Die Zerstörung der Ukraine

In einem durchaus interessanten aber auch kritikwürdigen Artikel im nationalem Debattenorgan „Gegenlicht“, hat sich Olena Semenyaka mit einer „dritten Position“ aus der „ukrainischen Sicht“ auseinandergesetzt. Semenyaka, die abwechselnd mit dem „Rechten Sektor“ und dem Bataillon Asow sympathisierte, geht aber nun davon aus das ihre Sichtweise diejenige „des“ ukrainischen Nationalismus sei. Der Verfasserin geht es vor allem darum „Rechten“ zu erklären warum die Position von Dugin bis Putin bzw. eine russlandfreundliche Haltung vieler europäischer Rechter und Nationaler falsch sei. Der Rückgriff auf große Namen wie Jünger und Evola wirkt nun wenige beeindruckend da diese unter ganz anderen Voraussetzungen wirkten.

Nun kann man es sich auch ganz einfach machen und Olena Semeyanka der Lüge ganz einfach überführen, da sie in dem Artikel behauptet der Nazi-und Faschismusvorwurf sei nur „Putin-Progaganda“. Das Internet bietet aber hier schon den Vorteil eine Lügnerin der Lüge zu überführen. Es sei den das Photo sei Ausdruck des „Antifaschismus“, was ein wenig absurd sein wird. Es sei den wie gesagt hinter einem Hakenkreuz mit erhobenen rechten Arm posieren hat nichts mit NATO-Faschismus zu tun.

Siehe: http://www.freerepublic.com/focus/f-news/3140899/posts

Aber an dieser Stelle soll es um die Argumente der Autorin gehen!

An dieser Stelle soll auch gar nicht darauf eingegangen werden das führende Parteien und Gruppen des „ukrainischen Nationalismus“ von der NATO und den USA dazu genutzt werden um die Ukraine als Aufmarschgebiet gegen Moskau zu nutzen oder eher nur am Rande. Publizistisch lässt sich hierzu wahrlich einiges in „Pulverfaß Ukraine“ von Bernhard Rode nachlesen oder in zahlreichen Artikel etwa der „Sache des Volkes“.

Es soll viel mehr darum gegen das nun dasjenige was der Rechte Sektor und Asow als „ukrainischen Nationalismus“ sieht rein sachlich betrachtet gar nicht „der“ ukrainische Nationalismus ist, sondern nur eine Form oder Sichtweise innerhalb des ukrainischen Nationalismus, falls man darunter etwa dann auch eine Sichtweise auf die ukrainische Nationalgeschichte verstünde.

Die Geschichte der Ukraine als souveräner Nationalstaat ist nun tatsächlich eher kurz. Abgesehen von einigen Monaten nach dem 1. Weltkrieg existierte die Ukraine als unabhängiger souveräner Staat erst seit der Auflösung der Sowjetunion im Jahre 1991. Nun ist zwar mit dem „Kiewer Rus“ eine erste Staatsgründung im 9. Jahrhundert überliefert. Daraus ergibt sich aber keine tausendjährige ukrainische Nationalgeschichte, wie nun einige Historiker meinen. Zumindest nicht wenn man behaupten wollte die ukrainische Nation hätte es schon im 9. Jahrhundert gegeben.

In Kiew fing nun aber alles an, hier begründete sich sowohl die russische, die ukrainische, als auch die weißrussische Nationalgeschichte. Sämtliche aufgeführte Völker berufen sich auf diese Tradition und streiten darum, wer, nun der genaue Erbe sei. Die Russen deuten auf das Zentrum von Olegs Reich – Novgorod – und die Weißrussen auf die Stadt Pskov. Beide drängen dann die Ukrainer in die Rolle eines Juniorpartners („Kleinrussen), denen beim Entstehen des Moskauer Zanrenreichs eine Nebenrolle zukam.

Das Wort „Rus“ kommt selbst aus dem skandinavischen und bedeutet „Ruder“. Die mittelalterliche Chronik „der vergangenen Jahre“ berichtet, das im Jahr 862, slawische Bewohner zu den „Warägern“ gefahren seien, um die Wikinger zu bitten bei ihnen zu herrschen: „Unser Land ist groß und reich, aber es gibt darin keine Ordnung“.

Die Historiker driften bei der Suche nach dem was Russen und Ukrainer originär trennte eher auseinander. Unter dem Zaren kam es jedenfalls zu einer starken Abwertung des Ukrainischen. 1876 wurde die ukrainische Sprache in der Öffentlichkeit verboten und für die Bezeichnung Ukrainer der Begriff „Kleinrusse“ für verbindlich erklärt. Aber auch in der Nationalgeschichte des Königreiches Polen, welches lange über große Teile der Ukraine herrschte, waren die Ukrainer „Kleinpolen“. Für Kaiser Franz Joseph in Wien, dessen Staat sich bis nach Galizien erstreckte, waren die Ukrainer die „Tiroler des Ostens“. Im vergleichsweise toleranten Vielvölkerstaat Österreich-Ungarn gaben sich die Ukrainer besonders Kaisertreu, weil die Herrschaft des K.u.K-Staates im Gegensatz zum russischen Zarenregime oder des polnischen Feudaladels, sich für die Ukrainer zumindest im Vergleich noch als am erträglichsten darstellte. Lemberg galt als besonders Franz Joseph-treu.

Mit dem Niedergang Österreich-Ungarns und des Zarenreiches konnte zwar für kurze Zeit in Kiew eine Ukrainische Volksrepublik errichtet werden, die sich in etwa auf das Staatsgebiet der heutigen Ukraine erstreckte, doch schon nach kurzer Zeit sollte dieser Staat wieder zerschlagen werden. Die Westukraine wurde polnisch und der Rest – der Osten und Süden – zu einem Teil der Sowjetunion, eines damals erst jüngst endstandenen Staates.

Seit den Anfängen des Kiewer Rus existierten in den verschieden Landesteilen unterschiedliche ethnische Disparitäten und nationale Erinnerungskulturen. Der Versuch nur von einer nationalen Linie zu sprechen muss scheitern. Die Ukraine konnten keinen Staat bilden und wurde ausschließlich von anderen Großmächten regiert – die auch gegeneinander Krieg führten. Zuletzt mit kaum fassbaren Opferzahlen im 2. Weltkrieg, wie aber auch schon 1914 bis 1918 entlang der Djepr, wo sich die deutsch-öterreichische und die russische Armee gegenüber stand. Sowohl 1914 als auch 1941 kämpften Ukrainer gegen Ukrainer.

Teile der Ukrainer kämpften auf Seite des Deutschen Reiches. Die brutalisierte Ostbesatzungspolitik sollte zahlreichen Ukrainern das Leben kosten, während Stalins Zwangskollektivierung wohl mehreren Ukrainern das Leben kostete. So erschoßen und töteten als Teil einer ideologischen Auseinandersetzung Ukrainer andere Ukrainer.

Genau dies führt aber seitdem, nun einmal mehr auf erinnerungskulturellem, geschichtspolitischen Feld, erneut zu einem Konflikt unter Ukrainern. Großmächte führen wieder auf geistigen Feld einen Stellvertreterkrieg, der sich ganz real in einem Kriegsgeschehen in der Ukraine niederschlägt. In der Ukraine selbst ist dann etwa nicht ganz eindeutig ob die Opfer der Zwansgskolletivierung als Opfer eines „Genozides“ einzuordnen seien oder „nur“ als „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“. Dies hängt davon ab in welchem politischen Lager man sich in der Ukraine nun konkret befindet. Dies zeigt aber auch die Spaltung des Landes auf.

Dass sich ukrainische Patrioten, die gegen die Herrschaft der Polen in der Westukraine kämpften, sich Hitler zuwendenten, und sich in Folge dessen sonderlich ausführlich an Massakern an ukrainischen Juden beteiligten, ist für ukrainische Patrioten, die im Gefolge der Roten Armee gegen Deutschland kämpften, ebenso untragbar, wie umgekehrt die Tatsache, das im Osten des Landes ein „Sieg über den Faschismus“ im „Großen Vaterländischen Krieg“ historisch jeweils identitätsstiftend sind.
Beide Seiten berufen sich jeweils auf einen ukrainischen Patriotismus als Grundlage ihrers Handelns, nur eben aus einer jeweils sehr anderen Perspektive. Aus dieser politischen Dichotomie konnte aus der Ukraine nur sehr schwerlich eine geeinte Nation erwachsen. Das Dilema zwischen einem ukrainischen Patriotismus auf der Seite Hitlers und Stalins, als Teil des brutalisierten Weltanschaaungskrieg – Faschismus und Bolschewismus – verhinderte im Inneren das Zusammenwachsen zu einer Nation. Dies bedingt den Bürgerkrieg!

Vor diesem Zusammenhang ist es auch zu sehen, dass der Altkanzler Helmut Schmidt in einem Interview im Jahr 2014 äußern konnte die Ukraine sei kein „richtiger Nationalstaat“. Schmidt wurde daraufhin natürlich als „Putinversteher“ – als ob „Verstehen“ schon ein Verbrechen wäre – beschimpft. Schmidt meinte das die Ukraine heute über keine hinreichende nationale Identität verfüge, was nun eine ziemliche harte Replik sein mag, aber irgendwie doch auch wie aufgezeigt zutreffen mag. Eine nationale Identität in der sich die eine Hälfe des Volkes als Opfer Stalins und die andere als Opfer des „Faschismus“ führt ist nun eine logische Unmöglichkeit.

So gelang es auch bei der Unabhängigkeit der Ukraine nicht eine solche Quadratur des Kreises herzustellen, die alten Wunden klafften noch immer. So ist auch das Ukrainisch keine eigene Sprache, sondern teilweise eine Mischung aus russischen und polnischen Vokabeln. In der Ukraine kam es 2012 darüber hinaus zu einem Sprachenstreit- aufgrund eines Gesetzes wonach auch Minderheitensprachen (russisch) als Amtssprache genutzt werden sollten. Nun handelt es sich bei der Ukraine aber um ein Land in dem mehr als die Hälfte daheim russisch spricht oder zumindest AUCH spricht. In Kiew selbst sind 80 Prozent der Einwohner des russischen mächtig.

Zudem gibt es neben dem ruthenischen-ukrainischen und russischen Element auch andere nationale Minderheiten in der Ukraine – Rumänen, Ungarn, Polen, Balten und turkstämmige Minderheiten. So wird die Region Bukowina etwa von rumänischen Nationalisten beansprucht als Teil von „Romania Mare“ und Ungarn sieht mit Sorge eine Diskriminierung der ungarischen Minderheit unter der neuen ukrainischen Putschistenregierung. Die Disparität sieht man auch anhand von ukrainischen Spitzenpolitikern. Julia Timonschenko ist ursprünglich armenischer Herkunft, Klitschko spricht nur sehr gebrochen ukrainisch und Janukowitsch stammte teilweise von Polen ab. Auch der Führer von Asow Biletsky hat polnische Wurzeln. Zahlreiche Minister haben dann gar nichts mit der Ukraine zu tun, da ihnen ihm Eilverfahren eine ukrainische Staatsbürgerschaft verliehen wurde – deren vorherige war US-amerikanisch, georgisch oder israelisch.

Ein weiterer Punkt ist die religiöse Disparität in der Ukraine. Auf diese wusste der Altmeister Peter Scholl-Latour in seinen Büchern „Eine Welt in Auflösung“ (1993) und „Russland im Zangengriff „(2006) hinzuweisen. Die Ukraine war einst Feld der Auseinandersetzung zwischen der byzantinischen Ostkirche und dem Katholizismus. So spaltet sich auch die ukrainische Orthodoxie in eine separate Nationalkirche und den Anhängern der russischen Orthodoxie. Beide Richtungen belegen sich zuweilen mit dem Bannfluch des „Anathema“ – dem Vorwurf des Herätikertums.

Es kam nun zu einer Abwertung des Russischen und den Versuch die russische Volksultur im Osten zurückzudrängen, zu Provokationen wie der Verehrung von Bandera und Petljura. 2010 wurde Bandera zum „Helden der Ukraine“ ernannt, von dem prowestlichen neoliberalen Politiker Justschenko. Bandera wird nun aber nur in der Westukraine, nicht aber im Osten und auch nicht im Süden des Landes als ukrainischer Held und Patriot gesehen. In anderen Landesteilen gilt Bandera dagegen als „Verbrecher“, der tausende Ukrainer ermordet habe und als „Kollaborateur“.

Das nun zwielichtige Figuren wie der mit der Weißen Armee des Zaren und Polen paktierende Petljura und Bandera in einer unabhängig gewordenen Ukraine zu Nationalhelden erklärt wurden sollte sich nun rächen, da diese kaum als Väter einer für alle Ukraine einigenden nationalen Identität taugen. Dies war aber auch ein evidenter geschichtspolitischer Akt mit dem die antirussische Stimmung geschürt wurde, die sich dann aber auch gegen ethnische Ukrainer richtete, die ein anderes Geschichtsbild besitzen und fortan von Bandera-Anhängern dem „russischen Feind“ zugeschlagen wurden. Mit Ernst Nolte gesprochen findet der „europäische Bürgerkrieg“ in der heutigen Ukraine seine Fortsetzung.

Es mutet nämlich darüber hinaus wie eine Fortsetzung der Geschichte an das man sich wie 882 ausländische Mächte ins Land rief, um in Kiew zu regieren. So ist die ukrainische Regierung, der auch Asow angehört als Bestandteil der „Einheitsliste Poroschenko“, ein willfähriger Erfüllungsgehilfe von USA, NATO und IWF. Ausländische Mächte haben sich schon Petljura und Bandera bedient, die aber an einer unabhängigen Ukraine gar kein Interesse hatten. Allerdings waren diese wenigstens keine „raumfremde Mächte“. Der ukrainische Präsident tut sich nun vor allem dadurch hervor, das er nun NATO, USA, EU und IWF dazu einläd sein Land zu regieren, während er den Platzhalter spielen darf.

Beim Krieg von 1941 ging es zumindest auf ukrainischen Gebiet um dem Zugriff auf das wehrwirtschaftlich wichtige Donezbecken, in der Ostukraine, wo bis heute bis zu 80 Prozent der Rohstoffe und der Schwerindustrie des Landes beheimatet sind. Seit 2014 gebärden sich so vor allem der Rechte Sektor und Asow nicht mehr als Handlager Hitlers sondern als „Soft Power“ des Westens, bei dem Versuch sich dieses wirtschaftlich wichtige Gebiet zu sichern. Dieser hat nun aber das Land mit Versprechungen nach Geld und „EU-Wohlstand“ immer weiter gespalten und auseinander getrieben. Seit dem Putsch gegen Janukowitsch drangsaliert der IWF die Ukraine wirtschaftlich und erwürgt sie. Der internationale Weltkapitalismus unter Vorherrschaft der USA will sich das „Ruhrgebiet der Ukraine“ sichern, hier lässt sich viel Geschäft machen.

Nun ließe sich sagen das die Ukraine durchaus einen Dritten Weg kannte, der aber weder im Banderaismus noch in der Ausrichtung auf NATO und EU ausgerichtet war. Dies war unter den Präsidenten Krawtschuk, Kutschma und Janukowitsch, die jeweils eine Politik der Ballance betrieben. Entscheidend ist nun nicht ob Banderaisten meinten diese seien „Russenbüttel“ gewesen, weil dies nicht die Realität abzubilden vermag, sondern eher einer bestimmten Propaganda entspricht.

Literaturhinweise:
Bernhard Rode. Pulverfaß Ukraine. Hohenrain
Gabriele Krone-Schmalz. Russland verstehen: Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens. C.H. Beck
Peter Scholl-Latour. Eine Welt in Auflösung. Erweiterte Ausgabe. Goldmann
Peter Scholl-Latour. Russland im Zangengriff. Propyläen
Andreas Kappeler. Kleine Geschichte der Ukraine. C.H. Beck
Kerstin S. Jobst. Geschichte der Ukraine. Reclam
Mykola Ryabatschuk. Die reale und die imaginierte Ukraine. Suhrkamp

Kommentiere oder hinterlasse ein Trackback: Trackback-URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: