Nach dem Ball ist vor dem totalen Sieg. Oder vor dem großen Knall.

Es ist immer wieder aufschlußreich, dem scheidenden Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Österreich zuzuhören. Vor allem dann, wenn er, die faschistische und rassistische Politik in seiner alten Heimat öffentlich anscheinend ignorierend, sein Klagelied über rechtsextreme Burschenschafter in Österreich anstimmt. Um dabei wieder einmal – ohne Hintergedanken natürlich – nahtlos zu gerichtsnotorischen Fakten überzugehen. Was zwar viele noch beeindrucken mag, den Burschenschafter-Ball selbst, um den es in einer zuvor stattgefundenen FS-Diskussion ging, allerdings nicht mehr verhindern konnte.
Manchmal aber kann Ariel Muzikant einen aber auch schon leid tun. So als er bei besagter FS-Sendung in der Person des freiheitlichen Landtagsabgeordneten Wolfgang Jung mit einem nicht zu unterschätzenden TV-Diskussionspartner Vorlieb nehmen mußte. Zum Glück sekundierten ihm zwei brave, bestenfalls um Brot fechtende Erzähler und eine recht wendige Diskussionsleiterin, die gewiß auch etwas zu verteidigen hat.

Der Ball fand somit statt, und das ganze Tamtam um ihn herum gehörte zu einem bekannten, ausgiebig gepflegten und nicht enden wollenden (sollenden) Ritual: Links gegen Rechts, Rechts gegen Links, und beides sehr zum Vorteil der Herren der Welt. In deren Chor am Ende auch noch so manch höchste akademische Feigheit mit einststimmte. Die etablierte Linke und ihr anarchischer Anhang, u. a. unterstützt von einer gewissensgeplagten Kirche und dynamisch betreut von „unabhängigen“ Medien, machten also erfolgreich Werbung für einen Ball, den intelligente Gutmenschen aus jedem Werber einsichtsvollen Gründen eigentlich ignorieren hätten müssen.

Aber allein der Umstand, daß dort kein Linkswalzer getanzt wird, dazu der Drang,sich zu profilieren und ein wenn auch kontraproduktives Lebenszeichen von sich zu geben, überwältigt jede Vernunft. Und blauschlagen wird man ja noch dürfen.
Allerdings hätte auch Wiens Immobilien-Tausendsassa Muzikant längst schwanen sollen, daß seine verbale Aggressivität gegenüber Rechts seiner Kultusgemeinde mehr schaden, Strache und Co. aber nützen könnte. Offenbar glaubte aber auch er bis zuletzt, seine Klientel mit derlei „Äktschn“ befriedigen zu müssen. Da er angeblich demnächst zurücktreten wird (muß?), darf man gespannt sein, wie sein wahrscheinlich nicht demokratisch gewählter Nachfolger, Oskar Deutsch dem Vernehmen nach, die Sache angehen wird.

Es gebe doch wirkliche andere, gesittetere Möglichkeiten um mit politischen Gegnern etwas auszufechten. Warum nicht mit jungen Burschenschaftern – die überwiegende Mehrheit ist ja absolut anständig und demokratisch wohlerzogen – endlich einen fairen und vor allem straffreien (!) Gedankenaustausch über ein verhängnisvolles Kapitel der Zeitgeschichte pflegen? Wo doch deren oberste politische Vorturner Israel und der zionistischen Politik ohnehin bereits ihre Reverenz erwiesen haben. Oder geht das erst, wenn der letzte Burschenschafter alles, aber wirklich alles für Goldperlen hält, was der eine oder andere Zeitzeuge oder Kommentator einer Tageszeitung an Krokodiltränen absondert?

Aber zugegeben, mit einem derartigen offenen Gespräch käme man nicht nur auf blauer Seite ganz sicher in ein ganz ordentliches Dilemma. Zu viel stünde für die eine Seite auf dem Spiel. Zum anderen, wie viele von Karrieredenken und Parteiräson noch nicht gefesselte aktive Burschenschafter gibt es denn, die in einem solch historischen Aufeinandertreffen den Anforderungen und dem Druck überhaupt gewachsen wären? Intellektuell, ideologisch, zeitgeschichtlich, nicht zuletzt auch psychisch..

Doch abgesehen davon wartet ohnehin bereits eine deftige Herausforderung auf die blaue Nachwuchs-Truppe, vor der auch einige ältere Semester jetzt schon weiche Knie zu bekommen scheinen. Was, wenn man bei der nächsten Wahl tatsächlich stärkste Partei wird, ihr Heinzi den Kanzleranspruch gar ernst gemeint hat?

Ja, das könnte ganz schön lustig werden, da ganz oben – und dazu nicht ganz schwindelfrei. Obzwar die Aussicht auf eine garantiert weiche Landung einen anzunehmenden Absturz erträglich erscheinen ließe.

Nicht weniger interessant ist natürlich die Frage, wie die organisierte Linke europaweit reagieren würde, käme es zu einer Neuauflage von Schwarz-Blau. Rot-Blau ist ja derzeit schwer vorstellbar, das würde ja nicht nur EU-Granden und die ganze Gutmenschen-Szene massiv verärgern. Denken wir dennoch ein Schlupfloch: Einen wenig wahrscheinlichen Personal-Austausch an der roten Spitze vorausgesetzt, könnte, wenn überhaupt – sofern er nicht schon inoffiziell erfolgt ist – höchstens ein zusätzlicher Brückenschlag über den Jordan, sprich, weiterer Kniefall, der Führungsriege um Strache etwas voranbringen.
Natürlich ginge das nur mit weiteren blauen Konzessionen, die allerdings im Falle von Schwarz-Blau oder Blau-Schwarz ebenso zu leisten wären. Das alles und noch mehr ist durchaus vorstellbar, scheint es doch auch in Straches Partei immer weniger um grundsätzliche Fragen, Ehre und Vaterland, sondern hintergründig zusehends mehr um Posten und Karriere zu gehen, und da wird, wie in den beiden anderen großen Parteien, jede Kritik und jedes inhaltliche Abweichen bereits mit Ächtung bestraft. Schließlich will man endlich seinen Platz mitten in einer Gesellschaft, in der man für Angepaßtheit und Linientreue nicht nur mit Orden belohnt wird.

Helmut Müller

Quelle

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