Weihnachten, und ziemlich höllisch

In Weihnachtszeiten wie diesen geht es recht höllisch zu, nicht nur in Syrien, Somalia oder in Migranten-Hochburgen. Auch in so manchem Wiener Einkaufszentrum ist “die Hölle los”, wie der Schlagzeile einer Gratiszeitung zu entnehmen war. Daß so mancher „Shopping-Center“-Kaiser bei solch höllischem Treiben sich zugleich im Umsatzhimmel fühlt, ist verständlich. Ein erheblicher Teil jener aber, die mit ihrem „Xmas-Shopping bis zum Umfallen“ das Glücksgefühl eines solchen Unternehmers zu steigern wissen, könnte sich sehr bald ernüchtert in der alten Schuldenhölle wiederfinden. Spätestens nach den Feiertagen. Himmlisch wäre dann etwas anderes.

Ebenso alternativ Advent gestimmt fand in ländlicher Gegend eine dröhnende Techno-Party statt. Auch da war erwartungsgemäß die Hölle los, Drogen inklusive. Nicht nur in Paris, wo vor Konzertbeginn im Bataclan eine Teufelsmesse stattgefunden haben soll, heißt die große Herausforderung heutzutage: Teufel komm raus! Allerdings lassen Konsumrausch, Drogenrausch und Rausch ganz allgemein nur für kurze Zeit den Alltag und die Gefahren der Zukunft vergessen. Die „Hölle“ muß daher immer wieder neu inszeniert werden. Mehr „shopping“, noch mehr Betäubung, ganz im Sinne des „Big Business“ und seiner Unterabteilung Politik. Und die Kirche gibt den Segen dazu.

Wie kommt es, daß so viele Menschen vermeinen in allerlei Tand und Klumpert ihr Seelenheil zu finden und parallell dazu, wie Mario Vargas Llosa schon festgestellt hat, die Ideen als treibende Kraft des kulturellen Lebens immer deutlicher verarmen? Nun gut, die alten Götter hat man entsorgt, Götzen an deren Stelle gesetzt, nachdem man vielen Menschen die Beziehung zum Metaphysischen abgewöhnt oder dieses bewußt lächerlich gemacht hat. Aber findet die Beziehung zu einem höchsten Ideal, zu einer Gottheit, nicht dennoch statt? Wenn auch in bescheidenerem Ausmaße als früher und immer öfter außerhalb der christlichen Gotteshäuser.

Es ist ja schließlich nicht so, daß das Bedürfnis nach Spiritualität und Transzendenz im Menschen nicht mehr vorhanden wäre.. Der Zustrom vor allem junger Menschen zu Sekten wie Scientology oder den Moonies dürfte seine Hochzeit zwar hinter sich haben, aber neue, auch Kirchen, treten vor. Manches mutet grotesk an, etwa wenn sich jetzt im Herkunftsland der germanischen Edda, auf Island, eine uralte Religion aus dem Mittleren Osten zu etablieren versucht. Aber wie schon gesagt, das Bedürfnis ist da, und niemand wird ernsthaft annehmen wollen, daß Brüssel eine alternative Ordnung und eine Moral bieten könne, nach denen der Europäer sein Dasein ausrichten könnte.

Wonach dann? Was sagen uns unsere Wurzeln, was überliefert uns die Geschichte? Zum Beispiel, daß eine Haltung, die sich in der Ehrfurcht vor dem uns umgebenden Mysterium ausdrückt sowie die Einhaltung der goldenen Regel „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden willst“ uns zumindest vor der Hölle auf Erden bewahren könnten. Die Unterdrückung oder gar Verachtung des metaphysischen Erlebens und Denkens und die Verächtlichmachung des Andersdenkenden halte ich für einen großen Fehler. Beides hat nicht selten die Erlösung des einzelnen mit Gewalt herbeigeführt. Doch ohne Zweifel kann selbiges auch die Instrumentalisierung der in jedem Menschen innewohnenden Religiosität bewirken, wovon uns bestimmte islamistische Kräfte noch überzeugen wollen.

Helmut Müller

Quelle

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