Besprechungen (33)

Vor gut 30 Jahren, am 17. August 1987, verstarb Rudolf Hess im Gefängnis von Berlin-Spandau.

Siehe hierzu:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_He%C3%9F

Auch wenn dies nicht bewiesen ist, es spricht vieles für die These, daß der einstige Führerstellvertreter von den Briten, die zu diesem Zeitpunkt das Gefängnis leiteten, getötet wurde. – Dieses Ereignis, das damals wie ein Lauffeuer durch die nationale Rechte ging, über das natürlich auch in den etablierten Medien berichtet wurde, löste einen Sturm der Empörung unter nationalen Deutschen aus – was keinesfalls auf das Spektrum des Neonazismus beschränkt gewesen war. – Selbst der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker (CDU) soll mit dem Gedanken gespielt haben, die Freilassung von Hess öffentlich zu fordern.

Siehe hierzu:
https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/wollte-richard-von-weizsacker-rudolf-hess-1985-befreien

Da es damals im Raum Aschaffenburg eine rege Gruppe der Wiking-Jugend gegeben hatte, zu der ich, der im Nachbarlandkreis Miltenberg lebte, über den dortigen NPD-Kreisvorsitzenden Klaus Beier in Kontakt kam, nutzte ich spontan die Möglichkeit als Gast der Wiking-Jugend mit einem Reisebus zu einer entsprechenden Protestdemonstration mitzufahren. Soweit mich mein Erinnerungsvermögen nicht trügt, legten wir mit dem Bus eine mehr oder weniger lange Irrfahrt über diverse Autobahnen hin, bis wir irgendwann am Nachmittag in Fulda eintrafen, wo offensichtlich die BRD-Behörden ein Demonstrationsverbot „vergessen“ hatten. Wir vom WJ-Bus kamen allerdings zu spät, das heißt die Kundgebung war schon vorbei, als wir eintrafen.

Mit der Zeitgeschichte der mittlerweile 30-Jahre andauernden Rudolf-Hess-Märsche, Demonstrationen, Aktionen und dergleichen mehr befaßt sich eine Sonderausgabe (die reguläre Nummer 4) der Zeitschrift „N.S. Heute“.

Siehe:
http://www.nsheute.com

„Warum sollten wir die Aufarbeitung der Geschichte des Nationalen Widerstandes auch irgendwelchen BRD-Historikern überlassen, wenn wir das viel besser machen können?“ – Fragt sich der Chefredakteur der Zeitschrift, Sascha Krolzig, zurecht. Der Frage allerdings, wie das Vermächtnis des Rudolf Hess heute einzuordnen wäre, geht die Redaktion konsequent aus dem Weg. Dies war auch so in der Ankündigung zu dieser Sonderausgabe zu lesen.

Möglicherweise würden die Schlußfolgerungen, die Krolzig & Co. ziehen, in aller Öffentlichkeit zu rigorosen Zensurmaßnahmen der BRD-Justiz führen; vielleicht ist man aber in der NS-Sektenwelt geistig gar nicht in der Lage ein ernstzunehmendes Fazit aus dem „Vermächtnis Hess“ zu ziehen.

Wie dem auch sei – 1987 gehörte ich noch zu denen, die es als unge r e c h t empfanden, daß die alliierten Sieger des Zweiten Weltkrieges einen ihrer damaligen Feinde über so viele Jahre im Gefängnis hielten, zudem empörte mich der „Mord“ an Rudolf Hess spontan. An späteren Aktionen zu diesem Thema nahm ich allerdings nicht mehr teil, da ich – wohl auch infolge zunehmender politischer Reife – kapierte, daß die ständig andauernden Hess-Aktionen eben nicht nur dazu dienten, die an sich notwendige zeitgeschichtliche Aufklärung des Themenkomplexes Hess anzumahnen – so auch die Hintergründe zu seinem Englandflug von 1941 und zu den nicht für die Forschung freigegebenen britischen Akten zum Fall Hess; sondern die Hess-Aktionen dienten und dienen freilich auch zur Verherrlichung Adolf Hitlers, dessen „Nationalsozialismus“ und des Dritten Reiches.

Gäbe es im Neonazi-Spektrum eine freie Diskussionskultur, könnte man sich beispielsweise über die Frage unterhalten, warum „Mord“ im Falle von Hess „nicht verjähren“ soll? Von welchem „ R e c h t “ ist hierbei die Rede, das die „Rache“ im Falle Hess ersetzen soll? – Wer sich in die Tradition von „Adolf & Eva“ stellt, müßte doch wissen, daß doch nach der Lehre des Sozialdarwinismus der Stärkere gegen den Schwächeren im R e c h t wäre. Wer beispielsweise völker r e c h t l i c h e Standards einfordert, demzufolge Kriegsgefangene nicht willkürlich getötet werden dürfen, sollte so ehrlich sein einzugestehen, daß sich Hitler und seine Gefolgsleute in vielen Fällen auch nicht um völker r e c h t l i c h e Standards scherten, wenn es ihnen machtpolitisch ins Konzept paßte. Vielleicht sollte man sich auch mal mit Hegels R e c h t sphilosophie befassen, demzufolge das sogenannte „Völker r e c h t “ immer nur „Soll-Bestimmungen“ enthielt und enthält, niemals aber von einem „Müssen“ die Rede sein kann, wenn sich der Stärkere über Vereinbarungen hinwegsetzt und man ihn dafür nicht zur Rechenschaft ziehen kann.

Freilich, einen Kriegsgefangenen 46 Jahre hinter Gittern zu halten, zeugt von Engherzigkeit oder – wie manche annehmen – von schlechtem Gewissen. – Vielleicht haben die Briten bis heute wirklich etwas zu verbergen. Aber was erwarten sich die Hitler- und Hess-Fans an sensationeller Enthüllung? Die große „Neuigkeit“, daß Hess Frieden mit dem Vereinigten Königreich wollte, damit sich Hitlerdeutschland mit den weißen Angelsachen, auch der USA, die Welt in drei germanische Imperien hätte aufteilen können, woran sich allenfalls noch Japan hätte beteiligen können? – Daß Hitler und seine Paladine es gerne gehabt hätten, daß die Engländer stillhalten, wenn es zur kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Deutschem Reich und Sowjetunion kommt – soll das wirklich „neu“ sein, wenn es in den britischen Hess-Akten stünde?

Daß am Ende die deutschfeindlichen Kräfte um Churchill die Oberhand in der britschen Politik behielten, ist doch bekannt. Was soll denn da wirklich neues dazukommen? Vielleicht sperrten die Briten die Hess-Akten, weil in denen der ein oder andere britische Politiker in einem ungünstigen Licht erschien. Vielleicht würde das Aktenmaterial offenbaren, daß nicht nur viele Journalisten in der westlichen Welt, sondern auch Politiker Hitler bewunderten. Möglicherweise steht in den Akten, daß die Briten Hitler gar nicht so schlimm fanden, sondern lediglich das von ihm geführte Reich als imperialistischen Konkurenten bewerteten. Möglich ist das durchaus. Aber wirklich Neues, was ich nicht sowieso vermuten könnte, erwarte ich mir von einer Veröffentlichung der britischen Hess-Akten zumindest nicht.

Zudem brauchen wir von der SdV dem Rudolf Hess, Adolf Hitler und seinem Regime nicht nachzutrauern, da dieses System das deutsche Volk in die bislang größte Katastrophe der deutschen Geschichte – nach dem Dreißigjährigen Krieg – geführt hatte und sozialrevoltionäre Kräfte, auch die explizit dem deutschen Nationalismus angehörten, ins Konzentrationslager, ins Ausland und in den Tod getrieben hatte.

Jürgen Schwab

N. S. Heute. Weltanschauung, Bewegung, Leben, zweimonatlich, Stückpreis: 4,90 Euro. Normal-Abo: 29,40 Euro, Förder-Abo: 44,00 Euro.

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