Identitäre im Blickpunkt

Lange vor den Identitären gab es die Nationalrevolutionäre, und ich war einer von ihnen. Wir bezeichneten uns in Anlehnung an jenes politische Spektrum der Weimarer-Zeit als solche, und einer von uns, Henning Eichberg, veröffentlichte sein Buch “Nationale Identität”. Henning Eichbergs Thesen trugen wesentlich dazu bei, Begriffe wie nationale Identität, Sozialismus des eigenen nationalen Wegs, Ethnopluralismus und Befreiungsnationalismus zu begründen. Weitere Publikationen aus unserem Umkreis so wie auch unsere Aktivitäten riefen in der damaligen außerparlamentarischen politischen Szene ein beachtliches Interesse hervor.

Der Journalist und Schriftsteller Wolfgang Venohr und selbst linke Intellektuelle wie Rudi Dutschke und Peter Brandt entdeckten ihre Sympathien für die “Revolutionäre von Rechts”. Günther Nenning, der meinen “Nationalrevolutionär” zugesandt bekam, wurde dadurch auf uns aufmerksam und schrieb mir ein paar zustimmende Zeilen. Der linke Querdenker konnte sich offenbar mit unserer Generallinie weitgehend identifizieren. Andererseits hatten wir auch keine großen Berührungsängste gegenüber Teilen der linken Szene. Es lag also damals etwas in der Luft, was den Verteidigern des status-quo nicht verborgen bleiben konnte und sie alarmierte.

Und heute schrillen schon wieder die Alarmglocken. Dieses Mal heißen die dem System lästig gewordenen Polit-Aktivisten Identitäre. Da lese ich etwas über angeblichen „Landfriedensbruch“* durch Identitäre, und in diesem Zusammenhang, daß dieselben sich für den ach so bösen Ethnopluralismus erwärmten. Was in dieser Hinsicht noch nicht bedeutet, daß es sich bei diesen politischen Aktivisten um solche in Nachfolge der Nationalrevolutionäre handelte.

Ich kenne diese jungen Menschen zwar nicht persönlich, und mir sind außer einigen richtungsweisenden Stichworten keine wegweisenden Publikationen aus ihren Reihen bekannt, vermute aber, daß ihr poltisch-ideologisches Konzept, so es eines gibt, wohl nicht ganz deckungsgleich mit dem der erwähnten Nationalrevolutionäre, die noch dazu unabhängig von System-Parteien und Sekten waren, sein dürfte.

Aber immerhin, der Begriff des Ethnopluralismus, der natürlich in krassem Gegensatz zu dem des Multikulturalismus gesehen werden muß, ruft erst recht heute die gleichen alten Mächte auf den Plan, was nur heißen kann, daß diese jungen Leute auf dem rechten Weg sein könnten. Dieselben Mächte haben eben neuerlich die Gefahr erkannt und bringen ihre Medien und ihre Chaoten-Brigaden in Stellung. Versuchsweise auch schon die Justiz mittels Faktenverdrehung.

Was die Identitären von den programmatisch hervorragend ausgestatteten Nationalrevolutionären der siebziger und achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts auf jeden Fall zu unterscheiden scheint, ist deren ausgeprägte Aktionismus gegen eine Politik des großen Bevölkerungsaustauschs. Aktiver Widerstand – warum nicht auch durch heutige Rechte? – ein an und für sich demokratisch legitimes Bestreben, wenn auch damit nicht gleich die Art und Weise eines aktionistischen Vorgehens in jedem Fall sinnvoll sein muß. Was in letzter Konsequenz auch davon abhängen könnte, ob das ganze auf einem soliden, in die Tiefe gehenden ideologischen Fundament ausgeführt wird..

Ohne auf jüngste Vorwürfe gegen Aktionen der Identitären näher einzugehen, möchte ich doch ihren Kritikern die Worte des Amerikaners Henry David Thoreau** in Erinnerung rufen: „Alle Menschen akzeptieren das Recht auf Revolution; das heißt das Recht, der Regierung die Gefolgschaft zu verweigern und ihr Widerstand zu leisten, wenn ihre Tyrannei oder ihr Unvermögen unerträglich ist“. Das Recht auf Widerstand steht übrigens auch im bundesdeutschen Grundgesetz, und unerträglich ist die Lage auf jeden Fall, auch in Österreich.

Auf das Unvermögen der Regierung muß hier nicht näher eingegangen werden. Auf jenes kluger linker und rechter Köpfe, gemeinsam eine vernünftige Alternative zu dem auf Versklavung der Völker ausgerichteten Konzept der Globalisierer zu entwickeln schon eher. Es ist in diesem Zusammenhang doch erhellend, wie nicht nur Islam und Abendland absichtlich gegeneinander aufgebracht werden, sondern sich – auch demselben Zwecke dienend – der sich vergrößernden Kluft zwischen Links und Rechts nachgeholfen wird. Sagen wir, auch durch Lohn-Hetzer in öffentlich-rechtlichen Medien befördert wird. Mit Punzierungen wie „Neo-Nazi“ (ORF) ist man da gleich zur Stelle.

Mit dem Errichten und Vertiefen von unüberbrückbar scheinenden Gräben wird eine politische Alternative, etwa ein die Souveränität einer Nation oder eines Volkes und deren Überleben gewährleistender so genannter Dritter Weg, erst einmal verhindert. Daran werden auch die von besonderer Seite mit besonderen Aufgaben betrauten rechtspopulistischen Parteien wenig ändern können, da gerade auch sie, wenn ich micht nicht irre, längst in die Falle der Globalisierer getappt sind. Aber wie man es bei den heutigen Grünen und einigen rechten Spitzenverdienern ersehen kann, läßt es sich darin ganz schön bequem leben.

Die Nationalrevolutionäre waren sicher nicht die ersten und auch nicht die Letzten, die einen Dritten Weg als Absage an ein bestehendes korruptes Unterdrücker-System einzuschlagen versuchten oder darüber geforscht haben. Ghaddafi ist es zu Beginn nicht ganz glücklos angegangen, und der britische Soziologe Anthony Giddens hat über eine modernisierte Variante der Sozialdemokratie nachgedacht. Die Versuche jenseits von Links und Rechts gesellschaftspolitisch etwas Neues zu schaffen, müssen aber durchaus nicht von Links kommen, sie könnten auch wieder einmal von Rechts angestoßen werden. Und geschieht auch schon: https://sachedesvolkes.wordpress.com

Ich weiß nicht, ob die Identitären “ sich diesbezüglich auch intellektuell einmal durchsetzen werden können oder nicht doch im alleinseligmachenden Rechts-Denken verhaftet bleiben werden. Ich denke nur, daß, wie immer die politische und ökonomische Alternative zu dem jetzigen Herrschafts-System einmal lauten wird, eine solche alle für eine Gesellschaft oder ein Volk wesentlichen Fragen und alle mündigen Bürger eines Staates miteinbeziehen und friedfertige Andersdenkende nicht ausschließen sollte. Das bedeutete aus ganzheitlicher Sicht natürlich die Anerkennung der Zusammengehörigkeit gegensätzlicher Polaritäten des gesellschaftlichen Lebens auf dem Boden einer wünschenswerter Weise von nationalen Patrioten getragenen direkten Demokratie.

*Störaktion an der Klagenfurter Universität, bei der der Rektor angeblich handgreiflich geworden sein soll.

**Henry David Thoreau: „Vom Ungehorsam gegen den Staat“

Helmut Müller

Quelle

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