Die AfD am Scheideweg

Die Alternative für Deutschland legt mächtig zu, das deutsche Volk ist um eine Hoffnung reicher. Ob diese sich im Sinne der Mehrheit der AfD-Wähler auch so erfüllen wird, kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht eindeutig bejaht werden. Einiges spricht doch dagegen, und ob das Übernehmen der riskanten Strategie einer anderen Partei sinnvoll wäre, darf durchaus jetzt schon hinterfragt werden. Zumindest wenn man mehr als nur eine Regierungsbeteiligung und systemerhaltende Reformen anzustreben bereit wäre.

Doch abseits davon versuchen die noch im Sattel sitzenden Etablierten, in Berlin weniger deutlich als in Wien, bereits erfolgte politische Rück- und Tiefschläge durch der Masse der Protestwähler entgegenkommende Ankündigungen und Maßnahmen abzufedern, um dem unbequemen politischen Gegner die Bäume nicht in den Himmel wachsen zu lassen. Dessen ungeachtet geht das „Liebeswerben“ um die neue Braut mehr heimlich als offen über die innenpolitische Bühne. Auch hier aus verständlichen Gründen zurückhaltender an der Spree.

Aber wie das so ist wenn etwas seine Eigendynamik bekommt, wird sich da, angestoßen von der AfD, auch im Norden einiges bewegen. Ob und wie, auf welche Weise nun aber die damit einhergehende und von einzelnen befürchtete Annäherung auch der AfD an das System, damit an das global herrschende, schließlich vollzogen werden wird, könnte schon bald einmal Konkreteres über das endgültige Schicksal dieser Alternative für Deutschland verraten, in der manche bereits eine zweite FPÖ sehen wollen.

So stellte etwa kürzlich, neben anderen, auch der FPÖ-Politiker Norbert Hofer gewiße Ähnlichkeiten der beiden rechtspopulistischen Parteien fest; er meinte in einem Gespräch mit dem Stern, die AfD sei in einer Phase, in der die FPÖ auch einmal war. Er sehe große Chancen, aber auch ähnliche Probleme, wie sie seine Partei auch gehabt habe, so Hofer. Etwa innerparteiliche Streitigkeiten und das schnelle Wachstum. Wenn dem so ist, wird die AfD doch einiges daraus gelernt haben.

Der, wie sein Obmann auch, mit der für das heutige politische -„Show“-Geschäft nötigen Flexibilität ausgestattete blaue Überflieger Hofer liegt mit seiner Diagnose zwar nicht ganz daneben, die ganz andere Parteigeschichte der AfD, deren Ausgangslage und die besonderen poltischen Bedingungen der Bundesrepublik lassen aber keine einfache Gleichsetzung mit der FPÖ zu. Das dürfte, trotz bemerkenswerter Ähnlichkeiten, auch für die psychologische und die intellektuelle Verschiedenheit zwischen den beiden Parteiführungen gelten.

Möchte nun die AfD tatsächlich den Weg der FPÖ gehen, dann müßte sie immerhin gegenüber besonderen Freunden einige Bedingungen erfüllen, die weit an dem vorbeigehen, was möglicherweise ein erklecklicher Teil ihrer Anhänger von ihr erwartet. Zu diesen Bedingungen gehörten die kritiklose Anerkennung der herrschenden Nachkriegsordnung und der von den Siegern geschriebenen Zeitgeschichte. Ferner wird erwartet: seinen Kottau machen vor den „Beschützern“ und nicht zuletzt der Verzicht auf jede Israel-Kritik. Vereinzelt auch schon die Festschreibung einer „jüdisch-christlichen“ Kultur des Abendlandes.

Toleriert wird schließlich unter Besatzungsbedingungen ausschließlich ein am Gängelband geführter großzügiger und extrem duldsamer Furor teutonicus, dem leicht Ketzerisches oder politisch Unkorrektes zwar gelegentlich durchaus gestattet wird, solange diese „Gnadenbrote“ nicht Forderungen oder Maßnahmen nach sich ziehen, die der Machtsphäre des Imperiums abträglich wären. Daher wäre mit einer quasi bedingungslosen Unterwerfung, als zivile Variante der militärischen Kapitulation gleicher Art, eine schrittweise Aufweichung, vielleicht auch Beseitigung gewisser nationaler Fundamentalpositionen irgendwann nicht mehr zu vermeiden. Und so könnte die AfD eines nicht zu fernen Tages eine ganz normale Partei wie die FPÖ werden, in der führende Funktionäre zu ebenso normalen Kostgängern des Systems bereits aufgestiegen sind.

Dazu sollte man wissen: Nicht selten stehen zwecks Wahrung der Systeminteressen, übrigens auch in anderen Parteien, dazu ausgewählte Kandidaten schon im Vorfeld bereit. Findet doch ein kaum wahrnehmbarer, von den internationalistisch agierenden Eliten gesteuerter Ausleseprozeß statt, der, von gelegentlichen Personal-Pannen abgesehen, den für den jeweiligen Zweck am geeignetsten Kandidaten nach vorne bringt. Dieser realisiert nicht wirklich, wie ich einmal im Fall Haider* schrieb, daß er ab einem gewißen Zeitpunkt nicht mehr selbst schiebt, sondern geschoben wird. Ein weiteres Lehrstück.

Könnte man von einem „geschobenen“ Politiker noch erwarten, daß er neben dem politischen Wert einen eigenen gründet, der wenigstens seine Partei überdauert und dabei die Würde der Nation unangefochten ließe? Zu sehr stehen dem dann längst andere, überlagerte Werte und sehr persönliche Überlegungen entgegen. So mancher verheddert sich doch bald in einem Geflecht fremder Interessen und diverser Abhängigkeiten, aus dem es schwer zu entkommen ist. Ob in der noch jungen AfD gegebenenfalls jemand rechtzeitig noch die Reißleine ziehen könnte?

Und wenn nicht, gäbe es überhaupt noch eine andere und doch machbare Alternative? Ich denke schon. Eine solche stellte selbstverständlich höhere Ansprüche an Patrioten als bisher, erforderte auch ein Umdenken in organisatorischer Hinsicht und verlangte Opfer. Daß eine solche neue Alternative von Anfang an klare Grenzen ethisch-moralischer Natur setzen und glasklare Aussagen, etwa in weltanschaulicher Hinsicht, treffen müßte, versteht sich von selbst. Denn auch hier gilt: Wie man sich bettet, so liegt man.

Das Weitere mag vorerst einmal utopisch klingen, doch wer sich nicht ein hehres Ziel setzt, der wird beim politisch Banalen dieser Tage festsitzend verweilen müssen. Denn zunächst bedürfte es eines soliden mit sittlichen Qualitäten ausgestatteten geistig-kulturellen Fundaments, gebündelt in einer Idee, die einer Bewegung oder Partei jene Kraft verleiht, aus der dieser jener Glauben erwächst, für eine historische Mission bestimmt zu sein. Wo sind heute die großen Ideen, in der AfD?

Ohne Zweifel bedürfte es dazu wieder rückgratstarker Politiker mit Format, die ihre Rechte und Pflichten aus eben diesen sittlichen Qualitäten ableiten und die politische Moral auf die private gründen. Solche Politiker wären gewiß in der Lage, die Rückkehr zu nationaler Politik, damit auch zu nationaler Souveränität und die Wiederherstellung der deutschen Identität nach Innen und Außen zu bewerkstelligen. Was nicht ausschließt, daß daran auch geeignete Politiker aus anderen Parteien mitwirken könnten.

Eine gleichzeitig von nationaler Verantwortung und europäischem Gemeinsinn getragene alternativ-„revolutionäre“ Partei hätte allerdings keinen leichten Marsch vor sich, aber dafür, sofern weise und vernünftig vorgesorgt, die Anleitungen für eine ideale Staats- und Gesellschaftsordnung im Tornister. In einer solchen könnte das Herrschen auf neue, jedenfalls nicht fremdbestimmte Weise gestaltet werden. Direktdemokratisch zwar, doch ohne diesbezügliche Fehlentwicklungen anderswo auszublenden.

Im Gegensatz dazu wird jedes noch so gut gemeinte politische Unternehmen, das versucht, das politische System oder die EU insgesamt von Innen her zu reformieren, Gefahr laufen, durch vielfältige Mechanismen und Einflüsse begünstigt, infolge einer schleichenden Anpassung an das herrschende System diesem bereits frühzeitig erlegen zu sein, anstelle dessen Überwindung herbeigeführt zu haben. In dieser Lage scheinen sich bereits einige rechtspopulistische Parteien zu befinden. Womit, sollte es auch die AfD so weit bringen, früher oder später das nicht nur von ihren Anhängern befürchtete Finis Germaniae doch noch in die Nähe rücken könnte.

Es ist daher zu hoffen, daß zumindest in der AfD genügend aufrichtige und mutige Patrioten vorhanden sind, die die Herausforderung dieses Jahrhunderts nicht nur ihrem wahren Wesen nach erkannt haben, sondern auch bereit sind, dieselbe verantwortungsvoll anzunehmen. Will heißen, das Wohl der Nation über das ihrer Partei oder über jenes fremder Interessen zu stellen. Schließlich ist mit noch so großen Maulhelden und ehrgeizigen Karrieristen weder ein ordentlicher Staat zu machen, noch jenes Abendland zu retten, das dieselben stets beschwören.

*Jörg Haider. Patriot im Zwielicht. Eine politische und kritische Analyse, Rolf-Josef Eibicht (Hg.), 2000, 452 Seiten, Edition DS

Helmut Müller

Quelle

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