Die Gewaltfrage

Hinsichtlich der Gewalt von Hamburg anlässlich des G20-Gipfels sind sich Bundesregierung, Grüne, bürgerliche und linksliberale Medien bis hin zur nationalen Rechten darin einig das man es mit einem linken Terrormob zu tun hatte. Die im TV gezeigten Bilder haben sicherlich auch bei den deutschen Bürgern und Arbeiter diesen Eindruck verfestigt. Nun könnte aber dieser Eindruck möglicherweise etwas einseitig sein.

So titelte zwar die BILD-Zeitung linke Chaoten hätten Hamburg mit Terror überzogen, was aber der normale BILD-Leser nicht erfahren wird, ist der Umstand das ein BILD-Reporter der bei der linken „Gewaltdemo“ Welcome to Hell zugegen war etwas ganz anderes als sein Hausblatt berichtete. Die Gewalt sei urspünglich von der Polizei ausgegangen, auch seien von der Polizei ausgegangen, auch seien Mainstreamjournalisten von der Polizei angegriffen worden. Dies berichteten auch Journalisten des NDR, des Deutschlandfunks und andere. Diesen Eindruck können durchaus auch Videos von der Welcome to Hell Demonstration wieder geben. Was so aber nun kaum im deutschen TV zu sehen sein wird.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=0xH0o2q0b0I

Zudem geht nicht zum ersten mal der Verdacht um das sich im „Schwarzen Block“ Provokateure aus Staatskreisen befanden. Als linke Demonstranten verkleidete Zivilpolizisten hatten offenbar zur Eskalation der Gewaltspirale beigetragen. Auf einem Video auf Spiegel-Online ist ein „Zivilbulle“ zu sehen der mit einer Schusswaffe in die Menge feuert. Schon im das Vorfeld war auf „Provokation“ aus. Es kam zu massiven Repressionen, zu Verboten von Protestcamps, sogar von Gerichten genehmigte Demonstrationen wurden unter Umgehung der Rechtsstaatlichkeit einfach wiederum von der Polizeiführung als „verboten“ behandelt. Nun wird auch so getan als habe dann wiederum „niemand“ die Anwendung von Gewalt vorher sehen können. Was nun absurd sein wird da jeder der sich mit dem Thema beschäftigt weiß, dass Hamburg die Hochburg des Schwarzen Blockes der Antifa in Deutschland ist.

Heuchlerisch ist auch die Forderung an linke Gruppen und Bündnisse man müsse sich von der Gewalt distanzieren, schließlich fordert dann ja wiederum niemand die Bundesregierung, die Polizeiführung dazu auf, sich von der dokumentierten Polizeigewalt zu distanzieren. Rechtsbürgerliche Talkshowdauergäste wie Wolfgang Bosbach sind nun außer sich wenn einer auch auf die vorgandene Polizeigewalt hinweist. Hinter der moralischen Entrüstung scheint nun eine Doppelmoral zu stecken. Auch die Meinungsäußerungen einiger nationaler Rechter scheinen nicht ganz ehrlich zu sein. Schließlich sollen sich Meldungen und Vorankündigen nach ihm „Schwarzen Block“ wohl auch Autonome Nationalisten, Identitäre und Hogesa befunden zu haben.

Bundesinnenministerium und CSU nutzen die einseitig dargestellte Gewalt zur weiteren Einschränkung des Demonstrationsrechtes. So soll eine euroweite Datei „Extremisten“ erfassen. Vermutlich sind damit nicht nur Antifanten gemeint. Die Durchführung von Demonstrationen soll weiter erschwert werden und „Extremisten“ sollen im Vorfeld mittels Tragen von Fußfesseln die Teilnahme verunmöglicht werden. Mittels Bannmeilen sollen nun diejenigen die kapitalistische und kriegerisch-imperialistische Gewalt forcieren ganz unter sich bleiben können. Protest soll von vorne herein ausgesperrt und marginalisiert werden.

Bei der Frage nach der Gewalt bleibt natürlich außen vor wer überhaupt die Gewaltfrage stellt. Der Prozess der Globalisierung meint nun nichts anderes als eine Gewaltanwendung gegen die Mehrheit der Völker und Menschen. Die Bundesregierung selbst forciert nach innen und außen eine permanente Gewalt, sei es nun in Afghanistan, Mali oder als Teil des westlichen antirussischen Aggressionsbündnisses. Oder aber nach Innen in der Gewalt gegen Hartz-IV-Bezieher. Der Klassenkampf von Oben über Neoliberalismus und Agenda 2010 trieb zahlreiche Deutsche schon in den Selbstmord. Die aggressiven von der Bundesregierung vorangetriebenen Kürzungsorgien in Griechenland haben die Lebenserwartung in Griechenland massiv gesenkt oder dazu geführt das sich schwer kranke nicht mehr ärtzlich behandeln lassen können. Diese Form des kapitalistischen Klassenkampfes kann man nun als mörderisch bezeichnen, was aber in der „Diskussion“ über die Gewalt von Hamburg natürlich in der bürgerlichen Diskussion keine Rolle spielt.

Wie dargestellt wird die Gewaltfrage von der herrschenden neoliberalen Hegemonialordnung im Weltkapitalismus gestellt. Nun zündet diese zwar nicht in Hamburg Autos und Mülltonen an, sondern tötet über Bombenterror, Drohnenkrieg und menschenrechtlerisch dargestellte Interventionen hunderttausende. Als „Gewaltfrei“ wird dies alles ja wohl ernsthaft keiner bezeichnen können. Die Phrase das Politik gewaltfrei sein müsse – bezüglich der G20-Demonstranten -ist eben nur eine Phrase. Schon deshalb weil das Wort Politik von „Gewalt ausüben“ kommt. Auch wenn ein Staat keine kriegerische Gewalt ausübt, so in Wahrheit stets zumindest „administrative Gewalt“.

Nun ist aber mit Welcome to Hell-Demos selbst kein Widerstand gegen Kapitalismus, Imperialismus und erst recht nicht gegen Nationenzerstörung zu begründen. So handelte es sich bei den Meisten der Teilnehmer in Wahrheit nicht um Marxisten oder echte Kapitalismusgegner. Deren Theorem bezieht sich auf die postmodernen Theoretiker Hardt und Negri, die ihre Theorien in Werken wie „Empire“ und „Multitude“ darlegten.

Siehe: http://www.campus.de/buecher-campus-verlag/wissenschaft/soziologie/empire-1925.html

https://www.perlentaucher.de/buch/michael-hardt-antonio-negri/multitude.html

Nach diesem Theorem sei die neoliberal-kapitalistische Globalisierung als Durchgang zu einem surr-und irrealen „Sozialismus“ zu nennen. Hardt und Negri sprechen der kapitalistischen Globalisierung „Emanzipation“ und ein „Walten im Richtigen“ zu, sehen nur Teilfehler. Negri selbst unterstützte gar den Irakkrieg und brachte es fertig den US-Kriegspräsidenten Bush heilig zu spreche.

Der Imperialismus trägt für Negri und Hardt den „Keim der Befreiung“. Die Globalisierung löse zudem die Nationen und Nationalstaaten auf, was als Akt der Postmoderne dem Kapitalismus als höchgstradig „positiv“ angerechnet wird. Bei Welcome to Hell fordert man dann die „völlige Bewegungsfreiheit“ und das Abschaffen von nationalen Grenzen. Dies korrespondiert völlig mit den heiligen Gesetzen des Kapitalismus – den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen und Menschen. So hat Welcome to Hell dann auch nichts zum Imperialismus zu sagen. So kennt man keine Opfer (Staaten die nicht zur WWG gehören) und keine Täter (die WWG), sondern nur einen abstrakten Hinweis auf „Kriege“.

Der Kapitalismus befördere zudem „modernen Lebensentwürfe“. Dies alles findet sich in den Texten des Welcome to Hell-Spektrums, wo es nicht mehr um Klassenkampf, soziale Frage und erst recht nicht mehr um die Dialektik von nationaler und sozialer Frage geht, also um Antikapitalismus und Sozialismus, sondern um einen radikalisierten Linksliberalismus, um ein „linkes“ Zivilgesellschaftlertum – was aber nun genau dem Neoliberalismus und modernen Kapitalismus emanent ist. Was „Welcome to Hell“ interessiert ist Postfeminismus, Gender Mainstreaming, Homolobbyismus oder Transgender und natürlich „Rassismus“. Der ganze Aufruf dieses Bündnisses macht zudem den Eindruck das man sich gar nicht für die kapitalistische Menschenverwertung interessiert sondern für eine „Bedrohung“ durch „Nationalismus und Rechtspopulismus“.

In der berühmten „Roten Flora“, dem Hamburger Antifa-Zentrum, haben sich wie klügere Linke zu berichten wissen, längst „Antifa-Neocons“ und Neoliberale eingerichtet – die Freunde des israelischen und US-Krieges – sogenannte „Antideutsche“. Eine orthodox-kommunistische Seite sprach in diesem Zusammenhang von „Lumpenpack“. Der verstorbene linke Theoretiker Kurz bezeichnete dieses Spektrum dann wiederum als „Kindersoldaten der NATO“. Wo gegen Welcome to Hell und die Rote Flora genau demonstriereten wird nun vielen Aktivisten nicht ganz klar sein. Jedefalls nicht gegen Kapitalismus und den imperialistischen Krieg! Eine Linke die selbst den Neoliberalismus in sich aufgesorgen hat und ihn postlinks verwertet, die meint ein postmoderner „Sozialismus“ sei durch Imperialisten und Kapitalisten einzuführen hat dem Kapitalismus selbst nichts mehr zu sagen außer den Hinweis er läge nicht ganz richtig, sei aber dann besser als jeder Antikapitalismus, Antiimperialismus und nationale Souveränismus. Dieses prokapitalistische Konvertitentum muss dann den als „reaktionär“ verschrienen Proletarier zum Feind der „Emanzipation“ erklären.

Verfasser: Sozrev

Advertisements
Post a comment or leave a trackback: Trackback URL.

Kommentare

  • hanswernerklausen  On 18. Juli 2017 at 16:12

    Lesenswerter Kommentar von Rainer Rupp (einst MfS-Agent „Topas“ im NATO-Hauptquartier)

    Wer schrieb das Drehbuch für die G20-Proteste in Hamburg?
    17.07.2017 • 13:22 Uhr

    Die Proteste gegen die G20 waren größer und politisch banaler als alle vorherigen gegen G7 oder NATO-Gipfel zusammen. Gerade die Linke blamierte sich dabei durch die profillose Reproduktion von medial vorgekauten Inhalten. Ein Marxist zieht schonungslos Bilanz.

    von Rainer Rupp
    https://deutsch.rt.com/meinung/54225-volksgemeinschaft-statt-klassenstandpunkt-neoliberales-drehbuch/

  • Steffen  On 18. Juli 2017 at 18:16

    Der sog. „Nationale Widerstand“ beschwört stets den „Kampf gegen das System“, doch wenn von der „anderen Seite“ dieser Kampf praktiziert wird, dann reiht man sich schnell in die Kampagne „Gegen linke Gewalt“ ein, die derzeit von der Bild-Zeitung, der CSU/CDU, SPD, bis zu den Grünen (und sogar der Linkspartei) geführt wird. Wie glaubwürdig ist dann dieser „Kampf gegen das System“ eigentlich?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: