Nationale Wahrheiten

Wenn sich die Nationen untereinander streiten, wer nun alleine Recht hat, dann kann man sich friedlich einigen oder kriegerisch. Oder man sieht ein, daß man der Schwächere, der Besiegte ist und übernimmt wegen des Anpassungsdrucks die Wahrheit des Gegners. Dies wirkt zwar weder für Freund noch für Feind besonders ehrenhaft, aber dem Opportunisten, der einem geschlagenen Volk angehört, stehen – je nach Fähigkeiten – im Privat- und Berufsleben alle Türen offen. So erleben wir immer wieder seit 1945, daß viele Deutsche wie Amis, Russen, Polen und Juden argumentieren, wenn es um die geschichtliche Wahrheit geht.

Wenn dann einer – in diesem Falle eine – ausbüchst und mal ihre eigene, deutsche Wahrheit kundtut, auch in ihrer Funktion als Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), dann bemühen sich bei uns alle Gutmenschen sicherzustellen, daß es keine speziell deutsche Wahrheit geben darf. Hinsichtlich des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 darf es zwischen Rhein und Oder nur die polnische Wahrheit geben. Erika Steinbach, deren Vorname allein schon für antideutsche Kräfte eine Provokation darstellt, …

Siehe: http://www.youtube.com/watch?v=h8vZsmXUFAg&feature=related

… hatte doch tatsächlich auf die Teilmobilmachung der polnischen Armee hingewiesen, die bereits im März 1939 erfolgte. Daraus läßt sich ableiten, daß nicht Hitler den Imperialismus erfunden hatte, sondern daß es neben seinem kriegerischen Imperialismus, den man in „Mein Kampf“ nachlesen kann, auch einen polnischen, tschechischen, französischen, britischen, russischen, amerikanischen usw. Imperialismus gegeben hatte (und nach wie vor gibt).

Aus Steinbachs Hinweis auf die polnische Teilmobilmachung könnte man immerhin ableiten, daß an der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs viele Kräfte mitgewirkt hatten, vor allem diejenigen, die die Deutschen mit dem Versailler Diktat und dem von Saint-Germain (für Österreich) demütigen wollten.

Der Wiener Publizist Helmut Müller hat in einem Beitrag darauf hingewiesen, daß Hitlers Imperialismus („Lebensraum im Osten“), der 1944/45 endgültig militärisch scheiterte, keinesfalls der ursprüngliche Grund gewesen war, die Deutschen östlich von Oder und Neiße und im Sudentenland ethnisch zu säubern. Die Vertreibung der Deutschen im Osten „ist keineswegs die logische Konsequenz Hitlerscher Politik, wie Politiker vom Kaliber eines Herrn von Weizsäcker immer wieder beteuern mußten, sondern entspricht nachweisbar längerfristigen polnischen wie westlichen Überlegungen. So wie ja auch Herr Benesch die Sudetendeutschen bereits nach 1918 vertreiben wollte […].“

Siehe: https://sachedesvolkes.wordpress.com/2010/09/14/verraten-und-verkauft-%E2%80%93-ein-deutsches-schicksal/

Und nicht nur tschechische Chauvinisten träumten schon 1918 von der Vertreibung der Sudentendeutschen, auch polnische Imperialisten hatten in diesem Zeitraum bereits Landkarten angefertigt, auf denen Berlin und Dresden als polnische Städte galten. Die polnischen Imperialisten wollten – wie der deutsche Imperialist Hitler auch – weite Teile der Ukraine, (Weiß-) Rußlands und des Baltikums annektieren. Polnische Imperialisten waren schließlich schon 1918-1921 in zwei Feldzügen bemüht, sich ihren „Lebensraum im Osten“ zu erobern.

Siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Kresy

In etwa zur gleichen Zeit kämpften deutsche Freikorps im Baltikum um neues deutsches Siedlungsgebiet gegen die Sowjetarmee. Mancher dieser deutschen Freiwilligen formierten sich Jahre später in der NSDAP, traten in dieser Partei für ihre imperialistischen Ziele ein. Der entsprechende Personenkreis hätte sich jedenfalls nicht vorstellen können, an einem „Antikriegstag“ teilzunehmen.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum man – gerade als Deutscher – im Nachhinein den deutschen Imperialismus verurteilen soll, ohne den polnischen Imperialismus kritisch zu behandeln?

Solange es Nationen gibt, werden sich diese gegebenenfalls um die richtige Auslegung der Geschichte streiten. Jeder hat sein eigenes nationales Bewußtsein, trauert um die eigenen Opfer lieber als um die der ehemaligen Kriegsgegner. Das ist bei Polen, Tschechen und Juden nicht anders als bei national denkenden Deutschen. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, daß im Zusammenhang mit den Positionen des BdV zur Vertreibung der Zentralrat der Juden in Deutschland seinen Rückzug aus dem Stiftungsrat der Berliner „Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung“ erklärt hat.

Siehe: http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Pressemitteilungen/BPA/2010/09/2010-09-06-bkm-neuen-stiftungsrat.html

Indem jede Nation für sich selbst ihrer eigenen Opfer gedenkt und ihre eigene Erinnerung nicht anderen aufzuzwängen gedenkt, kann man der Versöhnung der Völker den besten Dienst erweisen.

Jürgen Schwab

Bücher von Jürgen Schwab:
Angriff der neuen Linken – Herausforderung für die nationale Rechte. Hohenrain Verlag, Tübingen 2009, 19,80 Euro.
Die „Westliche Wertegemeinschaft“, Abrechnung, Alternativen. Hohenrain Verlag, Tübingen 2007, 19,50 Euro.
Volksstaat statt Weltherrschaft. Das Volk – Maß aller Dinge. Hohenrain Verlag, Tübingen 2002, 9,80 Euro.

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