Die IS-„Friedensbewegung“

Die deutsche Friedensbewegung ist schon länger auf den Hund gekommen. Nun kannte zwar Leo Trotzki nicht die Friedensbewegung in der BRD des Jahres 2017, allerdings könnte sich dieser bestätigt fühlen, da er in seinem Text „Der Pazifismus – Wasserträger des Imperialismus“, vieles formulierte was am Pazifismus als „pazifistischer Imperialismus“ (Werner Pirker) zu kritisieren wäre. Trotzki analysierte den Pazifismus als Gehirnwäsche für den imperialistischen Krieg unter scheinbar „friendensbewegter“ Phrasologie. Rosa Luxemburg definierte den Pazifismus als „Kriegsvorbereitung“ des Imperialismus.

Der Pazifismus wird nicht durch die Forderung nach Frieden definiert. Alle wollen angeblich den Frieden. Auch die imperialistischen Kriegstreiber des Weltkapitalismus selber berufen sich ständig darauf, dass sie den Krieg nur deshalb wollen, um dann später den Frieden besser gewährleisten zu können. Diese Begründung ist dem US-Imperialismus, den wildestene Neocons bins hin zu Joschka Fischers Interventionsimperalismus („Ich habe nicht nur nie wieder Krieg sondern auch nie wieder Auschwitz gelernt“) immanent. Was den Pazifismus ausmacht, ist, dass er vorgibt, man könne für den Frieden an sich kämpfen, ohne die Grundlage des kapitalistischen und imperialistischen Systems zu berühren.

Es ist kein Zufall, wenn heute der Pazifismus wieder einmal der Botschafter der „demokratisch-menschenrechtlerischen“ Illusion ist. Es ist nicht mehr naiv, sondern zynisch, wenn die pazifistischen Organisationen dem Krieg die „Menschenrechte“ und die „humanitäre Hilfe” entgegen setzen und dabei vertuschen, dass alle Kriege spätestens seit Reagan durch die westlichen Mächte im Namen der Menschenrechte und unter dem Banner der „humanitären Interventionen” geführt wurden.
So haben Teile der deutschen Friedensbewegung im Libyienkrieg zwar nicht offen die Intervention von USA, NATO und islamistischen Fußtruppen unterstützt, aber mit dem Kriegsziel des Anti-Gaddafi-Allianz übereingestimmt: Und zwar das der böse Diktator weg müsste. Ein Beobachter könnte nun davon sprechen das Pazifisten und Imperialisten das Selbe wollten, nur eben mit verschiedenen Mitteln. Die einen nur realistischer – weil mit Waffen – und die anderen unrealistischer – weil ohne Waffen, dafür aber mit pazifistischen Phrasen. Auch beim Thema Syrien gibt es in der deutschen Friedensbewegung der Gutmenschen nun eine Haupttendenz: Assad sei ebenso ein „Schlächter“ und „Diktator“ und müsse abtreten.

Nun gibt es beim Pazfismus verschiedene geistespolitische Ausrichtungen. Dies sind nun nicht die Strömungen von linkem und liberalem Pazifismus, sondern auch ein christlicher Pazifismus – der aber freilich zu der Jesus-Aussage im Neuen Testament schweigen muss „ich bin nicht gekommen um euch den Frieden zu bringen, sondern das Feuer und das Schwert“. Der bekannte Publizist und christliche Pazifist Franz Alt beglückwünscht etwa in seinem Buch „Was Jesus wirklich gesagt hat“ die „Maidan-Revolutionäre“ der Ukraine.

Siehe: https://www.randomhouse.de/Buch/Was-Jesus-wirklich-gesagt-hat/Franz-Alt/Guetersloher-Verlagshaus/e481034.rhd

Mustergültig hätten sie sich einem „Diktator“ – gemeint ist Janukowitsch – friedlich entledigt. Nun wurde zwar diese „friedliche Revolution“ von NATO-Faschisten und Liberalen etwa durch den Einsatz von Maschinengewehren, Snipern, Knüppeln und Ketten bewerkstelligt, aber das stört eben den Pazifisten dann doch nicht wirklich.

Weil der Pazifist natürlich immer und überall den Frieden will, ist es auch egal mit wem dieser Frieden zu machen sei: Ob mit Obama und „Killary“, Netanjahu oder gar mit dem IS und deren Kopfabschneidern. Letzteres ist nun keine Polemik, sondern dies lässt sich in einer Publikation eines führenden Funktionärs der Friedensbewegung nachlesen. Der Westen müsste in Syrien und im Irak mit dem Islamischen Staat verhandeln.

Siehe: https://www.perlentaucher.de/buch/thomas-c-schwoerer/mit-dem-is-verhandeln.html

Der Verfasser gehört nun zu den Topvertretern der „Deutschen Friendensgesellschaft“.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Friedensgesellschaft_%E2%80%93_Vereinigte_KriegsdienstgegnerInnen

So meint Schwoerer durch ernsthaft der IS sei mit der Shinn Fein/IRA oder Nelson Mandela und dem ANC zu vergleichen. So hält der Pazifist die „Anliegen“ des IS für „durchaus verhandelbar“. Nun besteht die Hauptforderung des IS nach einem Kalifat nur für Jihadisten in welchem Schiiten, Christen und auch als „Abfällig“ bezeichnete Sunniten getötet werden sollen. Darüber zu verhandeln würde dann laut dem Pazifisten unter den wie er schreibt „Mut der Standhaften“ fallen. So lobt er den IS das dieser sich ja herzlich um die Syrer in seinem eroberten Gebiet kümmern würde und zwar durch Suppenküchen und Straßenbau. Nun will er ausgerechnet den Iran in die Verhandlungen einbeziehen. Die Mullahs werden sich bedanken,da der IS weltweit alle Schiiten töten möchte.

Das der IS aber selbst strategisch-taktisches Mittel der Westlichen Wertegemeinschaft war, der in Folge der Ereignisse aus dem Ruder lief, und für Washington, Paris und London kaum mehr zu kontrollieren ist, weiß der Pazifist nicht zu analysieren. Das Blowback kostet nun mittlerweile auch in Berlin, Paris und Brüssel dutzenden Zivilisten das Leben. Auch ist der IS nicht an einer Verhandlungslösung interessiert – mit wem? Einen deutschen Gutmenschen und Atheisten? – sondern hat als Ziel ausgegeben, weltweit alle Schiiten und „Abtrünnigen“ zu töten (150 Millionen, 500 Millionen – so ein deutscher IS-Kämpfer in einem Interview). Daß sich nun der IS nun zu Pazifisten und Anhänger von „Habt euch doch alle lieb“-Phrasen umerziehen lassen möchte, ist ja mehr als nur unwahrscheinlich.

Der Gutmensch und Pazifist verurteilt darum auch die Befreiung von Aleppo durch die Truppen Assads und deren Verbündeten Russland und Hezbollah. Das „Stalingrad der Jihadisten“ (Jürgen Elsässer) wird im Gleichklang mit Obama und Merkel und der Jihadistenpropaganda zu einem Massenmord oder gar zu einem „Holocaust“ erklärt. In diesem Zusammenhang stehen nun Assad und Putin in der Propaganda des bellizistischen Westimperialismus und der friendesbewegten Paxe als die „Schlächter“ schlechthin da. Die Imperialisten und der IS sowie andere Jihadfraktionen stehen so zumindest als das „geringere Übel“ da. Zumindest in diesem Fall könnte man sagen das sich hinter dem Ruf nach Frieden die Mörder verbergen.

Diese ideologische Verwesungserscheinung und analytische Tieffliegerei muss aber nun dabei heraus kommen wenn der Pazifismus nur aus abstrakten Botschaften einer „Moral“ besteht, die weder Feind, noch Freund kennt, noch den Willen und das Mittel aufbringt Ziele, Strategien und Taktiken des Imperialismus zu analysieren: Menschenrechtsgeheuchle, „demokratische Befreiung“ mittels Bomben und Kugeln und die „offene Gesellschaft“, die weltweit kriegerisch zu installieren sei. Die Hypermoral mancher pazifistischer Kreise ist darauf aus die Achse gegen Imperialismus „moralisch“ zu entwaffnenen, wie auch alle um die nationale und souveränistische Freiheit kämpfenden Völker.

Werner Pirker wussste etwa in der Jungen Welt zu schreiben: „Am Tag, als der Irak-Krieg ausbrach, hatten viele der Friedensbewegten bereits kapituliert. Wie Schröder und Fischer hofften sie, daß der Krieg, nachdem er schon nicht zu verhindern gewesen war, nun möglichst schnell zu Ende gehen möge. Diese Hoffnung beruhte auf der absoluten Überlegenheit der US-amerikanischen Militärmacht. Damit begaben sich diejenigen, die bis zum Kriegsbeginn gegen den illegalen Angriff aufgetreten waren, auf die Seite der Aggressoren. Sie identifizierten sich auch mit deren Kriegsziel, dem Sturz des Baath-Regimes. Das sei der angenehme Nebeneffekt dieses Krieges gewesen, hieß es. In Wirklichkeit war dies der ganze Sinn und Zweck des anglo-amerikanischen Überfalls auf den Irak: die Zerschlagung der irakischen Staatsmacht und die Errichtung eines Protektorats: durch direkte Militärpräsenz, die es früher oder später ermöglichen soll, zur Methode des »indirect rule« in Gestalt eines Marionettenregimes überzugehen.Wirklich Friedensbewegte sollten eine genau entgegengesetzte Haltung einnehmen. Protest gegen einen Eroberungskrieg ergibt nur dann einen Sinn, wenn er sich gegen die Kriegspartei richtet, die ihn führt. Das erzwingt die Einsicht, daß die Nachkriegsordnung im Ergebnis eines Aggressionskrieges ebenso illegal ist wie dieser selbst. Bewaffneter Widerstand gegen ein Okkupationsregime, so bestimmt es wenigstens das Völkerrecht, ist legal. Deutsche Pazifisten sind da anderer Meinung.“ (JW, 03.01.2004)

Der Antiimp-Altmeister weiter: „Wer im imperialistischen Krieg gegen unabhängige Nationen nicht Partei ergreift, hat schon Partei ergriffen. Von der Äquidistanz zur Verurteilung aufständischer Gewalt ist es nur mehr ein Katzensprung. Und von da aus ist es auch nicht mehr weit zur offenen Apologie imperialistischer Kriege und der daraus hervorgehenden Nachkriegsordnung. Am Beispiel Jugoslawiens hat sich gezeigt, wie schnell aus Pazifisten Bellizisten werden können – beherrscht von der Idee des zivilgesellschaftlichen Interventionismus.“

Verfasser: Sozrev

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