SdV und Umweltpolitik

Als ich mir im Jahr 2007 Gedanken machte, mit Kameraden die „Sache des Volkes 2.0“ zu gründen, was dann 2008 auch verwirklicht wurde, hatte ich, hatten wir nicht den Anspruch, unser inhaltliches Profil genau an dem der ersten SdV der Siebziger und Achtziger Jahre auszurichten, obwohl unser Name sicherlich nicht zufällig, sondern wegen der großen inhaltlichen Schnittmenge, gewählt wurde.

Neulich las ich wieder einmal in den Bänden der „Jungen Kritik“, in denen damals, ab 1970, und nach wie vor wichtige Autoren wie Henning Eichberg und Lothar Penz unter Pseudonymen veröffentlichten. Gerade die Beiträge von Hartwig Singer (Henning Eichberg) zeigen mir, daß dieser einerseits eine sozialrevolutionäre Ausrichtung vertrat, wie sie heute Sozrev und ich bei der „SdV 2.0“ verfechten. Andererseits argumentierte Eichberg strikt fortschrittsorientiert, bezog sich intensiv auf Naturwissenschaften, Biologie, Genetik, Verhaltensforschung und Empirie, wie dies Jahrezehnte später auf Martin Laus zutrifft, der sich allerdings in der Wirtschaftspolitik auf eine nationalstaatlich gelenkte soziale Marktwirtschaft kapriziert.

Aus der damaligen Blockkonfrontation und Teilung Europas und vor allem Deutschlands ist es erklärbar, daß sich Eichberg und andere vom Nationalstaatsdenken – und vor allem von der Schaffung eines starken deutschen Nationalstaats, der Mißtrauen bei anderen Nationen weckt – weg zu einem „Europäischen Nationalismus“ hin bewegten, den seit Jahren auch der Franzose Alain de Benoist und neuerdings der deutsche Neue Rechte Benedikt Kaiser verfechten. Die „SdV 2.0“, dies ist kein Geheimnis, vertritt hierbei die klassische nationalstaatliche Position, gegen einen europäischen Bundesstaat, aber sehr wohl für eine enge Zusammenarbeit der Europäer in einem europäischen Staatenbund.

Übrigens, die Nummerierung „SdV 2.0“ erscheint mir sinnvoll, auch wenn es, dies soll nicht unterschlagen werden, in den Neunziger Jahren einen kaum prägenden (Klein-) Versuch des NPD-Studentenbundes NHB gegeben hatte, unter dem „Label“ „SdV“ aktiv zu werden. Dieser Versuch ist aber rasch wieder eingeschlafen. Unsere „SdV 2.0“ hingegen gibt es jetzt schon elf Jahre. Wir haben seit gut neun Jahren eine Internetseite, führten zahlreiche Arbeitstagungen und Seminare durch. Die Nürnberger SdV-Gruppe trifft sich zweiwöchentlich. Flugblattaktionen mit Bündnispartner wurden vor Jahren realisiert.

Es versteht sich von selbst, daß die „SdV 2.0“ mit den Inhalten Henning Eichbergs der 1970er und der 1980er Jahre in weitgehender Übereinstimmung steht, aber sicherlich nicht mit dem Eichberg der 1990er Jahre bis hin zu seinem Tod. Dieses Thema soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden.

Siehe hierzu:

https://sachedesvolkes.wordpress.com/2018/03/15/henning-eichberg-zwischen-nationalrevolution-und-reformismus/

Wenn ich die zurückliegenden elf Jahre rekapituliere, dann muß ich allerdings ein inhaltliches Defizit bei unserer neuen SdV ausmachen. Der Naturschutz, die Umweltpolitik kommen bei uns viel zu kurz. Dieses Themenspektrum hatte bei Eichberg und anderen damals einen viel höheren Stellenwert.

Womit hängt dies zusammen? Ganz einfach damit, daß Publizisten gerne über das schreiben, worin sie sich glauben auszukennen. Das ist bei uns auch nicht anders.

Ich bin immer wieder erstaunt, wie gerade heute studierte Philosophen wie Robert Habeck (Grüne) zu absoluten Tatsachenaussachen beispielsweise in der Klimapolitik kommen. In mir kommt da zugegebenermaßen immer Neid auf, da ich mich demutsvoll mehr an Cicero und Sokrates orientiere: „Ich weiß, daß ich nichts weiß“.

Aber auch wenn man über die Klimapolitik als Geisteswissenschaftler wenig weiß, kann man sich aber nicht auf das Nichtwissen zurückziehen, sondern muß sich eben mit Wahrscheinlichkeitsaussagen und Arbeitshypothesen begnügen, solange uns nicht bessere Argumente überzeugen.

Unser mitteleuropäisches Klima hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert bzw. erwärmt. In meiner Kindheit, die ich im unterfränkischen Teil des Odenwaldes verbrachte, konnten wir dort in den Wintern von den Hängen mit den Skiern hinabfahren, wir waren mit Langlaufskiern rund um die Höhengemeinden unterwegs und spielten im Amorbacher Seegarten auf dem See Eishockey. Das ist alles vorbei. Bei uns gibt es heute in den Wintern wenig Schnee und Eis, sicherlich auch bedingt durch das relativ milde Klima, das vom Mittel- und Oberrhein her zu uns kommt. Aber, wie gesagt, früher gab es auch bei uns mehr Schnee und Eis.

Den See des Seegartens sieht man gleich in der ersten Sequenz:

Die Klimaänderung scheint also stattzufinden. – Ob diese vom Menschen gemacht wurde, wie die Grünen und Friday-for-Future-Aktivisten behaupten, oder nur zyklisch zu erklären ist, wie dies die AfD und „Compact“ behaupten, sei einmal hingestellt.

Die SdV wird hierbei eine eigene, vernünftige Position, deutlich zu machen haben. Das heißt, Klimaziele mit aller Gewalt zu erreichen, aber an den sozialen Problemen der deutschen Unter- und Mittelschichten vorbei, ist für uns nicht akzeptabel. In diesem Punkt stimmen wir eher mit Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht überein.

Auf der anderen Seite ist es nicht entscheidend, wenn nonkonforme Wissenschaftler beweisen könnten, daß der Klimawandel nicht vom Menschen verursacht wäre. Schließlich ist der CO2-Ausstoß – gerade in unseren Ballungszentren wie Stuttgart – vor allem im Winter (Smog) kein Thema, das man wie die AfD und Jürgen Elsässer einfach so bedenkenlos zur Seite schieben könnte. Die Verringerung von CO2-Emissionen ist grundsätzlich ein sinnvolles Ziel.

Dies einerseits, aber andererseits beinhaltet nahezu jede Energieform Schwächen und Risiken. Das Elektroauto ist sicherlich eine sinnvolle Ergänzung zum Verbrennungsmotor-PKW (auch bei Bussen im Nahverkehr), aber nicht das unbedenkliche Allheilmittel im Verkehr. Das Stromaufladen für weite Fahrstrecken ist ein logistisches Problem, ein anderes, noch viel gravierenderes die Lithiumgewinnung in Südamerika, die zur Herstellung der Batterien notwendig ist. Wodurch aber dort, weit weg aus den Augen der deutschen und schwedischen Gutmenschen, das Grundwasser abgesenkt und die Landwirtschaft zerstört wird.

Siehe hierzu:

Neulich saß ich in einer Bierkneipe in Pilsen. Dort kam ich mit einem Tschechen ins Gespräch, der süffisant meinte, daß sein Land an Deutschland und Österreich viel Atomstrom verkaufe, also in Länder, die sich damit brüsten, daß sie die gefährliche Atomenergie meiden. Wir waren uns sofort darin einig, daß dies Heuchelei sei. Für den Ausstieg aus der Atomkraft gibt es gute Gründe – die Gefahren des Betriebs und der Endlagerung -, aber es ist schon ein Armutszeugnis für eine führende Industrienation wie Deutschland, daß man kein überzeugendes Gesamtkonzept in der Energiepolitik hat, das sowohl ökologischen, als auch wirtschaftlichen und sozialen Anforderungen gerecht wird.

Das Erstarken der AfD in Mitteldeutschland geht auch darauf zurück, daß die Menschen dort, die in der Braunkohlengewinnung arbeiten, sich vom Grünen-Hype bedroht sehen. Auch hierbei gibt es kein Entweder-Oder, sondern nur ein Sowohl-Als-Auch. Daß man mit Kohle heizt und aus Kohle umständlich Strom gewinnt, ist sicherlich für eine grüne Klimapolitik abträglich. Von den Eingriffen in die Landschaft ganz zu schweigen (auch wenn die wieder später rekonstruiert wird), Darüber gehen AfD und Jürgen Elsässer einfach so hinweg. Auf der anderen Seite sind Stein- und Braunkohle durchaus nationale Energiereserven, was für das Gebot nationaler Souveränität nicht unerheblich ist. Zudem ergibt es ökologisch keinen moralischen Zugewinn, neben Atomstrom auch noch Kohlestrom aus dem Ausland einzukaufen,

Genauso zeugt es von dümmlicher internationaler Arbeitsteilung, wenn wir Deutschen weiterhin Autos – ob mit Elektro oder mit Verbrennungsmotor -, Maschinen und chemische Erzeugnisse herstellen und als Exportweltmeister in alle Welt verkaufen, während die Südamerikaner und Sibirier mittels ihrer Wälder gefälligst auch unseren Sauerstoff zu produzieren haben.

Schließlich basiert gerade auch unsere Kultur als deutsche Industrienation auf Rodungen. Man muß nur mal nach Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt fahren, wo man feststellen kann, wie viele Gemeinden es dort mit der Endung „Roda“ gibt. Schnellroda ist nur ein prominentes Beispiel.

Siehe hierzu:

https://de.wikipedia.org/wiki/-roda

Auch in meiner odenwäldischen Heimat sind die Täler gerodet, die oberen Hänge dicht bewaldet. Die Flächen auf den Bergenkuppen, wo sich die Höhengemeinden befinden, sind wiederum gerodet. Irgendwo müssen ja auch unsere deutschen Menschen in Häusern wohnen, arbeiten, Nahrungsmittel erzeugen, in Handwerk und Industrie produzieren und sich auf Verkehrswegen bewegen. Können wir das den Brasilianern und Sibiriern, in denen unsere Gutmenschen die neuen „Barbaren“ und „Untermenschen“ zu sehen scheinen, verwehren? Wollen wir Bolsonaro den Krieg erklären, damit er nicht weiter Wälder anzünden läßt.

Die Kritik an dem brasilianischen Präsidenten ist berechtigt, aber die Sache hat auch zwei Seiten. Wer nicht ausreichend industrialisiert ist – wie auch das ölreiche Venezuela -, macht halt um so mehr Geschäfte mit Rohstoffen – mit Öl, Gas, Lithium, Holz usw. -, wir Deutschen können diesbezüglich leicht daherreden, weil wir wenige Rohstoffe habe, weshalb auch bei uns seit Jahrhunderten mehr die technische Intelligenz gefördert wird.

Es ist falsch und opportunistisch, wenn AfD und „Compact“ die Umweltpolitik links liegen lassen, sich aus reinem Vermarktungskalkül bei Spender-, Wähler- und Abonnentenmaximierung als „Anti-Grüne“ profilieren. Dies ist auch nicht schwer, weil die „Kinderkreuzzugs“-Mentalität des Friday-for-Future-Hypes vielen bei uns gewaltig auf den Sack geht. Als ich 1990 die USA vier Wochen lang bereiste, konnte ich es mit leider nicht leisten, mir zur Überquerung des Atlantiks ein Segelboot mit samt zwei Segelexperten zu mieten. Das kann man nur finanzieren, wenn der Papi eine große Spendensammelaktion über die Medien anleiert.

Die SdV wird also den notwendigen „linken“, eigentlich wertkonservativen Umweltschutz in Verbindung mit rechten bevölkerungspolitischen Positionen vertreten. Das Tabu bei den linken Gutmenschen ist ja die Weltbevölkerungsexpolosion. Und wer könnte es Chinesen, Indern, Brasilianern und den Menschen und Afrika verdenken, wenn sie auch wie die Europäer und Nordamerikaner als Einzelperson PKW fahren, Fleisch essen und mit dem Flugzeug reisen wollen? Daß diese farbigen Menschen aber ihre durchaus verständlichen Wohlstands- und Glücklichkeitsziele bei uns verwirklichen wollen, dies kann nicht im Sinne einer vernünftigen Klimapolitik sein.

Wir müssen allerdings bei aller berechtigten Interessenvertretung für das Eigene die „rückständigen“, bei uns ihr Glück suchenden Fremden nicht als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ (AfD-Unterstützer Andre Poggenburg) abwerten.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:

Die Manipulation des Völkerrechts. Wie die „Westliche Wertegemeinschaft” mit Völkermordvorwürfen Imperialismus betreibt. Kyffhäuser Verlag, Mengerskirchen 2011, 14,95 Euro.

Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 9,80 Euro.

Die „Westliche Wertegemeinschaft”, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 9,80 Euro.

Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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