Henning Eichberg: Zwischen Nationalrevolution und Reformismus!

Im letzten Jahr verstarb im dänischen „Exil“ Henning Eichberg, der von Ende der 1960er-Jahre bis in die 1980er hinein die nationalrevolutionäre „Neue Rechte“ in Deutschland prägte, über „Volkssozialismus“, „Biohumanismus“, Identitätsdiskurs, „europäischen Sozialismus“ und der berühmten Diskussion mit Rudi Dutschke in einer Zeitschrift der „Neuen Linken“, unter dem Arbeitstitel „national ist revolutionär!“ Bei der Dutschke-Eichberg-Diskussion handelte es sich gar nicht um „Streitgespräch“, da sich beide im Kern einig waren.

Siehe: https://sachedesvolkes.wordpress.com/2011/08/20/national-ist-revolutionar/

Der Rudi und der Henning hatten auch eine andere Gemeinsamkeit – neben der These „national ist revolutionär!“. Beide waren nach Dänemark exiliert. Dutschke nicht „dauerhaft“, da er versuchte in Deutschland in der Frühphase, der damals noch nicht antinationalen Grünen eine Art „Querfront“ zu organsieren. Der frühe tragische Tot in der Badewanne sollte dieses Ansinnen verhindern. Das Exil von Dutschke hatte aber wohl schwerwiegendere Gründe als bei Eichberg. Auf den APO-Führer wurde ein Mordattentat verübt, angestachelt von der Springer-Presse, das ihn gesundheitlich schwer zeichnete und wohl nachträglich zum verfrühten Ableben führte.

Ein Zusammenspiel zwischen den Eichberg-Leuten, den „Dutschkisten“ und anderen Kreisen gab es damals in Potentisierung. Zu den „Anderen“ zählen dann soziale Konservative, undogmatische Kommunisten, „Nationalpazifisten“ und „Neutralisten“. Ein bekannter Kopf dieses Zusammenspieles war wohl Rudolf Bahro, der heute weitestgehend vergessen ist.

Siehe: https://www.compact-online.de/nur-durch-eine-volkserhebung-aufzuhalten/

und https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Bahro

Der in Schlesien gebürtige Eichberg gründete einst auch die alte „Sache des Volkes“ mit und hatte in dieser eine ideologische Führungsposition inne. Unser Mann Helmut Müller aus Wien prägte die österreichische Ausgabe von Eichbergs Sache des Volkes entscheidend mit und gab auch eine SdV-Zeitschrift Namens „der Nationalrevolutionär“ heraus. In Österreich kam ein linksnationaler Zugang – ideologisch – wohl auch über Günther Nenning. Dieser war zwar nie Mitglied der SdV, befand sich aber in einer ähnlichen „Nahposition“ wie Dutschke in der BRD.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCnther_Nenning

Nur am Rande sei erwähnt das die „alte Rechte“ die „Todesstrafe“ für Nenning vorschlug, so Norbert Burger, ein Nato- und Reagan-Fan, damals Vorsitzender der später verbotenen NDP.

Diese alte SdV rekrutierte sich vor allem aus gut gebildeten Kreisen, oftmals Studenten und Akademiker mit einem hohen theoretischen Anspruch. Damit ähnelte man den Kollegen aus Frankreichs „Neuen Rechten“ und dem damals in Nordeuropa sehr aktiven Nationalrevolutionären.

Zum Teil bestand eine „Prägung“ durch „68“: „Aktion-Provokation -Theorie und Praxis“. Man berief sich nicht auf eine „Frankfurter“ sondern auf eine „Wiener Schule“. Die „Frankfurter“ wurden aber anders als bei alten Rechten nicht ganz ablegehnt – über Ernst Bloch, den Strasser-Versteher Wolfgang Abendroth und Teile von Walter Benjamin und Herbert Marcuse (“ Der eindimensionale Mensch“).

Siehe: https://www.amazon.de/eindimensionale-Mensch-Ideologie-fortgeschrittenen-Industriegesellschaft/dp/3423340843

und https://sachedesvolkes.wordpress.com/2012/02/14/wolfgang-abendroth-uber-den-strasserismus/

Der „alte“ Henning Eichberg war dabei kaum mit seinen späteren Wendungen – Anfang der 90er und in Folge – zu vergleichen. So war Eichberg in dieser Phase des Wirkens gemäßigt völkisch,die Übersetzung oder Abgrenzung über „volklich“ – gedacht als „Antirassismus“ – kam erst später – von den 1990er bis zu seinem Tot. Die Nachrufe von Roland Wehl und Peter Brandt – dem Brandt- Sohn – beziehen sich auf die „spätere Phase“, entsprechen aber nicht dem Eichberg der Jahre als dieser die „Neue Rechte“ prägte.

Siehe: http://www.roland-wehl.de/henning-eichberg/

und https://www.globkult.de/geschichte/personen/1195-nachruf-auf-einen-originellen-denker

Einen Nachruf gibt es auch aus dem Spektrum der rechten Zeitschrift „Sezession“, wo man einiges zu seinem Lebenslauf erfährt.

Siehe: https://sezession.de/57237/henning-eichberg-ist-verstorben

Als biographische Ergänzung sei natürlich auch der Wikpedia-Eintrag erwähnt.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Henning_Eichberg

Eichberg sollte sich von der nationalrevolutionären Phase distanzieren. In Dänemark trat er einer linken Partei der „Grünen“ bei, die aber nicht mit den deutschen antinationalen Grünen zu verwechseln ist, sondern es handelt sich um eine linkspatriotische Partei des Sozialreformismus. So das Eichberg auch die nationale Frage nicht negierte – als „Aussteiger“ – sondern diese auf der Linken besser aufgehoben sah – aus seiner späteren Sicht. Sein Freund Peter Brandt, sieht dies ähnlich, so das der Brandt-Sohn für einen sozialdemokratischen linkspatriotismus plädiert. Eichberg veröffentlichte nun deshalb zur nationalen Frage auch in einer von Peter Brandt betreuten Zeitschrift.

Eichberg hatte nun ein breites Wirkungsfeld – unter Echtnamen und diversen Pseudonymen – von der „Nationalzeitung“, der nationalrevolutionären „Wir Selbst“, über „Pflasterstrand“ (Cohn-Bendit),bis hin zu eben Peter Brandt. Seine Bücher erscheinen im teilweise nationalrevolutionär geprägten Bublis-Verlag, wo man auch etwa Niekisch oder Paetel bekommen kann.

Siehe: http://bublies-verlag.de/contents/de/d100.html

Die Distanzierung von der „Rechten“ erfolgte teilweise auch über Nahkontakte zu dem Ex-PDS-Chef Lothar Bisky. Der Intellektuelle Henning Eichberg hatte sich nun seit 1967 von der alten Rechten distanziert – wegen Antisozialismus, Proamerikanismus und altbackenen Theorem. Zurecht konnte er und andere damals ein relativ großes Spektrum der „linken Leute von Rechts“ begeistern. Dies beinhaltete auch eine „nationale Linke“ – auf einer ideologischen Schiene im Eichberg-Theorem über Dutschke-APO, Umwelt und Friedensbewegung sowie der DDR-Kritik von Links. Bisky und ähnliche Anpassere waren damit damals aber nicht gemeint, aber sehr wohl auch ein Peter Brandt („Die Linke und die nationale Frage“).
Der antideutsche Neocon Clemens Heni meint logischerweise trotzdem Eichberg sei ein „Nazi“ oder gar „Nazi-Mörder“.

Siehe: http://www.clemensheni.net/allgemein/voelkische-legitimierung-von-nazi-gewalt-henning-eichberg/

„Endstation Rechts“ brachte vor einigen Jahren ein längeres Interview mit Eichberg, was zumindest lesenswert sein mag.

Siehe: https://www.endstation-rechts.de/news/ueber-habitus-ideologie-und-praxis-im-gespraech-mit-henning-eichberg-teil-1.html

Eichberg schrieb nun auch in den letzten Jahren noch durchaus in Teilen interessante Texte. So etwa zu „68“ und nationale Frage, linke und nationale Fragen, oder etwas „sportwissenschaftspolitisches“, wo es um das Verhältnis von linken und rechten Denken ging als sich in Teilen gegenseitig bedingendes. Ein Körper funktioniert nach Eichberg auch nur durch eine Korrespondez von linker und rechter Hand. Er übertrug dies auf das Politische.

So gibt es auch eine Schrift über „nationalrevolutionäre Sportwissenschaft“.

Siehe: https://www.amazon.com/Henning-Eichberg-nationalrevolution%C3%A4re-Sportwissenschaft-Universitaires/dp/3631426712

Dies mag insofern zutreffend sein – auch wenn Eichberg nun kein Nationalist mehr war – als das eben die meisten deutschen Nationalisten, die sich als „Rechte“ sehen, gar keine vollständigen Rechten sein können. Der wissenschaftliche Politbegriff „rechts“ meint die „Freiheit“ und „links“ die „Gleichheit“. Die „Volksgemeinschaft“ bedingt aber eine strukturelle“Gleichheit“ innerhalb der Nation – rechtlich und auch den sozialen „Chancen“ nach. Die rechte Behautung man sei „Anti-Egalitär“ mag eine teilweise Lebenslüge sein, der man sich nicht gewahr sein wird – es sei den man wäre ein neoliberaler Rechter oder ein Rechter mit einem Weltbild von vor 1789.

Wenn man es genau nimmt stimmt die Behauptung man sei gegen Multikulti auch nicht ganz! Natürlich sind wir Nationalisten alle gegen „Muku“ im Nationalstaat, aber nicht „global“, da wir hier für eine „multikulturelle“ Welt der verschiedenen Kulturen und Nationen sind. Es sei denn man wäre ein Chauvinist – was es auch geben soll, in Bereichen die vom alten Eichberg kritisiert wurden. Ähnlich verhält sich beim Begriff „Inter-Nationalismus“, der in Wahrheit eine „Dialetik“ ist. Ohne Nationen kann es auch keinen „Internationalismus“ geben, da damit ein „interagieren“ von NATIONEN gemeint ist. Dazu bedarf es der Logik nach erst einmal Völker, Nationen, Staaten und Grenzen.

Eichberg brachte es in Dänemark zum Uni-Prof., was ihm in der BRD wegen der Ausgrenzung damals versperrt blieb, da er ja als Nationalrevolutionär ausgegrenzt und bekämpft wurde. Dies mag sicherlich zu einem gewissen „Knacks“ geführt haben. Hinzu kommt ab Anfang der 90er eine Reaktionärisierung der nationalen Rechten. Es setzten sich Rechtspopulisten, Konservative durch und in der „Szene“ teilweise NS-Nostalgiker. Die waren zwar teilweise auch in den 70ern und 80ern vorhanden, aber nicht in diesem prozentualen Gewicht. Eichbergs Wandlungen sind zu Teilen auch hieraus zu erklären.
Einen Einfluss konnte Eichberg „neu“, aber nicht mehr gewinnen. Alain de Benoist ist hier sicherlich erfolgreicher gewesen – ohne das sich jener aber umdrehte. Wobei wie schon erwähnt bei Eichberg nicht von einer vollständigen Wende auszugehen ist, sondern nur von einer teilweisen. Benoist findet aber in Frankreich auch ein breiteres Bearbeitungsfeld vor als Eichberg es in der BRD vorgefunden hatte.

Henning Eichbergs Werk ist sicherlich den meisten jungen Aktivisten eher unbekannt (geworden). Unter den etwas älteren hat er aber nach wie vor seine Anhänger – in verschiedenen Spektren – von Nationalrevolutionären bis hin zu Nationalkonservativen und komischerweise sogar bis hin zu völkischen Nationalliberalen. Die teilweise Wende hat Eichberg kaum beliebter gemacht, so das unter Linken er bis auf das Peter Brandt-Spektrum, jener ein neudeutsches „No-Go“ blieb.

Der ehemalige Eichberg-„Mitarbeiter“ Roland Wehl, meinte deswegen, auch in einem Nachruf – oben verlinkt – sich von der derzeitigen „Sache des Volkes“, die nicht die Sache des Volkes „alt“ ist, distanzieren zu müssen, als angebliches „Plagiat“, womit Wehl nichts zu tun haben wolle, da jener nun für die antisozialistische und WWG-rechtskonservative „JF“ von Dieter Stein unterwegs ist. Wir stimmen nun mit einigen an Inhalt von der „SdV-alt“ überein, was aber nicht bedeutet das dies auch noch Wehl „neu“ tut. Wehl trifft sich nun im Privatkeller mit SPD-Abgeordneten, denen er aber wohl seine „radikalen“ Texte aus „Wir Selbst“ vorenthalten wird. Die gibt es aber immer noch im Netz!

Die neue SdV ist aber weder ein „Plagiat“ der alten SdV noch von Lenin („macht die Sache der Nation, zur Sache des Volkes“). Aus der Zeit heraus gesehen finden wir nun einiges an der alten SdV interessant und inhaltlich zutreffend, wie auch an Niekisch, Paetel, Strasser oder auch Dutschke. Die Frage ist was der Plagiats-Vorwerfer genau an seiner alten Organisation noch ganz genau zutreffend findet? Dazu muss er sich erst einmal eine neue Interpretation des damaligen Wirkens ausdenken.

Roland Wehl beteiligte sich nun rege an dem angestrebten Diskurs im Jahre 1998 mit der PDS – unter der Frage „Wie national muss die Linke sein?“ – unter anderem über das „Neue Deutschland“. Wie auch Michael Nier – dessen Texte auf unserer Seite erscheinen. Leider versandete damals diese sinnvolle Diskussion. So das wir Wehl auch sachlich und differenziert sehen werden – wie auch eben die Person Eichberg.

Verfasser: Sozrev

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Kommentare

  • Schwab  Am 5. April 2018 um 17:06

    „Alain de Benoist ist hier sicherlich erfolgreicher gewesen – ohne das sich jener aber umdrehte. Wobei wie schon erwähnt bei Eichberg nicht von einer vollständigen Wende auszugehen ist, sondern nur von einer teilweisen. Benoist findet aber in Frankreich auch ein breiteres Bearbeitungsfeld vor als Eichberg es in der BRD vorgefunden hatte.“

    Sehr gut recherchierter Artikel. Allerdings hat sich Benoist auch im Laufe der Jahrzehnte gewandelt. Der frühe Benoist war Befürworter des Algerien-Krieges Frankreichs! Benoist war früher ein rechter Rechter, eher wie nach wie vor Pierre Krebs; seit den 1990ern gehört Benoist zu den „linken Leuten von rechts“ – aber er ist kein Nationalrevolutionärer, da er den Nationalstaat ablehnt. Insofern wäre auch zu fragen, ob der spätere Eichberg ein Nationalrevoiutionär gewesen war, da dieser sehr romantisch das „Volk“ gegen den „(National-) Staat“ stellte. Den späteren Eichberg sehe ich eher in der Tradition der Nicht-Nazi-Völkischen (Fidus usw.).

  • sozrev  Am 6. April 2018 um 18:22

    Benoist gehörte einst zum selben Spektrum wie Krebs, so das Benoist noch in den 80ern Sozialdarwinist war, sich aber zu einem Anti-Sozialdarwinist entwickelte mit sozialistischem Theorem. Der späte Eichberg war kein Nationalrevolutionär mehr, aber sehr wohl der Frühe. Eichberg war wohl mindestens Ende der 80er kein Nationalrevolutionär mehr. Davor war er gemäßigt völkisch, später nicht mehr sondern „volklich“.

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