Der Anti-Blair

In einer der traditionsreichsten und wohl wichtigsten Parteien des europäischen WWG-Imperialismus, der britischen Labour-Partei, hat sich eine erstaunliche Entwicklung vollzogen. Mit dem linkem Parteirebell und bisherigen Außenseiter Jermy Corbyn vollzieht die Labour-Partei einen Kehrtwende.

Corbyn hatte in der Vergangenheit über 500 mal gegen seine eigene Partei votiert. Corbyn hatte sich als Gegner des Irakkrieges profiliert und Tony Blair beziehungsweise dessen Erben als „Totengräber“ der Labour-Party bekämpft. Corbyn tritt für einen Austritt Großbritanniens aus der NATO ein.

Siehe: http://www.huffingtonpost.co.uk/2015/08/27/nato-should-have-been-disbanded-in-1990-says-jeremy-corbyn_n_8048772.html

Unter Umständen steht auf Corbyns-Agenda auch ein britischer EU-Austritt.

Siehe: http://www.telegraph.co.uk/news/politics/labour/11767899/How-Jeremy-Corbyn-could-lead-Britain-out-of-Europe.html

Corbyn wird nun schon von der rechten souveränistischen UKIP-Partei von Nigel Farrage umworben.

Siehe: http://metro.co.uk/2015/07/31/jeremy-corbyn-has-an-unlikely-new-cheerleader-nigel-farage-5320846/

In Israel hat nun Corbyn für Schlagzeilen gesorgt da er Hezbollah und Hamas als „Freude“ bezeichnet.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=pGj1PheWiFQ

So opponiert Corbyn auch gegen Camerons Kurs einer militärische Intervention in Syrien und gibt sich auch relativ Russland und Iran freundlich.

Wirtschaftspolitisch tritt der schlanke Brite für das Ende der Sparpolitik ein, und schreckt nicht davor zurück, die Verstaatlichung der Energie- und Transportwirtschaft zu fordern. Außerdem will er einen nationalen Investitionsfonds schaffen. Im traditionell neoliberalen Großbritannien gilt dies schon als eine „bolschewistische“ Position. Dies gilt nun insbesondere für seine Forderung nach einer höheren Besteuerung der Reichen im Land. Ein Sozialist oder gar ein „Radikaler“ wie man auch in der BRD ist aber Corbyn nicht, da nicht eine Verstaatlichung des Bankenwesens fordert, sondern nur eine Regulierung des Bankensektors. Der Linkssozialdemokrat möchte nun natürlich auch nicht das Privateigentum und das kapitalistische System abschaffen.
Es handelt sich ähnlich wie bei Oskar Lafontaine um einen linkssozialdemokratischen Reformisten.

Wirtschaftspolitisch vertritt Corbyn ähnliche Thesen wie Lafontaine und dessen Frau Wagenknecht. In Punkto NATO und EU-Kritik ist Corbyn der für eine pazifistische britische Außenpolitik eintritt sicherlich positiver zu bewerte als der linke Flügel der Linkspartei, bei der ja so etwas wie eine „EU-Kritik“ gänzlich fehlt. Corbyn hat das Thema nationale Souveränität zumindest auf der Agenda, auch wenn er sicherlich nicht unbedingt als Zuwanderungsgegner zu bezeichnen ist.

Daß nun ausgerechnet die britische Labour-Partei, als einer der wichtigsten WWG-Parteien von einem wie Corbyn geführt wird, darf man als historische Zäsur bezeichnen. Daß wäre ungefähr so wie wenn in Deutschland die Grünen von einem Zuwanderungskritiker geführt würden oder die US-Republikaner von einem „Putin-Versteher“. Die Entwicklung der britischen Labour-Partei sollte man also im Auge behalten.

Verfasser: Sozrev

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