuerhalten. Merke: Der neue Faschismus ist der totalitäre Globalismus, sein Transmitter ist das Eurosystem. Wer eine nationale Lösung favorisiert – in Griechenland die Rückkehr zur Drachme, in Deutschland die Rückkehr zur D-Mark, um nur die monetäre Ebene anzusprechen – ist der wahre Antifaschist und Vertreter der arbeitenden Klassen.

Es sind Tage der Entscheidung. Auf Stimmen wie die Deine kommt es an. Überlege Dir gut, wo Du stehst.

In der Hoffnung auf eine Antwort,

mit “nationalbolschewistischen” Grüßen

Jürgen Elsässer, Chefredakteur COMPACT-Magazin

Quelle

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