Identitär, alternativ oder wie immer – das Ganze soll es sein!

Der Verlust der ethnischen Individualität und die Eigenart einer Volksgruppe muß nicht unbedingt bedeuten, daß diese biologisch ausstirbt, wie einmal mein alter Freund aus nationalrevolutionären Tagen, Henning Eichberg, zu sagen wußte. Dasselbe gilt gewiß auch für ein Volk. Doch dann spielt ein solches im Völkerkonzert nur mehr in den hinteren Rängen mit. Freilich kann einem kulturellen „Völkertod“ auch die physische Vernichtung eines anpassungs- bzw. veränderungsunwilligen Volkes folgen. Diese Befürchtung wird heute in Europa zu Recht gehegt, und nicht immer nur von „bösen Rechten“.

Daß die aktuelle Zuwanderungswelle bereits vorhandene berechtigte Ängste verstärkt, ist etwas ganz Natürliches. Wenn nun in diesen Tagen auch in Österreich von „Identitären“ die Rede ist, dann möchte ich diese dem agitatorisch-aktiven Teil einer größeren Strömung zurechnen, deren Unmut und Empörung sich in unterschiedlicher Ausprägung und Stärke aus fortschreitendem Identitäts- und Kulturverlust speist. Auf den Punkt gebracht hatte es Nikolaus Fest* als er sagte, „Wenn das Fremde unsere freiheitlich- demokratische Grundordnung bedroht, dann wird Fremdenfeindlichkeit zur gesellschaftlichen Pflicht“.

Nicht überraschend ist in solchen und ähnlichen Fällen die darauf folgende Reaktion eines weltweit verfilzten, spätmarxistisch unterfütterten, dem Neoliberalismus frönenden Machtkartells, das allen Freiheitsbestrebungen längst den gnadenlosen Kampf angesagt hat. Das schmutzige Tagesgeschäft erledigen allerdings – unter Schüren der Links-Rechts-Reflexe – seine Politiker, seine Medien und seine Intellektuellen. Aber immer mehr Bürger durchschauen dieses demagogische Spiel und lassen sich durch Versuche, sie ins „rechte Eck“ zu rücken, nicht mehr einschüchtern.

Zu diesen Aufmüpfigen gehören nicht nur rechte Patrioten in Österreich, hier sogar schon linke, sondern auch besorgte Bürger in der nicht souveränen Bundesrepublik Deutschland. Dort haben sie sich ebenso außerparlamentarisch – etwa unter dem PEGIDA-Dach – zusammengefunden. Einige Gruppierungen versuchen es gar im Wettstreit mit den etablierten Parteien, haben es allerdings auf deren ureigenen Aktionsfeld ohne Fürsprecher oder Schutzherrn erheblich schwerer. So auch die Alternative für Deutschland, denn sie muß sich vorerst nicht nur hysterischer Demagogie und Salven von Totschlagwörtern erwehren, sondern muß auch der Gefahr einer von innen wie außen betriebenen Spaltung ins Auge sehen.

Nun schiene die Ausgangslage für eine alternative Partei – trotz dessen, wie es ist und was es geschlagen hat – gar nicht so schlecht. Doch auf dem Weg nach oben lauern schier unüberwindlich scheinende Hindernisse und Gefahren. Diese könnten unter Umständen bewältigt werden, wenn geschlossen aufgetreten, in sehr wesentlichen Programmpunkten Konsequenz und Übereinstimmung gezeigt und dem Markenzeichen „alternativ“ auch in strategischer und organisatorischer Hinsicht in verantwortungsvoller Weise, das heißt auch ohne Schablonen, mit dem Blick auf das Ganze entsprechend Rechnung getragen wird. Es wäre jedoch Illusion, zu glauben, man könnte sich in Windeseile aus dem Stand erheben und den Verrat und die würdelose Kriecherei der Regierenden morgen schon beenden. So wenig wie die An- und Übergriffe verhetzter „antifaschistischer“ Gewalttäter oder bezahlter Provokateure.

Keiner vermag zu sagen, wann das herrschende morsche System zusammenbrechen wird, spätestens aber wohl dann, wenn Not und Unterdrückung ein Ausmaß erreicht haben werden, daß in den Herzen der Menschen die Sehnsucht nach Befreiung und Selbstbestimmung zu groß geworden sein wird. Dann aber handeln und der Allgemeinheit, dem Volk, Ruhe und Ziel zurückgeben in einem Staat, in dem der Bürger eine seiner Natur und Kultur gemäße innere und äußere Entfaltung finden kann, wäre eine Aufgabe für eine neue, dem großen Ganzen verpflichtete Politikergeneration. Eine, die die politische Ordnung als gerechte Ordnung und die politische Gemeinschaft als eine sittliche Gemeinschaft begreift und in diesem Sinne lebt und handelt.

Diese vielleicht romantisch anmutende Vorstellung stößt allerdings auf die unangenehme Tatsache eines beschleunigten Bevölkerungsaustausches und dessen katastrophale Folgen für Identität und Kultur eines Landes. Dieselbe Vorstellung könnte aber auch durch eine ganz unromantisch bereits praktizierte bodenlose Opportunität, nämlich jene, sich durch Annäherung an den Ausbeuter und Unterdrücker aus Rentabilitätsgründen zu unterwerfen, unerfüllt bleiben. Und so könnte es wie bisher weiter gehen : „Wie Sklaven sich vor einem Tyrannen erniedrigen und ihn preisen, obwohl er sie tötet“ (Khalil Gibran).

Läuft es in Wirklichkeit nicht darauf hinaus? Noch aber wird die Wahrheit durch einen undurchdringlich scheinenden Nebel von Phrasen und Lügen, derselben sich auch unterworfene Populisten bereits zu bedienen wissen, zum Schaden von Nation und Europa verschleiert. Wenn der Geist der Freiheit sich doch noch einmal aufraffen und dem Lebensrecht eines Volkes zum Durchbruch verhelfen sollte, dann wird er sicher nicht auf Samtpfoten daherkommen und er wird sich schon gar nicht auf brav bürgerliche Art und Weise her-beten lassen.

*In Junge Freiheit, 10.April 2015

Helmut Müller

Quelle

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