Besprechungen (26)

In „Sezession“ (April 2016, S. 14-17) möchte Benedikt Kaiser die „Reste des linken antiimperialistischen Lagers überflüssig (…) machen.“ Der junge Autor gehört zu den „linken Leuten von rechts“ (Buchtitel von Otto-Ernst Schüttekopf), schätzt allerdings die Chancen für eine Querfront mit antiimperialistischen Linken als unrealistisch ein. Diejenigen, die dies wie Otto Strasser in den 1930er Jahren versuchten, würden sich im „Niemandsland“ zwischen den Extremen beider Lager wiederfinden.

Neben den neudeutschen Schuldkult trete auch heute noch Lenins Dualismus – den Kaiser irrtümlich Karl Marx zuschreibt – von den „unterdrückenden“ und den „unterdrückten“ Nationen, weshalb etwa die Autoren der „Jungen Welt“ die eigene deutsche Nation als Unterdrückernation betrachten, weshalb nicht einmal die deutsche Arbeiterklasse berechtigt sei, sich gegen die Einwanderung weiterer Lohndrücker und Mietpreisheber zu wehren.

Zu Lenins Dualismus von den unterdrückenden und unterdrückten Nationen siehe:
http://www.mlwerke.de/le/le21/le21_412.htm

So sehr diese Reflexionen realistisch erscheinen, desto unrealistischer erscheint mir Kaisers Anliegen, die deutsche Rechte solle die Globalisierungskritik und den Antikapitalismus für sich vereinnahmen. Womit? – Wäre da zu fragen. Ist es nicht vielmehr so, daß die wirklichen Kapitalismuskritiker auf der deutschen Rechten seit jeher Randexistenzen darstellen, auch in Zeitschriftenprojekten als Pausenclowns dienen, um allenfalls als Spartenschreiber ein Thema abzudecken?

Und wo finden Leute wie Kaiser Bündnispartner im eigenen rechten Spektrum, wenn schon der selbsternannte „Nationalbolschewist“ Jürgen Elsässer seinen Feldzug gegen den Mindestlohn führt? Welcher wirkliche Linke soll sich hiervon bitteschön angezogen fühlen?

Oder wenn Marc Dassen in „Compact“ (Nr. 3/2016, S. 43-44) die an sich notwendige Kapitalismuskritik sinngemäß auf die Nazi-Formel vom „schaffenden und raffenden Kapital“ verkürzt und den Juden als Ursache für die Fehlentwicklung des Kapitalismus sieht. Das Wort „Jude“ wird selbstverständlich vermieden, als Signalwörter dienen die „Rothschilds, Rockefellers, Warburgs, Morgans“. Nicht die auseinandergehende Schere in den Einkommen und Vermögen ist das Problem für Dassen, sondern die Zinserträge bestimmter Familien bzw. Clans.

Daß linke Antiimperialisten mit einer derartigen „Kapitalismuskritik“ nichts zu tun haben möchten, ist für mich mehr als verständlich. Insofern ist die Querfront derzeit mehr als unrealistisch.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro. (Unter anderem in diesem Buch setzt sich der Autor für die Freiheit der Wissenschaft und Publizistik auch für Geschichtsrevisionisten ein!)
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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