Traumatisierte Flüchtlinge heute und damals

Sie kommen in Massen und werden durch die Bank automatisch „Flüchtlinge“ genannt. Jeder zweite ist angeblich traumatisiert, was immer darunter verstanden wird, und offensichtlich unabhängig davon, ob die Schnell-Diagnose einer objektiven und genauen Überprüfung standhält oder nicht. Doch nach Einschätzung der deutschen Bundestherapeutenkammer benötigen jetzt schon bis zu 80.000 betroffene „Flüchtlinge“ eine Therapie. In Kenntnis der Migrationsfakten und der Dehnbarkeit des Begriffs müßten daher in den nächsten Jahren Millionen Neuankömmlinge traumagerecht therapiert werden.

Heutige Wünsche gehen nun dahin, daß kassenärztliche Vereinigungen und Krankenkassen neben Medizinern und Psychotherapeuten Behandlungen auf ihre Kosten abrechnen lassen. Und, eh klar, Dolmetscher sollten gleich mitfinanziert werden. Natürlich nicht von grünen oder anderen Sozialromantikern, die verlangen solches nur. Und bei denen weiß man ja längst , daß sie bereits dann ein „Trauma fürs Leben“ an die Wand malen, wenn einmal ein Betroffener, Flüchtlingsbub oder nicht, nach einem Diebstahl eine wahrlich verdiente Ohrfeige bekommt.

Die Trauma-Masche könnte sich inzwischen herumgesprochen haben. Da ich persönlich schon Bekanntschaft mit auskunftswilligen „Flüchtlingen“ machen durfte und Berichte aus der jeweiligen Region genau verfolge, fällt es mir schwer, bestimmten Erzählungen Glauben zu schenken. Ohne Zweifel haben viele Migranten schwere Belastungen und Strapazen, auch erniedrigende Behandlungen auf sich nehmen müssen, darunter besonders Kinder zu leiden haben. Ich bezweifle aber, daß jeder zweite „Flüchtling“ derart Schreckliches erlebt hat, was eine Therapie auf Steuerzahlers Kosten unbedingt erforderte.

Ja, und dennoch: man reißt sich regelrecht um echte und so genannte Traumatisierte, versucht sie in Wohngemeinschaften unterzubringen, richtet ihnen Kunstateliers ein, vermittelt ihnen ihren Traum(a)beruf , organisiert für sie karitative „Events“, läßt sie eine Lehre schnuppern usw. und, wie könnte es anders sein, am Ende verdient auch irgendwer daran. Inländische Arbeitslose oder Hilfsbedürftige sicher nicht. Daß man von einer Heimreise der Betroffenen nichts hält, sollte nicht verwundern. Insofern sind auch die Erwartungen nicht nur vieler Therapeuten nachvollziehbar.

Etwas seltsam muß das ganze Flüchtlings“business“ dieser Tage allerdings jenen Überlebenden anmuten, die vor Jahrzehnten aus dem Osten und Südosten Europas, ihrer Habseligkeiten und ihres Besitzes beraubt, vertrieben wurden. Für sie gab es – im Gegensatz zu den heutigen Fällen keine Willkommen-Kultur, aber auch kein Zurück; das allein mußte sie schon zu Traumatisierten machen. Dazu kam, daß unzählige unter ihnen die abscheulichen Taten antifaschistischer „Helden“ mitansehen oder gar am eigenen Leib erfahren mußten. Kein Psychotherapeut, keine sozialpsychiatrischen Dienste standen ihnen zur Seite.

Sie kamen auch nicht unverschämt fordernd oder gewalttätig über die Grenzen, waren vielfach unterernährt und unzureichend gekleidet, hatten kein Mobiltelefon und waren unendlich dankbar für die kleinste Hilfe. Sie waren nicht anmaßend, wurden nicht kriminell, integrierten sich im Handumdrehen, packten an und bildeten mit der Mehrheit eine große nationale Gemeinschaft. So halfen sie mit, das Überleben ihres Volkes zu sichern und gleichzeitig neuen Wohlstand zu schaffen, von dem auch alle heutigen Gutmenschen und deren vorzüglich versorgte „Flüchtlinge“ profitieren.

Es wäre ein Zeichen umfassender Einsicht und später Reue würden die spätgeborenen Samariter ihre gutmenschliche Übertreibung einmal so verstehen, daß sie diese ihres schlechten Gewissens wegen gegenüber einer von ihnen links liegen gelassenen oder von ihnen verschmähten Opfer-Generation quasi kompensationsmäßig ausübten. Aber ich vermute, eher ließe sich eine durch Umerziehung traumatisierte Willkommen-Aktivistin von ihren „Flüchtlingen“ begrapschen als zu solcher Einsicht bewegen. Kein Fall für Psychotherapeuten?

Helmut Müller

Quelle

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