Österreich wählt ein neues Staatsoberhaupt

Als Konstantinopel kurz vor dem Fall stand, debattierten in der eingeschlossenen Metropole christliche Theologen darüber, welchen Geschlechts die Engel seien. Jahrhunderte später, da schon halb Europa den sprichwörtlichen Bach hinunter geht, hatten Kandidaten für das Amt eines österreichischen Bundespräsidenten nichts anderes zu tun, als die Schar der TV-Gaffer mehr schlecht als recht zu unterhalten.

Man ist versucht, die alpenländische „Show“ als Satire zu sehen, damit wird sie erträglicher. Ich weiß schon, dazu gibt es geeignete Kabaretts, aber als tragisch-komischer Offenbarungseid einer führerlosen Gesellschaft eignet sie sich immerhin. Es darf daher angenommen werden, daß uns der nächste Präsident nach seinem späteren Ausscheiden, so wenig abgehen wird wie sein Vorgänger,

Auch in der letzten TV-Runde hatte sich, aus meiner Sicht natürlich, kein einziger Kandidat als herausragende, mutige Persönlichkeit profiliert. Auch wurde, den Erfordernissen der Zeit entsprechend, kein einziger hoffnungsspendender oder das Land rettender Gedanke formuliert. Ich nehme daher in meinen kurzen kritischen Anmerkungen keinen Anwärter auf das höchste Amt aus und beginne in der alphabetischen Reihenfolge:

Irmgard Griess

Die angesehene, aber etwas distanziert und kühl wirkende, gewiß intelligente und gebildete Juristin mit allerdings wenig einnehmender Stimme würde wahrscheinlich als Oberlehrerin der österreichischen Nation das Amt ausüben wollen. Auf Gender- und politisch korrekter Linie wandelnd, ist sie für Homo-Ehe, Einwanderung, Berufsheer, EU und atlantisches Bündnis. Damit wird in diesem Fall die Frage aufgeworfen: was ist Intelligenz eigentlich, und was Bildung?

Norbert Hofer

Nach seinem Verbotsgesetz-Umfaller leistete sich der blaue Hoffnungsträger einen neuerlichen Schwächeanfall. Zwar weiß er von Kroaten, Ungarn und Roma im Burgenland, aber dann, nach Sekunden der Verunsicherung, zaubert er beinahe stotternd auch „die…die Volksgruppe der Deutschsprachigen“ hervor. Also keine Deutschen oder Deutschösterreicher im Burgenland? Sich übrigens zur österreichischen Nation bekennen, ohne auch die deutsche Kulturnation als leitkulturschaffende gleichberechtigt neben der Staatsnation hervorzuheben, war ein weiteres Versäumnis. Für das Amt eines österreichischen Staatsoberhauptes oder auch Kanzlers ist er aber dadurch bestens geeignet.

Rudolf Hundsdorfer

Die etwas arrogante Art des Partei- und Gewerkschaftsapparatschiks wie sie, nebenbei bemerkt, bei aus ähnlichen sozialen Verhältnissen stammenden Leuten mit ähnlicher Karriere schon in der Vergangenheit feststellbar war, ist daher so überraschend nicht. Da Hundsdorfer, wie schon einmal festgestellt, früher einmal ein wichtiges Dokument ungelesen unterschrieben haben soll, müßte er eigentlich der Wunschkandidat einer jeden Regierung sein.

Andreas Khol

Der Erzkatholik und alte Partei-Haudegen mit Denglisch-Abzeichen („Keep Khol“) am Rock und Sympathien für den Islam („…gehört zu Österreich“) und ebenso viel für die Türkei, hat eine Vorstellung von der Zukunft: Seine Frau soll schon gut türkisch sprechen. Aber immerhin, er ist gegen TTIP, zumindest jetzt vor der Wahl. Er begeistert nicht wirklich, wenn auch weniger einschläfernd als der nächst Genannte. Ein Auslaufmodell.

Van der Bellen

Der Herr Professor, dem man im Gehen die Hose flicken könnte, aber schnell genug zur Stelle war, als es um dieses lukrative Amt ging, ist als Rot-Grüner natürlich für die zentralistrische und undemokratische EU und hat, nach eigener Aussage, noch nie ein schlechtes Wort über die NATO gesagt. Er ist für TTIP, für Türkeibeitritt und Überfremdung („Ja wir sind eine Ausländerpartei“)- und er ist nicht zuletzt für ein Berufsheer, am liebsten unter UN-Kommando. Ein komischer Kauz jedenfalls.

Richard Lugner

Der um den Wirtschaftsstandort Österreich besorgte Ex-Baumeister entsprach den Spaßanforderungen dieses Wahlkampfes noch am ehesten, da war er schließlich in seinem Revier. Er konnte sich selbst darstellen. Daß er von allen Kandidaten noch am ehrlichsten wirkte und als einziger den Frauen, statt in Heeresuniformen zu schlüpfen, das Kinderkriegen empfahl, spricht keineswegs gegen ihn. Im Amt, in das er zwar nicht gewählt werden wird, hätte er die Lacher sicher auf seiner Seite.

Konstantinopel ist gefallen, Österreich und ganz Europa wird es ähnlich ergehen, wenn die Europäer insgesamt nicht wie ein Mann gegen das hereinstürmende Unheil aufstehen und die dafür verantwortlichen Schlafwandler zum Teufel jagen. Daß die genannten Kandidaten an unserer Lage keineswegs etwas ändern können und die meisten das gar nicht zu wollen scheinen, ist eine Sache. Daß sie ihre Ohnmacht ungerne zugeben oder ihre status quo-Einzementierung gar weiter treiben, ist eine andere Geschichte. Sollte, was ich nicht glaube, einer oder eine dann im Amt doch noch über sich hinauswachsen, dann wäre das immer noch zu wenig, wenn nicht das System, das uns als Konsumsklaven und Globalisierungsopfer am Nasenring führt, in Frage gestellt und überwunden wird.

Helmut Müller

Quelle

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