Der Zusammenbruch des „arabischen Frühlings“

Der „arabische Frühling“ – ein arabischer Winter – begann nicht wie es die Mainstream-Erzählung verklickert, 2010/2011 sondern 2002/2003 – mit dem US-Überfall auf dem souveränen irakischen Nationalstaat. Dies wurde ideologisch von der damaligen Sicherheitsberaterin „Condi“ Rice als der Beginn eines „Leichtfeuers der Demokratie“ im Nahen Osten gedeutet, welches die ganze Region verändern solte. Alle anderen Länder der Region würden sich diesem „demokratischen“ Beispiel der „Befreiung“ zwangsläufig anschliessen. Was sich „marktkonforme Demokratie“ – also vulgo – Brachialkapital bei Aufgabe eines souveränen Gegenkonzeptes nennt.

So kam man ab 2005 zu „lustigen Thesen“, die auch von der BRD-Presse und BRD-Politikern verbreitet wurden. Es mag ja sein das im Irak Chaos herrsche, jeden Tag Besatzungssoldaten getötet würden, dutzende Iraker. Egal! Oder auch mal 500 an einem Tag. Dies habe sich trotzdem „gelohnt“, da das „Scheitern“ des „demokratischen Imperialismus“ in „Wahrheit“ eben dieses „Leuchtfeier“ entfacht habe. Diese These setze sich nun ab 2010 fort – bezogen auf die Staatszerstörung in Libyien, Syrien, im Jemen, und schon wieder im Irak, wo der Krieg seit 2003 nie erlosch.

Linksliberale Kriegsgegner von 2002/2003 warfen dem US-Imperialismus höchstens vor die „Befreiung“ gar nicht ehrlich zu meinen. Ideologisch gesehen glaubten aber Condi und George wirklich das was sie sagten: Die USA hätten eine historische Mission, die möglichst „alle“ zu einem marktkonformene Kapitalismus führen sollten, was im Westen als „Demokratie“ übersetzt wird. Genau daran haben nun die linksliberalen Fans der angeblichen „Demokratiwelle“, über den „arabischen Frühling“ angeknüpft. Dies mag zwar ein paar hunderttausende das Leben gekostet haben, oder auch zu Kopfabschneidern die unter dem Label IS als modernen „Popstars“ des Jihad operieren, zu Terror in Europa, zu einer weiteren Zerstörung des Nahen Ostens, was aber egal ist, weil es sich ja um eine „demokratisierungstendenz“ handeln soll.

Nun hatte der Behauptung nach Condi und George eine Riesenidee: Demokratie im Nahen Osten nach westlichen Muster. Demnach müsste also erst einmal alle frei wählen – natürlich nicht in Saudi Arabien und Katar – sondern in solchen Ländern die man aus US-Sicht nicht mag, oder die man schon überfallen hat.

Dies ging schon 2006 in die Hose, also in Palästina frei gewählt wurde – nicht gerade ein Partner der US-Administration. Hier gewann die radikale Hamas die Wahlen. Dann wurde in Ägypten gewählt – wo erst die Muslimbrüder gewählt wurden, die dann von General Sisi weggeputscht wurden, der nun als autokratischer Herrscher mit Russland und Syrien kooperiert.

Aber kommen wir zum Irak. Saddam Hussein war in den 80ern ein „Partner“ gegen den Iran, zum „Bösewicht“ wurde er erst Anfang der 90er. Die Massenvernichtungswaffen die es nicht mehr gab, hatte man selbst und auch Staaten der WWG wie Frankreich und GB Saddam einst selbst geliefert – gegen den Iran und die Kurden. Berühmt ist das Bild des „Handshakes“ von Rumsfeld und Saddam aus den 80ern.

Der Irak ist zu 60 bis 65 Prozent schiitisch, so das beim US-Golfkrieg von 1990/1991 die Schiiten auf die Stellungen Saddams marschierten, im Glauben dies würde von den USA irgendwie „unterstützt“. Der „alte“ Bush lockte aber die schiitischen Aufständische in eine Falle, so das man Saddam freie Hand ließ, unter der Befürchtung es könnte ein schiitischer Gottestaat Irak entstehen mit Nahandinung an den Iran. Dieser „Verrat“ wurde nie im Irak vergessen.

Die Beseitigung Saddams und seines säkular-nationalistischen, aber sunnitischen Regimes, hat der schiitischen Mehrheit die Tore geöffnet und auch dem Einfluss des Iran, wogegen sich die US-Hauptstrategie „eingentlich“ richtet. Die Mehrheit der Schiiten verhielt sich zunächst strategisch klug und pochte auf freie Wahlen, im Wissen das man die Mehrheit erringen würde.
Eigentlich hätten die USA „gewarnt“ sein sollen, da im Irak-Krieg von 2003 die Saddam-Armee schnell die Waffen streckte, aber im schiitischen Süden die USA völlig überraschend – für die USA -auf heftigen Widerstand stießen. So verteidigten sich die Schiiten fanatisch in völlig ungeschützten Kleinstädten und Dörfern wochenlang. Berühmt wurde die „Schlacht“ um Qum Kassr, was nicht mehr als ein „Dorf“ ist, wo man sich rätselhafterweise drei Wochen lang gegen die US-Maschinerie halten konnte.

Bei den Schiiten gab es dann etwa drei Tendenzen: Großayatollah Al Sistani riet zur zurückhaltung. man sollte die Besatzer auf frei Wahlen verplichten, bei welchen man die Mehrheit erringen würde. Gleichzeitig verbot er in „Fatwas“ den Umgang mit US-Soldaten. Dann gab es den „Rat der islamischen Revolution im Irak“, der von dem Iran gedrillt wurde. Dieser wurde vom Iran angehalten in den „Übergangsrat“ zu gehen, um dort „taktisch“ zu handeln, einen „Gotteststaat“ zu erreichen, um dann am Ende die Amis raus zu werfen.

Nun haben sich am Ende die „Radikalisten“ durchgesetzt. So waren diese Tage wahlen, bei dem die Liste von Al-Sadr als Sieger hervor ging. Der Prediger hatte die „Armee des Mahdi“ gegründet, die als Guerilla gegen die US-Soldaten vor ging. Al-Sadr wurde selbst einst bei einem US-Angriff verletzt. Die Hochburgen liegen vor allem in „Sadr-City“, dem größten Stadtteil in Baghad und im Süden des Irak.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=_JvjAiHDmWE

Sadrs-Bewegung ähnelt nun am ehesten Ahmadinejad und der libanesischen Hizbullah in ideologischer Hinsicht.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=WHQZbsE0-QM

So handelt es sich sowohl um einen schiitischen Islamisten als auch einen (arabischen) Nationalisten, der seine Anhänger vor allem im Unterproletariat sammelt.

Die „Demokraten“, also diejenigen welche die ewige Erzählung von der demokratischen „Befreiung“ des Irak erzählten – WWG-Kapitalisten – machten sich über die These lustig im Irak sei nun eine „Hezbollahisierung“ angesagt. Es gäbe keine Hezbollah-Anhänger im Irak, nicht einmal als „Pilger“ aus dem Libanon. Der IS wurde nun vor allem von der „irakischen Hezbollah“ niedergeworfen, weil eine irakische Armee faktisch nur auf dem Papier existiert. Diese Hezbollah „gibt“ es aber nach der WWG-„Demokraten“these gar nicht. Auch eine interessante „Theorie“.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=QX0e5ID6pSs

So das sich der schiitische Bogen nun vom Iran, über den Irak, den Libanon, den Jemen und auch Syrien erstreckt, wo die Alawiten, eine Spaltung der Schiiten den Ton angeben. Das sunnitisch beherrschte Bahrain, wo ein schiischer Aufstand von den Saudis mit Unterstützung der WWG niedergeworfen wurde, kommt hinzu (70 Prozent Schiiten). Auch Kuweit ist fragil (40 Prozent Schiiten) und selbst die Türkei (25 Prozent Aleviten – eine Tendez der Schiiten). Weitgehend unbekannt ist das auch die Saudis über eine starke schittische Population verfügen, die sich mehrheitlich in der Ölregion dieses Staates massiert.

Die schiitischen Islamisten suchen sich dabei ihre Verbündeten relativ undogmatisch – von Russland, Venezulea bis hin zu den christlichen Falangisten im Libanon oder der Hamas-Konkurrenz „Jihad Al Islami“ (sunnitisch) in Palästina oder aber säkularen arabischen Nationalisten (Baath in Syrien).

Verfasser: Sozrev

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