Ernst Niekisch – zwischen Dichtung und Wahrheit

Von Jürgen Schwab

Welche politischen Positionen vertrat Ernst Niekisch? Zur Beantwortung dieser Frage reicht ein einzelner Aufsatz nicht aus. Niekischs Person und Werk sind äußerst vielschichtig und über die Zeit hinweg auch widersprüchlich. Sicherlich wird auch jeder Niekisch-Verehrer und Gegner seinen eigenen „Niekisch“ genau kennen. Mir geht es dabei nicht anders. Meine nationalrevolutionäre Position, die ich seit Anfang der 1990er Jahre – zunächst durch Lektüre, später auch publizistisch – entwickele, bezieht sich wesentlich auf Niekisch. [1] Dabei sollte es aber auch der Niekisch-Anhänger nicht an kritischer Distanz fehlen lassen.

Weil nun jeder auf „seinen Niekisch“ pocht, stehen wir vor dem Problem, daß diesbezügliche Debatten nicht selten in Sackgassen landen. Für Hans-Dietrich Sander beispielsweise ist Niekisch ein rotes Tuch. [2] Dabei dürfte sicherlich der antikommunistische Reflex des DDR-Übersiedlers Sander eine Rolle spielen. [3] Antikommunismus, der sich nicht nur damit begnügt, kein Kommunist sein zu wollen, der sich vielmehr gegen jede Spielart von Sozialismus wendet. Aber die Ablehnung Sanders ist auch nachvollziehbar, weil sie sich auf eine bestimmte Schaffensperiode Niekischs bezieht, nämlich auf die Zeit nach dem 8. Mai 1945. Die „Deutsche Daseinsverfehlung“ [4] (1946), die Sander kritisiert, ist in der Tat als Fundgrube für die antideutsche Linke unserer Tage bestens geeignet. Diese Schrift enthält aber auch ein paar Wahrheiten über die Fehlleistungen des deutschen Bürgers, die sich nicht so einfach zur Seite schieben lassen. Der Autor lästerte gegen die deutsche Großmannssucht bestimmter Rechter der Weimarer Republik, denen es zwar grundsätzlich an politischer Macht fehlte, die sich dafür aber um so mehr in Großraumstrategien hineinspreizten. „Wäre es dem deutschen Bürger nicht zugekommen, ein ebensolches herrliches Reich zu gründen, wie es die Aristokratie der Vergangenheit gegründet hatte? Wunschträume erblühten, Sehnsüchte regten sich und sie gediehen um so üppiger, je trostloser die verkümmerte wirkliche Umwelt war.“ [5]

Dies wiederholt sich in unseren Tagen wieder. Man besitzt zwar im eigenen Stadtteil keinerlei Macht, nicht einmal eine Organisation, aber dennoch soll „Eurosibirien“ oder auch „Eurasien“ straff geführt werden. [6]

Was Niekisch anbelangt, so versuchte er nach dem 8. Mai 1945 zu verschleiern, daß er selbst es gewesen war, der in den 1920er und 1930er Jahren vehement für die preußische Staatsidee eingetreten war, die er dann – politisch korrekt! – ab 1945 verwarf. Preußen stand jetzt nur noch für Gewaltexzesse. „Das Denken [Preußens; J. Schw.] kreist in der Tat ausschließlich um die Gewalt“. [7]

Ab dem 8. Mai 1945 konnte sich Niekisch offenbar nicht mehr an seine etatistische Position erinnern, die er in der Weimarer Zeit verfochten hatte. So schrieb er im „Reich der niederen Dämonen“ (1953): „Der Staat ist, wie auch die modernen Staatsformen es sind, die Schöpfung der bürgerlichen Klasse. Der absolute Fürst, der den Staat zu gestalten schien, war hierbei nur das Werkzeug der modernen bürgerlichen Tendenzen. Soweit die Allgemeinverbindlichkeit der Gesetzgebung vordringt, soweit sich die neuzeitlichen Rechtsformen (subjektives und objektives, privates und öffentliches Recht) durchsetzen, faßt der Staat Fuß; die Bürokratie, welche die Gesetze auf alle in gleicher Weise anwendet, entstammt zum größten Teil dem Bürgertum. Ein politisches Gebilde ist erst soweit Staat, als das Gesetz allgemein herrscht. Der ‚absolute‘ Staat enthielt noch Räume, die von feudalgutsherrlicher Willkür und polizeiherrlichem Gutdünken ausgefüllt waren; diese Räume hatte er sich noch nicht einverleibt. Die lettres des chachets und die Bastille waren Rückstände vorstaatlicher Zeiten; darum fielen sie der Wut des dritten Standes zum Opfer. Obschon der Preußenkönig Friedrich II. den Genuß zu schätzen wußte, daß der Staat allein durch ihn sprach, steckte doch in seiner Formel, erster Diener des Staates zu sein, ein starkes Gefühl für das bürgerliche Bedürfnis, jedes staatliche Organ in ein Werkzeug des allumfassenden objektiv-gültigen Gesetzes zu verwandeln.“ [8]

Davon abgesehen, daß sich Niekisch selbst widerspricht, indem er einerseits den Staat als bürgerliche Schöpfung behauptet, andererseits auf dessen vorangegangene feudale Tradition hinweist, wobei das antike Erbe (Griechenland, Rom usw.) ausgeblendet bleibt, so könnte man ihm von der Marxschen Position zustimmen, daß selbstverständlich der Staat aus der Arbeitsteilung entsprungen war, die die Klassenteilung nach sich zog. [9]

Es liegt wohl in der Natur der Sache, daß der Handwerksmeister, der leitende Ingenieur bzw. Kaufmann danach strebt, daß ihm die Firma, für die er Spitzenleistungen erbringt, auch gehört (oder daß er zumindest Teilhaber ist). Der Staat ist ebenso wie der Unternehmer aus der Arbeitsteilung entsprungen. Regierungsmitglieder wie Beamte sind Spezialisten, die den Bürgern die allgemeinen Dienstleitungen der Infrastruktur und öffentlichen Daseinsvorsorge zur Verfügung stellen. Der Staat ist dann aber auch in vielen historischen und gegenwärtigen Fällen das Instrument einer einzelnen Klasse zur Niederhaltung der anderen Klassen. Aber Niekisch kann in seiner Schrift von 1953 immer noch nicht erklären, warum er selbst in der Weimarer Republik die preußische Staatsidee verfochten hatte?

In den 1920er Jahren war bei ihm jedenfalls keine Rede davon, der Staat sei ausschließliches Instrument der bürgerlichen Klasse. Ganz im Gegenteil, Niekisch verdeutlichte 1925 als Chefredakteur der sozialdemokratischen Zeitschrift „Firn“ den damals wie heute aktuellen Zusammenhang zwischen der Schutzgemeinschaft des Staates und den sozialistischen Interessen der Arbeiterschaft. In seinem Aufsatz „Der Weg der deutschen Arbeiterschaft zum Staat“ forderte er die SPD auf, den Geist des Widerstandes des deutschen Volkes gegen den westlichen Imperialismus zu verkörpern. Dies bedeute aber den Verzicht auf die marxistische Lehre vom Klassenstaat und den Rückgriff auf Lassalle: entweder die „zur Bedeutungslosigkeit verurteilende Staatsverneinung“ oder „der klare Entschluß, sich zum geschicktesten Organ der Staatsräson zu machen.“ [10]

In diesem Sinne müßten heute Nationalrevolutionäre die Parole der „vaterlandslosen Gesellen“, die um 1900 vom Großkapital und vom Großgrundbesitz den Sozialdemokraten und Sozialisten vorgehalten wurde, gegen die Urheber umkehren. Denn zumindest das Großkapital braucht heute kein Vaterland und keinen nationalen Staat für seine Profitmaximierung, und es kann sich in einer „globalen Welt“ gut einrichten.

Schon Niekisch sah die Staatsidee von den konservativen Eliten und vom liberalen Bürgertum verraten, weshalb er der Arbeiterschaft die Aufgabe zuwies, den deutschen Staat zu schaffen. In seinem Aufsatz „Der politische Raum deutschen Widerstandes“ schrieb er: „Seit 1918 treiben die Dinge in Deutschland jenem Punkte zu, auf dem die Lebensnotwendigkeiten des Staates in unversöhnlichen Gegensatz zu den Lebensnotwendigkeiten der bürgerlichen Gesellschaft treten, auf dem man schlechterdings seine Wahl für den Staat oder die bürgerliche Gesellschaft zu treffen hat. Seitdem gibt es allein noch den Bürger oder den Deutschen; der deutsche Bürger wurde zu einem hoffnungslosen Widerspruch in sich. Bürgerliche deutsche Politik ist sachlich nicht mehr möglich; sie endet notwendigerweise immer wieder im bürgerlichen Verrat an Deutschland. Aus Selbsterhaltungsgründen muß der deutsche Bürger zum Paneuropäer werden; er muß, um fortexistieren zu können, Deutschland Paneuropa einverleiben. Bürgerliche Gesellschaft, abendländische Kultur, Versailler Zustand sind seit 1918 die verschiedenen Schauseiten der gleichen Wirklichkeit; der eigentliche Sinn dieser Wirklichkeit ist aber die Knechtung Deutschlands und die Tributausplünderung des deutschen Volkes. Deutsche Politik, die den deutschen Lebensnotwendigkeiten gerecht werden will, kann nur antibürgerlich, antikapitalistisch, antiabendländisch sein; ist sie das nicht, dann spielt sie unvermeidlich immer wieder Frankreich in die Hände.“ [11]

Die Behauptung jedenfalls, die er in seiner Autobiographie aufgestellt hatte, er habe in der Weimarer Republik die staatspolitische „Idee von Potsdam“ lediglich als „Maske“ benutzt, damit sei lediglich Moskaus Plangedanke gemeint gewesen – und sonst nichts –, [12] dürfen wir getrost als Niekischs Maske nach 1945 werten, als für ihn die Idee von Potsdam nicht mehr opportun erschienen war. Später, in der DDR ab 1980, als die preußischen Vorbilder wiederentdeckt wurden, wäre die Lage eine andere gewesen.

Als Niekisch 1955 aus der SED austrat, hatte er seine tatsächliche Maske schnell zur Seite gelegt, als er – nach einem ihm zugeschriebenen Bonmot – seinen Parteiaustritt damit begründete, die DDR-Führung sei unfähig, ein „rotes Preußen“ zu schaffen, bei ihr reiche es gerade einmal zu einem „roten Sachsen“. Nun erblicken wir wieder das wahre Gesicht des Meisters!

Allerdings fällt Otto-Ernst Schüddekopf („Linke Leute von rechts“) auf die Täuschung herein, indem dieser Niekisch wie folgt zitiert: „Nachdem die Arbeiterschaft im Augenblick der Entscheidung in die europäische Front hinüber desertiert sei, habe man durch eine Art ‚Ideologie-Verkehrung‘ mit Hilfe ‚der Idee von Potsdam als Maske die großbürgerliche Jugend für eine antikapitalistische Haltung gewinnen wollen. Durch diese nationalbolschewistische Interpretation von Preußen wurde dessen Idee in eine Spielart des Bolschewismus transformiert‘“. [13]

Die gesamte Schrift „Deutsche Daseinsverfehlung“ gerät genau zu dem, was sie angeblich nach Behauptung des Verfassers nicht sein soll: zur Anklage. [14] Allerdings fehlt hierbei die Selbstanklage, da sich viele Vorwürfe Niekischs auch auf den früheren Niekisch beziehen lassen.

Unglaubwürdig gerät dieses Unterfangen schon deshalb, weil Niekisch nachträglich die Behauptung aufstellt, linke Nationalisten hätten in der Zwischenkriegszeit ihren Nationalismus nur aus taktischen Erwägungen heraus vertreten. „Die entschlossensten Widersacher des Hitlerismus waren, um ihm den Wind aus den Segeln zu nehmen, damals gezwungen, Zugeständnisse an die nationalistische Terminologie zu machen. Man denke an den Scheringer-Kurs und den Aufbruchkreis der KPD. Das versteht heute nur, wer sich der Atmosphäre jener Jahre erinnert.“ [15]

Der diese Zeilen schrieb, schien sich der Atmosphäre nach dem 8. Mai 1945 gewiß gewesen zu sein. Auch in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) galt nun jede Spielart von deutschem Nationalismus als „Nazismus“ und „Reaktion“. So geschah es dann auch, daß sich bisherige nationalistische Intellektuelle schnell den neuen Machtverhältnissen anpaßten, um auch weiterhin Publikations- und Verdienstmöglichkeiten zu haben. 1948 wird unser Protagonist Professor der Soziologie an der Humboldt-Universität zu Ost-Berlin (wo Heinz Maus, dann Werner Maser seine Assistenten sind; ein nachmals bekannter Schüler war der rechts-intellektuelle Publizist Wolfgang Venohr). [16] Niekisch war nach 1945 Abgeordneter der Volkskammer der DDR, legte allerdings nach der gewaltsamen Niederschlagung des Aufstandes vom 17. Juni 1953 alle politischen Ämter nieder. Im Februar 1955 trat er aus der SED aus. [17]

Dieser beherzte Schritt zeigt, daß es von historischem Realitätsverlust zeugen würde, damalige Protagonisten nach dem Schema „entweder aufrechter Widerstandskämpfer oder Opportunist“ abzuurteilen, viele Publizisten und Intellektuelle lagen damals (wie heute) im Graubereich von Anpassung, Widerstand und innerer Emigration. Ähnliches läßt sich auch über Ernst Jünger sagen, der sich nach 1945 völlig vom Nationalismus abwandte und auch in sein Gesamtwerk die entsprechenden Schriften aus den 1920er Jahren nicht aufnahm.

Es würde zudem von intellektueller Kurzsichtigkeit zeugen, einen Schriftsteller ausschließlich nach seinem persönlichen Charakter, über den sich trefflichen streiten läßt, zu bewerten. Sonst dürfte man nämlich die Romane von Ernest Hemingway auch nicht lesen, da dieser doch als amerikanischer Offizier in sadistischer Weise deutsche Kriegsgefangene zu Tode quälte. Ebenso sind die Werke von Christa Wolf nicht deshalb gut oder schlecht, weil jene zu „Ostzeiten“ für die Stasi tätig gewesen war, in ihrer Jugend dem Bund Deutscher Mädel (BDM) angehörte. [18] Solche Beispiel ließen sich beliebig fortsetzen. Allerdings läßt es sich nicht vermeiden, daß Schriftsteller auch auf der Folie ihrer Biographie sowie ihrer politischen Position gelesen werden. Günter Grass hätte wohl seinen Literaturnobelpreis nicht erhalten, wäre zuvor seine Mitgliedschaft in der Waffen-SS Gegenstand öffentlicher Debatten gewesen. Einen strengeren politischen Maßstab wird man freilich bei politischen Schriftstellern wie Niekisch anlegen müssen.

Zudem sollte man bedenken, daß beispielsweise Niekischs Schrift Deutsche Daseinsverfehlung nicht nur für Opportunismus steht, sondern auch aus tiefer Enttäuschung entsprungen war. „Ich war in Freiheit! Rotarmisten hatten das Tor der Gefangenenschaft geöffnet. Kaum hätte ich den Tag der Freiheit jemals erlebt, wenn ich darauf hätte warten müssen, ihn aus den Händen des deutschen Volkes zu empfangen. Selbst noch im Augenblick des Zusammenbruchs des Dritten Reiches zeigte sich das deutsche Volk keiner Auflehnung gegen das schuldbeladene Hitlerregime fähig. So schrecklich war die Lage: Deutschland mußte zertrümmert werden, bevor es Hitler los wurde.“ [19]

Es gab wohl in der Weimarer Republik nur wenige politische Publizisten im nationalistischen Spektrum mit dem Talent Niekischs. Aber das politische Leben ist dann doch an ihm vorübergezogen. Den Mantel der Geschichte konnte er nicht ergreifen. Schlimmer noch: Er mußte die entscheidenden Jahre seines Lebens, von 1937 bis 1945, im Zuchthaus Brandenburg verbringen. Dann schloß er sich der KPD an, war daraufhin auch Mitglied der SED, trat jedoch, wie bereits erwähnt, im Februar 1955 aus der SED aus. [20]

Was Niekisch nach dem Krieg verdrängt zu haben schien, war das Motiv seiner Gegnerschaft zu Hitler. Er gehörte nämlich in den 1920er und 1930er Jahren nicht der „Antifa“ an, sondern er war Nationalist, der Hitler mangelnden Nationalismus vorgeworfen hatte. So unter anderem in der legendären Schrift Hitler – ein deutsches Verhängnis (1932). [21] Das Verhängnis, das von Hitler ausgegangen sein sollte, bestand deshalb für den Verfasser nicht in einem übersteigerten Nationalismus, wie sich jener dies nach 1945 zurechtgebogen hatte, sondern in einer zu inkonsequenten Haltung des Nationalisten Hitler gegenüber Versailles. [22] Mit seiner Behauptung, Hitler sei aufgrund seines „romanischen Wesens“ nicht in der Lage, gegen das „romanische Gesetz“ von Versailles zu rebellieren, [23] lag dann auch der Autor wenige Jahre nach Veröffentlichung dieser Schrift völlig daneben. Denn Hitler kann man einiges vorwerfen, aber nicht, daß er während seiner Regierungszeit das Versailler Diktat nicht gebrochen hätte. Mit solcher Feststellung bewegt man sich freilich außerhalb der politischen Korrektheit. Allerdings ist der Revolutionär – unabhängig irgendeiner Ideologie – immer der Suche nach Wahrheit verpflichtet. Über Wahrheit darf gestritten werden, man sollte nur nicht gegen die eigene Überzeugung handeln.

Ernst Niekisch war in der Weimarer Republik genauso Nationalist wie sein Gefolgsmann Joseph E. Drexel, der den Widerstandskreis Nürnberg führte, nach dem Zweiten Weltkrieg dann aus amerikanischen Händen die Lizenz der Nürnberger Nachrichten erhielt. [24] Zum damaligen Zeitpunkt schien nur noch zu interessieren, ob jemand vor 1945 für oder gegen Hitler gewesen war. Die Motive für eine solche Haltung traten dann in den Hintergrund. Dies gilt übrigens auch für den Grafen von Stauffenberg, der von der bürgerlichen Klasse der BRD heute nur noch als Hitler-Gegner interpretiert wird, dessen Weltanschauung sich aber heute – politisch korrekt – bequem in die reaktionäre Kategorie des „Rechtsextremismus“ eingruppieren ließe.

Man sollte grundsätzlich die Selbstzeugnisse kritisch betrachten, die sich prominente Deutsche nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches ausstellten. Niekisch war sicherlich Hitler-Gegner, und zwar aus nationalistischen Erwägungen; er stand aber bis zu seiner Inhaftierung im Jahr 1937 nicht in dem absoluten Widerspruch zu Hitler, wie er dies nach 1945 darstellte. Mit Goebbels traf sich Niekisch mehrmals, [25] daß er von 1933 bis 1937 weiter publizieren durfte, wird er Goebbels zu verdanken haben, der wohl als Leser des Widerstand die schützende Hand über Niekisch hielt. In diesem Zusammenhang sollte nicht die relative weltanschauliche Nähe zwischen den beiden außer Acht geraten. Goebbels war ursprünglich nationalrevolutionär und durchaus sozialistisch eingestellt, ordnete sich aber nach der Bamberger Führertagung der NSDAP im Jahr 1926 bedingungslos Hitler unter – bis zum bitteren Ende 1945 im Berliner Führerbunker. Während Göring und Himmler noch kurz vor dem Kriegsende mit den Westalliierten den Frieden suchten, ließ Goebbels nach Hitlers Tod mit den Sowjets verhandeln. Dabei schien er wieder zu seinen „nationalbolschewistischen“ Ursprüngen zurückgekehrt zu sein.

Mit Hitler traf sich Niekisch nie, dafür aber während einer Italien-Reise im Jahr 1935 mit Benito Mussolini. Seinen Gesprächspartner in Rom, den „Duce“, schildert Niekisch 1958 durchaus beeindruckend und sympathisch, [26] weshalb seine Beschreibung Hitlers und Mussolinis aus dem Jahr 1946 als „lumpenproletarische Bandenführer“ und „beutelüsterne Raubtiere“ als Pflichtübung erscheint. [27] Warum hat er sich dann aber mit Goebbels und Mussolini getroffen?

Wer war nun aber Niekisch politisch? Für welche Position stand er? Ich habe festgestellt, daß die bloße Hitler-Gegnerschaft wenig aussagt. Niekisch gilt in der Literatur vor allem als „Nationalbolschewist“, als „Nationalrevolutionär“ und als „Sozialist“. Bei solchen Etikettierungen sollte man allerdings vorsichtig sein. Das hängt zum einen vom Standort desjenigen ab, der Niekisch bewertet. Zum anderen auch von Niekischs Selbsteinordnung, die aber nach 1945 auch opportunistisch motiviert gewesen war. Wenn ein Kommunist „seinen Niekisch“, der 1945 der KPD beitrat, retten möchte, wird er dessen Weimarer Zeit dem „Nationalbolschewismus“ zuschreiben. Als „Nationalbolschewist“ gilt Niekisch auch heute Historikern bürgerlicher und reaktionärer Position. Schließlich trägt der Vorwurf des „Bolschewismus“ zur Stigmatisierung bei. Selbst die meisten heutigen Kommunisten, die sich unter anderem auf Lenin berufen, lehnen den „Bolschewismus“ als Selbstverortung ab. Nur Selbstdarsteller, die es nötig haben, werden sich als enfant terrible – als „Bolschewist“ oder „Neonazi“ – selbstinszenieren.

Der „Nationalbolschewist“ Niekisch ist zumindest ungenau. Der „Bolschewist“ trifft allenfalls auf den frühen und späten Niekisch als auf die mittlere Schaffensphase zu. Unsere Hauptfigur wurde am 23. Mai 1889 im schlesischen Trebnitz geboren und verstarb am 23. Mai 1967 in West-Berlin. Sein Vater übersiedelte in seiner Kindheit von Schlesien nach Nördlingen (Bayerisch-Schwaben). In dieser Stadt besuchte Niekisch die Volks- und Realschule sowie ein Lehrerseminar und war anschließend Volksschullehrer in Augsburg. Den Krieg verlebt er an der Heimatfront in einer Reserveeinheit. 1917 wird er Mitglied in der SPD, 1918/19 Vorsitzender des „Zentralen Arbeiter- und Soldatenrates“ in München. Nach Niederschlagung der Münchner Räterepublik war Niekisch von 1919 bis 1922 Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und Abgeordneter im Bayerischen Landtag. Aufgrund seiner Beteiligung an der Münchner Räterepublik verurteilt man ihn wegen Beihilfe zum Hochverrat zu zwei Jahren Festungshaft, die er in der Haftanstalt Niederschönenfeld, gemeinsam mit Ernst Toller und Erich Mühsam verbüßt. 1922, nach der Vereinigung der USPD mit der SPD im Bayerischen Landtag, wird er stellvertretender Vorsitzender der Landtagsfraktion. [28]

Der „Nationalbolschewist“ paßt auch nicht für Niekischs Engagement in der Münchner Räterepublik, wo er eher zu den Bremsern als zu den linksradikalen Revolutionären zählte. [29] Während die KPD auf die Arbeiter- und Soldatenräte setzte, hielten Sozialdemokraten (SPD) wie Niekisch an der verfassungsgebenden Nationalversammlung fest, die auf Klassenversöhnung, statt auf Klassenkampf setzte. Zudem war Niekisch in dieser Zeit kein Nationalist. Also er war in diesem Zeitraum weder Kommunist noch Nationalist. Auch für die Zeit nach 1945 ist die Bezeichnung „Nationalbolschewist“ nicht zutreffend. Nun war er zwar dem Parteibuch nach Kommunist (KPD, SED), aber eher aus Opportunismus heraus. Zumal er dann auch kein Nationalist mehr gewesen war, auch wenn er die nationale Frage – etwa im Hinblick auf die deutsche Teilung – nicht aus den Augen verlor.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kämpfte Ernst Niekisch vor BRD-Gerichten um Anerkennung als NS-Opfer und entsprechende Wiedergutmachung. NS-Opfer war er natürlich gewesen. Aber in diesem Zusammenhang behauptete er, er habe sein „ganzes Leben lang für die Sache des Sozialismus gestritten. Seine politische Stellungnahme nach 1945 bilde mit seiner früheren politischen Tätigkeit ein einheitliches Ganzes.“ [30] Im Gewagten Leben (1958) schreibt er: „Den Bürger in diesem Sinne kennzeichnet, wie er zur Frage des Privateigentums und zu Rußland stand.“ [31] – Wenn wir dessen Publizistik der zwanziger und frühen dreißiger Jahren heranziehen, erscheint sein Vorwurf, bürgerliche Politik sei gegen Rußland gerichtet, schlüssig. Allerdings spricht er sich in diesem Zeitraum nicht für eine völlige Abschaffung der unternehmerischen Verfügungsgewalt über die Produktionsmitteln aus, sondern er verficht vielmehr in seinem Aufsatz Die Politik des deutschen Widerstandes (1930) den Lehensbegriff. [32]

In Niekischs politischer Biographie ist vor allem die mittlere Schaffensphase von 1919 bis 1937 interessant. Also die Zeit nach der Niederschlagung der Räterepublik bis zu seiner Einkerkerung durch das NS-Regime. Er war in dieser Zeit – bis auf eine sehr kurze Phase (auf die ich noch eingehen werde) – kein radikaler Sozialist, sondern Nationalist. Das Ziel bestand für diesen Hegelianer in der Wiedererrichtung eines souveränen deutschen Nationalstaats. Um dies überhaupt gegen die Versailler Nachkriegsordnung erreichen zu können, verfolgte Niekisch eine sozialrevolutionäre, das heißt antikapitalistische Strategie. Mir ist jedenfalls nicht bekannt, daß sich Niekisch in Sachen Sozialisierung von Betrieben überhaupt detailliert geäußert hätte. Im Gegenteil: Im Widerstand verwarf Niekisch alle „Denkspiele“ zur Neugestaltung von Staat und Wirtschaft, da diese seiner Auffassung nach nur von dem außenpolitischen Hauptziel des Kampfes, dem Streben nach nationaler Unabhängigkeit, ablenkten. [33]

Niekisch vertrat als Mitherausgeber der Zeitschrift Widerstand einen Kompromiß zwischen unternehmerischer Initiative und Sozialismus. Er plädierte – ähnlich wie Otto Strasser – für die Anknüpfung an den mittelalterlichen Lehensbegriff. Das bedeutet, nach dieser Vorstellung wäre der Staat oberster Lehensherr bzw. Eigentümer an den Produktionsmitten. Die persönliche unternehmerische Verfügbarkeit an denselben wäre somit nicht aufgehoben. Niekisch führte hierzu aus: „In der Wendung zu einem armen, ländlichen, auf einem neuen, lehensmäßig gebildeten Eigentumsbegriff beruhenden Lebensstil ergreift das deutsche Volk seine Weltsendung: es wird zum Sauerteig, der die in der Fäulnis der Zivilisation verkommende Menschheit erneuert.“ [34]

Weder bei den Gebrüdern Strasser noch bei Niekisch war zur Zeit der Weimarer Republik jemals die Rede davon, sämtliche Betriebe müßten sozialisiert werden. Niekisch war weder Kommunist noch Anti-Kommunist. Genau dies war aber die unüberwindbare Differenz zu Hitler. So sehr Niekisch innenpolitisch eine kommunistische Ordnung für Deutschland ablehnte, so waren seine außenpolitischen Vorstellungen von einem anzustrebenden Bündnis mit der Sowjetunion bestimmt, weil er selbst in der Sowjetunion noch das russische Imperium erblickte (wohingegen Hitler im Sowjetkommunismus zuallererst das internationale Judentum zu erblicken glaubte!). Niekisch ging vom Primat der Politik über die Wirtschaft und im politischen Bereich vom Primat der Außenpolitik über die Innenpolitik aus. Bei diesem Ansatz ist es denkbar, sich mit ausländischen Mächten zu verbünden, deren Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik man für das eigene Land ablehnt. Ganz anders Hitler, der sowohl innen- wie außenpolitisch von einem pathologischen Anti-Kommunismus getrieben war – und zwar in der Weise, daß man selbst nicht nur nicht Kommunist ist und darauf wert legt, sondern auch jeden sozialistischen Ansatz verwirft und diesen auch außenpolitisch – wie gegen die Sowjetunion – in einem Weltanschauungskampf zu vernichten trachtet.

Hitler hatte im Grunde genommen seine Bürgerkriegshaltung aus der Oppositionszeit der Weimarer Republik, also den Straßenkampf und die Saalschlachten gegen die KPD, nach der Machtübernahme 1933 fortgesetzt: zunächst innenpolitisch in der Regierung, indem er den deutschen Bürgerkrieg fortsetzte – durch Einweisung der KPD-Führer in Lager, 1941 dann außen- und militärpolitisch durch den Angriff bzw. Präventivschlag gegen die Sowjetunion (wobei Hitlers Angriff nicht vom Präventivschlag abhing, siehe die entsprechenden Forderungen nach „Lebensraum im Osten“, die in Mein Kampf niedergeschrieben sind). Die Wühlarbeit der KPD 1933 durch Einweisung ihrer Führer in Lager zu unterbinden, mag machtpolitisch richtig gewesen sein, man hätte jedoch den Kommunisten nach ein oder zwei Jahren Bedenkzeit in der Haft eine Mitarbeit anbieten und diese durch die Sowjetregierung absichern können. Dies lag aber nicht im Sinne des Sozialdarwinisten Hitler. Der Stärkere vernichtet den Schwächeren – so ist es dann auch 1945 beim Endkampf um Berlin eingetreten. Der Widerstand Niekischs gegen Hitler ist vor allem in der antikommunistischen Außenpolitik der NSDAP zu sehen.

Sicherlich, unser Protagonist war auch sozialrevolutionärer bzw. antikapitalistischer ausgerichtet als Hitler. Aber ein radikales sozialistisches Programm vertrat er in der Weimarer Republik nicht. Der Niekisch-Forscher Uwe Sauermann stellt zutreffend fest, daß Niekisch zu Zeiten, als er den Widerstand herausbrachte, „sich niemals zu den marxistisch-sozialistischen Beweggründen“ bekannte. [35] Ganz im Gegenteil: Im von Joseph Drexel und Karl Tröger verfaßten Rundbrief des Widerstandskreises wurde im Dezember 1930 unmißverständlich festgestellt, daß die „Widerstandsbewegung“ nicht „bolschewistisch“ sei, denn „in Wahrheit ist die Widerstandsbewegung nur n a t i o n a l i s t i s c h im d e u t s c h e n Sinne“. [36] (Hervorhebung im Original)

Niekisch rekrutierte seine Leser und Abonnenten für seinen Widerstand, wie er in seiner Autobiographie Gewagtes Leben (1958) schreibt, fast ausschließlich in nationalen, rechten, militärischen, reaktionären und kleinbürgerlichen Kreisen. [37] Das maßgebliche Thema von Niekischs Widerstand waren nicht Sozialisierungsforderungen, sondern die Ostorientierung, das heißt ein deutsch-russisches Bündnis gegen den Westen bzw. Versailles. Allerdings stellte er 1930 in einem Artikel in Widerstand fest: „Deutschland lehnt es ab, den Bolschewismus zu übernehmen. Es entwickelt seine besondere, den Ideen von 1789 entgegengesetzte Lebensform aus sich selbst heraus.“ [38] Weiter schreibt Niekisch im selben Aufsatz: „Die Ideen von 1789 sind verkörpert im modernen Individualismus, in der bürgerlichen Welt- und Wirtschaftsauffassung, im Marxismus, im Parlamentarismus und in der modernen Demokratie.“ [39]

Eine gewisse Zeit lang bewegte sich Niekisch wie sein Weggefährte im Widerstandsverlag August Winnig [40] in rechten SPD-Kreisen (Hofgeismarkreis und Alte Sozialdemokratische Partei, ASP, eine rechte Abspaltung der SPD im sächsischen Landtag; später im Bund Oberland). Von der äußersten Linken, sieht man von kommunistischen Gesprächspartnern einmal ab, ist in den zwanziger und dreißiger Jahren bei den beiden keine Spur festzustellen. Niekisch bemühte sich erst kurz vor der Machtergreifung der NSDAP um eine konspirative Zusammenarbeit mit der KPD. Mehr als ein Gespräch mit zwei Kommunisten ist daraus allerdings nicht herausgekommen. [41] Im Gegenteil: Niekisch ging auf Distanz zu seiner eigenen linken Vergangenheit. Um das Thema seines Engagements für die Münchner Räterepublik machte Niekisch ab 1926 im von ihm herausgegebenen Widerstand einen großen Bogen. Stattdessen äußerte sich das ehemalige SPD-, dann USPD Mitglied im Jahr 1928 unter dem Pseudonym „Spectator“ abfällig über seine damaligen Genossen. Die Gründer der USPD waren für ihn rückblickend „Westler, Französlinge, Zivilisationsliteraten“. [42]

Sicherlich ist diese Wertung bei seinen neuen, rechten Abonnenten besser angekommen. Viele seiner neuen Leser dürften zur Zeit der Räterepublik auf der anderen Seite, bei den rechten Freikorps gestanden haben. Nach Abkehr Niekischs von allen linken parteipolitischen Bindungen (zuletzt die Alte Sozialdemokratische Partei in Sachsen) entfernte er ab Januar 1929 im Untertitel des Widerstand das Attribut „sozialistisch“. Jetzt war die Zeitschrift nur noch „nationalrevolutionärer Politik“ verpflichtet, zuvor lautete der Untertitel noch Blätter bzw. (später) Zeitschrift „für sozialistische und nationalrevolutionäre Politik“. [43]

War nun Niekisch überhaupt nicht „nationalbolschewistisch“? In der strengen Auslegung des Begriffs „national“ und „bolschewistisch“ war er es die längste Zeit seines schriftstellerischen Schaffens nicht. Dem Begriff nach bezöge sich ein „Nationalbolschewist“ im nationalen Rahmen auf ein bolschewistisches Programm, also auf jenes Programm der Bolschewiki unter Lenin. Dieses Regierungsprogramm – auch unter Stalin – stand für einen radikalen Staatssozialismus („Staatskapitalismus“ [44]), demnach die überwiegende Zahl der Betriebe von einer zentralistischen staatlichen Bürokratie geführt wurden. Niekisch schon deshalb als „Nationalbolschewisten“ zu bezeichnen, weil er die preußische Staatsidee, die ja auf feudalem Eigentum beruhte, und ein deutsch-russisches Bündnis verfochten hatte, erscheint doch überzeichnet zu sein. Daß sein Nationalismus in der Weimarer Republik aber dennoch sozialrevolutionär bzw. antikapitalistisch geprägt gewesen war, bleibt von dieser Einschätzung unberührt. Einwände sollten aber gegenüber der inflationären Verwendung des Begriffs „Nationalbolschewismus“ erlaubt sein, wozu sicherlich auch die Forschung selbst – durch allzu plakative Buchtitel – beigetragen hat. [45]

Allerdings scheint Niekisch dann im Zuge der NS-Machtergreifung in Richtung „Nationalbolschewismus“ gerutscht zu sein. 1935 meinte er in seiner Dritten Imperialen Figur: „Die Luft dieser technischen ‚Planwirtschaft‘ erträgt nur das k o l l e k t i v e Eigentum – das Privateigentum erstickt darin.“ [46] Weiter meint er: „Wo man sich, sei es Verteidiger oder Angreifer, über die Frage des Privateigentums erhitzt, da bewegt man sich noch im Rahmen der p r i v a t k a p i t a l i s t i s c h e n Gesellschaftsordnung. Für das Lebensgefühl des technisch-kollektiven Weltbildes ist die Privateigentumsfrage unerheblich; sie liegt hier nicht im Gesichtsfeld der wirklich aktuellen Angelegenheiten. Die Zuweisung der verfügbaren Bedarfsgüter ist Sache des Verteilungsplanes; sie kommen gewissermaßen von selbst, wie die Menage des Soldaten“. [47]

Während man das erste Zitat aus der Dritten Imperialen Figur als „nationalbolschewistisch“ deuten kann, trifft dies auf das zweite Zitat eher nicht zu. Wenn das Privateigentum nicht so wichtig sei, sondern vielmehr der Plan, dann scheint Niekisch hierbei eine Nähe zu Görings Vierjahresplänen besessen zu haben. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch Ernst Jüngers Arbeiter (1932), in dem ebenso die Planwirtschaft verfochten wurde. [48]

Zudem stellt das erste – soeben aufgeführte – Niekisch-Zitat auch keinen direkten Bruch mit seinen Positionen als Herausgeber des Widerstand dar, da er 1930 – wie bereits angeführt – für einen kollektiven, das heißt staatlichen Lehensbegriff beim Eigentum über die Produktionsmittel plädierte. [49] Somit wäre aber die persönliche Verfügbarkeit über Klein- und Mittelbetriebe nicht aufgehoben. Diese Position unterstrich Niekisch auch in seinem Buch Entscheidung (1930): „Zum verpflichteten Ich gehört der Begriff eines gebundenen Eigentums; in der Tat entspricht dem germanischen Lebensstil das Lehenseigentum.“ [50]

Diese Position bildete im nationalrevolutionären Spektrum der Weimarer Republik keine Ausnahme. Otto Strasser äußerte sich ähnlich: „Die Lösung dieser sich nur scheinbar widerstreitenden Forderungen des deutschen Sozialismus ist möglich durch die erstmalige von uns verkündete E i n f ü h r u n g d e s E r b l e h e n s. Die Nation […] die Volksgemeinschaft ist der alleinige Eigentümer von Grund und Boden, Bodenschätzen und Produktionsmitteln, deren Bewirtschaftung aber dem einzelnen deutschen Volksgenossen nach Fähigkeit und Würdigkeit in Erblehen übertragen wird.“ [51]

Karl O. Paetel führte zu diesem Thema aus: „Der revolutionäre Nationalismus erstrebt eine der deutschen Struktur angemessene Lösung der Bauernfrage. Er ist der Überzeugung, daß eine Einordnung des das Privateigentum aufhebenden Lehensträgersystems der kleinen Bauern in die Planwirtschaft die ‚ewige Kategorie des Bauern‘ erhalten und als Kraftreservoir dem Staat nutzbar machen muß.“ [52]

Die Zuordnung zum „Nationalbolschewismus“ paßt am ehesten auf die Hamburger KPD um Fritz Wolffheim und Heinrich Laufenberg [53] und auf die Überläufer um 1930, die von der nationalen Rechten zur KPD wechselten: auf Richard Scheringer, Bodo Uhse, Beppo Roemer und andere. Niekisch selbst war sicherlich Nationalrevolutionär, also revolutionärer Nationalist. Sein Bestreben war die deutsche Volksgemeinschaft, die im Bündnis mit Rußland eine deutsch-russische Völkergemeinschaft bilden sollte. In dem ersten Ziel „Volksgemeinschaft“ an sich unterschied sich Niekisch nicht grundlegend von Hitler, allerdings in der Methode, dem Weg nämlich, auf dem dieses Ziel zu erreichen sei. Während Hitlers Volksgemeinschaftskonzeption von Anfang an auf Klassenversöhnung mit deutscher Hochfinanz, Schwerindustrie und Großgrundbesitz ausgelegt gewesen war, er diese Entscheidung noch einmal am 30. Juni 1934 gewaltsam unterstrich – als er sich für die Reaktion aus Großgrundbesitz, Schwerindustrie und Hochfinanz und gegen die „zweite Revolution“ aus den Reihen der SA entschied –, war Niekischs Entwurf auf Klassenkampf gegen das Großkapital ausgerichtet (nicht gegen Unternehmer an sich und schon gar nicht gegen Kleinproduzenten und kleine Dienstleister in Landwirtschaft und Handwerk [54]).

Genau in diesem Punkt ist nun Niekisch für heutige Nationalrevolutionäre aktueller als Hitler. Ab 1933 konstatieren wir in Deutschland wirtschaftliche und sozialpolitische Erfolge, die im Rahmen eines Sozialstaats auf privatkapitalistischer Grundlage erreicht wurden. Insofern kommt es rückblickend einer weltanschaulich bedingten Geschmacksfrage gleich, ob man den Gesellschaftsentwurf Hitlers oder den Niekischs (und mit ihm der Gebrüder Strasser u. a. Nationalrevolutionäre) als sympathischer empfindet. Auf der gegenwärtigen Stufenleiter des Kapitalismus allerdings ist die wirtschaftspolitische Position Hitlers, an der der überwiegende Anteil des Nationalen Widerstands in Deutschland und Österreich heute festhält, nur noch als ewiggestrig einzugruppieren.

Bei der Frage, was nationalrevolutionär bedeutet, sollte man sich nicht allzu sektiererisch verhalten. Im übrigen ist das aus dem Lateinischen stammende Wort „Revolution“ laut Fremdwort-Duden ein „Umsturz der bestehenden politischen und sozialen Ordnung“ bzw. eine „Aufhebung, Umwälzung der bisher als gültig anerkannten Gesetze“. [55]

Die Alternative zum System, das zu überwinden ist, ist damit allerdings noch nicht benannt. Aber irgendwie bezieht sich „nationalrevolutionär“ dem Wortsinne nach auf die eigene Nation bzw. den dazugehörigen Nationalstaat. Nationalrevolutionär ist historisch wie gegenwärtig ein relativ breites Spektrum von Aktivisten, Publizisten, Zeitschriften und Organisationen, welche die Volksgemeinschaft im Ordnungsrahmen des Nationalstaats wiederherstellen wollen, dabei erkannt haben, daß die Kritik und die Suche nach Alternativen zur Marktwirtschaft an sich den Hinderungsgrund für dieses Unterfangen darstellt.

Unter anderen Eigentumsverhältnissen wäre ein „Zurück“ zum Nationalstaat möglich. Wem dies als undenkbar erscheint, wird wohl Anhänger irgendeiner Fortschrittsideologie sein, die das Fortschreiten der Menschheit zu immer größeren politischen und ökonomischen Einheiten als unabwendbar erachtet. Dies widerspräche aber der historischen Erfahrung, derzufolge immer wieder Imperien zyklisch wachsen, in kleinere Einheiten verfallen, woraus wieder Imperien entstehen können. Anstatt uns weiterhin vom Westlertum einlullen zu lassen, sollten wir vielmehr im Sinne von Ernst Niekisch unseren Widerstand gegen die globale Amerikanisierung aufnehmen, indem wir unsere Entscheidung für den deutschen Nationalstaat, das Deutsche Reich, treffen: „Die preußische Erhebung hat gezündet; alle Herzen, in die das deutsche Element eingesenkt ist, schauen hoffend und sehnend nach Preußen, daß es doch das deutsche Reich schaffen möge.“ [56]

Bei der Frage, was nationalrevolutionär bedeutet, ist auch nicht unbedingt ein bestimmtes Staatsmodell gemeint. Hans Zehrer („Tat-Kreis“), der von Karl O. Paetel zu den Nationalrevolutionären hinzugezählt wird, schrieb: „Man sehe sich ihre Staatsideologie an. Haben Ständestaat und Rätestaat nicht viele Gemeinsamkeiten und liegt die zukünftige Staatsform nicht in der Richtung einer Synthese zwischen beiden in einer dritten Form? […] und ist der Lebensbegriff des alten Konservatismus dem Eigentumsbegriff der Linken wirklich so fern? […] Überall sind Mißverständnisse, Vorurteile und Rückgefühle, revolutionäre hier, reaktionäre dort. Die Nation ist in zwei Hälften geschieden, obwohl ihr ein einziges Schicksal bevorsteht.“ [57]

Zumindest vier Staatsmodelle hatten in der Weimarer Republik allesamt ihren Platz im nationalrevolutionären Spektrum. Für den Hegelschen Ansatz, der zwischen Staat und Gesellschaft unterscheidet, stand Ernst Niekisch, für die Räterepublik Karl O. Paetel, für den Ständestaat Otto Strasser und für den Nationalbolschewismus im Sinne Lenins Richard Scheringer, Bodo Uhse u. a. Patrioten in der KPD. Allerdings, insofern sollte Einigkeit in diesem Spektrum herrschen, muß der kommenden deutschen Volksgemeinschaft eine revolutionäre Umwälzung in den Eigentumsverhältnissen an den Betrieben der Produktion, Dienstleistung, Daseinsvorsorge und Infrastruktur vorausgegangen sein.

Bei der Frage, was nationalrevolutionär bedeutet, sollten wir uns auch nicht von viel Geschwätz blenden lassen. Denn eine nationale und soziale Revolution wird nicht ausbrechen, nachdem in Weltnetzforen, auf Weltnetzseiten, in Zeitschriften Erklärungen und Diskussionsbeiträge veröffentlicht wurden, in denen uns – zum Teil Pseudonyme – wissen lassen, daß sie über die reinste „revolutionäre“ Gesinnung verfügen. Im Sinne des Soziologen Max Weber sollten wir hierbei zwischen Gesinnungsethik und Verantwortungsethik unterscheiden. Programme, Erklärungen, Aufsätze und Texte aller Art sind an der Tat der Verfasser zu beurteilen. Bleibt die Tat aus, so sind die Texte für die nationale und soziale Revolution wertlos. Revolutionäre Ansprüche werden immer im öffentlichen Raum untermauert, wozu Publizistik nicht ausreicht. Publizistik (Artikel, Presseerklärungen, Aktionsberichte usw.) kann aber sehr wohl die politische Arbeit dokumentieren. Diese findet statt in Demos, Kundgebungen auf öffentlichen Plätzen, in Flugblattkampagnen vor Werkstoren und in der Fußgängerzone, beim Antritt zur Kommunalwahl, in der Bündnispolitik mit nationalen und sozialen Gruppen, die auf unsere Zusammenarbeit wert legen, und dergleichen mehr. Hingegen reicht die Selbstgewißheit, über die reinste „revolutionäre“ Gesinnung zu verfügen, zur Vorbereitung einer Revolution nicht aus.

[1] Siehe u. a. Jürgen Schwab: Nationalismus, Sozialismus oder Fundamentalismus? In: Sleipnir. Zeitschrift für Kultur, Geschichte und Politik. 2. Jg., Heft 4, Juli/August 1996, S. 48-50. – Ders.: Der linke und der rechte Nationalismus. In: Staatsbriefe 6/1998 (= Der Kampf der Teile), S. 12-15. – Ders.: Die linken Leute von rechts. In: Staatsbriefe 7-8/1998 (= Der Kampf der Teile, 2), S. 6-7.

[2] Vgl. Hans-Dietrich Sander: Der nationale Imperativ. Ideengänge und Werkstücke zur Wiederherstellung Detuschlands. 2. Auflage bei Heitz & Höfkes, Essen 1990, S. 108.

[3] In den letzten Jahren ist allerdings bei Sander eine zunehmend kritische Haltung gegenüber Amerikanismus und Kapitalismus feststellbar.

[4] Ernst Niekisch: Deutsche Daseinsverfehlung. Aufbau Verlag, Berlin 1946 (= Aktuelle Kulturreihe).

[5] Ebd., S. 14.

[6] Vgl. Falk Liepe: Jenseits des Nationalismus – das heilige eurasische Imperium. In: Junges Forum Nr. 8: Die Vision Eurasien. Jenseits von Nationalismus und Internationalismus, S. 10-46.

[7] Ernst Niekisch: Deutsche Daseinsverfehlung, ebd., S. 21-22.

[8] Ernst Niekisch: Das Reich der niederen Dämonen. 1. Auflage, Rowohlt Verlag, Hamburg 1953, S. 87-88.

[9] Vgl. Friedrich Engels: Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft. In: Karl Marx/Friedrich Engels: Werke. Karl Dietz Verlag, Berlin. Band 19, 4. Auflage 1973, unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 1962, Berlin/DDR. S. 210-228, hier S. 225. – Im Weltnetz: http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_210.htm

[10] Aufsatz in der Nr. 1 der Schriftenreihe des „Firn“, 1925; hier zitiert nach Louis Dupeux: Nationalbolschewismus in Deutschland 1919-1933. Kommunistische Strategie und konservative Dynamik. Büchergilde Gutenberg/C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, Frankfurt/Main u. München 1985, S. 236.

[11] Ernst Niekisch: Der politische Raum deutschen Widerstandes (1931). In: Ernst Niekisch. Widerstand, ausgewählte Aufsätze aus seinen „Blättern für sozialistische und nationalrevolutionäre Politik“. Hrsg. von Uwe Sauermann, Sinus Verlag, Krefeld 1982 (= edition d; Bd. 3), S. 98-115, hier S. 98.

[12] Ernst Niekisch: Gewagtes Leben. Begegnungen und Begebnisse. Verlag Kiepenheuer & Wietsch, Köln und Berlin 1958, S. 150.

[13] Ernst Niekisch: Erinnerungen, S. 202-219; zitiert nach: Otto-Ernst Schüddekopf: Linke Leute von rechts. Die nationalrevolutionären Minderheiten und der Kommunismus in der Weimarer Republik. W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 1960, S. 359.

[14] Ernst Niekisch: Deutsche Daseinsverfehlung, ebd., S. 3 (Vorwort).

[15] Ebd., S. 82.

[16] Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Niekisch

[17] Ebd.

[18] Siehe: http://www.lernzeit.de/sendungarchiv.phtml?detail=275636&thema=Geschichte

[19] Ernst Niekisch: Gewagtes Leben, ebd. S. 381-382.

[20] Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Niekisch

[21] Ernst Niekisch: Hitler – ein deutsches Verhängnis. Widerstandsverlag, Berlin 1932. Reprint, Verlag Siegfried Bublies, Koblenz 1990.

[22] Vgl. ebd., S. 14-17 (Kapitel: „Der Sturz in die Legalität. Auf dem Boden von Versailles“) .

[23] Ebd., S. 15.

[24] Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_E._Drexel – sowie Joseph E. Drexel: Der Fall Niekisch. Eine Dokumentation. Reihe: Information 11. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln und Berlin 1964.

[25] Vgl. Ernst Niekisch: Gewagtes Leben, ebd., S. 202.

[26] Ernst Niekisch: Gewagtes Leben, ebd., S. 261-265.

[27] Ernst Niekisch: Deutsche Daseinsverfehlung, ebd., S. 81. – Analog hierzu sind auch Niekischs Charakterisierungen bestimmter Personen in Das Reich der niederen Dämonen (1953) zu werten. Die Beschreibungen mögen zum Teil zutreffend sein, aber auch bei der Beschreibung von Goebbels wird nicht klar, warum sich der Autor nicht schon in den 1930er Jahren von jenem abgestoßen fühlte.

[28] Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Niekisch

[29] Siehe hierzu Niekischs Angaben in Ders.: Gewagtes Leben, ebd., S. 63-104.

[30] Vgl. Joseph E. Drexel: Der Fall Niekisch. Eine Dokumentation. Reihe: Information 11. Verlag Kiepenheuer & Witsch, Köln und Berlin 1964, S. 144.

[31] Ernst Niekisch: Gewagtes Leben, ebd., S. 146.

[32] Ernst Niekisch: Die Politik des deutschen Widerstandes. In: Widerstand, Jg. 1930, Nr. 4. Der Aufsatz ist vollständig dokumentiert bei Karl O. Paetel: Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland, Verlag S. Bublies, Schnellbach 1999.

[33] Ernst Niekisch: Sammlung zum Widerstand. In: Widerstand, Jg. 1928, Nr. 7/8, S. 151-162, hier S. 158 ff.. Zitiert nach Uwe Sauermann: Ernst Niekisch und der revolutionäre Nationalismus. Bibliotheksdienst Angerer, München 1985, S. 201.

[34] Ernst Niekisch: Die Politik des deutschen Widerstandes. In: Widerstand, Jg. 1930, Nr. 4; zitiert nach Karl O. Paetel, ebenda, S. 282-285, hier S. 284.

[35] Uwe Sauermann: Ernst Niekisch und der revolutionäre Nationalismus. Bibliotheksdienst Angerer, München 1985, S. 300.

[36] Rundbrief vom 24.12.1930. Hier zitiert nach Uwe Sauermann, ebd., S. 305.

[37] Vgl. Ernst Niekisch: Gewagtes Leben, ebd., S. 138-169; auch S. 215: Gegenüber zwei Kommunisten bezeichnete Niekisch die Widerstand-Abonnenten als „bürgerliche Leser“; in seiner Zeitschrift seien „bürgerliche[n] Intellektuelle“ vereinigt.

[38] Ernst Niekisch: Die Politik des deutschen Widerstandes. In: Widerstand, Jg. 1930, Nr. 4. Der Aufsatz ist vollständig dokumentiert bei Karl O. Paetel, ebda, S. 282-285, hier S. 283.

[39] Zitiert nach ebd., S. 282.

[40] Der gelernte Maurer August Winnig unterstützte den reaktionären Kapp-Putsch von 1920, weshalb er aus der SPD ausgeschlossen wurde. Dafür schrieb er dann für die Berliner Börsenzeitung. (Vgl. Uwe Sauermann: Ernst Niekisch und der revolutionäre Nationalismus. Bibliotheksdienst Angerer, München 1985, S. 51.)

[41] Siehe: Ernst Niekisch: Gewagtes Leben, 1958, S. 215.

[42] Spectator (= Ernst Niekisch): Rudolf Breitscheid. In: Widerstand, Jg. 1928, Nr. 11, S. 266-271, hier S. 269. Zitiert nach Uwe Sauermann, ebd., S. 20.

[43] Vgl. Uwe Sauermann, ebd., S. 64.

[44] Diesen Begriff verwende ich ungern, da mit diesem doch recht verschiedene Systeme zusammengefaßt werden, er deshalb als wissenschaftlicher Begriff wenig taugt. So erhält dieses Etikett „Staatskapitalismus“ neben der Sowjetunion und den Ostblockstaaten auch das NS-System und der italienische Faschismus. Es ist aber ein Unterschied, ob der Staat über das Eigentum der „volkseigenen“ Betriebe verfügt oder Unternehmen in privatem Eigentum bloß lenkt.

[45] Vgl.: Karl O. Paetel: Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland, Verlag S. Bublies, Schnellbach 1999. – Louis Dupeux: Nationalbolschewismus in Deutschland 1919-1933. Kommunistische Strategie und konservative Dynamik. Büchergilde Gutenberg/C. H. Beck’sche Verlagsbuchhandlung, Frankfurt/Main u. München 1985.

[46] Ernst Niekisch: Die Dritte Imperiale Figur. Nachdruck der Ausgabe im Widerstand Verlag, Berlin 1935; im Uwe Berg-Verlag, Toppenstedt 2005 (= Quellentexte zur Konservativen Revolution. Die Nationalrevolutionäre: Band 6), S. 188.

[47] Ebd., S. 189.

[48] Ernst Jünger: Der Arbeiter. Herrschaft und Gestalt. Erstausgabe 1932. Mir liegt vor die Auflage bei Ernst Klett, Stuttgart 1982 (= Cotta’s Bibliothek der Moderne 1), insbesondere S. 282-306 (Kapitel: „Die Ablösung der Gesellschaftsverträge durch den Arbeitsplan“).

[49] Ernst Niekisch: Die Politik des deutschen Widerstandes. In: Widerstand, Jg. 1930, Nr. 4. Der Aufsatz ist vollständig dokumentiert bei Karl O. Paetel, ebd., S. 282-285, hier S. 284

[50] Ernst Niekisch: Entscheidung. Widerstands-Verlag, Berlin 1930, S. 123.

[51] Otto Strasser: Aufbau des Deutschen Sozialismus. Mit Vorwort von Weigand von Miltenberg. 1.-5. Auflage im Wolfgang Richard Lindner Verlag, Leipzig 1932, S. 36.

[52] Karl O. Paetel: Weshalb nicht KPD? In: Ders.: Nationalbolschewismus und nationalrevolutionäre Bewegungen in Deutschland, Verlag S. Bublies, Schnellbach 1999, S. 292-295, hier S. 293.

[53] Vgl. Karl O. Paetel, ebd., S. 36-53. – Vgl. auch Louis Dupeux, ebd., S. 82-126.

[54] Vielleicht ist für diese „kleinbürgerliche“ Haltung Niekischs Herkunft ausschlaggebend, daß dessen Vater ein Feilenhauler gewesen war, der es vom nichtselbständigen Gesellen zum kleinunternehmerischen Meister (mit lohnabhängigen Gesellen) gebracht hatte, worauf sein Sohn Ernst in Gewagtes Leben (ebd., S. 11) sichtlich stolz ist.

[55] Vgl. Duden. Bd. 5: Das Fremdwörterbuch. Hrsg. vom Wissenschaftlichen Rat der Duden-Redaktion: Günther Drosdowski u. a. 5., neu bearbeitete und erweiterte Auflage, Dudenverlag, Mannheim/Wien/Zürich 1990; Stichwort „Revolution“: S. 683.

[56] Ernst Niekisch: Der Kampf des deutschen Menschen (1929). In: Ernst Niekisch. Widerstand, ebd., S. 23-33, hier S. 27.

[57] Hans Zehrer: Rechts oder Links? In: Die Tat, 23. Jahrg., Heft 7. Zitiert nach Karl O. Paetel, ebd., S. 305-306, hier S. 306.

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