Antisemitismus schadet Antizionismus und politischer Analyse

Es ist natürlich so das der Antisemitismusvorwurf heute im Kapitalismus ein wild wuchernder Vorwurf ist um Kritiker mundtot zu machen. Darauf hat etwa der israelische Soziologe Moshe Zuckermann – der kein Zionist ist – in einem lesenswerten Buch („Antisemit! Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“) hingewiesen. Was aber nicht bedeutet das es gar keine Antisemiten mehr gebe, auch wenn die sehr selten geworden sind.

Die findet man aber teilweise vermehrt im NW. Manche neigt dazu „den“ Juden an allem möglichen die Schuld zu geben – vom Kommunismus bis Kapitalismus. Aber so einfach ist das eben nicht, sondern es handelt sich hierbei um eine irrationale Verschwörungstheorie. Echter Antisemitismus schadet zudem der Israelkritik und dem Antizionismus. Ich bin etwa Antizionist, aber habe deswegen nichts pauschal gegen Juden.

Die im Grunde völlig unpolitische irrationale Haltung fängt ja schon damit an das „nachgeforscht“ wird ob ein Politiker oder Promi irgendwann mal jüdische Wurzeln hatte, ob der Name des Betreffenden sich vielleicht irgendwie „jüdisch“ anhöre.Dies wird auch gegen den russischen Präsidenten Putin herangezogen. Ukrainische NATO-Faschisten und einige deutsche Verschwörungstheoretiker behaupten etwa Putin sei Jude. So etwa Bernhard Schaub von der „Europäischen Aktion“ oder so dubiose Figurern wie Detlef Nolde.

Der an sich sonst verurteilten antisemitischen Verschwörungstheorie bedienen sich auch Prozionisten und NATO-Propagandisten im Westen, wenn es in das politische Konzept passt. Spiegel-Online hat etwa ohne ein Wort der Kritik während des Libyenkrieges die „Ansicht“ von NATO-Islamisten in Libyen verbreitet, der libyschen Revolutionsführer Gaddafi sei angeblich ein „Jude“, stamme von Juden ab. Wenn es gegen nationalsouveräne und nationalistische Politiker geht darf auch im „philosemitischen“ Westen, auch in der BRD, die Antisemitismuskarte gezückt werden.

In einigen rechten Hinterzimmern wird gerne über eine alles durchdringende jüdische Weltverschwörung palavert. Wenn aber die jüdische Weltverschwörung hinter allem stecken soll, dann wird ja jeder Politansatz unsinnig, weil ja die Verschwörung viel zu mächtig ist. Am Ende ist man selbst von dieser infiziert. So gehört es zum Standard“gag“ in manchen rechten Kommentarspalten so ziemlich jedem den man im eigenem Spektrum nicht leiden kann als „Juden“ zu beschimpfen oder ihn als solchen zu bezichtigen. Altermedia bot hierfür genügend Anschauungsmaterial. Was nun aber nicht gerade ein positives Bild auf so manchen aus menschlicher und psychologischer Sicht wirft.

Der Wahnsinn geht ja sogar bei einigen Verschwörungstheoretikern so weit das Hitler selbst Teil der Verschwörung gewesen sei (angebliche jüdishe Wurzeln oder gleich ein Geheimagent der Verschwörung).So wird etwa in einem Buch („Adolf Hitler Begründer Israels“) behauptet der Befehl zum Holocaust sei von Juden gekommen um es möglich zu machen, dass sich ein jüdischer Staat gründet. Hitler sei als Agent dieser jüdischen Verschwörung instaliert worden.

„Antisemit“ ist aber nicht mit einem eliminatorischen Antisemitismus gleich zu setzen, wie das viele Gutmenschen, Zionisten und Neocons tun. Die meisten Antisemiten im NW sind gemäßigte Antisemiten, wenn auch nicht alle (die Durchgeknallten fand man auf Altermedia und Thiazi – es wurde etwa darüber diskutiert wieder neue KZs zu bauen). Ich bin aber der Meinung das auch der gemäßigte Antisemitismus politisch schädlich ist weil er zum einem dem Antizionismus schadet und zum anderem zur politischen Verblödung führt, da dann politische Sachverhalte nicht mehr politisch analysiert werden, sondern vom dem unpolitischen Hintergrund einer angeblichen „Weltverschwörung“.

So meinte etwa vor Jahren ein NPD-Funktionär aus Bayern zu mir, vor dem Werk des jüdischen israelkritischen Publizisten Burg, unter dem Titel „Hitler besiegen“, sei nur zu warnen. Einigen Juden ginge es darum deutsche Nationalisten „einzullulen“, so die Meinung dieses Verschwörungstheoretikers. Ob man so was ernst nehmen muss, soll jeder selber beurteilen. Was mich aber doch nicht davon abbringen konnte das interessante Buch zu lesen.

Siehe: https://www.amazon.de/Hitler-besiegen-Israel-endlich-Holocaust/dp/3593390566

Der Antisemitismus oder Antijudaismus ist an sich schon völlig unlogisch. Zum einem unterscheiden sich nahöstliche Juden nicht rassisch großartig von arabischen Semiten. Im Antisemitismus wird aber behauptet es sei keine Frage der Religion, sondern des Blutes – gemeint sind wohl eher Gene, weil sich das Blut von Juden, Eskimos, Europäern und Afrikaner nicht unterscheidet. Dabei hätte man aber aufgrund eines Gentests auch nicht die Gene eines deutschen Juden wie Viktor Kemperer von denen eines Adolf Hitlers ethnisch unterscheiden können.Auch der „Rassenphysionomie“ nach wäre es „schwierig“ gewesen, da Klemperer eher so aussah wie man sich einen Deutschen im Ausland vorstellt. Dagegen entsprachen die süddeutschen Typen Hitler optisch (tschechischstämmig, da die Vorfahren Hidlacek hießen, siehe etwa die Hitler-Biographien von Fest, Toland und Kershaw) und Himmler nicht dem Klischee des germanischen Rassei“deals“
Das Stürmer-Klischee klappt auch bei bekannten zionistisch-israelischen Politiker nicht. Die rechten israelischen Politiker wie etwa Olmert, Livni und auch Netanhau sehen europäisch aus – was ja auch „logisch“ ist da sie aus Polen und dem Baltikum stammen -, sind zum Teil dunkelblond und wie im Fall Netanjahu sehr großgewachsen. „Hakennasen“ haben sie auch nicht.
Auch in zynischen NS-Propgandafilmeen aus dem Warschauer Getto waren ja zahlreiche blonde Juden zu sehen, die nicht unbedingt so aussahen wie sich das antisemitische Klischee Juden vorstellte. Optisch sahen diese eben auch nicht anders aus als blonde christliche Polen. Dies gilt dann klugerweise etwa auch von dem von Hermann Göring beschützten hohen Militärs Erhard Milch.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Erhard_Milch

Nun geht auch das Gerücht um Göring, Rosenberg um und gar Heydrich hätten jüdische Vorfahre gehabt. Was durchaus sein kann! Da Juden seit Jahrhunderten in Deutschland lebten haben sich diese über Generationen hiweng nicht nur mit Glaubensgenossen gepaart. Eine Studie will etwa heraus gefunden haben das irgendwann mal jeder fünfte Deutsche irgendwann in seiner Linie auch jüdische Wurzeln hatte. So gesehen dürfte aich ein relativer Anteil im NW mal einen jüdischen Vorfahren gehabt hatten – etwa der pathologische Antisemit Horst Mahler.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=COVkrIkrRuQ

Nun gehörte aber Sharon etwa der selben „Großrasse“ an wie etwa Arafat oder Assad. Netanjahu ist dagegen aufgrund von jahrundertelanger Vermischung und Assimilation kein Semit mehr, sondern ein europäischsstämmiger Jude. Bei den Juden aus Äthiopien handelt es sich um Afrikaner und nicht um Semiten. Insofern können „die“ Juden logischerweise gar keine „Rasse“ sein. Der israelische, israelkritische Historiker Shlomo Sand, hält etwa die Behauptung die Juden seien heute ethnisch gesehen ein einheitliches Volk (völkisch gesehen) oder gar eine Rasse für einen zionistischen Mythos. Dies sei zu Zeiten von König David so gewesen, aber nicht mehr heute.

Anmerkung: Bei den israelkritischen Authoren Zuckermann und Sand handelt es sich auch um Juden deren Vorfahren ursprünglich dem deutschen Kulturkeis angehörten. So hatte etwa der deutsch-dänische Nationalrevolutionär Henning Eichberg einst den Holocaust als „antideutsche Aktion“ verurteilt, weil sich dieser auch gegen zahlreiche deutsche Juden richtete die entweder Deutsche waren oder dem erweiterten deutschen Kulturkreis angehörten. Eichbgerg definierte aus seiner Sicht auch etwa das, dass „jidisch“ als kulturell zum deutschen Sprachraum gehörig zu sehen sei, weil darin zahlreiche deutsche Vokabeln enthalten waren. Laut Eichberg sei das osteuropäische – etwa das polnische Judentum – kulturell eher nach Deutschland ausgerichtet gewesen. Tatsächlich sprechen hierfür die oftmals deutschen Nachnamen vieler polnischer Juden.

Siehe: https://www.amazon.de/Die-Erfindung-j%C3%BCdischen-Volkes-Gr%C3%BCndungsmythos/dp/3549073763

Verfasser: Sozrev

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Kommentare

  • hanswernerklausen  On 10. August 2016 at 16:16

    „Die im Grunde völlig unpolitische irrationale Haltung fängt ja schon damit an das „nachgeforscht“ wird ob ein Politiker oder Promi irgendwann mal jüdische Wurzeln hatte, ob der Name des Betreffenden sich vielleicht irgendwie „jüdisch“ anhöre.“

    So etwas ist auch in Polen ein beliebtes Hobby: dort gehört es fast zur Folklore, Leuten, die man nicht leiden kann, jüdische Abstammung nachzusagen.

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