Besprechungen (34)

Politische Theoretiker haben es nicht immer einfach. – Sie benötigen eine politische Bewegung oder Partei, die wenigstens im Ansatz ihren Ratschlägen folgt beziehungsweise diese von der Theorie in die Praxis umsetzen. Politische Theoretiker hingegen, die irgendwann erkennen müssen, dass sich keine wirklich maßgebliche politische Partei oder Bewegung für ihre Theorien interessieren, sollten nicht verzweifeln, sondern vielmehr überlegen, ob das Leben denn nun wirklich nur aus Politik in Theorie und Praxis besteht. Nur dieser Ansatz ist der Ausweg aus dem Dilemma.

 
Hat man dies begriffen, so wird man keinesfalls ein Mensch, der sich nicht mehr für Politik interessiert, sondern vielmehr einer, der nicht mehr Programme und Aufforderungen an eine politische Partei oder Bewegung richtet, da es diese ja nicht gibt, wie man erkennen mußte; sondern man zieht sich schwerpunktmäßig auf die Analyse und Kritik zurück, man bezieht zudem grundsätzliche Positionen, die vielleicht irgendwann mal von einer politischen Partei oder Bewegung aufgegriffen werden – oder auch nicht. Schließlich ist die Vorstellung, man könne sich selbst als homo politicus zu einem unpolitischen Menschen erziehen, völlig abwegig.
 
Umso mehr freue ich mich, daß die von Arne Schimmer redaktionell betreute Zeitschrift „Gegenlicht“ mir ein Forum bietet – auch wenn dieses publizistische Forum nur in großen Abständen erscheinen wird. – Auch wenn ich die Auffassung vertrete, daß UNS das Debattenkonzept dieser Zeitschrift nicht wirklich politisch weiterbringt, so ist Schimmers Konzept doch für MICH wie maßgeschneidert. Denn in den „virtuellen Redaktionsräumen des ‚Gegenlicht‛ treffen also Nationalrevolutionäre auf radikalisierte Konservative, schreiben jugendliche Schwarmgeister neben desillusionierten Skeptikern, finden hochgespannte Hoffnungen neben nüchternem Pragmatismus ihren Platz.“
 
Und an irgendeiner Stelle schrieb Schimmer einmal, dass in „Gegenlicht“ auch solche Personen zu Wort kommen, die sonst keine oder wenige Foren haben. Genau in dieser Außenseiterrolle habe ich mich auch wiedererkannt.
 
Ich habe mittlerweile meine Außenseiterrolle angenommen, diese akzeptiert, werbe auch regelrecht damit. Insofern hat Thomas Wulff gar nicht mal so unrecht, wenn er lamentiert, mir würde es „nur um persönliche Gründe“ gehen (das Wörtchen „nur“ könnte ich natürlich zurückweisen, aber wozu auch, da ich durch Rechtfertigung nicht irgendwelchen skurrilen Möchtegernobergruppenführern „Macht“ über mich oder andere Menschen zuschreiben möchte, die sie niemals besessen haben und auch niemals besitzen werden).
 
Siehe hierzu auch:
https://sachedesvolkes.wordpress.com/2012/06/21/ich-bin-ein-eitler-selbstdarsteller/
 
Insofern möchte ich auch einem Kommentator widersprechen, der es sicherlich gut mit mir meint, wenn er betont, er „persönlich“ habe es „damals (…) bedauert“, dass 2011 der NPD-Parteivorstand über mich ein Schreibverbot beschloß. Der Kommentator mutmaßt: „Herr Schwab kann es offensichtlich immer noch nicht so recht verknusen, dass man ihn in der DS seinerzeit nicht haben wollte (…).“
 
Siehe hierzu:
 
https://www.facebook.com/gegenlicht.magazin/?hc_ref=ART7IXOc27BeUuvfgcjtBdEuOwdqTbXpS_69pp0tiIljQ4OKJZbWpgoO2bJ3U9hadkU
 
Das trifft die Sache nun wirklich überhaupt nicht, es geht mir nicht um gekränkte Eitelkeit – ganz im Gegenteil: damals, 2011, war ich in meiner Eitelkeit dermaßen stolz, daß auf Antrag der Faschisten Heise und Wulff und durch das Mittragen des damaligen Parteivorsitzensden Voigt man extra für mich einen Beschluß faßte zur Ausgrenzung. Das machte mich damals unheimlich stolz, daß der NPD-Parteivorstand einer gesellschaftlichen Randfigur wie mir, die zweifach Außenseiter ist – als „Rechtsextremist“ und innerhalb dieses Spektrums als „Linksextremist“ – so viel Aufmerksamkeit und Wichtigkeit zumaß. Und ich bin nach wie vor stolz darauf – von Nazi-Faschisten als „Bolschewist“ diffamiert zu werden.
 
„Ruhm und Ehre“ ist etwas, was man nicht bei der Waffen-SS beziehungsweise bei Herbert Schweiger suchen sollte, was nur auf kleine Wichte zutrifft, sondern bei sich selbst! Oder eben „Viel Feind – viel Ehr!“
 
Von diesem Stolz, von diesem Selbstbewußtsein möchte ich auch weiter zehren. Insofern zeugt es von mangelnder intellektueller Fähigkeit und von Borniertheit, immer zu von NPD-Funktionären die Frage zu stellen, ob die NPD-Führung mich damals und heute wieder als DS-Autoren haben möchte. Das damals, im Jahr 2011, beantwortete sie mit „Nein“, das heute mit „Ja“ (ich bin mehrfach, auch von Voigt-Alimentierten aufgefordert worden, wieder für die DS zu schreiben).
 
Die Frage aber, wie i c h diese Frage beantworte, kommt diesen Leuten einfach nicht in den Sinn: i c h wollte damals für die DS schreiben („Ja“), heute nicht mehr („Nein“), weil ich nach wie vor bereit bin, Neonazis zu besseren deutschen Nationalisten zu erziehen, aber mich nicht mehr in schlechte Gesellschaft von abgewrackten Neonazi-Organisationen zu begeben. Wer mir ein Forum bietet und mich höflich behandelt – ja gerne, aber alles andere muß man sich nicht antun. Sozialismus ist eine gute Idee, aber ein bißchen elitären Anspruch sollte man als nationaler Sozialist schon haben. Gleichmacherei schadet hierbei nur.
 
Nicht vorenthalten möchte ich den SdV-Lesern die Frustration eines – namentlich nicht genannten – Rezensenten von „N.S. Heute“, der (in Nr. 5, S. 49-50) darüber jammert, daß Arne Schimmer in „Gegenlicht“ mir ermöglicht hat, daß ich mich in meinen „Thesen zum Neonazismus“ am „Nationalen Widerstand abarbeiten“ (…) „darf“. – Genau diese Forumlierung sagt über die Frustration des Rezensenten mehr aus als ihm lieb sein kann. Während er sich vergeblich Mühe gibt, mich aus dem „Nationalen Widerstand“ auszugrenzen, kann er seine Enttäuschung nicht verbergen, daß ich über ihn als Neonazi in „Gegenlicht“ schreiben „darf“.
 
Der Rezensent, der sicherlich seinen gesamten Lebensentwurf dem Neonazismus gewidmet hat, hält meine These, daß der Neonazismus systemimmanent ist, das BRD-System diesen zur Herrschaftssicherung brauche, immerhin für „steil“ – aber schon deshalb für „abwegig“, da es in der BRD „keine politische Bewegung gibt, die vom System derart umfassend und hart bekämpft wird wie der Nationale Widerstand.“ (ebenda, S. 49) – Davon abgesehen, daß hierbei Neonazismus und „Nationaler Widerstand“ gleichgesetzt werden – ist etwa Arne Schimmer ein Neonazi oder gehört er gar nicht zum NW? -, so offenbart diese Sektenlogik nur eines: daß Faschisten, die gerne Täter wären, sich scheinbar in einer Opferrolle gefallen, was nur für wenige Zieladressaten attraktiv erscheinen kann.
 
Zudem beruht die Gleichung, man sei die wirkliche Systemopposition, weil man am meisten vom BRD-System verfolgt werde, auf einem denkerischen Kurzschluß. Schließlich kann es auch andere Gründe geben, warum die BRD-Behörden tatsächlich Repression gegen Neonazis ausüben. – Oder anders gefragt: was würde passieren, wenn ein CDU-Bundesinnenminister wie Thomas de Maiziere während seiner Amtszeit keine Neonazi-Organisationen verboten hätte? Die linke Systemhälfte würde ihm vorwerfen, auf dem rechten Auge blind zu sein. Das Ausland, das auch wirtschaftlich in Konkurrenz zur stärksten europäischen Industrienation steht, würde wieder einmal die Nazi-Vergangenheit hervorkramen, wie diverse jüdische Lobbyorganisationen in den USA bezüglich der Zwangsarbeiter im Dritten Reich – oder man denke an die Hitler-Bärtchen, die Griechen der Kanzlerin Merkel vor ein paar Jahren angemalt haben.
 
Dies alles hat aber nichts damit zu tun, daß die BRD-Behörden, wie der sogenannte Verfassungsschutz, insgeheim der Auffassung wären, diverse Neonazi-Organisationen bei uns seien eine gefährliche Systemalternative. – Vielmehr sind die Neonazis bei uns aus Sicht des BRD-Bürgertums lästige Schmeißfliegen, die das Aufkommen eines neuen BRD-(Verfassungs-) Patriotismus (ohne wirkliche Verfassung), wobei zu dieser neudeutschen „Nation“ auch Mesut Özil gehören soll, immer wieder durch häßliche Medienberichte über Aufmärsche, Symbole, brennende Asylantenheime und so weiter torpedieren. – Daß die linke Systemhälfte alles diffamiert, was deutsch patriotisch ist, sich gar nicht vorstellen kann, daß es weltweit auch linksnationale Bewegungen gibt (in Kurdistan, Irland, Katalonien usw.), dies kommt noch hinzu.
 
Der Neonazismus lebt in weiten Teilen „geistig“ in den 1930er Jahren, dessen Uhr ist am 8. Mai 1945 stehen geblieben, er hat – systemimmanent – die Auffgabe, einen wirklich nationalen Aufbruch in Deutschland zu diskreditieren und zu blockieren. Deshalb werden sich alle erfolgsorientieren Kräfte, wie derzeit die AfD, immer wieder – schon aus opportunen Erwägungen – davon distanzieren. Auch wenn man zurecht die Leistungen der Wehrmacht lobt (Gauland) oder – etwas verunglückt – zum Ausdruch bringen möchte, daß Deutsche, Franzosen und Engländer zu Hause nicht in Wohnvierteln leben möchten, deren Bewohner zum großen Teil Farbige sind (Gauland), wobei Boateng schon einkommensmäßig ausschließlich in Villenvierteln anzutreffen sein wird.
 
Siehe hierzu auch:
https://sachedesvolkes.wordpress.com/2017/09/04/thesen-zum-neonazismus-in-der-brd-eine-neubearbeitung/#comments
 
In diesem Punkt ist Reinhold Oberlercher zuzustimmen: die BRD ist das „Wachkoma“ des Dritten Reiches, wobei beide – BRD und Anti-Neonazi-Hysterie – krampfhaft aneinander gekettet sind und nur gemeinsam fortbestehen beziehungsweise untergehen können.
 
Jürgen Schwab
 
N. S. Heute. Weltanschauung, Bewegung, Leben, zweimonatlich, Stückpreis: 4,90 Euro. Normal-Abo: 29,40 Euro, Förder-Abo: 44,00 Euro.

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