Karl Richter töten?

Die Querfront-Strategie ist seit den 1920er Jahren in Deutschland vor allem eine Strategie des Scheiterns. Das Scheitern rührt nicht zuletzt daher, daß zu geringe politische Kräfte auf der Rechten wie auf der Linken auf diese Strategie setz(t)en. Und nicht nur das, schließlich sind diejenigen in beiden politischen Lagern, die eine Querfront- Ü b e r z e u g u n g vertreten, eine verschwindend geringe Minderheit.

Die Ablehnung einer Zusammenarbeit von Rechten und Linken in Deutschland – weltweit gesehen ist eine solche schon an vielen Orten längst Wirklichkeit! – geht aber nicht nur von links aus. – Gerade auf der Rechten ist die Bürgerkriegshaltung gegen alles, was links ist, weit verbreitet. Friederich Wolf, der in „NS heute“ (Nr. 6/2017, S. 7) gegen die Querfront anschreibt, weil doch die Ziele von Rechten und Linken zu verschieden seien, ist nur ein Beispiel hierfür.

In der Tat, die Menschheitsdemokratie, die ganz links vertreten wird, in der alle Menschen in einem einzigen Weltstaat gleichberechtigt zusammenleben sollen, ist nicht die Sache der Rechten. Aber nicht nur die linke Menschheitsdemokratie – im Sinne einer globalen Demokratisierung von Gemeinwesen und Wirtschaft – stößt bei Rechten auf Ablehnung. – Schließlich verficht auch nur ein Teil auf der Rechten eine wirkliche Demokratie – bezogen auf einen deutschen nationalen Staat. Auf den anderen Teil trifft die Wertung zu, die einmal Ralph Giordano über Franz-Josef Strauß (CSU) fällte, als jener diesen als „Zwangsdemokraten“ – bezüglich der (Nieder-) Lage seit 1945 – bezeichnete. Man ist halt als Rechter auch bei uns Demokrat und Menschenrechtler, weil es eben seit 1945 in Deutschland politisch so opportun ist.

Umso lobenswerter sind die ehrlichen Rechten, die sich dazu bekennen, Volkes Mehrheitsmeinung abzulehnen, wenn diese nicht die ihre ist. Karl Richter (NPD) ist einer von ihnen. Der Bayer meinte bezüglich des Katalonienkonflikts vor ein paar Wochen auf seiner Facebook-Seite, daß der spanischen Staat unlängst zurecht mit Gewalt gegen die katalonische nationale Unabhängigkeitsbewegung vorgegangen sei – schließlich gebe es mit Putschisten nichts zu verhandeln. Richter erklärte ganz unverblümt, daß Madrid auch heute mit den katalonischen Sezessionisten so umgehen soll wie einst unter Franco, der 1940 nach seinem Sieg im spanischen Bürgerkrieg die „linken Autonomisten (…) kurzerhand liquidieren“ ließ.

Sicherlich würde Richter entgegnen, in Katalonien habe kürzlich – gemessen an Wahlbeteiligung und aufgrund des Ausnahmezustands – nicht die Mehrheit für die Unabhängigkeit ihrer Nation gestimmt. Aber dafür, daß die Wahllokale von der spanischen Polizei angegriffen wurden, wird man wohl kaum ernsthaft der damaligen Regionalregierung in Barcelona die Schuld geben können.

Ein Kompromiß könnte freilich darin bestehen, die Abstimmung einfach – unter internationaler Aufsicht, wie vor einiger Zeit auf der Krim – zu wiederholen, damit das Verfahren ordentlich für alle Beteiligten abläuft. Aber das wäre auch nicht im Sinne des Zwangs-(National-)Demokraten Karl Richter, der neulich in der FPÖ-nahen „Aula“ (vom Oktober 2017, S. 45) zum Totschlagargument gegen alle echten Antisemiten, die vielleicht doch mit Barcelona sympathisieren, ausholte – schließlich sei auch der ungarische Jude George Soros für die Unabhängigkeit Kataloniens. Und da eben der Jude das Maß aller Dinge jedes echten Antisemiten ist, wäre nun Richters „Logik“ entsprechend jeder „Arier“ ein Verräter an seiner Rasse, sollte er die Unabhängigkeit Kataloniens befürworten. – Und sei es nur aus Südtiroler Bauernschläue! Genau davon wimmelt es nur so im AULA-Spektrum. Vielleicht fällt ja auch für uns Deutsche und Deutschösterreicher bald was ab, wenn die nationale Lawine auch in Westeuropa ins Rutschen kommt!? Eupen-Malmedy und Südtirol könnten schon bald auf der Agenda stehen.

Auch Udo Voigt (NPD) ist wie sein Angestellter (im Europaparlament) Richter ein Bürgerkriegskämpfer der Vergangenheit und der Gegenwart. Der deutsche Europaparlamentsabgeordnete meinte auf seiner Facebook-Seite: „Wenn sich heute, erneut aufgehetzt durch kommunistische Umtriebe, Katalonien von Spanien trennen würde, werden morgen die Basken, dann die Kanaren und dann andere Regionen folgen“ – Die Unabhängigkeitsbewegung Kataloniens sieht Voigt auch heute von Linken beziehungsweise Kommunisten bestimmt, die Revanche nehmen möchten für den von ihnen verlorenen spanischen Bürgerkrieg von 1936-39. Voigt, der bei Spanienaufenthalten gerne die Polizei traditionell mit eindeutiger Geste grüßt – wie auch Richter seinen rechten Arm nicht immer unter Kontrolle hat -, beweist nur, wie tief er selbst in seiner faschistischen Ideologie steckt.

Der Faschismus ist nicht die bürgerlich parlamentarische „Demokratie“ selbst, er kriecht aber genau aus letzterer hin und wieder in der Krisensituation hervor. Genau das weiß auch Voigt, weshalb er fest auf der bürgerlichen Ordnung Spaniens und der der BRD steht. So gelte es die bürgerlich-monarchische Ordnung Spaniens auf jeden Fall zu erhalten. Voigt und Richter betonen in ihren Facebook-Kommentaren, daß das Regime in Madrid schon aufgrund der geltenden gesamtspanischen Verfassung das Recht habe, gegen die nationale Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien hart durchzugreifen. Daß jede nationale Unabhängigkeitsbewegung – von Bozen bis Kurdistan – gegen die jeweils bestehende Verfassung verstoßen m u ß , dieses Argument gerät bei Voigt und Richter völlig unter die Räder.

Ist es ausschließlich Borniertheit, die Voigt und Richter dazu bestimmt, an der jeweils herrschenden Verfassung festzuhalten, diese mit rattenhafter Wut zu verteidigen? – Nein, dahinter steckt vielmehr berechnendes Kalkül. Für Faschisten geht es nicht um Volkes Meinung. Entscheidend ist für diese nur, daß eine faschistische Ordnung nur aus der bürgerlichen Ordnung – in deren parlamentarischen, präsidentiellen und monarchischen Spielarten – hervorgehen kann. Deshalb sind auch Faschisten wie Voigt und Richter konsequente Konterrevolutionäre.

Im Falle von Barcelona geht es Faschisten nicht zuerst darum, daß der spanische Gesamtstaat stabil zu sein habe – gerade hinsichtlich der Herausforderungen des Massenansturms von Armutsflüchtlingen -; Barcelona ist für Voigt und Richter – deren Facebook-Kommentare zeigen dies deutlich – deshalb so gefährlich, weil es sich dort um Linksnationalisten handelt, die vielleicht zu einem Teil die soziale Revolution – gegen die bürgerliche Ordnung – im Schilde führen.

Der Albtraum der deutschen Nazi-Faschisten kann nur darin bestehen, daß es irgendwann auch in Deutschland eine nationale Linke gibt, die die soziale Revolution im Ordnungsrahmen des deutschen Nationalstaats umsetzen möchte. Also genau das, was es schon von Caracas bis Dublin, von Barcelona bis Kurdistan gibt. Diverse zarte Äußerungen der Linkspopulisten Wagenknecht (Interessen deutscher Auszubildender) und Lafontaine („Fremdarbeiter“ als Konkurrenten) in diese Richtung könnten sich als Vorboten erweisen.

Ein besonders radikaler Konterrevolutionär, der sich dadurch auszeichnet, daß er die Tötung von Marxisten und Sozialrevoluionären gutheißt, ist Jörg Hähnel (NPD), der vor Jahren als Berliner Bezirksabgeordneter einen „Waldemar-Pabst-Platz“ in der Hauptstadt forderte – also nach demjenigen Freikorpsoffizier benannt, der maßgeblich an der Tötung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht beteiligt gewesen war.

Siehe hierzu:

https://de.wikipedia.org/wiki/Jörg_Hähnel

http://www.edition-nautilus.de/programm/politik/buch-978-3-89401-592-3.html

Ich könnte nun viele Belege für einen harten faschistischen Block in der NPD und im sogenannten „Nationalen Widerstand“ anführen. Nur noch einen – den Trierer National-“Demokraten“ Safet Babic, der im Interview mit der SdV ausdrücklich die Tötung von sozialrevolutionären Umstürzlern, die die adelige oder bürgerliche Eigentumsordnung – als Voraussetzung der „Volksgemeinschaft“ – beseitigen wollen, rechtfertigte.

Siehe hierzu:

https://sachedesvolkes.wordpress.com/2017/06/16/sdv-gespraech-mit-safet-babic-ueber-karl-marx/

Jeder deutsche Linke muß nun wissen, sofern er insgeheim patriotisch denkt, daß deutsche Faschisten ihn töten wollen, sofern er oder sie die soziale Revolution verficht. Genau das ist die Lebenslüge der „Anti-Antifa“, man müsse sich als nationaler Deutscher gegen Antifa-Angriffe nur deshalb schützen, weil man sich eben zur deutschen Nation bekenne. Nein, die linke Antifa muß – aus ihrer eigenen Bürgerkriegslogik – Faschisten töten, weil diese die soziale Revolution im Blut ersticken wollen. Denn erst die gewaltsame Niederschlagung der sozialen Revolution ist die Voraussetzung, auf der erhaltenen bürgerlichen (Eigentums-) Ordnung eine faschistische Diktatur errichten zu können.

Siehe zu diesem Thema auch:

https://sachedesvolkes.wordpress.com/2017/11/04/zweifelhafte-argumente/

https://sachedesvolkes.wordpress.com/2017/10/30/ukraine-nato-faschisten-und-katalonien/

https://sachedesvolkes.wordpress.com/2017/10/14/die-katalonien-frage-oder-wenn-man-1937-mit-2017-verwechselt/

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:

Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.

Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 9,80 Euro.

Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 9,80 Euro.

Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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