16. Arbeitstagung der Sache des Volkes

Zu einer zweitätigen Arbeitstagung der Sache des Volkes traffen sich am 3. und 4. März im Großraum Franken Mitglieder und Sympathisanten der Sache des Volkes. Wie üblich bot sich dabei die Möglichkeit Kontakte zu knüpfen, interessante neue politische Zusammenhänge kennen zu lernen sowie sich weltanschaulich zu bilden. Der Schwerpunkt der Vorträge und Diskussionsbeiträge lag dieses mal auf der Thematik verschiedener Sozialismusmodelle und Vorstellungen.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Jürgen Schwab leitete jener nahtlos zu einem Überblick über das Werden und Wirken der Sache des Volkes über, die als Denkzirkel aus der Deutschen Akademie hervor ging und mittlerweile seit 10 Jahren besteht. Der Referent machte dabei deutlich das die SdV aufgrund ihres nationalen und sozialrevolutionären bis sozialistischen Politprofils zwischen den Stühlen sitzt, da sie von vielen auf der nationalen Rechten als „linksradikal“ bzw. „bolschewistisch“ angesehen wird und bei Linken als „rechtsradikal“ verrufen ist.

Die Erfolge der AfD und anderen Spektren – Elsässer und Co. – habe zu einer Flurbereinigung in der nationalen Rechten geführt, wo von NPD bis zu NS-Kreisen das altbekannte Spektrum immer mehr zusammen schrumpft. Gleichzeitig sei das patriotische Spektrum aber erweitert worden, sei breiter und vielfältiger geworden. Hieraus ergibt sich zwangsläufig auch das sich unter sozialpatriotischen Wählern aufgrund des bürgerlichen bis neoliberalen Kurses der AfD eine auszufüllende Marktlücke ergibt. Der Referent, wie auch der Chefredeakteur der Seite der SdV verwiesen zudem auf eine Spaltungstendenz in der Linkspartei, da ein Flügel um Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht auch zuwanderungskritische Themen anspricht, was diese in Konfrontation mit der Führung der Linkspartei bringt. Die von der SdV bearbeitete Themen würden daher für viele auf der Rechten und Linken immer interessanter.

Der Chefredakteur der Sache des Volkes befasste sich in einem Vortrag mit der Frage was Sozialismus sei beziehungsweise wer heute überhaupt Sozialist ist. Als Sozialisten bezeichneteten sich dem Begriff nach sowohl Linke – von der SPD bis hin zur Linkspartei und dem K-Gruppen-Spektrum – als auch das NS-Spektrum auf der Rechten oder aber sozialrevolutionäre Nationalisten. Selbst die CDU hatte sich noch in ihrem ersten Programm dem „christlichen Sozialismus“ verschrieben, was aber rasch durch Adenauer und Ludwig Erhardt gekippt wurde.

An sich sei Sozialismus zwar eine Ideologie der Moderne, hervorgegangen aus der Aufklärung, wie auch moderner Konservatismus, Liberalismus, Kapitalismus und Faschismus allerdings gab es bereits in der Antike einen „Frühsozialismus“, etwa formuliert in Platons Entwurf eines idealen Staates, bei alttestamentarischen jüdischen Propheten oder aber im Früh- und Urchristentum. Entsprechende Ansätze hab es später auch in der berühmten dystopischen Schrift von Thomas Morus („Utopia“)gegeben .

Karl Marx gehörte zunächst dem radikaldemokratischen Flügel der Liberalen an, wandelte es sich aber in seinem Exil in Frankreich durch den Einfluss französischer Sozialisten zum radikalen Sozialisten/Kommunisten. „Den“ Marxismus gäbe es nicht, sondern nur verschiedenen Interpretationen des Werkes von Marx, der sich in einzelnen Phasen seines Lebens teilweise selbst „erneuerte“, so das es eben unter Marxisten die verschiedensten „Marxismen“ gibt.

Die Sozialdemokratie ziele nicht auf einen Aufhebung des Kapitalismus sondern auf soziale Reformen im Kapitalismus und habe sich schrittweise gar neoliberalisiert. Dieser Prozess begann aber erst Ende der 1950er-Jahre. Bei der Linkspartei handele es sich im Kern auch nicht mehr um eine marxistische Partei sondern eher um eine linkssozialdemokratische und teilweise linkslibertäre.

Die nationale Rechte habe aber insbesondere in Österreich selbst ein sozialdemokratisches Erbe oder einen Ursprung. Der Deutschnationalismus sei dort eine Spaltungstendenz der Sozialdemokratie gewesen („Linzer Programm, 1882). Der Sozialpopulismus der Haiders und Straches hat also eine gewisse Tradition. Ausschlaggebend für die Spaltung seien damals gar nicht wirtschaftspolitische Fragen gewesen sondern die „Judenfrage“.

Nach dem 1. Weltrkrieg bildete sich auf der politischen Rechten ein sehr heteregoner Sozialismus von Rechts, die „Linken Leute von Rechts“, der aber stets eine Minderheitenposition blieb. Dies konnte sowohl über die „Konservative Revolution“, die „NS-Linke“, Ernst Niekisch oder einen nationalen Rätesozialismus (Paetel) erfolgen bis hin zu einem „Nationalkommunismus“ (Scheringer). Eine modernisierte Version gruppierte sich zum Teil ab den 60er-Jahren in der „Neuen Rechten“, die aber in den 1990er versickerte.

Derzeit bilden nationale und sozialistische Ansätze in der „Rechten“ nur eine Minderheitenposition, wobei zu bedenken sei das die Rechte in Deutschland bürgerlich-national geprägt sei, wobei es auch nirgends einen rechten nationalen Sozialismus als Regierungsmacht gibt. Die meisten dementsprechenden Ansätze verordnen sich „linksnational“ (Von Mittel und Südamerika bis Asien). Entsprechendes Potential für einen nationalen Sozialismus gäbe es in Deutschland aber sehr wohl, da in Mitteldeutschland laut Umfragen 70 Prozent Sozialismus für eine gute Idee hielten, auch im Westen sind es zwischen 30 und 40 Prozent.

Der Referent definierte Sozialismus als Machtfrage und zwar als Frage, wer die Macht über die Produktionsmittel inne habe und plädierte für eine Mischung aus Verstaatlichung und Sozialisierung. Der Klassenkampf von Oben müsse durch einen Klassenkampf von Unten beantwortet werden. Zu bedenken seien sowohl etatistische Konzepte als auch rätesozialistische. Dies war dann eher nationalkonservativen Teilnehmern zu „kommunistisch“.

In einem weiteren Vortrag zu Sozialismuskonzeptionen sprach ein Redner aus Jena zu rätesozialistischen Konzepten, dargestellt vor allem Anhand des Beispiels „Rojava“, des kurdischen Projektes in Nordsyrien. Im ideologischen Teil ging es den Namen nach von Karl Marx, über Robert Kurz bis hin zu anarchosozialistischen Denkern.

Jener kritisierte eine mangelnde Kapitalismuskritik auf der nationalen Rechten wie auch ein Verständnis dafür was überhaupt Kapitalismus und System sei. Viele Rechte „personalisierten“ die Kritik ohne aber zum Kern der Funktionsweise von Kapitalismus und System vorzudringen. Zumeist stünden hinter dem Handeln von Kapitalisten keine „böse Absichten“ sondern die „Logik“ innerhalb des kapitalistischen Systems. Zudem würden über die zwanghafte Suche „Juden“ die „Kapitalismuskritik“ zu einer einfachen Feindbildsuche umfunktioniert. Ein national gedachter Kapitalismus ist aber kein Antikapitalismus.

Der Referent befasste sich dabei mit national interpretierten linkssozialistischen Konzepten von eher anarchistischen Sozialismen bis hin zur Wertkritik, die „Marx mit Marx von links“ kritisiert ohne aber Marx zu verwerfen. Die Wertkritik sieht Marx dabei in einem Aufklärungsdenken gefangen und kritisiert am „Realsozialismus“ das Verbleiben in der „Arbeitsideologie“ die Bestandteil des Kapitalismus ist. Ähnlich argumentiert nun auf der Rechten der französische Theoretiker der Neuen Rechten Alain de Benoist.

Rojava, konzipiert als multiethnischer „Staat“, sei gar kein „richtiger Staat“ sondern eine freie Kooperation, in dem das Privateigentum zwar nicht abgeschafft sei, es aber Güterteilung aufgrund von „Freiwilligkeit“ gebe. Die Organisation erfolgt über Räte und Basidemokratie. Kritisch könnte man aber etwa anmerken das Öcalan auf den sich auch der nordyrische PPK-Ableger beruft im Kern einem radikalen Sozialismus entsagte. Auf jeden Fall legte der Referent ein sehr interessantes Konzept vor, das so nun auf der politischen Rechten ungewöhnlich sein dürfte. Ähnliche Sichtweisen gab es aber etwa im Spektrum des nationalrevolutionären „Fahnenträgers“ und dem „Netzwerk Sozialistische Nation“ (NWSN).

Ein Diskussionspunkt war etwa auch in der Folge die Frage wie auf die Entwicklung im Kapitalismus zu reagieren sei, bei welcher immer mehr Arbeitsplätze durch Computierisierung und Technisierung wegfallen. Neben der klassischen Ausbeutung hätte man es auch zunehmend mit einer „Überflüssigmachung“ zu tun. Besprochen wurden sowohl ein Grundeinkommen als auch eine Umverteilung von Arbeit, was zumeist beiderseits ein rechtes Tabu ist, weil die meisten Rechten „Arbeitsideologen“ seien.

Anzumerken sei aber das etwa der rechte Reaktionär Julius Evola zu den Kritikern der Arbeitsideologie zählte und von einem „modernen Aberglauben der Arbeit“ sprach. Die modernen Überflüssigmachung des Menschen, die ein Evola kaum kommen sehen konnte, durch Maschinen bedingt, bedient eine steigende Produktionsrate und damit auch Gewinne, die aber sinnlos in der Produktionssphäre verbleiben und strukturell auch nicht mehr teilweise an die Arbeitenden ausgeschüttet werden, da jene im Bereich ökonomisch sinnvoller Arbeit immer weniger werden.

Eine Vollbeschäftigung unter einer auch sinnvollen Arbeit für Alle, in einer 40-Stunden-Woche für wiederrum Alle ist aufgrund der technologischen Entwicklung mehr als unwahrscheinlich. Strukturell dürfte dies sogar systemunabhängig sein, so das sich diesem Problem auch gerade Kapitalismuskritiker zu stellen haben.

Eine Verringerung der Arbeitszeit ginge mit einer Teilung der Arbeitszeit einher. Alain de Benoist brachte dies auf den Punkt: „Weniger arbeiten um besser zu arbeiten“. Mit Benoist geacht wären auch Arbeit und Einkommen allmählich voneinander zu trennen.

Ein Mitglied der AfD legte kurz die Situation der AfD dar und ging dabei auf „den Flügel“ ein, ein Sammelspektrum verschiedener parteirechter Strömungen der populistischen Partei. Der Chefredakteur der Sache des Volkes ging kurz auf den „Völkischen Flügel“ um Thorsten Heise in der NPD ein, der seiner Ansicht nach kaum einen inhaltlichen Sozialismus zu bieten habe und auch über keine Strategie verfüge.

Ein Referent aus NRW ging darauf ein das über das Internet die Möglichkeiten von Nationalen gestiegen sind ihre Themen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, da dieses kaum durch Zensurbehörden kontrolliert werden könne. Auch habe sich die Professionalisierung und Vernetzung erheblich verbessert, was aber nach wie vor Nachbesserungen bedürfe.

Für Speis und Trank war ebenfalls gesorgt. Jürgen Schwab wünschte anschließend eine gute Heimfahrt.

SdV-Redaktion

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