Nation und Europa: Stunde der Generäle?

Die höchst bedenkliche Lage in der sich ein mit fundamentalen Desorientierungserscheinungen konfrontiertes Europa befindet, ist der hohe Preis den es dafür zahlen muss, dass es sich selbst untreu geworden ist und seine maßgeblichen Eliten hauptsächlich dem Mammon dienen. Die damit einhergehenden Wucherungen einer hedonistischen Schamloskultur wie Deshumanisierung, Verantwortungslosigkeit, Verwilderung und Verrohung, nicht zuletzt der Einbruch des Fremden, offenbaren den Wahnsinn einer angezählten Zivilisation. Für den Verfall der öffentlichen Moral, die Schwächung des Staates und die Demontage der Demokratie ist die mit Inszenierungen beschäftigte politische Führungsschicht in hohem Grade verantwortlich.

Werfen wir einen Blick nach Frankreich, wo vor kurzem vorerst ein Putsch ohne Soldaten stattgefunden hat. Ein solcher war es nämlich: der Putsch der Finanzindustrie, der einen der ihren an die Spitze gebracht hat. Doch der große Messias Macron, dem der Österreicher Kurz auf dem Fuße zu folgen scheint, entpuppt sich schon nach Wochen als eine Blendgranate. Ist erst einmal der Rauch ganz verzogen, wird die französische Misere stärker als zuvor sichtbar werden. Die Aussichten darauf werden nicht alle begeistern.

Neben vielen anderen warnenden Stimmen hatten sich zuletzt Frankreichs militärische Führer zu Wort gemeldet. Gerade auch die Umstände des erzwungenen Rücktritts des Generalstabchefs, Pierre de Villiers, hatten bei den hohen Militärs das Fass zum Überlaufen gebracht. So wunderte es nicht, dass General Vincent Deportes, ein renommierter Stratege und Lehrbeauftragter, die Regierung Macron als inkompetent und amateurhaft abkanzelte. Bei Deportes werden im jetzigen Fall Erinnerungen an den Putsch von Algier (1961) wach.

Anders als die den Finanzoligarchen hörigen Politiker, sehen sich die französischen Generäle als Verteidiger ihres Vaterlandes, das sie nun durch das verantwortungslose und stümperhafte Wirken einer unfähigen politischen Elite in noch größerer Gefahr sehen. Die Zusprüche und Unterstützungen die nun Pierre de Villiers durch mehrere hohe Generäle und Teile der Zivilgesellschaft erhielt, sollten der Politik zu denken geben.

General Henri Roure („Macron versteht sein Metier nicht“) sieht in der Wahl des Möchtegern-Staatschefs Macron, der Frankreich als sein Spielzeug betrachtet, sogar eine Zurückweisung der Demokratie. Roure kritisiert bei der Gelegenheit den Ultraliberalismus, der, wie er meint, ein Monster der internationalen Finanzindustrie sei. Wenn auch nicht mehr im aktiven Dienst, erweist sich Roure als ein Offizier mit politischem Verstand.

Solche Offiziere gibt es anderswo auch, selbst in Deutschland, wo trotz enormen Gesinnungsdrucks vorbildliche Offiziere ihren Dienst für das Vaterland versehen oder versahen. Und der eine oder andere freiwillig oder unfreiwillig Ausgeschiedene hat sich denn auch längst zu Wort gemeldet. Aufhorchen ließen in letzter Zeit so tadellose Soldaten wie Generalmajor Gerd Schultze-Rhonhof und die Generäle Franz Uhle-Wettler und Reinhard Günzel, die die Verfehlungen der Politik, besonders in der Migrationsfrage, anprangern.

Wie dies bei ihren französischen Kollegen der Fall ist, genießen auch sie hohes Ansehen bei der Truppe. Daraus zu folgern, bei drohendem gesellschaftlichem Kollaps und wirtschaftlichem Zusammenbruch könnten die Bundeswehr oder Teile von ihr auf den Plan treten, wäre gerade im Sonderfall Deutschland aber gewiss zu verfrüht und zur Stunde undenkbar. Doch die Zeit heilt nicht nur Wunden, sie geht irgendwann auch über gewisse Bedenken hinweg. Was im Fall einer von hohem Ethos getragenen deutschen soldatischen Elite und mangels einer besseren Alternative hinzunehmen wäre.

An sich aber ist die Armee eines Landes ja „ein in Gehorsam abhängiges Instrument der Politik“ (Karl Jaspers). Was aber, wenn diese kriminell wird, Hoch- und Landesverrat begeht? Politik für die Sache des Volkes ist eine zu ernste Sache als dass man sie fahrlässig oder kriminell handelnden Politikern überlassen dürfte. Aber wären Generäle auch wirklich die besseren, fähigeren Politiker?

Solche hat es in der Geschichte tatsächlich auch gegeben. Wahrscheinlich fiele einen zu einem der heutigen mittelmäßigen oder mit dem Hochverrat liebäugelnden Spitzenpolitiker ja auch gleich ein fähiger und glaubwürdiger Offizier als Alternative ein. Ob derjenige dann auch zur passenden Stunde da und noch fähig sein würde das Steuerrad zu übernehmen, ist eine andere Frage. Aber vielleicht wächst noch einmal einer zur rechten Stunde über sich hinaus.

Bis auf weiteres sollte aber doch erst ein von patriotischem Geist getragener ziviler Widerstand seine Chance bekommen, auch wenn die Notlage bereits ein rascheres Einschreiten erforderte als es der normale demokratische Prozess ermöglichte. In Erkenntnis dessen, dass bei einem endgültigen Scheitern der Politik eine bedrohliche Anarchie und eine nicht enden wollende Unregierbarkeit drohen und damit einem autoritären Regime oder gar einer Diktatur der Weg geebnet würde, sind Patrioten in Uniform schon einmal eine willkommene Bereicherung eines nationalen Widerstandes.

Helmut Müller

Quelle

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