Die Brandtianer

Im Alter von 93. Jahren ist mit Egon Bahr, einer der engsten Mitarbeiter des SPD-Bundeskanzlers Willy Brandt verstorben. Bahr galt als „Architekt“ der „Ostpolitik“ und stand für die schrittweise Annäherung von damaliger DDR und BRD. Er war auch einer der Haupthandelnden der „Entspannungspolitik“ gegenüber der damaligen Sowjetunion. Mitunter kann man Egon Bahr als einen der wichtigsten sozialdemokratischen Politiker in der BRD neben Kurt Schumacher, Willy Brandt und Helmut Schmidt bezeichnen.

Für nationale Rechte war Bahr sicherlich über viele Jahre ein Feindbild. Dazu haben der „Antikommunismus“ und auch die Thematik der verlorenen Ostgebiete beigetragen. In den letzten Jahren fiel Bahr aber eher im Verhältnis gesehen positiv auf.

Dazu trug seine realpolitische, aber doch russlanfreundliche Position auf, sein Auftritt bei einer von Jürgen Elsässer Souveränitätskonferenzen, sowie seine Enthüllung das die BRD-Kanzler unter Oberaufsicht der USA standen.

Man muss nun Bahr sicherlich nicht posthum in den Himmel loben, aber doch die Feindschaft aus den 70er-Jahren kann man doch abschwächen. Im Nachklang war die Parole „Brandt an die Wand“ (Aktion Widerstand) sicherlich nicht richtig.

Zu den letzten Brandt-Anhängern gehören neben Bahr auch Oskar Lafontaine der in seiner „Erfurter Fremdarbeiterrede“ vieles richtiges über die Hintergründe der Zuwanderungspolitik aussprach. Jene sei laut Lafontaine der Multikulti-Strategie des Großkapitals zuordenbar die „nur den oberen Zehntausend nütze“, aber nicht der Mehrheit des deutschen Volkes.

Siehe: http://www.dr-wo.de/themen/lafontaine/243.htm

Zu nennen wäre da auch der Brandt-Sohn Peter Brandt, der für eine nationale sozialdemokratische Linke plädiert. Zu dessen Kreis gehört auch Henning Eichberg, ehemaliger Top-Nationalrevolutionär.

Siehe: http://www.amazon.de/nationale-Frage-Dokumente-deutschen-Einheit/dp/3499147408

http://www.iablis.de/iablis_t/2013/eichberg13rez.html

In der Zuwanderungsfrage wäre auch Brandts „Anwerbestopp“ durchaus positiv zu nennen.

Siehe: http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/anwerbeabkommen/43270/anwerbestopp-1973

Bahr war kein deutscher Nationalist und auch nie Systemkritiker, sondern ein Vertreter der „alten Bundesrepublik“. In der Russland-Frage fand er daher auch auf seine alten Tage mit den CSU-Russlandverstehern Gauweiler und Scharnagel (Ex-Chefredakteur der CSU-Parteizeitung „Bayernkurier“) zusammen.

Bei dieser Zusammenkunft der alten Brandt und Strauß-Anhänger handelt es sich sozusagen um ein spätes Bündnis des Mainstreams der linken und rechten BRD-Ex-Eliten. Die alten Bundesrepublikanern gelten den „neuen“ (der Typ Merkel, Gabriel und Claudia Roth) mittlerweile als Graus. So wäre ein inhaltliches Bündnis Lafontaine (Brandt) und Gauweiler (CSU), Willy Wimmer (CDU,) sicherlich für die neuen Bundesrepublikaner „gefährlicher“ als etwa die gesellschaftliche marginalisierte NPD.

Beim „Brandtismus“ würde ja immerhin in der Wirtschaftspolitik ein antineoliberaler linkssozialdemokratismus herauskommen. Bei der Position des Peter Gauweiler hätten wir es zumindest mit einem gaullistischen „Europa der Vaterländer“ zu tun und bei Willy Wimmer mit einer Anti-NATO-Position.

Zu den Abweichlern wären auch Heiner Geißler und Norbert Blüm (beide CDU) zu zählen. Geißler vertritt mittlerweile ein „sozialrevolutionäres Christentum“ und wollte als Attac-Mitglied bei den Anti-G-8-Protesten deutschen Polizisten „aufs Maul hauen“. Das ist zumindest „radikaler“ als die Haltung vieler „Realos“ in der NPD und Linkspartei. Geißler ist aber im Kern antinational gestimmt.

Norbert Blüm, der sozialpolitische „CDU-Linke“, Ex-Arbeitsminister und viele Jahre lang CDU-Vize schreibt immerhin für Elsässers souveränistisches Compact-Magazin und schreibt interessante antineoliberale Bücher. Nicht zu verkennen ist auch Blüms israelkritische Position.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=0PWGn_5ecrw

Der angebliche „Herz-Jesu-Marxismus“ von Blüm und Geißler – so die Beschimpfung durch die heutige CDU/CSU – hat aber eine christkonservative Tradition. Das erste Programm der CDU, das Ahlener-Programm, behauptete von sich noch es würde mit dem Kapitalismus brechen. Dieses wurde in der Folge von Adenauer einkassiert.

Siehe: http://www.geschichte.nrw.de/artikel.php?artikel%5Bid%5D=45&

Der „christliche Sozialismus“ der Ur-CDU stand damals wohl im Wirtschaftsprogramm in der Tendenz „links“ von der heutigen Linkspartei. Die SPD unter Schumacher stand damals auch in der Wirtschaftspolitik links von der Linkspartei, in der nationalpolitischen Ausrichtung „rechts“ von vielen heutigen Rechten wie AfD und Rechtspopulisten. Aber auch irgendwie „rechts“ von damaligen Neonazis, die sich für die USA als „antibolschewistische Schutzmacht“ aussprechen. Dagegen hatte der damalige patriotische SPD-Chef Schumacher Adenauer als „Kanzler der Alliierten“ im Bundestag beschimpft.

Aber das waren eben alte Zeiten! Die christliche Soziallehre und die Linkssozialdemokratie sind in Union und SPD heute marginalisiert, ebenso der Souveränismus und Patriotismus (Gauweiler und Schumacher). De Gaulle gilt ja auch bei französischen Konservativen in den Zeiten eines Sarkozy nichts mehr.

Zum Schluss sei erwähnt das es im europäischen Mainstream durchaus auch positive Erscheinungen gibt. Die britische Labour-Partei- die Partei des Tony Blair – hat sich einen Vorsitzenden gewählt der als Linkssozialdemokrat einen EU- und NATO-Kritik auf der Agenda hat. Das wäre natürlich ein Abfall einer der wichtigsten WWG-Parteien Europas von der „wahren Lehre“.

Siehe: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/willy-wimmer/jeremy-corbyn-mehr-als-ein-politischer-robin-hood.html

Interessante Entwicklungen gibt es aber selbst bei der Sarkozy-Partei in Frankreich. Deren Mandatare sind unter Rückendeckung durch Sarkozy aus der westlichen Anti-Russland-Front ausgebrochen.

Siehe: http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/frankreich-empoert-ueber-krim-reise-von-8-abgeordneten-13717422.html

So gesehen erscheint es nicht mehr ganz ausgeschlossen das in England Labour an einer Koalition mit UKIP feilt und in Frankeich Sarkozy mit dem Front National klüngelt. Warum sollten nur Syriza und italienische Postfachisten als „Verräter“ auftreten. Der Opportunismus könnte auch andersherum (Labour und Sarkozy) „funktionieren“. Dieses mal aber als „Verrat“ an der WWG. Schließlich soll Sarkozy angeblich auch von Gaddafi bezahlt worden sein.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=e2kH8rKwtNk

Ein „Kauf“ von Labour und französischen Neocons durch Putin ist auch gar nicht abzulehnen, wenn es nur zum gewünschten Ergebnis führen würde. So wird ja auch behauptet Moskau hätte Berlusconi gekauft. Würde die angeblich unbestechliche Bundeskanzlerin Merkel von Moskau gekauft, so wäre dies aus deutscher nationaler Sicht auch gar nicht wirklich zu kritisieren, Aber dazu wird es wohl kaum kommen.

Verfasser: Sozrev

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