Araber-Versteher!

Der verstorbene Peter Scholl-Latour hat auf dem BRD-Orientexperten Markt einen würdigen Nachfolger gefunden und zwar Michael Lüders, dessen Bücher seit einigen Jahren jeweils Verkaufsschlager sind. Als Islam und Nahostexperte ist er auch häufig zu Gast in TV und Rundfunk. Lüders größter Erfolg war wohl „Wer den Wind sät. Was westliche Politik im Orient anrichtet“ und ist im C.H.Beck Verag erschien – ein Topverlag für politische und historische Werke. Dieses Buch erschien zwar bereits 2015 hat aber zahlreiche Neuaflagen erfahren und dominierte fast zwei Jahre lang die Top-10 der meistverkauften Sachbücher. Es stand sogar über viele Monate auf den ersten Platz. Wohl etwa ein Jahr lang.

Siehe: https://www.chbeck.de/lueders-wind-saet/product/14454810

Wer keine Lust hat sich das Buch durchzulesen, etwa weil er auf „modernere Medien“ steht, könnte sich in Verkürzung auch einen auf Video aufgenommen Vortrag ansehen, in welchen Lüders sein Buch inhaltlich komprimiert. Freilich ist sein Buch ausführlicher und genauer als der erwähnte Vortrag. Die Lektüre kann dies nicht ersetzen, sondern ist höchstens eine Zusammenfassung.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=E0WfPvb7XN8

Auch die Nachfolger landeten bei den Bestsellern jeweils ganz oben, so etwa ein Buch über die westliche Syrien und Russland-Politik, sowie das brandneue Buch über das fatale Bündnis zwischen den Saudis und den Westen. 2012 sorgte in WWG-Kreisen bereits ein Lüders-Buch über den Iran für Aufsehen – natürlich hier negativ – da es sich „Iran – der falsche Krieg“ nannnte. Sein neuestes Buch zur der heuchlerischen und gefährlichen Zusammenspiel zwischen der WWG und den Saudis steht auch schon länger unter den Top-Sachbüchern unter den „Paperbacks“. Eine Besprechung wäre auch dieses interessante Buch sicherlich wert! So das sich Lüders Sicht ganz einfach wegen dem Erfolg kaum totschweigen lässt – auch wenn es dem „Mainstream“ nicht passt.

Siehe: https://www.chbeck.de/lueders-armageddon-orient/product/24603116

Lüders verfolgt in dem Buch eine blutige Spur westlicher Interventionen und Einmischung im Nahen Osten von dem Sturz Mossadeghs im Iran Anfang der 1950er Jahre, über das Zusammenspiel mit Islamisten in Afghanistan in den 1980er Jahre, über den Irak-Krieg bis hin zu Libyien und Syrien in der Gegenwart. Lüders nennt dies auch den „Fluch der bösen Tat“, was sich wohl auf ein Buch von Peter Scholl-Latour bezieht, welches so hieß und nebenbei bemerkt sehr lesensert ist.

Siehe: https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/der-fluch-der-boesen-tat-9783548376226.html

Im Fokus des blutigen Interventionismus standen natürlich diverse Kräfte von sozialrevolutionären iranischen Nationalisten (Mossadegh), arabischen nationalen Sozialisten wie Saddam Hussein, Gaddafi und Assad, Nasser bis hin zu diversen Islamisten, sei es Hezbollah, Hamas und den Angriff auf die reaktionären Taliban in Afganistan, der Sudan, den Iran von Khomeini über Ahmadinejad bis hin zur gemäßigten islamistischen Jetzt-Regierung.

Da aber Nationalismus in der BRD als Negativum verurteilt wird kommen Nationalisten wie Mossadegh, Nasser, Saddam Hussein, Assad und Gaddafi auch nicht als Nationalisten vor sondern „unbestimmt“, ohne ideologische Nennung und Ausführung. Schließlich ist Lüders kein „Nationalist“, was auch Scholl-Latour nicht wahr, aber an sich Nationalisten bei ihm stets Nationalisten waren und sich daraus keine Verurteilung ergab. Die konnte er ganz sympathisch finden, obwohl er kein deutscher Nationalist war, aber auch wenig gegen Nationalismus an sich hatte. Wobei er im Nahen Osten sowohl Nationalisten wie auch Islamisten verstand.

So meint Lüders am Ende seines bekannten Buches auch Deutschland und Europa müsste arabische und islamische Flüchtlinge aufnehmen – „Vor allem jenen, die zu uns kommen, als Flüchtlinge helfen“(Lüders). Dagegen hatte Scholl-Latour immer wieder sowohl vor islamophobie gewarnt, aber auch vor einer islamischen Überfremdung Europas. Die „Argumente“ hatte ihn Saddams-Vize etwa in Gesprächen geliefert, ein arabischer Christ, der Scholl-Latour sagte, wenn Deutsche und Europäer so „blöd“ seien die US-Politilk mitzumachen würden sie von einem Stromm aus Arabien überrant. Dies sei weder im arabischen noch im deutschen und europäischen Interesse. Die Meinung des Arabers teilte auch Scholl-Latour. Lüders eher weniger.

Warum? Scholl-Latour trieb auch die Sorge um die Deutschen und Franzosen auch in 50 oder 100 Jahren noch solche seien. Insofern hat er die Ereignisse ab 2011 an der europäischen Flanke in Arabien auch für ein großes Bedrohungsszenerio für die Identität der Völker Europas gesehen ohne aber in rechtspopulistischen Antiismalismus zu verfallen. Bei Lüders ist aber nicht erkennbar, dass er darin eine Bedrohung für die europäischen Staaten und Nationen sieht.

Im Gegensatz zu Peter Scholl-Latour glaubt Lüders zwar an „Menschenrechte“ macht aber deutlich das die Westliche Wertegemeinschaft diese instrumentalisiere um eigenen Interessen durchzusetzen und dabei über Leichen geht. Der Vorteil für viele Leser dürfte es sein das die Bücher von Lüders in einer auch für Nichtextperten verständlichen Sprache geschrieben sind.

Washington ist für Lüders sowohl der Geburtshelfer von Al Kaida, wie auch für den IS, für dessen Wirken und zeitweiligen „Erfolg“ die USA und der Westen die Grundlage geschaffen habe. Die einseitige Schuldzuweisung etwa gegen Assad macht der Nahostexperte nicht mit und empfielt dem Westen vom Ansinnen abzurücken Assad zu stürzen. Eine Folge sei nur Chaos, Zerstörung und ein Massenmord an den Minderheiten und gemäßigten Sunniten. Zum Zeitpunkt des Buches war aber noch nicht ganz klar das die syrische Armee dank Hilfe von Russland, dem Iran, der Hezbollah und irakischen schiitischen Milizen mittlerweile wieder die Kontrolle über fast alle wichtigen Gebiete in Syrien ausüben würde.

Um einen Assad-Anhänger handelt es sich allerdings nicht, sondern um einen Realisten, der deutlich macht das die Option Assad zu stürzen keineswegs zu „Demokratie“ und „Pluralismus“ in Syrien führen würde, sondern zu einem barbarischen Jihad-Staat. Die Forderung von liberalmenschenrechtlerischen Interventionisten, man habe mindestens 2013 gegen Assad losschlagen müssen, hätte für Lüders nur eine Folge gehabt: Jihadisten hätten in der Folge bereits 2013 in Damaskus geherrscht. Für Lüders ist auch Assad ein „skupruelloser“ Herrscher, der allerdings sehr geschickt taktiert habe und zu dem es keine „bessere Alternative“ gebe. „Pluralistische Demokraten“ gebe es in Syrien nicht oder die müsste man schon mit einer Lupe suchen.

Lüders Buch ist schon deswegen wertvoll da es sich hunderttausendfach verkaufte und einem Massenpublikum eine andere Sicht auf Syrien und Assad ermöglichte, als man es im Mainstream hörte und täglich im TV und Presse eingehämmert bekam – falls man BILD, SZ, Spiegel, ARD und ZDF glauben schenkt. Die Nahostexpertin der marxistischen Jungen Welt Karin Leukefeld hatte auch ein sehr interessantes Buch über Syrien und den Irak vorgelegt, sowie die Interessen des Westens, Israels und der arabischen Reaktion. Im Gegensatz zu Lüders dürfte es sich aber um keinen Verkaufsschlager gehandelt haben, schon alleine weil Leukefeld kaum den Bekanntheitsgrad von Lüders hat. Das Buch dürfte vielleicht von denjenigen gelesen worden sein die Leukefeld als Stammleser der JW kennen, aber nicht von einem Massenpublikum. Im Gegensatz zu Lüders hat sie aber auch lange Zeit in Syrien gelebt.

Siehe: https://shop.papyrossa.de/epages/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/26606d05-ee0e-4961-b7af-7c5ca222edb7/Products/577-4

Beide – Lüders und Leukefeld – haben bei allen Verdiensten etwa zum Thema Syrien auch analytische Schwächen, etwa bei der Darstellung der Geschichte, religiösen Verwerfungen in Syrien und der Darstellung der Ideologie der regierenden Baath-Partei. Dies kommt bei den beiden Nahostexperten nämlich so gut wie gar nicht vor. Zum einem war Syrien die „Geburtsstätte“ des arabischen Christentums (Nestorianismus), wie auch der historischen Vorläufer des Jihadismus bzw. einer ultrakonservativen Koran-Auslegung im Mittelalter. Syrin ist für radikale Jihadisten, wie auch gemäßigtere sunnitische Islamisten und Konservative das Land in dem die „Ketzerei“ gedieh – sei es über die Alawiten, die schiitische Minderheit, die syrischen Drusen, den syrischen Baath-Nationalismus der sich überkonfessionell gestaltet oder die starken christlichen Minderheiten.

Dabei gibt es in Syrien in Wahrheit ein historisches Zusammenspiel von Christentum und Islam, welches kaum einem bekannt ist. Die „Story“ wird aber nun im Koran erwähnt und zwar wird dort ein „Leherer“ von Mohmmed genannt, ein christlich-nestorianischer Mönch. Die Nestorianer wurden damals vom Katholizismus oder „der“Kirche verkezert“ und verfolgt. Dies ist darum „interessant“, da die Nestorianer die „Trinitätslehre“ ablehnten, so das es heute auch Historiker gibt die meinen Mohammed habe den Islam von christlich-ketzerischen Nestorianismus übernommen.

In „Wahrheit“ ist dies gar nicht „neu“, sondern war in der christlichen Theologie des Mittelalters Grundbestand. Damals wurde behauptet der Islam sei „nur“ eine eine weitere „Verketzerung“ des „ketzerischen“ Christentums. Entsprechende Deutungen finden sich bei vielen großen christlichen Theologen und „Kirchenlehrern“ des Mittelalters. Dies ist auch heute noch der Fachwissenschaft bekannt – aber die liest halt kaum einer. Die islamische Theologie hatte selbst stattdessen behauptet das Christentum sei eine „Verketzerung“ eines „Islams“ vor Mohammed, wobei erst Mohammed wieder als Prophet die „Buchreligion“ auf den einstigen angeblichen „Grund“ gebracht habe. So das pardadoxerweise rein theoretisch selbst unter Salafisten Jesus als „wichtigster Prophet“ neben Mohammed akzeptiert wird – wie als Propheten auch Abraham oder etwas Moses.

Dies ist von selben Vorstellung geprägt, wie die Meinung der US-Neocons im Jahr 2003, die Iraker würden sich wie die Deutschen und Japaner 1945 verhalten und die Besatzung akzeptieren, wobei man dann kapitalistisch prowestliche und pro-US-Staaten aufbauen könnte mit einer „Zivilgesellschaft“. Zurecht meint Lüders, wer so was annahm und annimmt – Irak und Syrien – sei wohl nicht ganz sauber im Dachstübchen. Die US-Besatzungspolitik habe aber die konfessionelle Spaltung im Irak befördert oder erst auf die Agenda gebracht, verstärkt durch eine brachiale neoliberale Agenda. Mithin die „dümmste“ Besatzungspolitik, die man aus Sicht der Besatzer überhaupt machen konnte, mit der Folge das der Irak heute im pro-iranischen Lager gelandet ist. Was zweifelsohne kaum beabsichtigt war, aber sich für Beobachter schon im Vorfeld als Folge abzeichnete.

Beide schreiben etwa gar nichts über die Religion der Alawiten, zu welcher der Assad-Clan gehört. Bei jener handelt es sich um eine Abspaltung der Schiiten, der aber von vielen Sunniten vorgeworfen wird Islam mit Elementen aus Christentums, Heidentum und gar „Hinduismus“ zu vermischen. So kennt man eine „Trinitätslehre“, die Sunniten als „christlich“ verdammen und auch die „Seelenwanderung“ ,die als hinduistisch inspiriert bekrittelt wird so wie eine Naturverbundenheit, die man von Seiten von Sunnis auf das Heidentum rückführt. Radikale Sunniten und auch Konservative glauben deshalb an eine „alawitisch-schiitisch-christliche Verschwörung“ gegen die Sunna. Die Verschwörungstheorie wird historisch gegründet: Mit der Behauptung die Alawiten hätten sich mit den Kreuzrittern vermischt oder der Assad-Clan stamme gar angeblich von „Franken“ ab.

Die Drusen, eine mystische „Geheimreligion“, wird gar von fast allen Muslimen nicht als islamisch betrachtet, obwohl sich die Drusen zum Islam bekennen. Diese kriegerische „Taifa“ (Konfession), die im Libanon noch stärker wie in Syrien ist, wird vor allem von Sunniten durchwegs als eine „unislamische Ketzerei“ verdammt mit der Behauptung in ihr finden sich viele buddhistische, hinduistische und heidnische Aspekte.

Die Christen sind zahlenmäßig die stärkste Minderheit in Syrien, sie sind sogar etwas zahlreicher als die Alawiten. Sie gliedern sich allerdings in zahlreiche Konfessionen: arabisch-katholische, arabisch-orthodoxe, Maronniten, armenische Kirche, Überbleibsel der Nestorianer und Chaldäer sowie andere. Sie gelten allesamt als Stütze des Assad-Systems und sind im syrischen Mittelstand sowie in höheren Bildungsschichten stark vertreten. Assad ist für sie eine Überlebensgarantie. Aus dem Libanon strömten auch zur Unterstützung Milizen der kriegerisch veranlagten Taifa der Maronniten. Zudem bildete die Hezbollah-Miliz, schiitische Islamisten aus dem Libanon die auf Assads-Seite in Syrien kämpfen, auch eine Unterabteilung von christlichen Kämpfern unter dem Logo der Hezbollah.

Die Baath-Ideologie wurde selbst von einem syrischen Chefideologen geprägt, der Christ war, die Rede ist von Michel Aflaqu. Dieser überwarf sich allerdings aus ideologischen Gründen mit dem „alten“ Assad und galt als sozialrevolutionärer Radikaler. In einem Putsch setzte sich die gemäßigtere Linie um den alten Assad durch. Die Vorteile waren auf Seiten von Hafiz Al-Assad, da es sich um einen Militärgeneral handelt, im Gegensatz zu dem radikalen nationalistischen und sozialrevolutionären Christen, der „nur“ ein Intellektueller war.

Die säkulare nationalistische Ideologie der Baath-Partei hinderte diese auch nicht an einem festen Bündnis mit dem iranischen „Gottesstaat“. Das Bündnis ist keineswegs neu, sondern würde schon 1979 gezimmert – unter Khomeini und dem „alten“ Assad. Die ideologischen Unterschiede verschwanden unter den religiösen Verbundenheiten – Alawiten und Schiiten. So das Syrien insbesondere besonders eng mit der Hezbollah-Miliz aus dem Libanon verbunden ist. Diese unterscheidet von sunnitischen Islamisten das Bekenntnis zum „arabischen Nationalismus“ bei gleichzeitigen „Islamismus“ und einer auch christenfreundlichen Haltung. So das die Hezbollah sich mehr den Christen verbunden fühlt als radikalen Sunniten, aber gemäßigte Sunniten in eine arabische Einheit einbezieht.

Die WWG versuchte freilich immer wieder den Krieg in Syrien im eigenen Sinn zu eskalieren über Behauptungen das Assad-Regime habe Giftgas eingesetzt. Das mag mitunter zu Peinlichkeiten führen, da beim einem bekannten Fall ausgerechnet die interventionistische New York Times rechechierte, das bei einem Einsatz, bei dem hunderte Zivilisten starben, ein Nervengas aus Rebellengebiet abgefeuert wurde. Nicht genug: das Gas sei von den Saudis nach Syrien gebracht worden und die hätten es von den USA geliefert bekommen. Damals von Hillary Clinton. Selbst UN-Untersuchungen mussten immerhin zugeben das die behauptete Schuld Assads nur eine „Behauptung“ sei, wofür es keine Beweise gäbe, so das es auch „andere“ Denkmöglichkeiten gäbe. Einen „Beweis“ für einen Giftgaseinsatz durch Assad konnte jedenfalls auch UN-Untersuchungen nicht finden.

In Syrien gingen die USA und der Westen anfangs und noch lange Zeit davon aus das der Sturz des Assad-Regimes nur eine Frage der Zeit sei. Spätestens 2014 wurde aber immer klarer das sich Assad halten wird und seit 2015/2016 schrumpfen die Rebellengebiete immer mehr zusammen. Die westliche Strategie von USA, NATO und EU ist radikal gescheitert. Der vom Westen unterstützte Bürgerkrieg gegen Assad sollte im Nahen Osten eine westlich-imperialistische Ordnung schaffen, was völlig gescheitert ist. Ein Sturz Assads ist unwahrscheinlicher als je, der Einfluss des Iran und Russlands stieg stark an, Katar wurde aus der Koalition der Willigen gebrochen, orientiert sich nun eher in Richtung Iran und die Türkei hat sich vom Westen abgewandt und verhandelt lieber mit Moskau und Teheran. USA und EU sind aus dem Spiel fast völlig raus.

Aber Syrien bleibt natürlich geschwächt: Sei es durch die massive Zerstörung an Infrastruktur und Ökonomie, den Tot von hunderttausenden, die Spaltung im Inneren die noch lange nachwirken wird, den Braindrain und die erzwungene Flucht von Millionen, oder auch das noch längst nicht alle Gebiete wieder unter souveräner Kontriolle des syrischen Staates sind – seien es sunnitische Gebiete im Norden, Wüstenregionen, oder auch kurdische Gebiete.

Geschädigt sind auch die syrischen Projekte der Baath-Ideologie „Großsyrien“ und „Panarabismus“. Diese erfordern eine arabische Einheit wobei sich die „Arabische Liga“ gegen Syrien stellte auf der Seite von Jihadisten und WWG agierte, sich zum Papiertiger der arabischen Reaktion sowie USA, Israel und Menschenrechtsimperialismus machte. Allerdings sind aus der Front wichtige Staaten ausgebrochen – Ägypten, Irak, Libanon. Katar als wichtiger und finanzkräftiger Jihad-Finanzier auch aufgrund des Streites mit den Saudis und Trumps-Parteinnahme für die Saudis. Die Saudis selbst sind kaum noch in der Lage in Syrien Extremisten gewinnbringend zu unterstützen. Sei es durch den Krieg den sie in Jemen nicht gegen die Huthi-Schiiten-Milizen gewinnen können oder jüngst durch schwindende Unterstützung aus den USA – auch wenn Trump ihnen noch die Stange hält.

Lüders sei allerdings gesagt das es unter Assads Vater den Aufstand wohl erst gar nicht gegeben habe, da dieser solche brutal im Keime erstickte, ein „Putschist“ und Militär. während es sich bei Bashar Assad um einen Arzt handelte der eigentlich zuerst gar nicht Politiker werden wollte und sich im Gegensatz zum Vater auch nicht mit Putschen und der brutalen Niederschlagung von Aufständen auskannte.

Beim Libyienkrieg sei es nicht um „Menschenrechte“ gegangen, sondern darum das die „Afrikanische Union“ auf Ideengebung von Gaddafi entstand und dieser bislang (2010) US-Militärstützpunkte in Afrika verhindern konnte. Ein weiterer Grund seien die großen Ölvorkommen in Libyien gewesen, so wie die alte Gegenerschaft zwischen Gaddafi und den USA. Zudem hätten sich die mit dem Westen verbündeteten Milizen bezüglich „Menschenrechte“ viel schlimmer als Gaddafi gebärdet. Der Sturz Gaddafis habe nicht nur Auswirkungen auf Libyien gehabt sondern daraufhin die ganze Sahel-Zone destabilsiert – von Mali, Kamerun, Niger bis hin zum Tschad. Selbst Nigeria, ein Staat mit 150 Millionen Einwohnern, versinkt im Chaos und Bürgerkrieg. Nigeria verfügt im übrigen selbst über große Ölvorkommen und liegt weltweit unter den Top-10 der erdölproduzierenden Länder.

Die angeblichen horenden „Menschenrechtsverletzungen“ des Gaddafi-Regimes können schon deshalb kaum zutreffen weil ein UN-Menschenrechtsbericht, einige Monate vor dem Angriff auf Libyien die dortige Menschenrechtslage als „vorbildlich“ bezeichnete. Diesen hatten auch zahlreiche Weststaaten und EU-Länder mitunterzeichnet. Zahlreiche angebliche „Massaker“ der Gaddafi-Truppen wurden anschließend schlichtwegs erfunden, da Satellitenaufnahmen zeigten das angebliche Angriffe niemals stattgefundeten hatten. Der „Militärchef“ der „Rebellen“ war ein einst von den USA verhafteter Al Kaida-Terrorist, der nun zu den „guten“ gehörte. Der hatte es zum angeblichen „demokratischen Pluralisten“ gebracht, der in britischen Zeitungen „Kolumnen“ schreiben durfte. Er verlangte nun nur eine „Entschuldigung“ von seinen jetzigen US-Verbündeten. Ob sich der CIA aber bei ihm entschuldigte ist zumindest unbekannt.

Natürlich war Gaddafi kein „Held der Menschenrechte“, wenn man nach der westlich-liberalen Auslegung geht. Diese werden vor allem mit Individualrechten und dem verbunden wurden was Gutmenschen „Pluralismus“ und „Zivilgesellschaft“ nennen – was das aber genau sein soll kann keiner definieren, aber als Phrase allemal tauglich. So etwas gibt es aber in den allermeisten Staaten der Welt nicht. Zumeist wird dann „Demokratie“ nach WWG-Diktion über einen „Stimmzettelfetischismus“ (Peter Scholl-Latour) definiert. Den gibt es nun auch in Libyien mit der Wirkung von verschiedenen Pseudoregierungen, einer „Wahl“ bei der die Hälfte wegen „Unzuverlässigkeit“ nicht mitwählen durfte, hunderten Milizen die jeweils ein eigenes Gebiet beherrschen, einem totalen Verfall von wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung, einem Zusammenbruch des einst hoch stehenden Bildungssystems.

Und so ganz nebenbei gab es Progromme an afrikanischen Arbeitern die von Gaddafi Arbeit und Brot bekamen. Freilich wurde der Krieg etwa aus Sicht der deutschen Grünen auch wegen „Antirassismus“ geführt, so das man damals Merkel und Westerwelle auch beschuldigte nicht direkt mitgemacht zu haben – mit Bomben. Zum einem wegen „Menschenrechte“ aber auch wegen Gaddafis „Schutzwall“, der Europa vor afrikanischer Zuwanderung bewahrte. Der Schutzwall fiel, so das sich nun in Libyien die Afrikaner zur Überfahrt sammeln, die aber erst einmal nach Gaddafis Sturz in Libyien tot geschlagen wurden oder man hat ihnen in Internetvideos gleich die Köpfe abgetrennt. Vermutlich steht dies für eine vorbildliche antirassistische Politik.

Gaddafi hatte sich einem „Panafrikanismus“ zugewandt mit der „verrückten“ Meinung die Afrikaner – wozu er auch Nordafrika zählte – sollten sich in Afrika positiv entwickeln ohne Arbeitskräfte und Rohstoffe in Richtung Westen zu exportieren (zu lassen). Das wäre nun zum Nutzen der Afrikaner und auch der Europäer gewesen, was aber scheinbar WWG-Vertreter für gar keine gute Idee hielten.

Bei den Gaddafi vorgeworfenen Verbrechen kam es zum Gegenteil: So gab es keine Angriffe der Gaddafi-Truppen mit Giftgas was von WWG-Kreisen „befürchtet“ wurde, aber es kam zum Einsatz von Giftgas bei der Erstürmung der Gaddafi-Hochburg Bani Walid von Seiten der Rebellen unter Unterstützung der Anti-Gaddafi-Koalition bestehend aus NATO-Staaten und der arabischen Reaktion. Die Tote im Libyienkrieg werden auf etwa 60.000 beziffert, wobei die wenigsten den Gaddafi-Truppen zuzuordnen waren.

Der ehemalige zeitweilige große Erfolge der IS der große Gebiete im Irak und Syrien eroberte, beruhte nach Lüders nicht nur auf eine westliche Zerstörungsvorarbeit die ein Vakum erschuff, sondern auch auf eine Aktraktivität des IS durch eine Mischung aus Postmoderne (Einsatz modernster „Mittel“) bei gleichzeitiger frühmittelalterlicher Ultrareaktion, so das der IS etwa gar „Sport“ unter Todesstrafe stellte – als „antiislamisch“. Das hat auch etwas mit „Prophetie“ zu tun, so das sich der Name des IS-Magazines „Dabik“ auf eine angekündigte Schlacht in einer Sure bezieht, wo von einem „Endkampf“, der den Islam den Sieg bringen werde die Rede ist. Den Muslimen würde eine 42-fache Übermacht gegenüber stehen, so die Prophetie.

Lüders bezeichnet auch nicht ganz zu unrecht den IS als „den Bayern München des Jihad“. Die Attraktivität für den Zufluss an Kämpfern und Sympthisanten bestand ganz einfach im „Erfolg“, als eine Art „Überlabel“, so das auch zahlreiche andere Jihad-Gruppen unter dem „Label“ agierten, weil das Label halt beliebt und bekannt war. So das sich der IS zu einer „Markenbezeichnung“ entwickelte ohne das derjenige, der sich zum IS bekennt, selbst einer IS-„Organisation“ angehören muss. So das sich der IS auch zu fast jeden Anschlag der wo auch immer passiert bekennen kann eben weil der IS und seine „Ideologie“ eine weltweite Marke und eine „Mode“ geworden ist.

Der IS zog selbst den „Bodensatz“ an, im Gegensatz etwa zum „Vorgänger“ Al Kaida, der sich zu nicht unerheblichen Teilen aus studierten rekrutierte. So das man beim IS vor allem Kämpfer mit kaum einer theologischen und sonstigen Bildung findet. Daraus ergibt sich aber auch die „Aktrakivität“, da man nicht mehr „intellektueller“ sein muss, sondern es auch als „Sonderschüler“ ins Paradies schaffen kann.

Besonders verstörend wirkt es in diesem Zusammenhang das es sich beim IS-Handzeichen eigentlich um gar kein islamisches handelt, sondern um ein christliches aus der Zeit von Frühchristentum bis Mittelalter. Dies behauptet jedenfalls ein hochwissenschaftliches Sammelband von Islamwissenschaftlern zum Salafismus, welches im christlichen Herder-Verlag erschien. Einer der Autoren weist daraufhin das sich das Photo, welches sich auf dem Cover des Buchesfindet auf IS-Internetseiten als „Header“ benutzt wird. Nur zeigt dieses, die Hand einer Statute von Kaiser Konstantin dem Großen, den ersten christlichen Kaiser von Rom. Wahrscheinlich werden dies aber die meisten IS-Anhänger kaum wissen, falls es sich nicht gerade um Historiker handelt – was nicht so häufig vorkommen dürfte.

Siehe: https://www.herder.de/religion-spiritualitaet-shop/salafismus-taschenbuch/c-38/p-2851/

Die Al Kaida-Anschläge von Madrid und London machten etwa aus Al Kaida Sicht einen Sinn – da man damit Besatzungsmächte zum Rückzug aus dem Irak zwingen wollte – aber IS-Anschläge lassen keine „Taktik“ und „Sinn“ erkennen. Sie mögen einzig dazu dienen verohte Sympathisanten zu rekrutieren, ohne das aber daunter eine politische Absicht erkennbar sein mag. Ein IS-Experte meint allerdings das die Anschläge darauf aus sein Bodentruppen des Westens in Syrien und im Irak zu provozieren, da dies dem IS mehr Zulauf verschaffen würde. So zumindest die These von Bruno Schirra.

Siehe: https://www.amazon.de/ISIS-globale-Dschihad-Islamische-Terror/dp/3430201934

Zurecht warnt Lüders davor den Islam über einen islamophoben Kamm zu scheren, wie auch alle Islamisten als „barbarische“ Einheit zu begreifen. Anderseits haben aber auch diejenigen recht die sich über den Spruch lustig machen die Köpfungen etwa durch den IS hätten „nichts mit dem Islam“ zu tun – Merkel, Obama bis Linksliberale und viele linke US-Kritiker. Kenner des Koran wissen das der Prophet Mohammed höchst selbst im Koran dutzende Köpfungen gegen „Kritiker“ durchführen ließ. Wie also IS-Köpfungen „nichts“ mit „dem Islam“ zu tun haben sollen bleibt zumindest ein Rätsel. Diese Behauptung ist dann zumindest unlogisch.

So fällt Lüders auch beim „arabischen Frühling“ ein „positives Beispiel“ ein – im Gegensatz zu Libyien, Syrien, Jemen bis Ägypten – und zwar Tunesien, wo laut Lüders durchaus so etwas wie eine „zivilgesellschaftliche Demokratie“ aufgebaut worden sei. Das stimmt nun nur im Vergleich gesehen zu den genannten Ländern, aber nicht wirklich als „positives Beispiel“. So ist die Arbeitslosigkeit, das Wirtschaftswachstum nach dem Sturz des dortigen Autokraten oder Diktators noch einmal radikal eingebrochen, wichtige Politiker wurden bei Anschlägen getötet, in Teilen des Landes herrschen Jihad-Gruppen und aus Tunesien kam aus allen arabischen Ländern der zahlenmäßige größte Zustromm an Jihadisten, die in in Syrien auf Seiten von IS, Al Nusra und anderen Terrorgruppen kämpften.

Das ist ungefähr so als würde man sich darum streiten ob nun der Kosovo, Albanien oder Moldawien jeweils ein „Vorbild“ für eine positive soziale und wirtschaftliche Entwicklung seien. Etwa weil es in Albanien noch etwas besser aussieht wie im Kosovo. Oder man könnte auch behaupten Bulgarien sei ein Vorbild weil dort die Korruption etwas weniger grassiert als in Rumänien.

In Tunesien selbst begann der „arabische Frühling“. Die folgende Parlamentswahl gewann die „Enhada“, ein Ableger der Muslimbürderschaft, dessen Vorsitzender von US.Medien als „einer der weltweit wichtigsten Intellektuellen“ gelobt wurde und es etwa in „Time“ und „Foreign Policy“ zu den 100 wichtigsten Personen der Welt“ gezählt wurde. Warum? Weil sich dieser beeilte neoliberale Wünsche zu erfüllen, wie auch Vorstellungen eines pro-imperialistischen Auslegung Tunesien – dann eben unter Islamisten. Der gescheiterte Ghannouchi versprach zudem Islam und Pluralismus zu verbinden – unter neoliberalen Bedingungen. Trotzdem steigt in Tunesien der Einfluss von Salafisten und Jihadisten, wobei es nicht wie Lüders meint zu einer teilweisen „Einheit“ des politischen Spektrums kam, sondern zu einer Spaltung zwischen säkularen und islamistischen Kräften. Dies ist umso „erstaunlicher“ als das Tunesien als das kulturell verwestlichstete Land Arabiens galt. Das es sich hierbei um einen „Trugschluss“ handelte, darauf hatte schon Scholl-Latour in einem seiner Bücher hingewiesen. Das war aber noch bevor sich die Lage in Tunesien immer mehr ins negative kehrte.

Siehe: https://www.ullstein-buchverlage.de/nc/buch/details/arabiens-stunde-der-wahrheit-9783548374673.html

So kritisiert Lüders auch das Ägypten vom Regen in die Traufe geraten sei durch den „Diktator“ Al Sisi, der die demokratisch gewählten Muslimbrüder gestürzt hatte. Während er bei Assad zurecht einseitige Deutungen ablehnt – die Assad die alleinige Schuld zuweisen – macht genau dies Lüders bei Al Sisi und erwähnt freilich nicht das die Gewalt ebenfalls und wohl gar zuerst von den Muslimbrüdern ausging. Al Sisi ist selbst ein Waffenliferant für Assad, stellte die Kriegsbeteiligung Ägyptens im Jemen längst ein und gewährte hochrangigen Gaddafi-Leuten Zuflucht. Ägypten kooperiert inzwischen eher mit den Russen als mit Washington und der EU, so das Lüders Darstellung Al Sisis als „Vasall“ der USA und Israels eher etwas einseitig sein dürfte. Um einen „neuen Nasser“ handelt es sich allerdings kaum, auch wenn sich Sisi so darstellen möchte.
Der „Putsch“ Al Sisis war wie auch Lüders zugeben muss von einem Volkswillen getragen.

Zum einem waren Millionen Ägypter auf der Straße gegen den Muslimbruder Mursi – viel mehr als damals gegen Mubarak – und zum anderem befanden sich die Zustimmungswerte für Mursi auf einen absoluten Tiefpunkt. Dies hatte reale Gründe: Zum einem wurde der Ruf laut alles sei noch schlimmer wie unter Mubarak und zum anderem kam es zu Übergriffen gegen die christlichen Minderheit, zu einer ausufernden Korruption die sich ihn nichts von Mubarak unterschied und zu einem völligen Zusammenbruch von Wirschaft und Arbeitsmarkt. Mursi hatte sich beeilt zum einem neoliberale IWF-Reformen umzusetzen und sich zum anderem der Kampagne gegen Assad angeschlossen. Ein völliges Versagen Mursis muss aber dann auch Lüders eingestehen.

Lüders geht bei der „Militärdiktatur“ auch von westlichen Voraussetzungen aus, da ihn Ägypten das Militär als das „Rückrat der Nation“ gilt – Mubarak hin oder her. Eine Frage die Lüders nicht stellt ist auch was damals „wirklich“ beim Sturz Mubaraks passierte? Mubarak wurde auf einmal von seinen Ex-Verbündeten USA und EU im Stich gelassen. Das könnte „Gründe“ gehabt haben, so etwa Mubaraks „überraschende“ Hinwendung in Richtung Iran, seine Sympathien für Gaddafi und Assad, sowie seine Weigerung IWF-„Reformen“ umzusetzen. Das ist keine reine „Verschwörungstheorie“, da sich in eine CIA-Schrift einer US-„Farbenrevolution“ rühmt. Man habe die „Aktivisten ausgebildet“. So hatte auch Mubarak in seinen TV-Ansprachen behauptet hinter der Absicht ihn zu stürzen, steckten „antiägyptische Kräfte“ – er nannte explizit USA und Israel.

Ägypten selbst befindet sich in einem „Bürgerkrieg“, wo vor allem auf dem Sinai IS-Terroristen operieren und es immer wieder zu Anschlägen und Massakern in allen Landesteilen auf die christliche Minderheit der Kopten kommt – immerhin an die 10 Prozent. Die Situation erinnert etwas an den Bürgerkrieg in Algerien in den 1990ern – dabei kamen 100.000 Algerier ums Leben. Sowohl Islamisten wie auch Militär und regierungstreue Paramilitärs verübten jeweils erschreckende Massaker an Dorfbewohnern. So weit ist es in Ägypten nun nicht, aber trotzdem sind bereits einige tausende Todesopfer zu beklagen – darunter auch der Anschlag auf eine russische Passagiermaschine voller Touristen, welches wahrscheinlich vom IS-Ableger verübt wurde.

Trotz einiger Teilkritik die man äußern könnte gehört das Buch wohl zu den besten Werken die zum Nahen Osten und die westliche Interventions- und Heuchelpolitik in den letzten Jahren erschienen sind. Lüders rät dem Westen eigene Konzepte nicht auf den Nahen Osten zu übertragen und es den Arabern selbst zu überlassen wie sie sich organisieren wollen. Westliche EInmischungen hätten nur eine Blutspur hinterlassen und seien auch nicht „gut gemeint“ gewesen. So gibt Lüders auch zu bedenken,dass es offenbar auch keine westlich verstandene „Demokratie“ bräuchte und wirtschaftlich zu gesunden – er nennt das Beispiel Chinas. „Aber das sei ein anderes Thema“, so Lüders kurz.

Michael Lüders rechnet auch die Verbrechen der WWG etwa im Irak vor. Durch westliche Kriege und Hungersanktionen seien bis zu zwei Millionen Iraker ums Leben gekommen, darunter über eine halbe Million Kinder. Die Sanktionen hätten auch das irakische Bidlungssystem zum Einsturz gebracht, so betrug die irakische Analaphabetenquote unter Saddam in den 80ern nur 5 Prozent, aber nach Sanktionen und Irakkrieg über 50 Prozent. Ähnliches zeichnet sich nun im „befreiten“ Libyien ab, das unter Gaddafi ein Staat mit für arabische Verhältnisse minimaler Quote an Analphabten war, der geringsten Arbeitslosenrate und WELTWEIT der einzige Staat ohne Schulden. Die Schulden lagen eher in der EU, die sich durch den Angriff von Forderungen befreien konnte.

Die „Manie der Dämonisierung“ von Islamisten wie Hebzollah und Hamas sei im Westen pathologisch, der nicht sehen möchte das beide als Widerstandsgruppen gegen die israelische Besatzungspolitik entstanden sind. Lüders ist kein Antizionist, aber ein Israelkritiker, so das er sich bewusst ist das seine Israelkritik ihm den Vorwurf des angeblichen „Antisemitismus“ durch Zionisten und anderere WWG-Vertreter einbringt. In dem Kapitel „Freibrief für Israel“ hat er sich jedenfalls auf die Seite der Palästinenser gestellt und gegen die israelische Besatzungspolitik die er „kriminell“ nennt, jene sei auch auch auf einen „Ethnozid“ aus und würde von „rechtsextremen israelischen Kreisen“ geführt -die israelische Regierungsparteien. Das reicht schon um Lüders von Broder, Teilen der Linkspartei, über Merkel bis hin zur AfD als angeblichen „Antisemiten“ ins Gerede zu bringen. Der rechtspopopulistische erfolgreiche Buchautor Udo Ulfkotte rechnete Lüders auch in seinen Büchern zu Deutschlands führenden „Antisemiten“ und „Iran-Lobbyisten“. Mit Ulfkotte hat sich Lüders allerdings nie befasst.

Im Gegensatz zu Scholl-Latour glaubt Lüders aber an eine „Lösbarbkeit“ des Konfliktes zwischen Israelis und Palästienensern und eine Zwei-Staaten-Lösung. Da hätte der Altmeister entgegen gehalten das dies aus vielerlei Gründen gar nicht möglich sondern europäischen Wunschvorstellungen entspricht. Erstens ist das palästinensische Territoirum völlig zerfranst aufgrund der israelischen Siedlungen im Westjordanland, so das gar kein zusammenhängendes Gebiet mehr besteht und zweitens beziehen sich beide Seiten auf den „göttlichen Auftrag“, der ihnen jeweils von Seiten Gottes, dass Land zugewiesen habe. Lüders ist ein europäischer Säkularer der diese Verwurzerlung in jahrtausendalten Texten die man als unumstößliche Weisungen Allahs oder Jahwes sieht gar nicht mehr auf den Schirm haben. Der Arafat-freunliche Nahost- und Islamexperte Gerhard Konzelmann hatte sich mit den biblischen und koranischen Wurzeln des Konfliktes profund befasst.

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So meint Lüders es sei ja „Propaganda“ das die Hamas Israel nicht anerkenne, wobei Lüders eine Hamas-Erklärung zitiert, die er so interpretiert als das in jener von der „Anerkennung Israels“ die Rede sei, falls diese einen Palästinenser-Staat akzeptiere. Dies hat eher etwas damit zu tun das Lüders die theologisch-politische Sprache nicht ganz versteht bzw. nach westlich-säkularen Vorstellungen deutet – also nach seinen. In Wahrheit ist nicht die Rede von einer „Anerkennung“ Israels sondern von einer zeitweilen „Hudna“ (Waffenruhe) solange man nicht stark genug sei ein nichtislamisches Staatsgebilde auf muslimischen Gebiet zu unterbinden – dies gelte aber nur taktisch, zeitbebunden. Damit ist aber logischerweise keine „Anerkennung“ gemeint. Mittlerweile hat auch die PLO/Fatah die Anerkennung Israels in den Grenzen von 1967 zurückgenommen. Die isreaelische Regierungspartei, der rechtschauvinistische Likud-Partei, hat selbst auf ihren letzten Parteitagen sich ausdrücklich dazu bekannt, das ein Palästinenser-Staat nicht anzuerkennen sei, auch nicht in einer „Minilösung“.

Israel selbst hat nie präzisiert in welchen Grenzen man bereit wäre einen Palästinenserstaat zu akzeptieren, wohl auch wissend das dieser durch die israelische Siedlungen in Wahrheit unmöglich wurde. Das wussten nicht nur Netanjahu sonder gerade schon der angebliche „Peacenik“ Rabin – der in Wahreit den Siedlungsausbau wie kein anderer forciere, aber den „Friedensnobelpreis“ erhielt. Der steigende Einfluss von chauvinistischen großisraelischen Ultrareligiösen macht es auch fraglich wo Israel seine Grenzen sieht. Jene Kreise, die in fast jeder Regierung vertreten sind, sehen auch Jordanien, den Libanon, Teile Syriens bis hin zu Saudi Arabien als Bestandteile von Großisrael, weil das in der heiligen Schrift stehen soll. Eine „Lösung“ ist nach diesem Maßgaben freilich mehr als eine Wunschvorstellung.

Lüders ist für die Israel und USA-Fans aus allen Spektren schon ein ganz „übler“ Kerl, weil er Hamas und Hezbollah nicht unbedingt als „Terrorgruppen“ bezeichnet, wie auch Scholl-Latour, sondern als „Widerstandsbewegungen“. Was impliziert man wehre sich gegen etwas was Widerstand rechtfertigt – politisch und wohl auch „moralisch“. So bezeichnet er auch die Verurteilung dieser Gruppen in westlichen Medien und Politik als ekelhafte „Scheinmoral“.

Scholl-Latour ging allerdings über persönliche Erfahrungen weiter. So hatte er den Hamas-Chef Scheikh Yassin getroffen – was Lüders nicht tat. Der alte gebrechliche Greis der in einem Rollstuhl saß. wurde später von einer israelischen Rakete getötet. Scholl-Latour schilderte den Hamas-Chefideologen in einem seiner Bücher als islamische Version von „Moses“ mit dem verklärten Blick eines „Heiligen“. Laut Scholl-Latour habe er sich prächtig mit ihm verstanden, aus dem ganzen Textteil geht eine nahezu verklärende Sicht auf Yassin hervor, den Scholl-Latour scheinbar nicht nur überaus sympathisch fand.

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Lüders hat freilich nicht mit „Terroristen“ gesprochen – ganz anders als Scholl-Latour. So hat der etwa mit von Israel gesuchten „Terroristen“ der Al Kassam Bridagen der Hamas gesprochen oder gar mit dem Kommando der Hezbollah das 1983 in Beirut bei einem Anschlag über 300 US-Soldaten tötete. Das war nur wenige Tage vor dem Anschlag. Das es sich Islamisten handelte die dies längst auf dem Schirm hatten konnte er nicht wissen, schilderte diese in seinen Büchern „positiv“. Sie kamen ihn vor wie „mittelalterliche Kreuzfahrer“ unter Schiitismus mit einem „heiligen Auftrag“ und „heilig verklärten Blicken“, aber in den Gedanken „klar“ und „logisch“. Was ein bösemeinender WWG-Vertreter Marke Broder so interpretieren wird, dass Scholl-Latour „Sympathien“ hatte. Dies wird auch schon durch die Scholl-Latour Darstellung „befeuert“ er habe stets ein gemeinsames Photo mit Khomeini vorgezeigt. Daraufhin hin sei er als einer der „ihren“ betrachtet worden – als Christ.

Lüders wird zurecht von Pro-Zionisten als „Feind“ erkannt, weil er zurecht fragt was das soll, von den Palästinensern zu verlangen, man solle die Besatzung „anerkennen“ als etwas „positives“ und „demokratisches“. Auf so etwas seien nicht einmal die alten Kolonialmächte gekommen, weil man sich doch nicht lächerlich machen wollte. Shimon Peres war sich etwa nicht zu schade die Behauptung in den Raum zu stellen, die „gute“ israelische Besatzung schaffe ihn Gaza ein „arabisches Shanghai“. Nur das in Shangai nicht 80 Prozent arbeitslos sind – wegen Besatzungsdikat – sondern es sich um das Gebiet mit dem weltweit höchsten Pro-Kopf-Einkommen handelt. Auch wird Shanghai von niemanden bombardiert und stranguliert.

Verfasser: Sozrev

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