Die 68er sind an allem schuld oder doch nicht?

Jürgen Elsässer hat sich in einer Artikelserie in der neuen Compact-Spezial Ausgabe „Nie wieder Grüne“ sehr profund mit den 68er beschäftigt. Ausgehend auf dem Buch von Heather und Potter „Konsumrebellen“ analysiert der vom Antideutschen zum Nationalpatrioten genesene Schwabe, das sich die 68er nicht um die Klassenfrage kümmerten – im Gegensatz zum Traditionsmarxismus – sondern es ihnen stattdessen um eine libertären Konsumismus ginge, um „Freiheit“ und „Zwänge“.

Daraus entwickelte sich ein „Hippie-Kapitalismus“. Nach den Buchautoren Heather, Potter sowie Elsässer handelte es sich bei den 68ern im Kern um besonders aggressive Protagonisten des Kapitalismus. Da man unter den Phrasen von „Menschenrechten“ und Gesellschaftsliberalismus heute so gut wie jede Kriegsintervention rechtefertigt, handele es sich bei den Grünen um die aggressivste Fraktion des Imperialismus unter den Parteien in der Bundesrepublik. Die „Hippie Gegenkultur“ teile „die individualistische und libertäre Ideologie „…die den Neoliberalismus und die Marktfreiheit auf dem rechten Flügel des politischen Spektrums in den USA immer zu einer Macht gemacht haben“. Das angeblich rebellische und subversive unter liberaler Phrasologie sei Motor des Kapitalismus. Hippie und Yuppie-Ideologie seien „dasselbe“. Soweit nun Elsässers gute Analyse.

Siehe: https://www.compact-online.de/nie-wieder-gruene-portrait-einer-gefaehrlichen-partei-compact-spezial-nr-12/

Schon in seinem heute nicht mehr erhätlichen Buch „Make Love and War“ hatte Jürgen Elsässer die 68er und ihrem Werdegang einer zutreffenden Analyse unterzogen.

Siehe: http://www.buecher.de/shop/buecher/make-love-and-war-wie-gruene-und-68er-die-republik-veraendern/elsaesser-juergen/products_products/detail/prod_id/10085251/

Die Linkspartei, die aus dem Arbeitermarxismus stammt, zumindest mit Hinlick auf die SED als Vorläufer, richtet sich in Teilen nun auf den libertären sogenannten „Neomarxismus“ aus. Bestimmendes Werk ist insbesondere bei der Jugend der Linkspartei nicht mehr das „Kommunistische Manifest“ ,sondern „Empire“ von Negri und Hardt.

Siehe: http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/empire-1925.html

In diesem Buch wird die Globalisierung als ein Positivum dargestellt und der Blinkwinkel der Solidarität von der Arbeiterklasse auf Minderheiten – Migranten, Homosexuelle, usw. – verschoben. Statt einer sozialistischen Revolution soll eine „Flüchtlingsrevolution“ folgen. Daraus erklärt sich zum Teil auch das Verhalten der Linkspartei in der Flüchtlingskrise. Hier handelt die Linkspartei gerade gegen die Interessen ihrer Stammwähler.

Hardt und Negri verkündeten in ihrem Werk auch „das Ende der antiimperialistischen Kämpfe“ und das „Ende der Geschichte“, da nun durch das „gute Empire“ der Globalisierung eine Welt des Friedens bevorstehe. Dies entspricht nun vollends dem Denken des Neocon-Ideologen Fukuyama. Abseits von Lafontaine, Wagenknecht und anderen Traditionslinken und Sozialdemokraten in der Linkspartei ist diese Kapitalismus- und Imperialismusapologie auch in der Linkspartei vorherrschend. Hier treffen sich die kapitalistischen „Reformer“ in der Linkspartei mit Teilen des „linken“ Flügels der Protestpartei. So leistet sich die Linke auch einen offenen kriegstreiberischen antideutschen Neocon-Arbeitskreis.

Siehe: http://bak-shalom.de/

Nun gibt es in breiten Teilen der nationalen Rechten die Tendenz „die“ 68er für alles was in diesem Staat falsch läuft verantwortlich zu machen. Ein anschauliches Beispiel ist auf dem Buchmarkt der rechte Dauerseller „Die Machtübernahme der 68er“ des völkischen Nationalkonservativen Kosiek.

Siehe: https://www.amazon.de/Die-Macht%C3%BCbernahme-68er-zersetzenden-Ver%C3%B6ffentlichungen/dp/3891800878

Während Elsässer und Rolf Stolz (Ex-SDS und APO) auf nationale Strömungen, in dem neuem Compact-Spezial. bei den frühen 68er verweisen, schafft es Kosiek in seiner „bolschewistischen“ Unterwanderungsverschwörungstheorie kein Wort eben über patriotische und nationale Strömungen in der damaligen Bewegung zu verlieren. Wahrscheinlich auch weil es Kosiek der die BRD der 50er und 60er positiv bewertet gar nicht um ein halbwegs differenziertes Bild geht.

Kosiek versucht sich an einer Darstellung der „kritischen Theorie“ oder „Frankfurter Schule“, nur muss er sich vorwerfen lassen, zum Teil den Sinn bestimmter Aussagen zu verdrehen oder aber den Zusammenhang und die Quelle gar nicht wirklich zu kennen. Bei Marcuses „repressiver Toleranz“ ging es etwa nicht um einen Anti-Rechts-Kampf sondern das war eine Kritik eines scheindemokratischen Staates, der unter scheinbaren Toleranzphrasen die Opposition verfolgte. So erfährt der Leser nun auch nichts über die Auseinandersetzung zwischen Adorno und Marcuse, die sich um den Vorwurf von Adorno gruppierte Dutschke und auch Marcuse seien „Links- und Frühfaschisten“. Natürlich taucht in dem Buch auch nicht die Brieffreundschaft zwischen Marcuse und Ernst Jünger sowie mit dem „Reaktionär“ Evola auf.

Auch sind einige Zuordnung ganz einfach unrichtig, so wird etwa Ernst Bloch der „kritischen Theorie“ zugeordnet, dabei war der Dutschke-Freund ein klassischer Marxist-Leninist und kann ideologisch schwer Adorno, Marcuse, Horkheimer, Habermas und Konsorten zugeordnet werden. Dagegen fehlt aber etwa Walter Benjamin völlig, ebenso wie die französische Schule, die in Frankreich bedeutender war als die Kritische Theorie in Deutschland. Diese ist von Bedeutung da sich in den 70ern die Neue Linke ihr Denken eher aus Frankreich adaptierte. Am Rande sei bemerkt das der bekannte Junge Freiheit Kolumnist „Pankranz“, ein Philosophieprofessor, ein Schüler von Ernst Bloch war.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnter_Zehm

So behauptet der Nationalkonservative und Antisozialist dann auch die kritische Theorie habe den „Marxismus“ wieder „in Deutschland eingeführt“. Ganz so als wäre Deutschland irgendwann in den 20er Jahren ein „kommunistischer“ Staat gewesen. Im Gegensatz zu Elsässer fehlt nun Kosiek eine Analyse dafür das die Adorno und Habermas-Stoßrichtung einen „Befreiungs-Konsumkapitalismus“ beförderte.

Kosiek verwendet auch nicht unberheblichen Teil seines Buches auf das Thema „Neomarxismus und Sex“. Entscheidend ist hier vor allem Wilhem Reich. Kosiek macht dann wohl diesen für Homolobbyismus, Gender Mainstreaming und einen pervertierten Antisexismus, sowie allerlei linksliberale schädliche Absurditäten verantwortlich. Dem werden aber zumindest die nationalmarxistischen „Reichisten“ vom Ahriman-Verlag plus Ketzerbriefe widersprechen. Bei diesen handelt es sich nämlich um radikale Antifeministen und Kämpfer gegen die Homolobby.

So hatte sich im übrigen Pegida vor einem Diskussionsangebot gedrückt, mit der Begründung die Marx-Reichisten seien „Extremisten“ und „radikale Nationalisten“. Da es sich hierbei um Gaddafi, Saddam und Atatürk-Anhänger handelt, mag dies aus Pegida-Sicht schon zutreffen!

Das diese schon einmal zur Wahl der NPD aufriefen lässt auch nicht gerade vermuten das es sich um besonders gutenschliche Antifanten handelt.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_Erik_Hoevels

Jedenfall sind die Genossen auf der Linken völlig isoliert, da sie als „Rassisten“ und „Querfrontler“ gelten. Ensprechende „Berichte“ lassen sich nun jedenfalls dutzendfach auf „Indymedia“ finden.

Nun könnte man aber auch in Teilen Adorno gegen seine heutigen Fans verteidigen, so meinte Adorno wenigstens noch im Gegensatz zu seinen heutigen Anhängern: „Man darf niemals die westliche Werte verteidigen“ und „wer nicht vom Kapitalismus reden will, der soll zum Faschismus schweigen“. Die heutigen Adorno Adepten reden zwar über das sie unter „Faschismus“ verstehen, aber nicht mehr über den Kapitalismus und sind die brachialste Vertretreter eines Kriegsinterventionismus im Sinne der „westlichen Werte“.

Wie Bernd Rabehl darlegt war das Denken des APO-Führers Rudi Dutschke gegen den doppelten Imperialismus von USA und Sowjetunion ausgelegt. Hauptziel seine deutsche und europäische Revolution gewesen die sich gegen diese Doppelgesichtigkeit auflehnen sollte.

Siehe: https://www.perlentaucher.de/buch/bernd-rabehl/rudi-dutschke.html

Ähnlich hat sich auch Arne Schimmer geäußert.

Siehe: http://literaturkritik.de/public/mails/rezbriefe.php?rid=6389

So hat dann Dutschke in den 70er mit dem Nationalrevolutionär Henning Eichberg unter dem Titel „National ist Revolutionär!“ zustimmend diskutiert. Krahl, der SDS-Führer in Frankfurt, hatte seine Herkuft in der Ludendorff-Bewegung, ebenso wie Gudrun Ensslin. Bekannt sind im nationalen Spektrum ja die Namen ehemaliger APO-Führer wie Rabehl, Mahler, Oberlerchner, Stolz und Maschke. Auch Bommie Baumann, ein ehemaliger Linksterrorist, hat bei Jürgen Elsässer den Nationalstaat verteidigt.

Siehe: https://sachedesvolkes.wordpress.com/2011/06/28/%E2%80%9Ebommie%E2%80%9C-verteidigt-den-nationalstaat/

Kosiek ist aufgrund seines Antibolschewismus nicht in der Lage das Denken von Dutschke zu erfassen. So handelt es sich bei Dutschke nicht um einen „Bolschewisten“, sondern sein Denken war zusammengesetzt aus dissidenten Linkskommunismus, christlichen Sozialismus (Jesus, das Uhrchristentum und Thomas Müntzer). Eine Diktatur des Proletariats in der sowjetischen Variante lehnte er vehement ab und berief sich auf bestimmte Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung (Räte, kommunale Urdemokratie, gegen „die Partei“ und für die Herrschaft des Volkes, usw). Der Sowjetbolschewismus galt im als „asiatische Barbarei“, während der deutsche Sozialismus „radikaldemokratisch“ sein sollte. Beim Antiparlamentarismus spielte insbesondere die Sichtweise von Robert Michels eine Rolle. Laut Rabehl war zumindest auch die Kritik von Carl Schmitt ein Thema.

So versucht etwa Kosiek auch das Faß aufzumachen „deutsche Jugendbewegung vs 68er“. Nun haben sich die Dutschkisten aber ausdrücklich auf dieses Vorbild bezogen, was aber Kosiek nicht auf den Schirm hat. Wohl auch weil das wie einiges an seinem Denken etwas beschädigen würde.

Der Kommunen-Ideologe Böckelmann hat nun mit „Jargon der Weltoffenheit“ ein Werk vorgelegt das im nationalkonservativen Spektrum, etwa in der Sezession, einen wahren Begeisterungssturm entfachte. So wurde der Kommunarde in einer Besprechung dort als einer der intelligentesten und nonkonformen Denker gelobt, an denen es leider ansonst in Deutschland mangele.

Zuletzt scheint sogar der Kommunarde Langhans ein burschenschaftliches Herz entdeckt zu haben.

Siehe: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/uni/langhans-bei-burschenschaft-rechts-wie-links-a-763556.html

Nun war aber der Langhans schon länger bei der Antifa nicht gerade beliebt. Er hatte etwa formuliert das die 68er die „besseren Nazis“ sein müssten. Das erinnerte etwas an den Dutschkisten und Ökosozialisten Rudolf Bahro der in den 80er-Jahren bei den Grünen formulierte er bräuchte einen „grünen Adolf“. Nun war damit nicht Hitlerismus gemeint, sondern das Hitler das Völkische pervertiert hätte, aber es eine volkliche Bezogenheit und eine nationale Befreiung bräuchte. Dies sei der einzige Weg zu einer deutschen Revolution, so damals Bahro.

Das Gegenstück zu Kosiek führt der heutige antideutsche Neoliberale Götz Aly in „Unser Kampf 1968“ auf. In diesem Buch wird die APO als „Nazibewegung“ diffamiert. Aly nennt Dutschke den „Goebbels der 68er“ und versucht zu beweisen das SDS und APO-Erklärung wörtlich vom NS-Studentenverband abgeschrieben seien. Aly gehört nun wie viele andere zu den Konvertiten, da er damals selbst der APÖ angehörte.

Siehe: https://www.perlentaucher.de/buch/goetz-aly/unser-kampf.html

Gewisserweise gibt es heute in Ansätzen wieder eine APO, die sich auf Dutschke beruft, aber „rechts“ angesiedelt ist. Der Chef der Identitären Martin Sellner nennt nun Dutschke als einen der drei großen Vorbilder. Zumindest in Teilen gibt es eine Teilübereinstimmung: „Sponaität“, „Subversion“ , „Provokation“ und „Aktion“. Wie der damaligen APO sind die Aktivisten soziologisch im Bildungsbürgertum zu finden.

Themen sind wenn auch nicht unbedingt wirklich „Revolutionär“, die Demokratisierung, nationale Souveränität, erweitert um die Themen Islamisierung und Überfremdung. Dabei hat man bei den Identitären im Gegensatz zu vielen Rechten aber auch die Zuwanderung als Multikulti-Politik des Kapitals auch auf den Schirm.

Siehe: http://www.identitaere-generation.info/asyl-und-kapitalismus/

und http://www.identitaere-generation.info/einwanderung-die-reservearmee-des-kapitals/

Zum Teil stimmt man hier mit Dutschke überein, der damals analysierte, das der imperialistische Krieg Migranten aus Nordafrika zur Exploration nach Mitteleuropa treibe. Nach Dutschke sei der „Krieg den Imperialismus“ im Interesse von Nichteuropäern und Europäern. Zu dieser Einsicht ist auch der Dutschke-Anhänger Sellner gelangt. Die Strategie des Dutschke-SDS war damals darauf angelegt, durch Provokationen die Diktatur hinter der Pseudodemokratie erscheinen zu lassen. Die Pseudodemokraten sollten sich demaskieren. Man darf unterstellen das dies auch bei Sellners Identitären als Ziel formuliert wird.

Verfasser: Sozrev

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