Völkermordstreit

Der „Völkermordstreit“ zwischen Nicolas Sarkozy und dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan zeigt zum einem den Bruch innerhalb der NATO auf und zum anderen wird auch deutlich, dass die Türkei wohl nicht Bestandteil der EU wird, die für den starken Mann in Ankara sowieso nur ein „Christenclub“ ist. Zunächst hatte das französische Parlament, dass „Leugnen“ des „Völkermordes“ an den Armeniern durch das osmanische Reich während der Zeit des 1. Weltkrieges unter Strafe gestellt. Ankara sah daraufhin seine nationale Würde beschmutzt und antwortete so wie man es von Erdogan gewöhn ist. Erdogan warf seinerseits Frankreich einen Völkermord in Algerien vor. Während der Kolonialzeit habe Frankreich 15 Prozent der algerischen Bevölkerung liquidiert. Dies müsse man als Genozid am algerischen Volk betrachten.

Erdogan hat schon insofern recht, als das es durchaus zulässig erscheint Frankreich einen Völkermord in Algerien vorzuwerfen, wenn man den französischen Maßstab für die Bewertung der türkischen Verbrechen gegen die Armenier während des 1. Weltkrieges heranzieht. So kamen je nach völkischen Standpunkt durch die Vertreibungsaktionen der Osmanen zwischen 300.000 und 1.500.000 Armenier ums Leben. Erdogan operiert seinerseits mit der zweifelhaften Behauptung das Muslime gar keinen Völkermord begehen könnten. Erdogan scheint aber auch die türkische Gescichte ausblenden zu wollen. Algerien stand jahrundertelang unter türkischer Vorherrschaft oder besser gesagt unter dem osmanischen Kolonialjoch. Die Herrschaft der Janischaren über die Algier zeichnete sich nicht gerade durch Humanismus und Menschenfreundlichkeit aus.

In der Türkei selbst werden die Verbrechen an den Armeniern gar nicht bezweifelt – nur das genaue Ausmaß der Todeszahlen weicht dann deutlich von der armenischen Darstellung ab. Zudem hat es laut türkischer Darstellung keine Absicht eines geplanten Genozides an den Armeniern gegeben, was nun wiederum die Armenier verständlicherweise anders interpretrieren. Das verschiedene Völker auch unterschiedliche Interpretationsweisen iher Geschichte haben, dies wird nun kaum verwundern.

Der „Völkermord“ an den Armeniern wird der Türkei in Deutschland auch von rechtspopulistischer Seite im Zuge des Antiislamismus angelastet. Die „Bürgerbewegung“ von Pro NRW behauptet von sich, sie sei die einzige politische Grupperung, die sich für die „Anerkennung des Völkermordes an den Armeniern“ im öffentlichen Raum stark mache. Wir deutschen Nationalisten sollten aber vorichtig sein, was solche Völkermordbeschuldigungen angeht, da sich dieser Vorwurf auch gegen Deutschland bzw. die deutsche Nation wenden kann. Rolf Hosfeld beschuldigt in seinem Buch „Operation Nemesis. Die Türkei, Deutschland und der Völkermord an den Armeniern“ Deutschland der Mittäterschaft an dem „Völkermord“ an den Armeniern. Hosfeld behauptet in seinem Buch, „dass der Völkermord an den Armeniern ohne die schützende Hand des Deutschen Reiches während des Waffenbündnisses im Ersten Weltkrieg kaum möglich gewesen wäre.“ Diese Sichtweise wird auch von der Springerpesse und der linksliberalen Presselandschaft geteilt.

Nachdenklich äußerte sich in der Tageszeitung „Junge Welt“ Werner Pirker, der in seiner Kolumne, einmal mehr dem politisch korrekten „Antifaschismus“ seines Spektrums widerspricht: „Der französische Parlamentsbeschluß geht aber weit darüber hinaus. Indem er eine von der offiziell festgelegten Position abweichende Meinung der strafrechtlichen Verfolgung aussetzt, stellt er die Meinungsfreiheit grundsätzlich zur Disposition.Vorbild für das französische Gesetz ist das in bester antifaschistischer Absicht erfolgte Verbot der Holocaust-Leugnung, das damit das Einfallstor für gesinnungspolizeiliche Verordnungen zur Wahrheitsfindung bildete. Daß dieser weitere Schritt zur Verrechtlichung der gesellschaftlichen Debatte ausgerechnet von der französischen Legislative gegangen wurde, entbehrt insofern nicht einer gewissen Ironie, als Frankreich bis heute nicht bereit ist, sich mit den Verbrechen seiner Vergangenheit als besonders brutale Kolonialmacht auseinanderzusetzen.“ (JW, vom 24.12.2011) Auch der Trotzkist Anton Hollberg argumentiert auf der selben Schiene, wenn er im Internetportal scharf-links schreibt: „Gerade auch die Linke sollte vorsichtig sein, dem bürgerlichen Staat das Recht einzuräumen, wissenschaftliche – hier historische – Fragen juristisch zu beantworten. Wer sagt denn, dass nicht irgendwann irgendeine bürgerliche Regierung, z.B. die Behauptung, die Oktoberrevolution sei kein Putsch der Bolschewiki gewesen, oder gar die Behauptung, Lenin und Trotzki seien grundsätzlich verschieden von Stalin gewesen unter Strafe stellt und zu diesem Zwecke die Begriffe „Putsch“ und „Revolution“ nach eigenem Gutdünken z.B. von ihrer übergeordneten Versammlung, der UN, definieren lässt?“ (Anton Holberg, Völkermord-Leugung zum Strafbestand erklären?, auf scharf-links, am 25.12.2011)

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Kommentare

  • sozrev  Am 27. Dezember 2011 um 08:51

    Der Zentralrat der Armenier fordert ein Mahnmal für die ermordeten Armenier in Berlin und beschuldigt Deutschland der Mittäterschaft:“Und es geht nicht um einen Völkermord irgendwo auf der Welt, sondern um einen Genozid, in den das Deutsche Reich, damals wichtigster Verbündeter der Türkei, in vielfacher Weise verknüpft ist. Es gibt hier also durchaus eine gemeinsame historische Verantwortung, der sich auch Deutschland zu stellen hat. Der Bundestag hat sich in der Resolution von 2005 beim armenischen Volk für die negative Rolle des Deutschen Kaiserreichs entschuldigt und sich verpflichtet, einen Beitrag zur Aufarbeitung und Versöhnung zu leisten.“

    http://www.scharf-links.de/44.0.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=19235&cHash=baae0050d9

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