Stichwort: Helikoptergeld

Bradford DeLong, Professor an der Universität Berkeley und ehemaliger Vize-Finanzminister der USA meint, nicht nur Europa stehe am Rand der Deflation – auch für Amerika müsse man inzwischen von der „Greater Depression“ sprechen. Als Rettungsanker wird jetzt daher vermehrt über das ins Gerede gekommene Helikoptergeld* nachgedacht, das der Ökonom Milton Friedmann 1969 schon einmal ins Gedankenspiel gebrach hatte.

Auch Dr. Werner Königshofer hat sich weitere Gedanken zur geldpolitischen Lage gemacht. In Fortsetzung seines Beitrages „Verhungern vor vollen Schüsseln“ (22.August 2016) fragt sich der ehemalige Nationalratsabgeordnete jetzt:

Werden die Schüsseln immer größer? Und der Hunger auch?

Ein pensionierter Werksvorstand erzählte mir kürzlich, dass in einem Tiroler Schleifmittelwerk 1969 – als er dort begann – noch 2.220 Beschäftigte – hauptsächlich Frauen – in Handarbeit täglich bis zu 60.000 Stück Schleifscheiben fertigten. Das waren durchschnittlich 27 Scheiben pro Mitarbeiterin. Heute arbeiten dort noch 73 Beschäftigte, die täglich bis zu 350.000 Scheiben herstellen – über 4.700 pro Person und Tag! Also eine gewaltige Steigerung der Produktivität und damit der Wertschöpfung, was für sich genommen etwas Positives ist. Nur im Hinblick auf die volkswirtschaftlichen Gesamtwirkungen bedeutet dies eine katastrophale Entwicklung, wenn hier nicht gegengesteuert wird.

Das Deflationsproblem hat nämlich eine wesentliche Ursache in dem immer stärker werdenden Auseinanderklaffen von industrieller Produktionsleistung und menschlicher Beschäftigung. Es wird also einerseits immer hochtechnisierter und somit immer mehr produziert, während Mitarbeiter laufend wegrationalisiert werden, bzw. unter ständig steigenden Lohndruck geraten, vor allem auch wegen der Grundfreiheiten und offenen Grenzen der EU. Die Perfektionierung dieses Problems wären TTIP und TISA.

Während die Steigerung der unternehmerischen Leistungsfähigkeit und damit der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung also grundsätzlich positiv zu beurteilen ist, weil damit auch der „Verteilungskuchen“ größer wird, wirkt sich der stetig umfangreicher werdende Mitarbeiterschwund äußerst negativ auf die gesamte Volkswirtschaft aus – weniger Verdiener, mehr Arbeitslose, weniger verfügbare Geldmittel bei der Summe der Konsumenten. Kurz gesagt: einem immer größer werdenden Angebot steht eine sukzessiv abnehmende Nachfrage gegenüber, was unweigerlich in eine deflationäre Entwicklung mündet.

Zur Verteilungskorrektur gibt es nun zwei grundsätzliche Denkansätze: einen sozialistischen und einen marktwirtschaftlichen!

Dem sozialistischen Vorschlag von Bundeskanzler Christian Kern, eine sogenannte Wertschöpfungsabgabe – im Volksmund auch „Maschinensteuer“ genannt – einzuführen, stelle ich Milton Friedmans marktwirtschaftliche Idee vom Helikopter-Geld gegenüber. Ich nenne es „Notenbank-Sondergeld“ und orientiere mich dabei auch am Wörgler-Notgeld der frühen 1930-er Jahre. Jedem Österreicher 1.000 EURO von der OeNB einmalig als Schwundgeld zur Verfügung gestellt, würde einen Kaufkraft-Turbo von 8 Milliarden EURO bedeuten und Vorteile für Bürger, Wirtschaft, Finanzminister und Nationalbank bringen. Kerns Vorschlag hingegen schafft Zwang, Frust und scharfe Ablehnung von Seiten der Unternehmerschaft, während mein Vorschlag für alle Beteiligten eine win-win-win-Situation darstellen und wohl von allen Marktteilnehmern positiv aufgenommen würde.

Die oftmals als Gegenargument vorgebrachten Umsetzungsprobleme – wie erreiche ich alle bezugsberechtigten Bürger und wie schließe ich Betrug und Missbrauch aus? – könnten wohl einerseits über die Banken und Sparkassen und andererseits über die allgemeinen Sozialversicherungsanstalten gelöst werden. Für jede SV-Nr. kann ein entsprechender OeNB-Sondergeld-Gutschein bezogen werden. Die Abwicklung der Ausgabe an die Bürger und die Rücknahme von der Wirtschaft und die weitere Rückverrechnung mit der OeNB müssten die Geldinstitute übernehmen. Über alle weiteren Details sollen sich die Beamten in den zuständigen Ministerien Gedanken machen!

Die Zeitschrift „Deutsche Wirtschafts Nachrichten“ vermeldete am 8. September, dass sich alle Analysten einig wären, dass die EZB mit ihrem Latein am Ende sei. Sie stehe vor der geldpolitischen Kapitulation. Mario Draghi, der EZB-Chef, wäre daher gut beraten, würde er die Billionen, die er bisher in die bekannten Fässer ohne Boden – Pleitestaaten und Pleitebanken – geschüttet hat, in Zukunft direkt den Bürgern – wie hier beschrieben – zukommen zu lassen!

*Milton Friedmanns anschaulichem Vergleich nach würde ein Helikopter über eine Gemeinde fliegen und dabei zusätzliche 1.000 Dollar in Scheinen als Geschenk abwerfen, die die Bürger dann einsammeln können. Umgangssprachlich ausgedrückt heißt das, die Zentralbank verschenkt Geld an die Bürger eines Staates bzw. eines ganzen Währungsraumes.

Helmut Müller

Quelle

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