Ex-Neonazi und Ex-Neonazi

Die österreichische Bundesregierung prüft derzeit ein Verbotsverfahren gegen die Identitären – also auch die FPÖ unter Vizekanzler HC Strache. Die FPÖ war den Vorgaben von Kanzler Sebastian Kurz gefolgt und hatte sich von den Identitären distanziert und droht nun jeden mit Ausschluss aus der Partei, der auch nur „Sympathien für die Ziele“ der Identitären hat oder äußert. Die Identitären sollen zur „kriminellen Vereinigung“ erklärt werden, in den letzten Monaten war dies Vorhaben vor Gericht schon mehrfach gescheitert.

Der Vorwurf der „Kriminalität“ bezog sich bislang etwa auf Kreideschmieren und unangemeldete Aktionen (neudeutsch: „Flash-Mobs“), aber nichts was sonst einer als „kriminell“ und „verbrecherisch“ ansehen würde (weder Gewalt, noch Sachbeschädigung und auch keine Aufrufe die man als Aufrufe zu Gewalt interpetieren könnte).

Die Chancen sind nun besser für ein solches Verbot und eine Kriminalisierung, da bekannt wurde das die Identitären oder genauer gesagt Martin Sellner, ein Jahr vor dem Terroranschlag von Christchurch in Neuseeland 1500 Euro an Spendengeldnern von dem Attentäter erhalten hatte. Natürlich kannten diesen damals keiner, so auch nicht Sellner oder jemand anderes bei den Identitären. Ein rechter antiislamisch motivierter rechter Terrorist hatte als Einzeltäter in Neuseeland mehre dutzend Muslime getötet – 50 an der Zahl.

Kurz nach dem Attentat hatte man aus der FPÖ heraus noch die Vorwürfe gegen Sellner und die Identitären eher kritisiert, ein paar Tage später sah es wieder ganz aus. Man kann vermuten das eine Volldistanzierung angemahnt von Sebastian Kurz in Richtung FPÖ intern zur Koalitionsfrage gemacht wurde. Strache hatte beim Landesparteitag der FPÖ in Oberösterreich gemeint: Wer wie Sellner „einmal Hakenkreuzbleber auf eine Synagoge geklebt hat“ mit dem habe man „nichts und wollen wir nichts zu tun haben“.

Dem wird man ja nicht widersprechen wollen, weil Beschädigungen und Schändungen von religiösen Gebäuden – Kirchen, Moscheen, Synagogen, Tempeln von Sikhs, Buddhisten und Hindus – jeweils, aus welchen Gründen auch immer nicht hinzunehmen sind. Darum ging es aber nicht! Sondern es ging um ein Retten von Regierungsposten, Macht und Geld, wobei man dies als Pseuedomoral verkleidete, die wenig mit Moral zu tun hat.

Das Sellner mal Neonazi war, verneint er gar nicht und die Straftat, ein antisemitisch motiviertes Delikt, liegt lange zurück, eben als Sellner noch Neonazi war – mit 17. Damals gehörte der junge Sellner zum Küssel-Anhang und zu der in Österreich kleinen Neonazi-Szene.

Ex-Nazi wird aber auch ein Strache gewesen sein. Bevor nun HC Strache staatstragender rechtsopopulistischer Politiker wurde, war eben wie Sellner Neonazi, was er aber vergaß zu erwähnen. Sellner nimmt für sich das Recht in Anspruch, sich geändert zu haben. Wobei er Strache und Joschka Fischer nennt. Bei Fischer meint er natürlich nicht Neonazi, sondern einst militanter Linksautonomer, der bekanntlich einst in Frankfurt eine Sponti-Kampftruppe in den Kampf gegen die „Bullen“ führte und bis heute nicht geklärt ist ob nicht Fischer höchst selbst einen „Mölli“ warf bei dem ein Polizist brannte und auf Lebenszeit keinem geregelten Leben mehr nachgehen konnte.

Strache robte etwa bei „Wehrsportübungen“ im Wald herum, wurde bei einer Veranstaltung der Wiking-Jugend festgenommen, die ist nun verboten, also die Wiking-Jugend. Zudem wurden frühe Kontakte zu einem von Österreichs bekannten Neonazis Namens Gerd Honsik bekannt. Strache überstand diese Enthüllungen unbeschadet und wurde immerhin Vizekanzler, der sich nun als Vizekanzler und Ex-Neonazi von einem anderem Ex-Neonazi distanziert und wohl auch ein Verbotsverfahren gegen die Identitären mitvorbereitet über den FPÖ-Innenminister Herbert Kickl, der freilich auf einem Kongress sprach, wo auch die Identitären Redner schickten – da war aber er noch nicht Innenminister, sondern „nur“ Generalsekretär der FPÖ.

Sellner, der sich verraten fühlt, schimpft nun etwa in der aktuellen Compact logischerweise auf die FPÖ, die „zur Systempartei“ geworden sei. Nach dem Regierungswechsel hin zu Kurz-Strache war das für ihn freilich eine „konservative Revolution“ von zwei „nationalkonservativen Parteien“, womit auch die „neue“ Kurz-ÖVP gemeint war und nicht nur die FPÖ. Mehrere Compact-Kolumnen zeugen von Sellners damaliger Begeisterung und befindet aber nun das die FPÖ einen „Offenbarungseid“ geleistet habe und sich auf „die Seite der Hetzer“ stellte.

So kann er auch einen „Wählerverrat“ verordnen: Die FPÖ habe entgegen ihren Wahlaussagen Ja zu Freihandelsabkommen gesagt und die direkte Demokratie weiter eingeschränkt – entgegen ihren Aussagen. Man könnte auch die Sozialpolitik anführen, wo von Straches angeblicher „Arbeiterpartei neuen Typus“ nichts mehr übrig blieb, sondern im Eilverfahren zahlreiche neoliberale Gesetze beschlossen wurden: Sozialkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen und eine Abschaffung der Mindestsicherung. Dies erinnert auch an Haider, der sich im Wahlkampf als „Robin Hood der kleinen Leute“ in Szene setzte, die FPÖ aber mit einem neoliberalen Programm in die Regierung ging.

Die Identitären gelten als „Pop-Rechte“, die vor allem ein relativ intellektuelles Publikum ansprechen und in ihren Kreisen viele Studenten oder Studierte haben. Man fokusiert sich auf aktivistische Aktionen und ist mehr oder weniger in den meisten europäischen Ländern vertreten. Die Bewegung starte in Frankreich und wurde ab etwa 2013/2014 auch in Österreich und Deutschland virulent.

Der eigentliche Hauptvordenker ist der Franzose Renaud Camus mit seinem Buch „Revolte gegen den großen Austauch“, der selbst von der Linken stammt. Ideologisch findet sich aber bei den Identitären ein Mischmach, der sich selbst widerspricht – von Benoist bis Faye. So das wir hier vermanscht sowohl antiimperialistische und kapitalkritische-Neue Rechte Positionen (Benoist) haben bis hin zu pro-imperialstischen und wirtschaftliberalen (Faye und andere).

Zu der deutschsprachigen Ausgabe von Camus-Buch hatte Sellner im übrigen selbst ein Nachwort beigetragen, wo noch von ihm die Zuwanderungsstrategie des Kapitals angesprochen wurde, was aber in der Folge eher von der Agenda verschwand. Sellner schrieb etwa: „Dazu (zu den Fördern des Austausches, Einschub) gehören nationale und internationale Konzerne, die durch das Fehlen von Einwanderungsgrenzen eine Lohnkostenminderung und vom Abbau von ethnokulturellen Gemeinschaften eine Erleichterung ihres Wirtschaftstreibens erwarten“. (Sellner im Nachwort Seite 191 bis Seite 221, hier Seite 206). Darin verwehrt sich auch Sellner auch keine Schuldzuweisung an Migranten, der Migrant, auch der muslimische, sei nicht das „Problem“, sondern der von Politik und Wirtschaft gewollte Austausch in der Globalisierung (Seite 208).

Sellner erklärt das so: Man wolle den Widerspruch auflösen in einem „Konsens“, wobei dieser angestrebte Konsens sich völlig widerspricht – gerade inhaltlich. Dieser „Konsens“ reicht im Podcast von Sellner scheinbar zu antideutschen Neocon-Positionen. In mindestens zwei Videos erlärt Sellner immerhin warum die harte antideutsche Theoriezeitschrift „Bahamas“ höchst lesenswert sei – die sich aus Trump-Fantexten, Antiislamismus und einem Angeschreibe gegen den angeblichen „deutschen“ Konsens des „Antiamerikanismus und Antisemitismus“ zusammen setzt, sowie natürlich gegen den „deutschen Sonderweg“.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=g_pGSH-eKUU

Bei Sellner haben wir es dann mit einer „populistischen Krankheit“ zu tun die alles „positiv“ aussagt was irgendwie gegen „den“ Islam sei – was man nun auch bei den Straches und mittlerweile auch bei den Elsässers hat. Inwiefern genau, mit welchen Zielen und gegen wen und vom wem, ist dann den Straches, aber auch den Sellners und Elsässes mittlerweile egal.
So weit wie Elsässer ging Sellner allerdings nicht. Elsässer hatte in einem Gespräch im Compact-Spezial „Islam“, die Meinung eines Mitdiskutanten, man müsse doch auch Differenzieren und die Interessen der WWG am „Antiislamismus“ sehen, ernsthaft als „IS-Propaganda“ abgebügelt. Ob er aber auch „sich“ gemeint hat ist nicht klar.

Natürlich nun kaum noch, wobei er aber in einem seiner älteren Büchern den geopolitischen Neocon-„Antiislam“, die „neue Faschisierung“ nannte.

Die Distanzierung und gar Dämonisierung Sellners von Seiten der FPÖ ist für eine Partei auch logisch, der es darum geht in der Regierung zu verbleiben. Sellner scheint aber keinen Systembegriff zu haben, sonst hätte er nicht behauptet, die FPÖ sei erst in den letzten Monaten zur Systempartei geworden. Dies war die FPÖ seit ihrer Gründung Mitte der 1950er, sowohl als nationalliberale Minipartei, die unter Peter bis Steger immer nur knapp ins Parlament einzog (Phase bis 1986), sich bereits damals an einer Regierung mit der SPÖ beteiligte, als auch unter Haider, wo sie einen flotten und modernen populistischen Kurs fuhr, der ihr vor allem hohe Zustimmung im Arbeitermilieu einbrachte. Hier stieg sie zur stärksten Partei auf, wobei sie hier unter der alten nationalliberalen Partei besonders schwach war – meistens nur 1 Prozent-Stimmen in diesem Segment.
Haider steigerte die FPÖ-Ergebnisse die zwischen 5 und 8 Prozent lagen durch den populistischen Kurs auf bis zu 27 Prozent und führte die FPÖ in eine Regierung mit der ÖVP, die nun die FPÖ fast zerstört hätte. Haider spaltete sich mit seinem BZÖ ab, während sich die FPÖ unter Strache wieder zu alter Haider-Bestzeiten-Stärke erholte und mit 26 Prozent bei der letzten Wahl wieder in eine Bundesregierung geführt führte, mit Strache als Vize von Kurz.

Der Ex-Neonazi-Strache erreichte niemals die mediale und politische Dämonisierung seines Vorgängers Haider, trotz HC Straches Neonazi-Vergangenheit, die bei Haider nicht gegeben war. Dies mag auch daran liegen das Strache keinen „ordentliche Beschäftigungspolitik im 3. Reich“ und Waffen-SS als „Vorbilder für die heutigen Jugend“-Sager aufzuweisen hatte – wie der „Jörg“. Da war auch etwa Haider Interviews über „die Missgeburt der österreichischen Nation“, was deutschnational gemeint war und eines in dem er KZs als „Strafgefangenelager“ bezeichnete.

Natürlich hat das den Grund das Strache eher als schlechte Kopie von Haider erschien, da ihm dieser sowohl rednerisch, als auch geistig überlegen war und für die Medien noch interessanter als ein Strache. Strache hat einen „Vorteil“, er ist „teamfähig“, während Haider stets in allen Richtungen völlig unberechenbar war.

Haider war nun kein Ex-„Neonazi“, auch wenn er sich öfters durch seine berühmten „Sager“ ins Gespräch brachte, was Strache vermeidet. Strache war zunächst in der FPÖ „Haiderist“, die Beziehung galt aber nach Haiders Wendungen als zerrüttelt bis feindlich, wobei Strache aber stets versuchte Haider zu kopieren- vom Discowahlkampf, dem jugendlichen Auftreten bis hin zu seien Rap-Songs und die Zentrierung auf Arbeiterwähler, wenn auch wie bei Haider mit wirtschaftsliberalen Programm (Regierung).

Strache ist nun auch im Vergleich zu seinem Vorbild Haider, von dem er enttäuscht wurde, ein ideenarmer Populist, während Haider gerne mit der „vierten Republik“ kam, einer „Bewegung“ statt Partei und „Österreichs Zukunft jenseits von links und rechts“, was sprunghaft wie er war relativ schnell wieder begraben wurde. Strache selbst machte sich erst nicht die Mühe solcherlei Visionen zu begraben, weil er sie erst gar nicht aufbrachte und formulierte, was ihm aber auch den Ruf einbrachte er sei im Vergleich relativ „dumm“.

Strache verhielt sich in den letzten Jahren in Wahrheit relativ brav, auch schon in der Opposition, während Haider auch in der Regierung sich nicht davon abbringen lassen wollte Gaddafi als seinen Freund zu bezeichnen und Saddam Hussein zu besuchen und beim FPÖ-Aschermittwochstreffen gegen interne Kritiker zu toben, die das Treffen mit Saddam hart kritisiert hatten. In Kärnten gab es dann auch eine Ausstellung über „imperialistische Lügen gegen Nordkorea“. Seinen Privatfreund, den Justizminister Böhmdorfer schichte er zu einem Besuch nach Kuba, wo dieser zur „Überraschung“ von Linken und Rechten sich mit dem Castro-System solidarisierte.

In der Außenpolitik blieb sich Haider relativ treu, während Strache auf Israel-Soli macht und die FPÖ-Abgeordneten im EU-Parlament ausgerechnet den Angriff auf Gaddafis Libyien auch mit absegneten, durch eine Verurteilung von Gaddafi und ein Ja zur „Flugverbotszone“. 2012 traft sich Strache mit der „syrischen Opposition“ und plädierte noch 2016 – Libyien grüßt – für „Flugverbotszonen“ über Syrien, die sich gegen das Assad-Regime richteteten.

Freilich verweisen FPÖ-Kritiker aus dem Mainstream auch das Straches, Mölzers und die andere Liebe für Israelsoli und rechte Auslegung der WWG auch etwas „plötzlich“ sei, so könnte man auch alte Texte ausgraben, wo es um Ahmadinjad und Chavez-„Soli“ ging oder etwa gar solche wo es sich anhört als seien Israels „Verteidigungskriege“ doch Aggressionen (Mölzer und Strache damals zum Gaza-Krieg und Libanon-Invasionsversuch Israels) und die Hamas doch nicht ganz so „böse“. Auch könnte sich jemand darüber „lustig“ machen das Pro-Israel-HC damals versuchte die Hezbollah zu treffen, sich aber heute als Israelfreund präsentiert.

Ein Witzbold könnte nun auch meinen das HC sich als Friedenspapst sieht der in Wahrheit Nasrallah und Netanjahu zu einem Bruderkuss treiben möchte. Aber das war auch zu einem Zeitpunkt (2006) als die FPÖ nur die Oppositionsoption hatte und eine Beteiligung an der Regierung eher unwahrscheinlich war. So das auch Mölzer in seinem Buchversand damals vor allem israelkritische und antiimperialistische Bücher verkaufte.

Peter Pilz meinte es aber nicht witzig, als er sich über den „angeblichen“ Antiislamismus Straches lustig machte, was nicht lustig gemeint war. So deckte er auf das sich der Opportunist Strache nach dem Sturz Mubaraks ägytische Jihadisten eingeladen hatte. Und zwar einer der radikalsten Jihad-Organisationen, die unter anderem teilverantwortlich für ein Massaker an westlichen Touristen war, wobei dutzende Touristen aus Europa und auch Deutschland starben. Die wollte aber nun „demokratisch“ seien, wie so ziemlich alle die im „arabischen Frühling“ mitmischten.

Jendenfalls wurden die Mords-Jihadisten von der FPÖ ins österreichische Parlament eingeladen, wie ein Peter Pilz zurecht meinte. Ähnlich wie Pilz mag wohl auch ein Ewald Stadler – bei seiner Strache-Kritik – gelagert gewesen sein. Ehemaliger FPÖ-Chef der Nationalratsagbeordneten der FPÖ, der Strache mit einem überbordenden Hass verfolgte, als rechtsnationaler Christ, der Strache jeden Verrat zusprach. Im übrigen ein Saddam Hussein-„Versteher“. Der Christ war für „Skandalreden“ im Parlament bekannt.

Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=ktyIw-Ez-Z8

Die Mitregierung von FPÖ war aber natürlich eine einzige Katastrophe, weil Haider in die Regierung mit dem Liberal“konservativen“ Schüssel fast nur rechtsliberale Mandatare schickte, etwa den neoliberalen Yuppie Grasser. Folge war etwa eine größere Zuwanderung als in der Vorgängerregierung (SPÖ und ÖVP). In der neuen Regierung sind nun von FPÖ-Seite eher kaum Ausläufer der liberalen FPÖ-Flügels vertreten und Kurz stellt sich auch nicht auch als Schüssel-Kopie dar, sondern als „rechter“ ÖVP-Flügelmann, der aber lange Zeit als junger Liberaler in der ÖVP galt. Dessen Image wandelte sich aber nun hin zu einer jüngeren Strache-Kopie, als eine „wählbarere“ Strache-Ausgabe, so die Antwort vieler Schwiegermütter warum sie Kurz und nicht Strache gewählt haben.

Im letzten Wahlkampf gelang Kurz die Darstellung zwischen ihm und Strache sowie der FPÖ bestehe der Unterschied nur darin das er jünger sei und moderater. So das Kurz als „Strache light“ durchs Ziel ging, während die FPÖ zwar auch stark abschnitt, aber an Kurz zahlreiche Stimmen verlor – im Vergleich zu den vorhergehenden Umfragen. Da hätte der ÖVP ohne Kurz ein liberales Debakel gedroht. Zudem profitierte die FPÖ auch noch vom Verschwinden von Stronach-Partei und BZÖ.

Strache hat nun auch ein Misstrauensvotum der SPÖ gegen ihn überstanden – wegen Kontakte zu den Idenitären. Zurecht weist die FPÖ hin das dies schon nicht ganz glaubwürdig sei, weil die SPÖ eben im Burgenland mit der FPÖ koalierte und erst jüngst in einen von Österreichs wichtigsten Städten neben Wien eine Koalition mit der FPÖ bildete. Bei der letzten Regierungsbildung im Bund hatten sich erst sowohl Strache als auch die SPÖ eine Koalition „offen“ gehalten.

Schon bei Widerstand gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ 1999/2000 war die SPÖ nicht ganz glaubwürdig. Rasch kam heraus das man der FPÖ selbst angeboten hatte, sie könnte ja eine Minderheitenregierung der SPÖ stützen und würde dafür zwei Ministerposten erhalten. Das wäre dann freilich kein „Skandal“ gewesen, wobei dann der Skandal in einer FPÖ-Regierungsbeteiligung lag, von der die SPÖ nichts hatte. Das die FPÖ aber lieber mit der ÖVP koalierte ist logisch, weil mehr Ministerposten und Voll- statt halbe Beteiligung.

Dafür wurde Strache wie auch Harald Vilimsky, der FPÖ-Spizenkandidat zur EU-Wahl zuerst nicht die Jugendorganisation der FPÖ aufgenommen. Beide wegen Neonazi-Verbindungen. Nun sind aber beide selbst in einer starken Positionen und können entscheiden welche „elekhaften Figuren“ (Kurz) nicht nur nicht aufgenommen werden oder auch ausgeschlossen werden sollen – auch wenn es sich im Fall von Identitären oder Sympathisanten nicht oder nicht mehr (Sellner) um Neonazis handelt.
Nun wird es in der FPÖ auch auch zahlreiche Altnazis gegeben haben, schließlich war der erste FPÖ-Chef immerhin ein Minister der NSDAP für die „Ostmark“, wie das damals hieß – also nicht irgendein kleines Licht.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_Reinthaller

Der langjährige Vorsitzende Peter – Nachfolger – war Waffen-SS-Mann, dessen Einheit im Verdacht stand im Osten russische Zivilisten und Juden liquidiert zu haben. Eine direkte Beteiligung konnte Peter nie nachgewiesen werden, aber der Verdacht blieb, zumindest bei notorischen FPÖ-Gegnern.

Hinzu kommt auch das sich auch Strache von den „Bad Guys“ stets fern hielt, schon alleine durch seinen Pro-Israel-Kurs, wobei sich Haider mit Saddam getroffen hatte und einen Gaddafi seinen „Freund“ nannte. Wie es aussieht sind deswegen auch Wahlkampfgelder in Millionenhöhe aus dem damaligen Irak und Libyien an Haider gefloßen. Den Pro-Saddam und Pro-Gaddafi-Kurs hatte Haider auch in Regierungszeiten aufrecht erhalten und da gerade forciert, damit aber auch die eigenen Minister vor den Kopf gestoßen.

Sellner mag nun darauf verweisen das Strache auch ein Ex-Neonazi war, was aber „egal“ sein wird, weil der Vizekanzler ist und Sellner kaum eine Machtposition besitzt, so kann ein FPÖ-Innenminister auch einem Sellner die Justiz auf den Hals hetzen, um Minister zu bleiben. Natürlich ist das gefährlich – weil ja Sellner der Kragen platzen könnte – da bei ihn ja ständig Gutmenschen-Journalisten nachfragen. Wegen der „Ehre“ wird er wohl nicht plaudern, könnte es aber dann theoretisch bezüglich „Kontakte“ zu hochrangingen FPÖ-Leuten, die angeblich „nie was“ mit ihm zu tun gehabt haben wollen.

Zum „Terrorismusvorwurf“ gegen Sellner lässt sich sagen das jener wohl nicht unrecht hat, das er nicht wissen konnte von wem er Geld annahm bzw. nicht was dieser an Verbrechen plante, wobei dieser pauschal an alle möglichen rechten Organisationen in Europa spendete – scheinbar hatte er Kohle und reiste auch gerne durch Europa.

In anderen Fällen neigte die FPÖ eher zur „Verharmlosung“. Der Sohn des FPÖ-Mininisters (Landesrat) in einem österreichischen Bundesland hatte in den 90ern „Kehle durschschneiden“ in einer Wehrsportübungen im Wald geübt. Der Minister Schimanek – der Vater – nannte dies „einen dummen jungen Streich“.

Siehe: https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_J%C3%B6rg_Schimanek_jun.#Herkunft_und_Familie

Sellner ist natürlich auch an sich selbst gescheitert, so hatte er versucht sich als „rechter Rudi Dutschke“ darzustellen und die Identitären als „rechte APO“, oder sich auf einmal auf einen Mandela bezog. Natürlich nur um in Kolumnen und Video-Podcasts einen „Sieg“ durch die „Kurz-Strache“-Regierung auszurufen, wobei die Idenitären nur deren „korrektiv“ seien. Ein Dutschke ist aber niemals auf die Idee gekommen, man habe „gewonnen“ und versucht sich in den linken Flügel des Systems einzubinden. Dies machten aber diejenigen die an Brandts „Integrationsangebot“ glaubten oder eben die Joschkas und Cohn-Bendits.

Ob Martin Sellner doch noch eine Strache-Karriere bevor steht, wissen wir nicht. Zumindest hat es auch ein Steinbrück zum Minister gebracht. Der wurde in jungen Jahren Opfer einer Wohnungsdurchsuchung, wegen angeblicher RAF-Unterstützung.

Bei Fischer bestand der Verdacht er habe eine Waffe für einen RAF-Terroristen in seinem Auto transportiert und der spätere Innenminister Schily hatte als RAF-Anwalt vor Gericht gemeint die RAF sei nicht als „Terrorgruppe“ zu sehen, sondern Historiker würden einst deren Gewalt als „Befreiung“ und „demokratisch legitim“ ansehen. Da waren aber die drei die später Minister werden sollten – neoliberal und transatlantisch – „linksradikal“ und dachten sich wohl kaum das sie mal später Minister der BRD werden würden. Zumindest nicht als System-Transatlantiker!

Sellners Großsprecherei wonach FPÖ und Kurz auf den Druck der Identitären reagiert
hätten ist natürlich Propaganda, die er selbst nicht mehr ganz glauben wird. Freilich haben auch die meisten in Österreich noch nie was von den Identitären was gehört – auch nicht die meisten Strache und Kurz-Wähler. Die offizielle Mitgliederliste gibt 517 „Mitglieder“ aus, was auf die BRD hochgerechnet dann immerhin 5000 wären (8 Millionen Österreicher- 80 Millionen Bundesbürger).

Mit der Dutschke-APO – weil Sellner so gere damit koketiert – lässt sich das auch nicht vergleichen, weil die ständig jeden Tag damals in der Presse als Ausgeburt des Bösen und Bürgerschreck vorkam. 68 wusste so gut wie jeder wer der „böse“ Dutschke und SDS sowie APO sein sollte – durch BILD und Sonstige.

Sellners neuere Meinung, wonach eben ÖVP und FPÖ keine „konservative Revolution“ darstellen, sondern Systemparteien, ist dann aber positiv zu werten. Die Frage ist aber eben auch welche inhaltlichen Konsequenzen sich daraus bei den Identitären ergeben.

Die ÖVP-FPÖ-Regierung dürfte nach Lage der Dinge auch ohne Sellners-Unterstützung durchregieren können. Die FPÖ kann auch auf „Aula“ und Identitäre verzichten, da die Opposition im Nationalrat schwach ist. Die Grünen flogen (ein Glück) aus dem Parlament, die SPÖ ist zerstritten in einen gutmenschlichen und einen patriotischen Flügel, die radikal neoliberalen und antinationalen Neos bleiben eine höchstens 5 Prozent Partei und die Partei um den patriotischen Grünen-Dissidenten Peter Pilz neigt zur Selbsterledigung (leider).

Die FPÖ hat bei Landtags- und Regionalwahlen ja auch bislang keine Stimmeinbußen zu vernehmen gehabt, sondern sogar leichte Zugewinne. Was einen Parteipolitiker wie Strache natürlich in seiner Meinung bestätigt die FPÖ könne „nicht nur Opposition, sondern auch Regierung“. Sellner ist jedenfalls mit dem „Andocken“ radikal gescheiter und die Frage bleibt ob es ihm möglich die Identitären neu als „Opposition“ auch gegen ÖVP-FPÖ zu positionieren. Man könnte hier Zweifel äußern!

Verfasser: Sozrev

Kommentiere oder hinterlasse ein Trackback: Trackback-URL.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: