Beginn eines amerikanischen Albtraums?

Niemand sollte überrascht sein, daß es in den Vereinigten Staaten von Amerika so ist, wie es sich heute darstellt. Es hat sich seit langem abgezeichnet. Und alles was jetzt (nach Clinton oder Trump) möglicherweise noch kommt, geht über die Abstiegsängste der Erwerbsarmen und des gefährdeten Mittelstandes hinaus. Es offenbart sich wie der Abstieg einer ganzen Nation, und ich bin nicht der Auffassung von Journalistenkollegen, die US-Demokratie werde, wie schon in der Vergangenheit, wie Phönix aus der Asche zu neuer Größe auferstehen. An ein Zwischenhoch möchte ich noch glauben, mehr aber wird es nicht mehr werden, schätze ich.

Ohne Zweifel stehen wir an einem Wendepunkt der US-amerikanischen Geschichte, wie Donald Trump sich ausdrückte. Wie „crooked“ Clinton, glaubt auch The Donald der geeignetste für diese Herausforderung zu sein. Daß beide Präsidentschaftskandidaten Bilder produzieren und die anderen, also die Wähler, „an diese Bilder glauben zu machen“ (Hannah Arendt), gehört zum politischen Geschäft, nicht nur in USA. Dieses „Business“ funktioniert nicht unähnlich dem der Wirtschaft: Medien und Werbung sorgen dafür, daß das Produkt verkauft wird. Dasselbe wird in der Politik als neuer „Star“ verkauft, der am Ende wichtiger ist als der Inhalt oder das Programm. Gerade Krisenzeiten bringen eine extreme Personalisierung hervor.

Mit den beiden umstrittenen „Stars“ wird nicht nur ein gesellschaftlich-politischer Tabubruch begangen, sondern diese selbst leben von Tabubrüchen. Man kann inzwischen rätseln, welcher der beiden das kleinere Übel ist, aber ein solches ist es wohl. Allerdings könnte es „crooked“ Hillary in letzter Minute noch schaffen, daß sie, schlimmer als jetzt schon befürchtet, arg ins Hintertreffen gerät. Sollte all das stimmen was zuletzt veröffentlicht wurde, dann müßte sie eigentlich das Handtuch werfen. Aber selbst wenn sie durchhält und möglicherweise gewinnt, finge der Spießrutenlauf für sie erst richtig an.

Es ist ja auch beachtlich, was sie alles auf dem Kerbholz haben soll und sie bis in das Weiße Haus verfolgen würde: Dabei verblasst ihre Rolle beim Libyen- und Syrien-Konflikt geradezu. Letzten Meldungen zufolge geht es in dem ganzen Korruptionsnetzwerk, und dabei kommen Freunde und ihr Mann ins Spiel, nicht mehr bloß um irgendwelche Mails, sondern angeblich auch um Geldwäsche, Sex und, im Umfeld ihres Mannes, um Mißbrauch von Kindern. Sollte das stimmen, dann wäre das ein Supergau für die Demokraten und die US-amerikanische „Demokratie“ insgesamt.

Rußland, China und der Iran sehen dem ganzen gewiß mit Genugtuung zu. Denn, sollte sich das politische US-Amerika selbst zerfleischen und dazu weltweit, vor allem in Europa, militärisch weniger engagieren, wie Trump es etwa vorhat, dann entstünde natürlich ein Vakuum, daß eine impotente EU nicht füllen könnte, in das aber andere Mächte hineinstoßen würden. Ob der von Clintons Medien zum Teufel hochstilisierte Trump jedoch alle seine Ankündigungen wahrmachen würde (könnte), etwa auch die Aufkündigung von Freihandelsabkommen, steht auf einem anderen Blatt.

Jedenfalls präsentiert sich The Donald derzeit als Retter in der Not, Mann der Stunde und als Schutzwall gegen das korrupte „Establishment“. Solche Politiker gedeihen besonders in einer Krise, sei sie sozialer oder wirtschaftlicher Natur, und wie so oft, bestimmt auch in diesem Wahlkampf mehr der Bauch als der Verstand das Verhalten der Anhängerschaft. Und obwohl einiges davon sich auch schon bei österreichischen Wahlkämpfen bemerkbar macht und die hiesigen Kandidaten sowie deren Werbung nach US-Art auftreten, wären sowohl eine Clinton als auch ein Trump hierzulande vorerst noch undenkbar.

Interessant in diesem Zusammenhang sind die offensichtlichen Präferenzen österreichischer, auch bundesdeutscher Politiker und Kommentatoren für einen der beiden Kandidaten. Da scheint die in den USA als Verkörperung des „Establishment“ selbst bei Demokraten wenig geliebte Clinton ganz vorne zu liegen. Das mag nicht nur am linksliberalen Zeitgeist liegen. Könnte es sein, daß das von Trump gemeinte „Establishment“ auch hier gut verankert ist? Da wäre ich glatt neugierig, sollte wider Erwarten Trump gewählt werden, wie sie einen solchen Präsidenten, den sie vorher einen Trottel auf und ab geschimpft haben, dann medial oder auch persönlich „gegenübertreten“.

Eines noch: Es sollte bei dem ganzen nicht außer acht gelassen werden, daß Klarsichtige bereits ein ethnisch eingefärbtes Wetterleuchten am US-amerikanischen Wahlkampfhimmel wahrnehmen wollen. Tatsächlich rücken immer mehr Latinos, Schwarze und Angehörige anderer nichteuropäischer Minderheiten in die US-Gesellschaft vor und prägen diese und deren Kultur, nicht zuletzt deren Wahlverhalten. Was das alles für die Zukunft dieses Landes bedeutet, kann nur erahnt werden. Ein US-Amerika wie es einst seine Gründerväter sich vorgestellt haben, wird es in spätestens fünfzig Jahren wahrscheinlich nicht mehr geben. Die „Bleichgesichter“ schon, aber sie könnten später einmal das Schicksal der Indianer erleiden. Ein Albtraum.

PS. Ein historisches Verdienst kann Donald Trump nicht genommen werden: Er hat gemeinsam mit Wikileaks die Korruptionsmaschine der Clintons an das Tageslicht gebracht.

Helmut Müller

Quelle

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