Die verwahrlosste Gesellschaft

Goethe schrieb einmal* über „die genetische Denkweise, deren sich der Deutsche nun einmal nicht entschlagen kann…“. Nur der Deutsche? Gar nicht so wenige Völker sehen nicht nur die eigene Lebensweise als die einzig richtige an, sondern fühlen sich allen anderen Völkern aus verschiedenen Gründen, auch im Grunde „genetischen“, überlegen. Heute noch.

Einige kleine Völker ordneten sich schon in früheren Zeiten Bezeichnungen zu, die sie allein als „Menschen“ oder „menschliche Wesen“ charakterisierten. Oder sie selbst als Rechtgläubige, andere aber als Ungläubige auswiesen. Oder immer noch ausweisen. Tatsache ist, daß das eigene Volk oder das eigene Land und nicht selten auch der eigene Glaube in vielen Teilen der Welt – stärker als heute in deutschen Landen – noch immer in den Mittelpunkt gestellt wird.

Das ist, wenn es nicht zum Schaden anderer übertrieben wird, insofern natürlich von Bedeutung, da es einer Gesellschaft einen hohen Grad der Übereinstimmung sichert. Anders gesagt, eine solche Gesellschaft kann nur bestehen, wenn eine Mehrheit davon überzeugt ist, daß ihre eigene Kultur und ihre Lebensgewohnheiten die für sie richtigen sind. Also in letzter Konsequenz: dem eigenen Volk gemäß.

Dessen sind sich, vielleicht außer einigen wenigen europäischen, die meisten Völker auch heute noch bewußt. Desgleichen die in eine desorientierte, entwurzelte Gesellschaft hereinströmenden „völkischen“ Massen aus Asien und Afrika, denen unsere Selbstzweifel eigenartig und unsere angeblich für alle Welt einzig richtigen Werte exotisch erscheinen müssen.

Wenn nun in Zeiten einer längst unzumutbaren Überfremdung und eines zynischen Bevölkerungsaustausches die pharisäerhaften Oberlehrer einer selbstzerstörerischen Willkommenskultur zu nationalmasochistischer Höchstform auflaufen und dabei ihren neurotischen Selbsthaß mit falscher Fremdenfreundschaft kaschieren, dann wäre das eigentlich im günstigsten Fall einer für die Psychiatrie und nicht für die Politik.

Der von den vielen politischen Geisterfahrern selbst meist nicht wahrgenommene Haß auf das Eigene ist selbstverständlich nicht etwas typisch Deutsches, denn es findet sich diese geistige Störung auch anderswo. Selbst dort, wo man es nicht vermutete. So schrieb schon der geniale, aber etwas kauzige Philosoph Otto Weininger in seinem Buch „Geschlecht und Charakter“: „Wie man im anderen nur liebt, was man gern ganz sein möchte und doch nie ganz ist, so haßt man im anderen nur, was man nimmer sein will, und doch immer zum Teil noch ist…So erklärt es sich, daß die allerschärfsten Antisemiten unter den Juden zu finden sind…“ .

In ähnlicher Weise müssen auch die Antideutschen (oder selbsternannten besseren Deutschen) dieser Tage gesehen werden: Niemand scheint das deutsche Volk und seine Kultur mehr zu verachten als sie. Und verachten sich dabei logischerweise selbst. Professor Freud hätte seine helle Freude mit solchen Klienten, und bei unzähligen Psychotherapeuten könnte heute die Kasse mehr denn je klingeln. Wenn, ja wenn…

Uns aber genügt der gesunde Hausverstand, der sagt: das Eigene mehr schätzen als das Fremde und es auch schützen und bewahren wollen, sei „natürlich“ und legitim. Mag man es mit „national“, „volklich“ oder sonstwie bezeichnen; evolutionistisch gesehen, richtig auf jeden Fall. Das aber wollen unsere falschen Fremdenfreunde nicht anerkennen, im Gegenteil, jedes tiefere Bekenntnis zum eigenen Volk und seiner Kultur, dabei gar auf Abstammung pochend, wird postwendend als neonazistisch oder rassistisch gebrandmarkt.

Und zwar nicht nur dann, wenn von Dritten ein belasteter Begriff“ ins Spiel gebracht wird. Geht es den Fremdtümlern doch letztlich um eine Art ideologische „Teufelsaustreibung“, die manchmal so weit geht, daß eine harmlose „Volksbücherei“ in eine „Stadtbibliothek“ umbenannt werden muß. Das Wort Volk stört ähnlich wie der Begriff „völkisch“, der, wie zuletzt in einem TV-Disput, nur als Vorwand dient. Vereinfacht gesagt, man drischt den Sack und meint den Esel, das Volk in diesem Fall.

Nun ist dieser zelebrierte, in gönnerhafter Weise von besonderer Seite geförderte und mit Fremdenkult gepaarte Selbsthaß zum Glück zwar noch in einer Minderheitenposition, aber des ihm innewohnenden irrationalen Fanatismus wegen um nichts weniger gefährlich. Was die Götzendiener alles Fremden uns als Alternative zur eigenen Identität anpreisen, ist in Wirklichkeit ein uferloser Kosmopolitismus der in allen Bereichen der Gesellschaft bereits sein närrisches Treiben veranstaltet. Alles schon dagewesen, möchte man sagen. Nur nicht so massiv und allgegenwärtig wie jetzt.

Denn bereits Luther beklagte die Würdelosigkeit vieler Landsleute. Und daß die Begeisterung für alles Fremde eine auf Deutschland beschränkte politische Krankheit sei, bemerkte später ja auch Bismarck. Einst waren die alten Deutschen stolz darauf, einer so großen Nation anzugehören, Neudeutsche dieser Tage können es ihrem Schicksal nicht verzeihen, als Deutsche geboren worden zu sein. Daher auch das krampfhafte Bemühen, das Ethnische abzustreifen, zu eliminieren, um sich fortan als kontur- und wurzelloses Produkt „Made in Gutmensch-Germany“ in der Vogel-Strauß-Haltung dem Spott und auch schon der Verachtung der Welt auszuliefern.

Der fünf Jahre nach Bismarcks Ableben zu früh verstorbene Otto Weininger versuchte einst die Arier auf dem geistigen Felde gegen die Juden, also sein eigenes „Volk“, in Stellung zu bringen. Letztlich aber hat er sich, so heißt es, aus Gram über sein Jüdisch-sein frühzeitig das Leben genommen. Unsere deutschen Selbsthasser werden sich nicht so schnell das Leben nehmen, auch weil ihnen nach wie vor das hilfreiche Händchen irgendeines Geldlumpen und seiner medialen Zuarbeiter gewiß ist.

Aber was dann, wenn einmal sichtbar werden sollte, daß all ihr Hoffen, das Deutsche in sich doch noch zu besiegen und die Autochthonen eines Tages mehrheitlich durch Einwanderer ersetzt zu sehen, vergeblich war? Das wäre dann wahrscheinlich der Tag eines deutsch-volklichen Erwachens aus tiefster Erniedrigung. Möge es noch früh genug kommen. Und dabei das rechte Maß halten. Katastrophen hatten wir schon genug.

*Aufsatz „Principes de Philosophie“

Helmut Müller

Quelle

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