Ibizagate und viele Fragen

Nicht nur das im Video Dargebotene, auch die Art der Informationsbeschaffung ist selbstverständlich eine echte Schweinerei, die jetzt von den Gegnern der Freiheitlichen auch noch mit Häme und Heuchelei garniert wird. Nun stellen sich im Zusammenhang mit Ibizagate gleich mehrere Fragen, darunter natürlich jene nach den Hintermännern. Der Reihe nach also:

Wie konnte es sein, dass Johann Gudenus nicht von Anbeginn seines Treffens mit besagtem Lockvogel daran dachte, sich bei seinen russischen Bekannten oder Freunden nähere Informationen zu der Person zu beschaffen? Und mit Sicherheit hätte diese Information auch ein in Wien akkreditierter, dem Politiker nahestehender russischer Journalist besorgen können. Und darüber hinaus: warum haben die beiden Politiker nicht vorher genauere Erkundigungen über die Villa eingezogen?

Als Spitzenpolitiker im Ausland in ein fremdes Haus eingeladen zu werden, sollte, abgesehen von allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen, normalerweise auch zu gewissen sonstigen Vorsichtsmaßnahmen führen. Mit einem entsprechend ausgerüsteten Mobiltelefon oder einem Wanzendetektor, ist ab fünfzig Euro zu haben, hätte man elektronische Störquellen in dem einen oder anderen Raum sofort ausfindig machen können.

Wie kann man es sich erklären, dass HC Strache von seinen zionistischen Freunden, etwa von dem heuer verstorbeen Eichmann-Jäger Eitan, nicht vorgewarnt wurde? Die mussten es ja im Vorfeld schon gewußt haben. Spätestens aber, als das Video schon einigen Leuten bekannt gewesen sein soll. Also, warum nicht auch dem bestens informierten israelischen Geheimdienst? Sollte der zum Philosemiten bekehrte Vizekanzler trotz allem plötzlich fallen gelassen worden sein, und aus welchem Grund? Auch denkbar: Die Parteispitze wußte vielleicht doch schon des längeren von der Existenz dieses Videos und verblieb aber in Schockstarre.

Schließlich: wer könnte dahinterstecken? Da bieten sich gleich mehrere Verdächtige an, wobei Auftraggeber und Ausführende wohl kaum deckungsgleich sein müssen. In zwangloser Reihenfolge etwa: Die Sozialdemokratie, die spätestens seit Waldheim in „Dirty Campaigning“ Erfahrung hat; Jan Böhmermann und das ihm nahestehende „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS) aggressiver Aktionskünstler, Georg Soros und die Initiatoren des Migrationspaktes; Brüssel, um den EU-kritischen Rechtspopulisten vor den Wahlen zu schaden; Vertreter der Globalisierung und Gegner eines russischen Einflusses ganz allgemein; nicht zuletzt, ja, warum nicht? der Mossad oder ein anderer Geheimdienst.

Der Austritt von Johann Gudenus aus der Freiheitlichen Partei könnte ein Indiz dafür sein, dass noch Dickes kommen könnte, vielleicht auch für einen uneinsichtig scheinenden Strache, der sich, bestärkt durch seine unmittelbare Umgebung, angeblich noch glaubwürdig für das Amt eines Wiener Stadtoberhauptes wähnt. Ob der zwar ehrgeizige und gelegentlich sich selbst überschätzende Norbert Hofer, der aus besonderen Gründen auch nicht mehr das uneingeschränkte Vertrauen von allen Teilen der Partei und deren Vorfeldorganisationen genießt, die Partei wieder nach ganz vorne bringen kann, wird sich erst zeigen müssen.

Zu den Geschädigten dieses Skandals zählen aber nicht nur die Freiheitlichen Partei, das Ansehen Österreichs und das zarte Pflänzchen Demokratie, sondern vor allem auch die Privatsphäre des Einzelnen. Ibizagate steht eben auch dafür, dass der gläserne Bürger bereits Wirklichkeit geworden ist.

Helmut Müller

Quelle

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