Besprechung: Deutsche Frauen

In der aktuellen Compact Sonderausgabe Geschichte geht es um deutsche Frauen. Das komplette Heft mit mehr als 80 Seiten hat der Historiker Jan von Flocken verfasst, Autor von mehr als einem dutzend Büchern zu historischen Themen. Jan von Flocken hatte auch schon die Ausgaben „1000 Jahre Deutsches Reich“, „Deutsche Helden“ und „Mythisches Deutschland“ für Compact Geschichte verantwortet.

Siehe: https://www.compact-online.de/feministinnen-aufgepasst-hier-kommen-deutsche-frauen/

und https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_von_Flocken

So viel sei schon mal verraten: Um Angela Merkel, die neue CDU-Chefin „AKK“, Claudia Roth und Katja Kipping geht es nicht. Sondern um berühmte Frauen aus der deutschen Geschichte – von der germanischen Antike bis hin ins 20. Jahrhundert. Auf dem Cover posiert freilich eine die wie eine echte „Germanin“ aussieht. Dazu auch noch mit Schwert und Rüstung. In Compact steht auch noch was zum Covergirl – Namens Schnellhase – mit dem Hinweis die habe man „stundenlang photographiert“. Wahrscheinlich durch Compact-Männer! Kleine erotische Phantasien seien ja auch der Compact-Redaktion gestattet.

Die behandelten Frauengestalten reichen geschichtlich von kurz nach Christi Geburt (Tusnelda) bis Romy Schneider (gestorben 1982). „NS heute“ wird wohl kritisieren das Eva Braun nicht vorkam, dafür aber Leni Riefenstahl, der ein geheimes angebliches Verhältnis mit dem Dolf unterstellt wurde und Goebbels abgewiesen hatte. Allerdings könnten dann auch Altkommunisten kritisieren das Margot und Rosa nicht vorkamen. Bei denen wird es sich dann aber um Politikerin gehandelt haben – im Gegensatz zu der unpolitischen Eva Braun.

Die später zuerst geschasste Riefenstahl kam später vor allem im Ausland wieder zu Ehren als Dokumentarfilmerin unter anderem mit ihren Bildern über den Stamm der Nuba im Sudan. Bekannt wurde diese als höchst rüstige Dame noch eimal mit ihren Taucherfilmen. Noch als 94-jährige fotografierte sie Haie vor der Küste Costa Ricas.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Leni_Riefenstahl

Riefenstahl kennen auch heute noch Fans von harter Metal und Rockmusik. Wohl vor allem über ein Video von Rammstein. Die harte Band, die höchst umstritten ist, sieht sich selbst eher als „links und patriotisch“.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=8QtW1U-oq2M

Aus der Zeit des 3. Reiches kommt auch noch eine weitere Frau vor. Die tollkühne Fliegerin Elly Beinhorn (Geboren 1907). Sie flog in den 1930er mit Messerschmidt-Flugzeugen und der ME 108 nach Istanbul, Kairo und Damaskus. Ihr Rekord lautete 3500 Kilometer in 13 Stunden. Eine Kriegsfliegerin war die tollkühne Dame allerdings nicht, anders als Melitta Gräfin von Stauffenberg (Eisernes Kreuz), Beate Uhse oder die berühmte Hanna Reitsch.

Reitsch kommt allerdings ganz kurz vor, wo auf Seite 81 kurz „andere Frauen“ erwähnt werden die man nicht ausführlich behandelt hatte – neben Reitsch, etwa Elisabeth von Österreich, Bertha von Suttner, Bertha Benz oder die DDR-„Prinzessin“ Katarina Witt. So erfährt man zu Reitsch immerhin sie sei die einzige Frau gewesen, der man das Eiserne Kreuz erster Klasse verliehen habe.

Biographen wissen natürlich das Reitsch vergeblich Hitler anbot sie würde ihn per Flugzeug aus Berlin ausfliegen – eine Woche vor dem Suizid im Bunker. Die Verschwörungstheorie und angeblich auch Stalin sollen dies aber geglaubt haben – also Reitsch habe den „Führer“ angeblich doch ausgeflogen. Noch immer wird dieser Mythos etwa in deutschen TV-Dokus verbreitet – etwa auf n-tv.

Mehr oder weniger ist das Spezial im großen und ganzen aber frei von ideologischen Zuordnungen. So das sich hier Monarchistinnen, linke Pazifistinnen, Politische und Unpolitische, Sozialreformerinnen und eher reaktionäre Damen finden lassen. Dichterinnen, Königinnen, Mahlerinnen, Kriegerinnen, Preußinnen und Östereicherinnen, christliche Mysterikerinen und solche die als angebliche „Ketzerinnen“ verbrannt wurden.

Das mag auch an dem Historiker von Flocken liegen der in der DDR als Redakteur bei der Tageszeitung „Der Morgen“ anfing und schon damals Bücher zur Geschichte Preußens heraus brachte. Nach der „Wende“ war er bei der Morgenpost und dem Focus. Seit 2005 freier Autor und seit 2012 regelmäßiger Compact-Autor. So das er alles mitgemacht hat: Vom DDR-Sozialismus über bürgerliche Mitte bis nun souveränistisch und wohl „rechts“. Um einen „Fachhistoriker“ bezüglich eines Themas handelt es sich weniger, sondern um einen der zu allen möglichen schreibt und schrieb: Von Preußens- und Deutschlands-Geschichte bis hin zu Abraham Lincoln, die Tempelritter oder Pearl Harbor – jeweils in Buchform. In einem Sammelwerk reicht das Spektrum etwa von Alexander den Großen bis Erwin Rommel.

Das Compact-Spezial behandelt dabei solche Frauen wie Roswitha Gandersheim, die erste deutsche Dichterin, die christliche Mysterikin Hildegard von Bingen. Katharina von Bora die starke Frau an der Seite Martin Luthers, Margaretha von Parma, die sich schützend vor einem Aufstand von Flandern gegen die Krone Spaniens stellte und zwischen „Volk und Krone“ tendierte.
Dann haben wir da auch Liselotte von der Pfalz, die sich gegen die Dekandenz des Hofes des „Sonnenkönigs“ aussprach oder Maria Sibylla Merian, eine berühmte Naturforscherin. Es geht natürlich auch um die ganz Großen, so etwa um Katharina die Große, die aus dem Hause Zerbst stammte und es bis zur Zarin Russlands brachte. Vielleicht die berühmteste historische Frauengestalt neben Kleopatra. Jan von Flocken hatte auch eine Biographie über die Katharina die Große geschrieben, so das er sich in dem Beitrag gegen deren Diffamierung wehrt. Über jene sei „viel Unsinn“ verbreitet worden.

Dies mag sein. Die unsinnigste Story war sicherlich die Behauptung sie habe mit ihrem Pferd „kopuliert“. Ähnliche historisch fragwürdige Geschichten gibt es auch über die angeblichen „Bösewichte“ Nero oder Caligula. Viele heutige Historiker meinen bei jenen das nun das Negativimage eher „Unsinn“ sei. Weder seien beide „verrückt“ gewesen, noch hätten die Pferde in Regierungsämter gehoben und wahrscheinlich auch nicht Frauen und Mütter umgebracht oder Rom angezündet. Mehr oder weniger haben wir es hier mit „Revisionismus“ zu tun, da eben etwa Nero-Biographen meinen der böse Nero sei vielleicht einer der am wenigsten verbrecherischen Kaiser gewesen.

Auch der Autor recht das sie in Kriegsführung und Kultur erfolgreich war. Eine sonderlich hübsche Frau war sie aber nicht, wie vielleicht einige meinen mögen. Eine Catherine Zeta-Jones war sie nun nicht ganz.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=KWY3dfp1RH8

Der Compact-Historiker behandelt Katharina die Große jedenfalls unter dem Thema „Reformerin auf dem Zarenthron“. So meint der Historiker Katharina die Große sei zugleich zwischen Reaktion und Aufklärung befangen gewesen. Zwei Herzen hätten bei jener gewirkt. Jedenfalls hat die kluge Taktikerin Russland vor dem Untergang gerettet, der Russland unter dem Schwachsinnigen Zar Peter drohte – der am liebsten mit Kinderspielzeug spielte und Ratten per Tribunal zum Tode verurteilte.
Jedenfalls kam sie durch einen Putsch an die Macht, wo der Zar von seiner Wachmannschaft ermordet wirde. Danach hatte sie das feudale Russland zumindest „modernisiert“, ohne aber das System logischerweise in Frage zu stellen. In Zeiten wo noch niemand in Russland an Revolution dachte war das zumindest ein gewisser Fortschritt. Nicht einmal an eine bürgerliche. Zu bedenken ist das sie bis 1796 wirkte.

Gegen Anwürfe möchte jener auch Marie Antoinette verteidigen, eigentlich Maria Antonia von Österreich-Lothringen. Deren Negativimage beruhe auf einer antideutschen-fremdenfeindlichen Gesinnung und dem Umstand das man aus ihren aus einen „Sündenbock“ machte. So zitiert er auch lächerliche Vorwürfe gegen die „(deutsch)österreichische Hure“. Sie habe sich mit Dämonen und Teufeln „vermischt“. Sie sei „fremd, unverstand und gehasst“ gewesen. Ihr berühmter Ausspruch „wenn die Leute kein Brot haben, sollen sie Kuchen essen“, sei frei erfunden. Vom Prunk habe sie auch nicht so viel gehalten, sondern sich durch diesen eingeengt gefühlt und eher bürgerlich gelebt.

Jedenfalls kam es zu Grausamkeiten: Ihr 10-jähriger Sohn wurde zu Tode gefoltert. Ein anderer Sohn wurde betrunken gemacht und gezwungen die Mutter des sexuellen Missbrauchs zu beschuldigen – unter Mithilfe von Prügel. Man schnitt ihre Haare ab und köpfte sie. So das man wohl bei der berechtigten Revolution den falschen Sündenbock suchte und auch fand.
Weitere Texte befassen sich etwa mit Königin Luise von Preußen die Napoleon Parole bot und Eleonore Prohaska, die unter „Unsere Jeanne d´Arc“ behandelt wird. Diese führte todesmutig im Befreiungskampf gegen Napoleon die Lützowschen Freikorps an und trug die Fahne. Sie verkleidete sich als „Mann“. „Lützows wilde, verwegene Jagd“. Sie wurde auf dem Schlachtfeld zum Offizier befördert und erhielt das Eiserne Kreuz. Sie stirbt schwer verwundet im Alter von gerade einmal 28 Jahren.

Auch behandelt man die Schriftstellerin und Sozialreformerin Bettina von Arnim, sowie die Gemahlin von Kaiser Wilhelm II – Auguste Viktoria. Die Kaisergemahlin habe in guten wie in schlechten Zeiten dem Kaiser wie auch politische Treue gehalten. Sie habe auch den Kaiser zu sozialen Reformen gemahnt – aber hier wohl eher kaum erfolgreich. Die Kaiserin starb 1921. Zur Beerdigung kamen 200.000 Trauergäste. Trotz des Exils konnte sie in Potsam zu Grabe getragen werden.

Ein würdiges Gedenken ist auch den Trümmerfrauen über 4-Seiten gesetzt worden mit einem Verweis auf deren heutige Diffamierung im Mainstream. Den Abschluss bildet ein eher unpolitisches Thema und zwar Deutschlands vielleicht größte Schauspieler-Ikone – Romy Schneider. Die Reduzierung auf die zwar erfolgreichen aber trivialen und kitschigen „Sissi-Filme“ entsprechen gar nicht ihrem Oevre. Daneben hat sie vor allem in anspruchsvollen und auch „kritischen“ Filmen gespielt. Unter Kennern gelten etwa „Ludwig II“ und das „Mädchen und der Komissar“ als Meisterwerke.

Jüngst sorgte ein neuer Romy Schneider Film für Aufsehen. Jener bezieht sich auf eine Doku in den letzten Monaten des Lebens von Romy Schneider. Der neue Film wurde mit Preisen überhäuft. Gegen jenen verwehrte sich aber ein Ex-Mann von Schneider, der scheinbar das „Sissi-Image“ erhalten wollte.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/3_Tage_in_Quiberon

Im großen und ganzen hat der Historiker Jan von Flocken ein überaus interessantes Werk zusammen gestellt das sowohl Frauengestalten behandelt die zumindest dem Namen nach auch Laien bekannt sind wie auch solche Frauen die eher bislang nur „Insider“ oder weitläufig historisch interessierte kannten.

Etwas „Kritik“ darf aber auch sein. So kündigte Compact als nächstes Spezial zu Geschichte ein Heft Namens „Panzerschlachten“ an. Dieses dürfte aber eher Rechte interessieren die irgendwo um 1955 verweilen – als die Memoiren von Generälen und Dabeigewesenen erschienen. Da kann man freilich geteilter Meinung sein, aber tausend Jahre deutsche Geschichte, deutsche Nationalhelden und mythische Orte deutscher Geschichte sowie deutsche Frauen werden historisch vielleicht interessanter sein.

Freilich war etwa jüngst in Russland ein Film über eine Panzerschlacht in den Kinos ein Renner. Ein Heldenepos über die Sowjetarmee. Den Film gibt es freilich mittlerweile auch auf deutsch, auf einer DVD. Freilich dürfte es in diesem Spezial nicht nur um Wehrmachtspanzer gehen, sondern auch um Pathon und „Israel-Rommel“ – den wie eine Fantasy-Gestalt aussehenden Augenklappenträger Dayan.

Verfasser: Sozrev

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