Völkermord in Palästina?

Lange vor Barbara Tuchman mit ihrem Befund zur Torheit der Regierenden stellte bereits Cicero ganz allgemein fest, die Welt stecke “voll Torheit”. Dieses bedauerliche Kapitel menschlicher Unbelehrbarkeit und Unzulänglichkeit wird seither munter weiter geschrieben.

So auch in Israel, daß sich gegenüber harmlosen Mahnungen und Pflicht-Verurteilungen der internationalen Gemeinschaft taub und stur zeigt und damit die Welt noch in ein größeres Unglück stürzen könnte. Eine Welt, die besonders in diesem Fall wie gelähmt zusieht, wenn Menschen- und Völkerrechte mit Füßen getreten werden und noch dazu der friedfertige Teil der israelischen Gesellschaft im Stich gelassen wird.

Um jemand zur Raison zu bringen, genügt es eben nicht, ihm bloß dem Schein nach auf die Finger zu klopfen. Dazu sind die Vergehen und Verbrechen der zionistischen Seite bereits zu groß. Abgesehen von den bekannten militärischen Angriffen der israelischen Seite sind die Palästinenser seit Jahren in den von Israel besetzten Gebieten Opfer menschenverachtender Behandlung durch Armee und Polizei und Ziel brutaler Angriffe rechtsextremer Siedler. In den wenigstens Fällen aber werden die Siedler-Aggressoren von der israelischen Justiz verfolgt.

Und geht man einer Sache einmal nach, kommt es, nach Angaben der israelischen Menschenrechtsorganisation „Friede jetzt“, in nur einem Drittel der Fälle zu einer Verurteilung. Diese Laxheit der Justiz und vor allem die Politik der Regierung Netanjahu ermuntern natürlich militante Siedler zu immer heftigeren geduldeten Angriffen gegen palästinensische Zivilisten. Der jüngste feige Angriff in Palästina hat dann doch viele Israeli empört, war dieser ja auch nicht zu verbergen, und der Regierungschef mußte sich jetzt gar zu Krokodilstränen durchringen.

Also es ging darum, daß zwei Häuser am Eingang zu einer palästinensischen Siedlungen von zwei israelischen Extremisten in Brand gesetzt wurden, mit dem Ergebnis, daß ein Kleinkind bei lebendigem Leib verbrannt ist, während sein Bruder und seine Eltern mit schweren Hautverbrennungen in ein Spital eingeliefert werden mußten. Ob sie überleben werden, ist nicht ausgemacht. So wenig davon ausgegangen werden kann, daß die israelische Regierung ihre Politik gegenüber den Palästinensern ändern wird, solange sie die Mehrheit der Israeli hinter sich weiß.

Im für die nationalzionistische Politik vorteilhaften Schatten der Ereignisse in Syrien und im Irak läßt sich die israelische Besiedlungs- und Eroberungspolitik doch relativ ungestört weiter treiben. Da mögen Brüssel oder Washington noch so oft den Zeigefinger erheben. Nicht zuletzt hat das Gespenst einer iranischen Atombombe trotz der erzielten Einigung mit Teheran keineswegs ausgedient und dient weiter zur Rechtfertigung einer völkerrechtswidrigen Besiedlungspolitik.

Daß Israels Regierung am Chaos in den Nachbarländern und am Weiterbestehen der iranischen „Hardliner“-Herrschaft nur größtes Interesse haben könne, scheint daher naheliegend. Was zusätzlich den Schluß zuläßt, daß neben Washington die israelische Regierung die größte Gefahr für den Weltfrieden darstellt. Deren Politik, so meint zumindest Staatspräsident Rivlin, in den Abgrund führen müsse.

Im Übrigen ist kaum zu erwarten, daß jene österreichischen freiheitlichen Politiker die angeblich in zweimonatlichen Abständen ihre Siedlerfreunde in Israel besuchen, diese in ihrem Haß auf die Palästinenser besänftigen werden können. Und so scheint bei unveränderter zionistischer Politik ein Völkermord an den Palästinensern, wenn auch auf Raten, nicht ganz ausgeschlossen. Es würde in diesem Fall aber niemand sagen können, er habe davon nichts gewußt.

Helmut Müller

Quelle

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