Aussteiger

Aus dem Neonazi-Spektrum wurde jüngst die Behauptung aufgestellt „Strasserismus“ führe sozusagen zu einem mehr oder weniger zwangsläufigen Ausstieg in Richtung der „Antifa“.

Siehe: https://sachedesvolkes.wordpress.com/2018/02/19/besprechungen-37-2/

Nun kann man dies behaupten, wenn man die Beispiele nur selektiv auswählt. Seit Anfang der 90er-Jahre gibt es nun eine relativ umfangreiche und finanziell durchaus lohnende Aussteigerindustrie. Bei den bekanntesten Namen handelt es sich aber hierbei kaum um „Strasseristen“ sondern um Personen die entweder dem Neonazi-Spektrum oder aber gar dem bürgerlich-nationalen Spektrum zurechenbar sind.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Ingo_Hasselbach

https://de.wikipedia.org/wiki/Axel_Reitz

http://www.br.de/nachrichten/rechtsaussen/neonazis-aussteiger-verraeter-100.html

http://www.deutschlandfunkkultur.de/vom-neonazi-zum-israel-erklaerer.1079.de.html?dram:article_id=176289

https://de.wikipedia.org/wiki/Andreas_Molau

http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/leben/detail/-/specific/Ehemaliger-Erfurter-NPD-Chef-Trinkaus-schildert-sein-Tun-als-damaliger-Verfassun-308575339

https://www.mz-web.de/politik/ingmar-knop-von-der-rechtsextremen-fuehrungsfigur-zum-chef-in-oeffentlichem-auftrag-24096282

Manche „Aussteiger“ sind auch gar keine richtigen „Rechtsaussteiger“. Jörg Fischer ist heute etwa Rechtszionist und Wilders-Anhänger, der sich unter Pseudo auf PI-News tummelt. Dieser war zunächst nach dem Ausstieg als bürgerlicher „Demokrat“ aufgetreten, dann als Trotzkist und nun eben als islamfressender rechter israelsolidarisischer Neocon. Gegen seine Ex-Genossen aus der SAV erhebt er nun natürlich auch den „Nazi“vorwurf.

Fischer wollte entdeckt haben das er Jude sei – worauf sein „Ausstieg“ beruhte. Beim Zentralrat der Juden hat man ihm aber das eingeschleime nicht abgenommen, so das der damalige Zentralratschef Paul Spiegel vor Fischer warnte. Spiegel hat Fischer ganz einfach den „geistigen“ Ausstieg nicht abgenommen. So das geraunt wird Fischers „Judentum“ sei gar nicht existent, sondern eben von Fischer erfunden. So hatte Fischer wohl auch nach dem Ausstieg und seinem neu entdeckten Philosemitismus unter Pseudo antisemitische Traktakte verschickt. So das Paul Spiegels „Warnung“ nicht so ganz unrealitsisch sein wird.

Hitler war nun aber selbst wohl ein „Aussteiger“. Darauf deutet zumindest seine Tätigkeit als roter“Soldatenrat“ in München hin. Bekanntlich sind ja seine „biographischen“ Angaben in „Mein Kampf“ eher reine Erfindung. Umstritten ist unter Historiker „nur“ ob er damals mit der SPD sympathisierte oder nicht durch irgendwie mit Kurt Eisner. Im übrigen scheinen auch die Angaben über seinen frühen Antisemitismus eher „erfunden“ zu sein. Historiker bezweifeln das er in Wien und auch bis mindestens 1918 ein richtiger „Antisemit“ war.

Andreas Molau und andere können sich auch nicht so ganz von einer „Rechten“ lösen. So schreiben sie ab und an Texte in welchem sie zu einem fairen Umgang mit Pegida und AfD aufrufen. Man wird wohl einfach zu „früh“ ausgestiegen sein, da damals der Hype um die AfD noch nicht abzusehen war. Molau hätte ganz einfach bei „Cato“ oder der“ JF“ unter einem Pseudo unterkommen können.

Molau ist aber eher für die Aussteigerindustrie nicht ganz so interessant, weil man eher „richtige“ Nazis haben will. Diese lassen sich besser vermarkten – über Aussteigerbücher und TV-Auftritte, was auch mehr Kohle für Aussteigerprojekte frei setzt. Eine bürgerlicher „Weichspüler“ ist da nicht so ganz von Interesse, schon alleine aus ökonomischen Gründen.
Aussteigerstorys von „Strasseristen“ interessieren auch niemanden, ganz einfach da nur historische Kenner wissen, wer dieser Otto Strasser überhaupt war. Hitler und Himmler lassen sich besser vermarkten als Strasser. Noch uninteressanter wäre ein „Niekisch-Aussteiger“, weil den erst kaum einer kennt der vor der Glotze sitzt.

Nun haben wir es im NW auch mit „Aussteigern“ aus der Linken zu tun, wenn auch nicht unbedingt aus der „Antifa“. So ein Fall ist der harte Ex-Stalinist „M. Damage“, ein Rapper, der in der Linken zwar „Kult“ war aber wegen dem harten Stalinismus „isoliert“, so das er nun im NW vor der „roten Pest“ warnt und auf Klischee-NWler macht. Das verkauft sich auch besser und ist auch Teil einer Vermarktungsstrategie. Das nämlich jener über Nacht auf die Idee gekommen wäre, Stalin sei auf einmal ein Schwein, dies ist ist auch eher unwahrscheinlich. Aber man will ja CDs verkaufen und die Brötchen verdienen. „Nationalstalinsimus“ hätte nun keine NW-Konzerthallen gefüllt.

Siehe: http://lyrics.wikia.com/wiki/MaKss_Damage:Stalins_Way_%282009%29

http://lyrics.wikia.com/wiki/MaKss_Damage:Kommunisten_Power

Der ehemalige „Liedermachter Flex“, ein Neonazi-Aussteiger, darf auch im BRD-TV auftreten. Das ist ja schon einmal was – dem Prestige und Auftrittskohle nach. „Flex“ war zu seinen Neonazizeiten sicherlich nicht der schlaueste aus diesem Spektrum. Nun ist aber scheinbar Flex schlauer geworden und weß, was er erzählen „muss“ – linksliberale Phrasen! Das sichert den nächsten TV-Auftritt und Kohle. Auch ein relativ untalentierter Neonazi kann es zu „was“ bringen – als Aussteiger.
Nun war es so das man 1930 aus der NSDAP „aussteigen“ konnte ohne ein Nationalismus-Aussteiger zu sein, etwa über die Scheringer-Linie der KPD. Das lief eher ganz anders und zwar über die Formel die NSDAP sei eine nationale „Verräterpartei“. Die KPD hatte aber schon Jahre davor über ihren „Schlageter-Kurs“ versucht Nationalisten aus der Rechten nach links abzuziehen. Fälschlicherweise wird dann das nationalkommunistische Programm der KPD aus dem Jahr 1930 Scheringer zugeschrieben, was falsch ist, da dieses erst Scheringer zur Abkehr von der NSDAP bewegte.

Eine historische Antifa gab es auch, die aber gar nichts mit der heutigen „Antifa“ zu tun hatte. Dabei handelte es sich um eine Gründung im Umfeld der KPD. Das war aber eine Untergruppe, die von der KPD gegründet wurde mit dem Ziel auch Nicht-Kommunisten zu gewinnen, vor allem aus dem nationalistischen Spektrum. So das Otto Strasser beschloss zwar nicht die KPD zu unterstützen, aber seine Mannen sollten teilweise in die damalige „Antifa“ eintreten.

Bei der heutigen Antifa handelt es sich aber entweder um antinationale Libertäre, antideutsche Neocons oder um relativ unpolitische „Fun“gruppen – auch „Popantifa“ genannt. Diese Haltung kam nun erst in den 1990er-Jahren auf, bis auf ganz wenige Ausnahmen. So das in der Antifa nun „Prada“, „Coca Cola“ und „Star and Stripes“ als schick gilt.

„Fun“ und „Action“ gibt es nun aber auf für die jüngere Aktivisten im NW, etwa über die „Autonomen Nationalisten“. Was nun aber zu einer völlig lächerlichen und unpolitischen Szenediskussion führte – über Kleidung, Musik, Buttons und ähnliches. Die Ausdünnung des Neonazi-Spektrums konnte man hierdurch aber nicht verhindern. Viele junge Aktivisten sind heute kaum noch langfristig an das NS-Spektrum bindbar, viele sind nach zwei oder drei Jahren „weg“. Dies müssen nun keine „Aussteiger“ sein, sondern einfach Leute die das treiben nach und nach als „sinnlos“ und zu nichts führend ansehen – nach einiger Zeit- oder man zieht sich ins privatleben zurück und geht lieber ins Kino oder zur Freundin, einem Sportverein oder aber fokusiert sich auf berufliche Ziele.

Vielen die im NS-Spektrum gelandet sind, geht es in Wahrheit gar nicht wirklich um „Politik“, sondern um Gemeinschaft die man anderswo nicht erfahren konnte. Der ein oder andere konnte anderswo nicht genügend Freunde finden, wurde in anderen unpolitischen Zusammenhängen nicht angenommen und wäre ohne die KS sozial isoliert. Irgendwann merken diese aber das es nicht so ganz ist wie man sich das erhoffte.

Der ein oder andere wird einen psychischen Knacks bekommen haben weil er zum einen durch den Systemdruck isoliert wurde: Sich alte Freunde trennen, man vereinsamt, man in Schule und Beruf ausgrenzt wird. Aber das ist nur ein Teil der „Wahrheit“: Hinzu kommt bei einigen eine „Selbstisolation“, der Rückzug in eine gettoisierte Szene, die Annahme von „merkwürdigen“ Verhaltensweisenn. Beides kann krank machen und in Verbindung mag dies besonders gefährlich sein – bei dem ein oder anderen.

Nun gibt es sicherlich Extrembeispiele in der Neonaziszene. Etwa einzelne die sich daran aufgeilen das in dem Film „Schindlers Liste“ von einem Balkon aus Frauen erschossen werden und dies vor der Glotze mit „Hurra“ quitieren.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=FcyLRTB9fRY

Der IS tötete etwa auch wahllos Frauen und Kinder, mit einer Fatwa die den IS-Kämpfern die Vergewaltigung von nichtsunnitischen Frauen oder Sunnitinen die man als „Abtrünnige“ betrachtet als „Pflicht“ auferlegte. Jemand der aber vor der Glotze sitzt befindet sich nicht in einer realen Situation, allerdings könnte dies nahe legen das er tendenziell zu Bestalitäten fähig sei. Allerdings muss dies weder daran liegen das jemand vom System oder der Szene krank gemacht wurde, sondern dies könnte in der pschologischen Grundveranlagung einzelner liegen. So das es sich um Menschen handelt könnte die in jedem System davon träumen Schwache erbarmungslos zu ermorden. Dabei liegt eine starke Störung des Empantieempfindens vor und einen extremer Sozialdarwinismus. Es handelt sich um Menschen die „Spass“ daran hätten Schutzlose und Schwächere zu töten. Egal welche Personen genau. Das könnten Juden, Muslime, Christen, Frauen und Kinder oder Eskimos, Deutsche, Chinesen oder was auch immer sein.

Bei Heinrich Himmler mag dies dann nicht der Fall in diesem Umfang gewesen sein. Als Himmler einer Erschießung im Osten beiwohnte, soll er sich übergeben haben. In diesem Moment wird Himmler wohl selbst angeekelt gewesen sein – zumindest für kurz auch von sich selbst.

Die Kameradschaft und das Gemeinschaftsgefühl ist in manchen Fällen eher Propaganda, die schnell von der Realität eingeholt wird. So das ja bekanntlich sich ständig in sozialen Medien in diesem Spektrum „Stalking“ und lächerliche Diffamierungen breit tun – der und der sei ein „Jude“, „schwul“, ein „Verräter“, „V-Mann“, ein Depp, laufe in Frauenkleider rum, usw. Damit werden sich aber junge Männer und Frauen nicht etwig auseinander setzen wollen weil dies die Psyche vieler zu sehr sinnlos belasten wird. Irgendwann ist man „weg“ und kommt nicht mehr zum Stammtisch, auf eine Demo oder antwortet nicht mehr auf diverse SMS.

Jemand der „fertig gemacht“ wird kann ja einfach auf die Idee kommen er mache besser irgend etwas – was auch immer – so er nicht fertig gemacht wird. Kann ja alles mögliche sein: In einen Fußballclub eintreten, sich eine DVD-Sammlung zulegen, sich auf eine Beziehung konzentrieren oder Gartenzwerge sammeln.

NS-„Parteien“ wie „Die Rechte“ oder der „Dritte Weg“ dürften sich langfristig aufarbeiten. Ganz einfach weil eine Partei „Erfolge“ vorweisen muss, während der Erfolg oder Misserfolg einer KS kaum „messbar“ ist, oder weniger. Parteien sind im Gesetz der Parteienoligarchie von Wachstum und Erfolgen bei Wahlen abhängig. Parteien die das nicht vorweisen können verschwinden irgendwann, weil dann nach und nach die Mitglieder kaum noch zu motivieren sind oder aber man hält sich noch formal als Partei auf einem immer niedrigeren Niveau.

Im linken Spektrum halten sich zwar auch noch Miniparteien wie die DKP oder die MLPD die aber zusammen genommen wohl immerhin noch an die 6000 Mitglieder vorweisen können. Das sind in etwa so viel wie bei der NPD – vielleicht 1000 mehr. Die genannten „NS“-Parteien dürften aber kaum 600 zusammen bekommen. Damit man kann aber nicht einmal wirklich einen Wahlkampf führen.

Die MLPD gibt es wohl auch nur noch wegen Millionärsspenden. Ein paar „Idealisten“ halten einen Leichnam finanzkräftig am Leben. Dies ermöglicht einen Plaktawahlkampf und eine relativ umfassende Publizistik. So das trotz mangelnden Erfolgs auch Funktionäre und Parteischreiber bezahlt werden können. Solange dies noch der Fall kann die Partei mehr schlecht als recht überleben. Einen Weg etwa zu den Brötchen als „MPLD-Aussteiger“ zu kommen gibt es ja nicht weil sich niemand für die MLPD interessiert. Über solche TV-Auftritte und Bücher – die es nicht geben wird – lässt sich kein Geld verdienen.

Verfasser: Sozrev

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Kommentare

  • Kaden  On 21. Februar 2018 at 10:07

    „Umstritten ist unter Historiker „nur“ ob er damals mit der SPD sympathisierte oder nicht durch irgendwie mit Kurt Eisner.“ Dazu kann ich Ihnen, sofern Sie es nicht kennen, das Buch, „Hitler. Selbstverständnis eines Revolutionärs“ von Rainer Zitelmann empfehlen. Erhältlich ist es im Lau Verlag. Lassen Sie sich nicht von Guido Knopps lobenden Worten abschrecken 😉

  • sozrev  On 21. Februar 2018 at 18:05

    Zumindest mir persönlich ist das Buch des nationalliberalen Historikers bekannt. Zitelman geht es darin darum die NSDAP als moderne Reformbewegung darzustellen, was sogar sein mag im Vergleich zu der alten konservativen Rechten und zum Kaiserreich aber auch zu Weimar. Dabei geht es aber um eine Modernisierung im Sinne einer Industrialisierung und des technischen Fortschrittes sowie der sozialen Mobilität. Hier stimmt der Nationalliberale etwa im Kern mit Knopp überein aber auch mit dem antideutschen Neocon Götz Aly. So war die NSDAP auch damals die einzige „Volkspartei“, ganz einfach da man die einzige Partei war die alle Schichten ansprechen wollte und auch alle Konfessionen – natürlich mit Ausnahme der Juden. Zum Teil sind Zitelmans Ausführungen teilweise wahr und zum anderem Teil auch eben nicht.

  • Kaden  On 21. Februar 2018 at 20:05

    Inwieweit Zitelmanns Ausführungen wahr bzw. falsch sind kann ich nicht in Gänze beurteilen. Ich wollte eigentlich auch bloß auf die, von Ihnen aufgeworfene Frage eingehen, ob Hitler mit der SPD Sympathisierte. Dahingehend halte ich Zitelmanns Buch für erhellend. In besagten Buch behandelt er schließlich die Sozialdemokratie mit 4 Seiten (die Anzahl der Seiten ist selbstverständlich kein Indiz für Qualität), was meines Wissens nur wenige Bücher über Hitler so ausführlich tuen. Allerdings habe ich auch erst wenige Bücher über seine Person gelesen. Buchempfehlungen um mein Wissen zu erweitern, respektive meine Sicht zu ändern sind erwünscht.

  • Schwab  On 22. Februar 2018 at 16:59

    @Kaden

    Hat der Schimmer sich endlich bei Dir gemeldet?

  • sozrev  On 22. Februar 2018 at 17:06

    Hatte Arne Gestern noch nicht erreicht! Also wohl nicht!

  • Schwab  On 22. Februar 2018 at 17:10

    Zitelmanns Buch über Hitler hatte ich vor vielen Jahren gelesen, vor wenigen Jahren nochmal für mein eigenes Hitler-Buch-Projekt ausgewertet. – Das darin aufgebotene Quellenmaterial ist sicherlich beeindruckend. Bei mir blieb allerdings der Eindruck zurück, daß Zitelmann – wie übrigens auch Weißmann – bestrebt sind, den rechten Hitler nach links wegzuschieben – angeblicher „National s o z i a l i s t “ Hitler -, damit sich eine Neue Rechte nicht länger mit Hitler aufhalten muß. In Deutschland muß sich ja jeder, der sich rechts positioniert, wegen Hitler rechtfertigen. Als Rechter Hitler willkürlich nach links zu schieben (siehe auch Götz Aly) ist für mich aber kein wissenschaftliches, sondern eher ein politisches Motiv.

  • sozrev  On 22. Februar 2018 at 17:11

    Kaden: Nun es ist so das rechtsbürgerliche Hitler-Biographen gerne Hitler als „Linken“ darstellen. Dies wird mehr oder weniger der Bekannte Joachim C. Fest „erfunden“ haben. Dabei wird Hitlers Regierungspolitik als „links“ dargestellt, was dazu dient historisch das bürgerlich rechte Lager zu „entlasten“. Als Standardwerke können sicherlich die Werke von Fest, Maser, Kershaw, Toland und Bullock bezeichnet und gesehen werden. Bezüglich der Widerlegung von Hitler-Mythen ist sicherlich „Hitlers Wien“ ganz interessant.https://www.amazon.de/Hitlers-Wien-Lehrjahre-eines-Diktators/dp/3492226531

  • Kaden  On 22. Februar 2018 at 17:59

    @Schwab

    Es hat sich leider noch niemand gemeldet.

    @Schwab @sozrev
    In der mir vorliegenden erweiterten 5. Auflage (2017) seines Buches schreibt Zitelmann in dem Kapitel „Hitlers Selbsteinschätzung im politischen Spektrum“ : „Hitler ordnete sich-seinem Selbstverständnis nach – weder der Linken noch der Rechten zu, er erstrebte vielmehr eine Synthese, eine Überwindung beider Extreme.“ Im großen ganzen finde ich diese Aussage recht authentisch und gut mit Quellen belegt. Einflüsse politischer Motive allgemein in seinem Buch möchte ich nicht abstreiten, müsste es für eine bessere Beurteilung aber wohl noch einmal lesen. Ehrlich gesagt habe auch ich den Eindruck, das Hitlers Regierungspolitik eher „links“ als „rechts“ war. Doch weiß ich auch nicht, wie extrem sich politische Motive in dem Werk von Joachim C. Fest und Konsorten niederschlagen, da ich, wie gesagt, bis jetzt zu wenig darüber gelesen habe. „Hitlers Wien“ wird dann wohl eines meiner nächsten Bücher werden. Kennen Sie den Titel „Nationale Sozialisten in der NSDAP“ von Markus März und wenn ja können Sie diesen empfehlen?

  • sozrev  On 22. Februar 2018 at 20:39

    Zum letzeren Buch haben wir hier eine Besprechung von Arne Schimmer. Aus meiner Sicht ein interessantes Buch.

    https://sachedesvolkes.wordpress.com/2015/12/17/unter-dem-zeichen-von-hammer-und-schwert/

    Zitelmann ist natürlich ein Nationalliberaler der einst die FDP auf nationalliberalen, rechtsbürgerlichen Kurs bringen wollte und damit scheiterte. So das er es vermeidet Hitler als radikalen „Rechten“ einzuordnen. Was nicht bedeutet das sein Buch „schlecht“ wäre, da sich in diesem viele interessante Quellen und Deutungen finden lassen. Zitelmann bemüht sich nun auch um eine Historisierung – was ihm anzurechnen ist – im Sinne von Nolte, auf den er sich bezieht, sozusagen als „Schüler“. Gehört also durchaus zu den Büchern die man zu dem Thema kennen sollte.

  • Kaden  On 22. Februar 2018 at 21:36

    Sehr interessante Buchbesprechung! Das Buch werde ich mir ebenfalls zulegen.
    Sie meinen also Hitler gehört der radikalen „Rechten“ zugeordnet? Es geht in seinem Buch ja maßgeblich um Hitlers Selbstverständnis und es wäre mir neu, dass dieser sich als „Rechter“ gesehen hat. Das widerspräche zumindest allen Quellen in Zitelmanns Buch.
    Auch ich halte große Stücke auf die angesprochene Historisierung.

  • Schwab  On 25. Februar 2018 at 17:00

    @Kaden

    Da haben Sie zweifellos recht, daß es Zitelmann laut Titel um das Selbstverständnis Hitlers geht, während es mir darum geht, wie Hitler tatsächlich gewesen war bzw. wie ich diesen sehe.

  • sozrev  On 26. Februar 2018 at 19:22

    Kaden: Bei Zitelmans Buch handelt es sich natürlich wie bei jedem anderem Buch zu Hitler um eine Interpretation des Verfassers. So wie auch bei jedem Buch sagen wir mal zu Stalin. Zitelmann zitiert wie die meisten anderen auch nur das was zu seiner These passen mag. Stalin hat dann etwa auch nirgends gesagt er sei ein „Linker“, aber trotzdem werden wohl die meisten meinen er sei ein radikaler Linker gewesen, oder? Das ergibt sich ganz einfach aus dem Handeln, wobei dann Hitler niemals im Gegensatz zu Stalin oder Lenin etwas ideologisches schrieb, da ja „Mein Kampf“ schwerlich als „ideologische Schrift“ zu verstehen ist. So das Hitler immer wieder sagte, er sei das „Programm“ und nicht konkrete Inhalte aus einem Programm. Der „Inhalt“ war Hitler erst mal unwichtig, sondern er meinte es gehe erst einmal wie auch immer um die „Macht“, das andere sei relativ unwichtig oder ergäbe sich DANN „irgendwie“.

  • Kaden  On 26. Februar 2018 at 20:38

    @Schwab

    Alles klar. Wird Ihr Hitler-Buch-Projekt noch veröffentlicht werden und werden Sie das Magazin „Werk Kodex“, wenn es denn erscheint, besprechen?

    @sozrev

    Da haben Sie wohl recht. Hitler hielt ja wohl viel vom pragmatischen Handeln und Denken, was ja bekannterweise nicht immer so gut funktionierte, beziehungsweise gar nicht (siehe militärische Entscheidungen zB. Stalingrad). Diese Einstellung ist wohl auch Grund dafür, dass er sich keiner „starren“ Ideologie verschreiben wollte und es vermied eine solche Idee zu formulieren, was zum teil auch taktisch bedingt war (Wirtschaftspläne).

  • Schwab  On 28. Februar 2018 at 17:56

    @Kaden

    Wenn mein Hitler-Buch irgendwann mal fertig sein wird, wird es wahrscheinlich irgendwann mal veröffentlicht werden.

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