„Nürnberger Nachrichten“: Noch weniger Inhalt

Neulich erreichte mich ein Bettelbrief der „Nürnberger Nachrichten“. Diese Postwurfsendung ging wohl an viele Haushalte im Stadtgebiet. Die Bürger sollen eine zweiwöchige Leseprobe bestellen und sich dann möglichst für ein Abo entscheiden. Der Anlaß: die NN feiern dieser Tage ihr neues Erscheinungsbild bzw. Layout. Übersichtlicher scheint diese Zeitung geworden zu sein – auch deshalb, weil der Inhalt nun noch mehr ausgedünnt wurde. Das Schriftbild ist größer als zuvor, genauso auch der Zeilendurchschuß.

Die NN sind also luftiger geworden. Weniger Inhalt bedeutet auch weniger Personal. Redakteurs- und andere Stellen können wegrationalisiert werden. Der Verlag, in dem die NN erscheinen, reagiert somit auf die über Jahre anhaltenden Abbestellungen bei den Abonnenten, den geringeren Verkaufszahlen im Zeitungständer und dem Rückzug von Anzeigenkunden.

Vollmunding behaupten Redaktion und Verlag, daß die NN wegen ihrer fundierten Recherche und sachlichen Information gebraucht würden. Dies ist aber ein Trugschluß. Machen wird dies an zwei Beispielen fest:

Die NN sind ein linksliberales, der Sozialdemokratie zugewandtes Blatt. Die Kommentarspalten sind entsprechend ausgerichtet. Dies soll hier nicht kritisiert werden. Der Tendenzpresse steht es zu, sich und ihre Redakteure und Kommentatoren per Tendenzschutz auf ihre jeweilige Blattlinie zu verpflichten. Bedenklich unter dem Gesichtspunkt des journalistischen Berufsethos wird es allerdings dann, wenn nicht einmal die Informationsflicht erfüllt wird. Wenn gar nicht über den eventuell zu kritisierenden Gegenstand bzw. den Meinungsgegner sachlich berichtet wird. So findet sich in den NN keine Zeile darüber, was beispielsweise die AfD europapolitisch vertritt, es wird zwar – gerade jetzt vor den Europawahlen – viel in Kommentaren und „Berichten“ über „Europa-Gegner“ und „Europa-Feinde“ hergezogen, aber überhaupt nicht erklärt, wie diese Kräfte sich selbst europapolitisch verorten.

Daß beispielsweise Jörg Meuthen, der für die AfD im Europaparlament sitzt, einen europäischen Staatenbund mit Freihandelszone befürwortet, aber einen europäischen Bundesstaat eben ablehnt – wie auch weite Teile der Bevölkerungen in den EU-Ländern einen solchen ablehnen -, dies erfährt man in den NN nicht, dafür aber bei Sandra Maischberger in der ARD, auch nur kurz, weil man Meuthen dort kaum ausreden läßt.

Siehe hierzu ab Minute 105:

Aber in den NN kommen Meuthen und die AfD überhaupt nicht zu Wort, weder als Interviewpartner, noch in den „Berichten“. Zitiert werden darin allenfalls aus dem Zusammenhang gerissene oder auch tatsächlich negativ wirkende Zitate von Höcke und Gauland. Allerdings wäre auch der „Vogelschiß“ von Gauland einmal ein Thema ernsthafter Erörterung und nicht bloß der moralischen gutmenschlichen Empörung.

Anderes Beispiel: Als die linke Bewegung „Aufstehen“ aufkam, wurde in den NN auf die inhaltlichen Positionen derselben nicht eingegangen, allenfalls das scheinbar charakterlich unzuverlässige Charakterbild Oskar Lafontaines, der immer davonlaufe, wenn es darauf ankomme und ähnliche persönliche Vorwürfe – „Spaltung“ des linken Spektrums – sind die Themen in den NN. Nicht einmal die im Internet vorliegenden Positionen von „Aufstehen“ werden in den NN vorgestellt und kritisiert. Dann ist es doch sinnvoller, die NN nicht zu abonnieren, sondern sich gleich im Internet über die AfD und über „Aufstehen“ eine eigene Meinung zu bilden. Dafür brauchen wir nicht die Brille der NN-Redaktion! Und daß auch noch Wälder gerodet werden, damit solche Zeitungen gedruckt werden; womit die Klimaschutzziele in immer weitere Ferne rücken.

Siehe auch:

http://www.nordbayern.de

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:

Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.

Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 9,80 Euro.

Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 9,80 Euro.

Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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