SdV-Gespräch mit dem Gegenlicht-Chefredakteur Arne Schimmer

SdV:Seit kurzem ist das neue Magazin für Politik und Kultur Namens „Gegenlicht“, für welches du als Chefredakteur fungierst, erhältlich. Was ist nun das genaue Konzept dieser doch umfangreichen und inhaltlich ansprechenden Zeitschrift und an welche Kreise richtet man sich genau?

Arne Schimmer: Unser Magazin „Gegenlicht“ richtet sich an das gesamte nationale und patriotische Spektrum in Deutschland, an gebildete und vielfältig interessierte Leser, denen wir das Angebot machen können, eine Publikation zu beziehen, in der sowohl neu-rechte, nationalrevolutionäre, nationalistische, konservative als auch sozialistische Positionen vertreten werden können. Es soll keine Selbstzensur geben und es sollen auch keine Autoren wegen ihrer politischen Vergangenheit ausgegrenzt werden, sofern sie denn etwas zu sagen haben. Als wichtige Punkte unseres Konzepts nenne ich einen Begriff wie „Kontroverse“, wir legen Wert darauf, dass die wichtigen Themen unserer Zeit, zu denen es in unserem Spektrum naturgemäß unterschiedliche Auffassungen gibt, offen debattiert werden können. Ein weiterer wichtiger Begriff wäre aus meiner Sicht der der „Gegenwart“, es sollen Themen behandelt werden, die unsere Zeit bewegen, das wären im aktuellen Heft beispielsweise die Debatten um den Islam, den Islamismus und den sogenannten „Islamischen Staat“ oder um den Ukraine-Konflikt. Ein dritter wichtiger Begriff ist der der „Kultur“, die uns ja ungleich viel stärker prägt als alle tagespolitischen Vorgänge, die aber meiner Auffassung nach häufig zu stiefmütterlich behandelt wird – nicht nur in manchen patriotischen oder nationalen Zeitschriften, sondern auch in der Presse und den Medien überhaupt.

Unser Erscheinungsbild enthält bewusst futuristische Elemente, weil wir der Auffassung sind, dass die Sache der Nation heute die Sache einer Avantgarde sein muss, einer Avantgarde mit möglichst ausgeprägten kulturellen und politischen Interessen, und einer charakterlichen Avantgarde, die sich notfalls auch gegen den Malstrom bestehender Mehrheiten stellt.

SdV:Was soll nun Gegenlicht von anderen patriotischen und nationalen Publiktionen unterscheiden? Die Schlagworte wäre da „Compact“, „Zuerst“, „Deutsche Stimme“ oder „Nationalzeitung“.

Arne Schimmer: Erst mal ist die „Gegenlicht“ im Vergleich zu den aufgezählten Publikationen ja ein ganz anderes Format, fast schon ein Buchmagazin – das wird man bei einem Umfang von fast 130 Seiten schon sagen dürfen. Insofern hat man natürlich auch mehr Platz für Hintergrund und Theorie und verzichtet andererseits auf Aktualität. Wir nehmen meines Erachtens eine Sonderstellung ein in der großen Bandbreite der vertretenen Positionen und Autoren, mir fällt auf Anhieb jetzt erst mal keine andere Publikation mit einer derartigen Spannweite ein. Insofern sollte es also schon noch eine freie Nische für die „Gegenlicht“ geben, der Leser bekommt einen eher nationalliberal orientierten Freigeist und Autor wie Thorsten Thomsen gemeinsam mit einem sozialrevolutionären Autor wie Jürgen Schwab oder auch Dich serviert.

Die Zeitschrift bietet den Platz, um ein Thema gründlicher auszuführen, oder ein Thema zu behandeln, dass vielleicht zu ausgefallen ist für andere Publikationen. Vergleichen lässt sich die „Gegenlicht“ vermutlich am ehesten mit Zeitschriftenprojekten wie „Tumult“ oder der „Sezession“, aber da wir größtenteils doch einen anderen Autorenkreis aufzubieten haben, meine ich, dass man sich auch da nicht zu stark in die Quere kommt.

Wenn Du es gestattest, dann bringe ich hier mal ein kleines Zitat an. Vor ein paar Tagen gab es eine Erwähnung der „Gegenlicht“ im „blick nach rechts“. Der Autor, Horst Freires, warf die Frage auf, ob wir uns denn neben Zeitschriften wie der „Sezession“, der „Blauen Narzisse“ und der „Zuerst!“ überhaupt behaupten können und kommt zu dem Schluss: „In der ersten Nummer wendet man sich zum einen neurechtem Gedankengut zu und huldigt kulturrevolutionären Propagandisten, andererseits sollen mit einem Autor wie Jürgen Schwab wohl auch so genannte Nationalrevolutionäre bedient werden.“ Also auch der „blick nach rechts“ bemerkt, mit welch breit aufgestellten Autorenstamm wir an den Start gehen. Das unterscheidet uns dann aber tatsächlich von allen anderen Projekten.

SdV: Auf NPD-Seiten war zu lesen das „Gegenlicht“ eine „publizistische Ergänzung“ zur NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ sein soll. Kann man dies aus deiner Sicht so sagen oder verhält es sich nicht doch ein wenig anders?

Arne Schimmer: Hier kann ich auf meine Antwort zur vorherigen Frage verweisen. Die „Deutsche Stimme“ weist ein ganz anderes Format als „Gegenlicht“ auf, insofern ergänzen sich beide Zeitschriften natürlich; ich meine aber auch, dass „Gegenlicht“ auch eine gute Ergänzung für einen Abonnenten der „Jungen Freiheit“ wäre. Die „Deutsche Stimme“ wird außerdem vom NPD-Parteivorstand herausgegeben, sie hat also eine andere Funktion als eine Zeitschrift wie „Gegenlicht“, das vom „Bildungswerk für Heimat und nationale Identität“ herausgegeben wird. Ein Blick in die Abonnentenliste zeigt mir, dass die „Gegenlicht“ sowohl Leser aus dem Umfeld der NPD wie auch Leser aus dem Umfeld der Neuen Rechten hat, und ich möchte beide Lesergruppen nicht gegeneinander ausspielen, zumal es doch recht häufig ähnliche Interessen oder publizistische Vorlieben zu geben scheint, wie mir eine Vielzahl an Zuschriften deutlich macht. Ein Blick in unsere Zeitschrift dürfte jedem Leser schnell deutlich machen, wie frei die Redaktion der „Gegenlicht“ arbeitet.

SdV: In der ersten Ausgaben finden sich Autoren die zum Teil unterschiedlichen weltanschaulichen Spektren angehören. Dies erscheint ein interessanter Ansatz für ein Debattenorgan zu sein. Allerdings gibt es auch eine Kritik wonach es sich hierbei um einen inhaltlichen „Gemischtwarenladen“ handelt? Wie siehst du dies?

Arne Schimmer: Also meiner Auffassung nach ist Politik eigentlich immer lageorientiert, hier folge ich Denkern wie Niccolò Machiavelli, Carl Schmitt oder Panajotis Kondylis, sie muss sich deshalb auch immer eine gewisse Flexibilität erhalten – das Thema hatten wir ja beim Strategieseminar der SdV. Ein zu enges ideologisches Korsett ist aber der natürliche Feind einer guten Lageanalyse. Also insofern habe ich jetzt erstmal lieber Aufsätze im Heft, die, auch wenn sie von Autoren kommen, die unterschiedliche Strömungen im patriotischen oder nationalen Lager repräsentieren, analytisch etwas zu bieten haben – ich nenne jetzt beispielsweise mal Deinen Aufsatz sowie den von Dominik Schwarzenberger zum Thema islamische Welt – als Autoren, die ein Phänomen zu stark in das Prokrustesbett einer Ideologie pressen. Das fängt doch schon bei den Grundlagen an. Ist Deutschland eine Kultur-, Volks-, oder Reichsnation? Lassen sich die unterschiedlichen Elemente aus solchen unterschiedlichen Auffassungen über die Nation kombinieren oder schließen sie sich aus? Soll man da schon alles vorgeben? Ich finde es spannender, da mal verschiedene und möglichst kompetente Stimmen zu hören. Wenn man eine Linie vorgibt, dann muss man das auch können.

Hans-Dietrich Sander mit seiner Propagierung der Reichsidee in den „Staatsbriefen“ konnte das, aber die Zeitschrift blieb auch deswegen interessant, weil er eine sehr liberale redaktionelle Linie verfolgte. Man sollte nicht vergessen, dass auch an diesem Projekt ein Autorenstamm mitwirkte, der, wenn man das einmal konkret ausbuchstabiert, von Michael Kühnen und Christian Worch auf der einen Seite bis hin zu dem ZDF-Redakteur Helmut Kamphausen und dem Kolumnisten der „Jungen Freiheit“ „Pankraz“ alias Günter Zehm auf der anderen Seite reichte. Für mich bleiben die „Staatsbriefe“ das vielleicht interessanteste Zeitschriftenprojekt, das es gab, da gab es einerseits diesen Mythos – die Staufer, die Preußen, der Brecht-Schüler Sander und die mitteldeutschen Länder direkt nach dem Mauerfall, in denen viele auf etwas Neues warteten – und dann gab es diese große Freiheit im Ausdruck und den Positionen, die man hier einnehmen konnte, und das finde ich wirklich souverän, auf einer geistigen wie auf einer publizistischen Ebene.

Ein anderer wichtiger Punkt für den publizistischen Pluralismus der „Gegenlicht“ ist eben der, die Möglichkeit einer Debatte zu schaffen, gerade in einer so wichtigen Frage wie beispielsweise dem Ukraine-Konflikt. Da gibt es einerseits das Bedürfnis, eine stabile eurasische Ordnung zu schaffen, die man dann hauptsächlich um die Zentralmächte Russland und China herum wird aufbauen müssen, und dann gibt es andererseits das Recht auf nationale Selbstbestimmung, das wiederum stark geprägt ist durch historische Prägungen und Traumata und kulturelle Muster. Soll man nun – und sei es auch nur auf der Ebene einer Zeitschrift – den einen Pol zugunsten des anderen völlig ausschalten? Da hätte ich ein sehr ungutes Gefühl und wohl auch bald schon keine Lust mehr an der Sache, weil guter Journalismus für mich auch immer eine gewisse Ausgewogenheit bedeutet, wir sind halt nicht irgendjemandes Propagandakompanie. Mit der Kritik, ein „Gemischtwarenhändler“ zu sein, kann ich dann schon wesentlich besser leben – einen Tod musst Du am Ende sterben, auch wenn Du eine Zeitschrift machst.

Das Gespräch mit Arne Schimmer führte der Chefredakteur der Sache des Volkes.

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