Besprechungen (37)

Mittlerweile ist die siebte Nummer der Zeitschrift „NS heute“ auf dem Markt.

Siehe hierzu:
https://www.nsheute.com

Man muß ja den Jungs und Mädels in Dortmund, der Hauptstadt der Bewegung, viel Ausdauer und Idealismus zuerkennen. Die Recherche, das Schreiben, das sehr sorgfältige Redigieren und die überaus pünktliche Erscheinungsweise im Zweimonatstakt zeugt von Zuverlässigkeit. Als Mehrwert läßt sich nach meiner Einschätzung das Bestreben der Redaktion ermessen, die Zeitgeschichte des deutschen Neonazismus nicht alleine der Systempublizistik und Antifa zu überlassen, sondern selbst Zeitzeugen zu befragen und Erinnerungen zu dokumentieren.

Nach Rudolf Hess (Heft Nr. 4) widmete man sich der lebenden Szenelegende Karl-Heinz – alias „Wehrsportgruppen-“ – Hoffmann (Heft Nr. 6, S. 13-25). Sein Egozentrikertum beweist der Gesprächspartner aus der Fränkischen Schweiz, indem er teilweise auf Fragen von Chefredakteur Sascha Krolzig gar nicht eingeht, sondern seine eigenen Monologe (im Führerhauptquartier?) hält. Auf die Frage, ob sich Einwanderer assimilieren sollten, referiert Hoffmann über die Korruption in der Großindustrie, ohne Bezug zum Thema „Einwanderer“ (ebenda, S. 25). Krolzig versäumte es nachzufragen.

Kontinuierlich feststellbar ist das Bestreben, Hausprojekte und ähnliches voranzutreiben und die soziale Frage zu behandeln. Es bleibt dennoch für echte Sozialisten der Eindruck zurückt, daß Lebensmittelausgaben wie die von Hogar Social in Madrid (Heft Nr. 5, S. 29-35) nur als Köder für sozial deklassierte Volksgenossen dienen sollen, um soziales Protestpotential zu binden und – dies noch wichtiger – von sozialrevolutionären Positionen im eigenen Lager und vor allem auf der Linken wegzubringen. Insofern erweist sich die Selbsttitulierung „Die Rechte“ als zutreffend, weil man auch in „NS heute“ – ganz im Sinne von „Hitler heute“ – die Eigentumsfrage ausklammert und tabuisiert.

Siehe hierzu auch:
https://sachedesvolkes.wordpress.com/2018/01/29/hitler-heute/

Um weiterhin den Neohitlerismus vor Kritik zu schützen, die schwindenden eigenen Reihen fest geschlossen zu halten, basteln die Szenevordenker emsig an Legenden. So erklärt ein Gesprächspartner des Medienprojekts „Media Pro Patria“, daß der Ausstieg aus dem Neonazismus hin zur Antifa zwangsweise über den Strasserismus erfolge (Heft Nr. 6, S. 11-12).

Siehe hierzu:
https://de-de.facebook.com/MediaProPatria/

Es mag ja sein, daß es rein empirisch nachweisbar ist, daß sich ein „Großteil“ der „MPP-Aussteiger“ zuvor intern zum Strasserismus bekannt hatte. Aber dabei wird doch Ursache und Wirkung vertauscht. Die Ursache ist nicht der Strasserismus, sondern das Zweifeln des schlaueren Teils der Neonazis am Sinn und Zweck des Neonazismus. Gerade bei den Intelligenteren verstärkt sich zum einen das Gefühl der Einsamkeit in einem Meer der geistigen Schlichtheit. Wenn dann noch wie bei einigen die Überlegung hinzukommt, auch rein wirtschaftlich nichts zustand zu bringen, liegt der Gedanke zum Nazi-Ausstieg nahe. Die Frage ist ja nur, wie man dies anstellt; ob man sich dazu die eigene Biographie mittels VS und /oder Antifa reinzuwaschen gedenkt, was sicherlich – vor allem bezüglich des VS – von Charakterlosigkeit zeugt.

Zuerst kommt der Zweifel am Sinn und Zweck des Neonazismus, dann – sozusagen als Wirkung – die Suche und Verwirklichung von Alternativen. Das heißt, der sozialrevolutionäre Nationalismus, wie ihn die SdV auch in Tradition der Gebrüder Strasser, Niekisch usw. vertritt, ist schon deshalb für die Opportunisten nicht brauchbar, weil man über diesen sehr schmalen Pfad nicht die eigene soziale Misere lösen kann. Zumindest nicht derzeit und auf absehbare Zeit. Deshalb haben Axel Reitz und auch diverse Ex-Aktivisten von MPP zwar vorübergehend über die Gebrüder Strasser und Niekisch nachgedacht, diese rein theoretische, aber praktisch nicht einträgliche Alternative aber rasch verworfen. Viel einträglicher für einen selbst ist allemal die Finanzierung durch den VS, auch als „Rechtsextremismusexperte“ mit Insidererfahrung durch die Lande zu tingeln oder in die AfD eintzutreten, was diese Partei allerdings dem Axel Reitz verwehrte.

Uns sollte nicht verwundern, daß MPP heute der Auffassung ist, daß man sich in der Vergangenheit „zu sehr auf das Antikap-Thema versteift“ habe (ebenda, S. 12).

Siehe zu diesem Themenkomplex auch:
https://sachedesvolkes.wordpress.com/2017/09/04/thesen-zum-neonazismus-in-der-brd-eine-neubearbeitung/#comments

Jürgen Schwab

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