Besprechungen (27)

Wie eine schallende Ohrfeige mußte Jürgen Elsässer die Bekanntgabe des Textilkapitalisten Wolfgang Grupp empfunden haben, einen pakistanischen Asyl-Forderer – an den hierzulande geltenden Gesetzen vorbei – als Näher beschäftigen zu wollen.

Siehe hierzu:
http://www.wiwo.de/politik/deutschland/trigema-wolfgang-grupp-stellt-fluechtling-zur-not-auf-eigenes-risiko-ein/12310582.html

Schließlich hatte Elsässer in dem von ihm redigierten Magazin „Compact“ – unter anderem in einem Interview – den Trigema-Unternehmer Grupp seinen Lesern als den „guten deutschen Produktionskapitalisten“ präsentiert. Unlängst inszenierte sich Grupp in der Talkshow „Maischberger“ als „Robinhood“ des deutschen Unternehmertums, der – ganz praktisch veranlagt – einen gut ausgebildeten Näher aus Pakistan am geltenden Asyl- und Arbeitsrecht vorbei bei sich beschäftigt.

Siehe hierzu (ab Minute 30):
http://mediathek.daserste.de/Maischberger/Sozialstaat-unter-Druck-Kosten-uns-die-/Video?bcastId=311210&documentId=33490914

Somit ist auch Elsässers Verschwörungstheorie widerlegt, daß in unserem Land den schaffenden Arbeitnehmern und produzierenden Unternehmern gemeinsam das eine Prozent des vor allem jüdischen Finanzkapitals als Volksfeinde gegenüberstehen würde. Der Chefredakteur von „Compact“ sollte die Wirklichkeit zur Kenntnis nehmen, daß nämlich auch die deutschen Produktionskapitalisten – sicherlich systembedingt – Fremdarbeiter beschäftigen und Leiharbeiter ausbeuten. Elsässers Strategie, diese großbürgerlichen Kreise durch seine Agitation gegen den Mindestlohn auf seine Seite zu ziehen, ist definitiv gescheitert. Zumal auch ein Herr Grupp viele Einwanderer von ihrer nützlichen Seite her betrachtet.

Elsässers Agitation gegen den Mindestlohn ist folgerichtig im Rahmen seiner Strategie, Bestandteil eines bürgerlichen Mitte-Rechts-Blocks („Aufstand der Mitte“, Compact, 6/2016, S. 42) zu werden. Deshalb auch seine Absage an jede Form einer „Querfront“, da Elsässer genau weiß, daß er als vom sogenannten Verfassungsschutz stigmatisierter „Extremist“, der die politischen Ränder zusammenführen möchte, im bürgerlichen Lager durch den Rost fallen würde.

Die Angst vor den „Verfassungsschutzberichten“ bestimmt nicht nur die Schreiber und Herausgeber von „Compact“, sondern ebenso die der rechtskonservativen Theoriezeitschrift „Sezession“. Deren Chefredakteur Götz Kubitschek sieht „Schlingen im Widerstandsmilieu“. (Sezession, Juni 2016, S. 26) Als echter Unternehmer weiß er, daß der wirtschaftliche Erfolg immer brüchig ist, daß am Ende die Konkurrenz – auch im eigenen Lager – das eigene Netzwerk wegsprengen kann. Denn überall lauern die „Sackgassenbewohner“ der „Alten Rechten“, die in Veranstaltungen vor Ort die von Kubitschek und Elsässer ausgegebenen Diskursregeln mißachten und sich entsprechend zu Wort melden.

Eine Diskussion darüber, wer mit den „Sackgassenbewohnern“ gemeint ist, läßt Kubitschek in seinem Internetblog nicht zu.

Siehe hierzu:

Schlingen im Widerstandsmilieu

Meint Kubitschek ausschließlich sektiererhafte Reichsbürgerbewegungen, Reichsflugscheibensucher, Möchtegernarierzüchter, gar Verschwörungstheoretiker wie Elsässer? Oder gilt die Ausgrenzung auch deutschen Souveränisten, die im Stile Hans-Dietrich Sanders den BRD-GG-Staat in Frage stellen und echten Kapitalismuskritikern, die das Eigentum des Großbürgertums anzutasten gedenken?

Trotz aller Einschränkungen ist um „Compact“ und „Sezession“ ein Zwischenlager – zwischen den bürgerlich-konservativen Totalausgrenzern um die „Junge Freiheit“ und dem traditionellen „Nationalen Widerstand“ – entstanden, das gerade im Falle von „Compact“ beträchtliche zusätzliche Leser- und Aktivistenkreise erschließt. Nicht zuletzt in der USA-Kritik und in der Pro-Rußland-Ausrichtung ist hierbei zweifellos eine alternative politische Position sichtbar geworden. Auch wenn Elsässers Schalmeiengesänge in Richtung Putin manchem Leser doch etwas zu penetrant wirken und die notwendige Kapitalismuskritik in „Compact“ auf die Kritik am jüdisch-amerikanischen Kapital verkürzt wird.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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